Langsam aber sicher geht Dr. Watson dieser aufgeblasene Sherlock Holmes ziemlich auf den Keks. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn Holmes heißt in Wirklichkeit Reginald Kincaid, ist ein erfolgloser Schauspieler und wurde von Watson als Staffage angeheuert. Zunächst um seinen guten Ruf als Mediziner zu schützen und dann auch um die Beamten von Scottland Yard durch auffällige “Detektivarbeit“ abzulenken und es dem scharfsinnigen Watson zu ermöglichen in aller Ruhe seine Untersuchungen an den Tatorten vornehmen kann.
Doch als Watson dem trunksüchtigen Frauenheld Kincaid kündigt und versucht selbst eine Karriere als der “Kriminaldoktor“ zu beginnen, muss er schmerzlich feststellen, dass er ohne den “genialen“ Meisterdetektiv nicht ernst genommen wird. Zur Lösung eines ganz großen Falles um Mord und Fälscherei muss das ungleiche Duo sich doch noch einmal zusammen raufen…
Auch dem Autor Arthur Conan Doyle ging der Erfolg seiner literarischen Schöpfung Sherlock Holmes nach einigen Jahren ziemlich auf den Keks. Er versuchte sogar den Meisterdetektiv in einer Erzählung zu töten. Doch auf Wunsch der gewaltigen Fangemeinde schrieb Conan Doyle widerwillig weitere Abenteuer des Meisterdetektivs. Daher ist die Sherlock-Holmes-Variante, die dieser 1989 von Thom Eberhardt köstlich in Szene gesetzte Film präsentiert, nicht völlig abwegig.
Mit den geadelten Darstellern Michael Caine (der hier leider nicht von seinem markanten Stammsprecher Jürgen Thormann sondern von Hans-Werner Bussinger synchronisiert wurde) und Ben Kingsley konnte zudem noch eine Idealbesetzung verpflichtet werden. Genie & Schnauze ist somit ein opulent angerichtetes Festmahl für alle Freunde (und Gegner) von Sherlock Holmes.
Was Jeremy Brett, der ab 1984 in insgesamt 41 Episoden als Sherlock Holmes auftrat, für das Fernsehen war, ist Basil Rathbone für die Leinwand. Der zuvor auf elegante Schurkenrollen in Filmen wie Die Abenteuer des Robin Hood oderIm Zeichen des Zorro spezialisierte britische Darsteller spielte in 14 Kinofilmen den Meisterdetektiv. Diese Zusammenstellung enthält nicht nur die vier ersten, sondern wohl auch die interessantesten Sherlock-Holmes-Kinofilme mit Rathbone und Nigel Bruce, der als Dr. Watson von Film zu Film anscheinend immer trotteliger wurde.
Bei der recht werkgetreuen Verfilmung von Der Hund von Baskerville spielte das Detektivduo 1939 eher die zweite Geige und die aufwändige Produktion der 20th Century Fox war stärker an der Liebesgeschichte zwischen Richard Green (Sir Henry Baskerville) und Wendy Barrie (Beryl Stapleton) interessiert, die sehr viel glücklicher als in Arthur Conan Doyles Romanvorlage verläuft.
Doch Rathbone und Bruce überzeugten so stark, dass die Fox noch im selben Jahr Die Abenteuer des Sherlock Holmes folgen ließ. Der Film verfügt zwar über eine schöne viktorianische Atmosphäre, doch die sich eher an einem Theaterstück von William Gilette als an Conan Doyle orientierende Geschichte geriet reichlich wirr und weitere Kinofilme folgten erst einmal nicht.
Rathbone und Bruce traten daher erst einmal im Radio (in mehr als 300 Hörspielen) als Holmes und Watson auf. Doch 1942 beschlossen die Universal-Studios eine eigene Sherlock-Holmes-Reihe zu starten, die aus insgesamt 12 Filmen bestand. Hier ermittelten Holmes und Watson in der damaligen Gegenwart. In einer Szene von “Die Stimme des Terrors“ erinnert Dr. Watson Sherlock Holmes daher auch daran, dass dieser versprochen hatte nicht mehr seine typische Deerstalker-Mütze, sondern eine modischere Kopfbedeckung zu tragen.
In den ersten beiden Universal-Werken Die Stimme des Terrors und Die Geheimwaffe bekämpfen Holmes und Watson die größte Bedrohung des damaligen Englands: Die Nazis. Wir erfahren daher von Holmes auch folgende Neuigkeit: “Die Messerwerfer aus Hamburg sind weltberühmt.“
1913 schrieb der englische Autor Sax Rohmer seinen ersten von insgesamt 13 Romanen über den Superverbrecher Dr. Fu Man Chu (im Original Dr. Fu Manchu). Er orientierte sich dabei an den Sherlock-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle und beschwor die „gelbe Gefahr“ aus Fernost. Die diabolische Figur schlug ein und auch das Kino griff bereits Anfang der Zwanziger den asiatischen Schurken dankbar auf.
1932 spielte “Frankensteins Monster“ Boris Karloff den Part, während Myrna Loy die Rolle von Fah Lo See, der äußerst attraktiven Tochter von Fu Man Chu übernahm. Peter Sellers war 1980 in seinem letzten Film Das boshafte Spiel des Dr. Fu Man Chu zugleich als Schurke und als dessen Widersacher Nayland Smith zu sehen. Zwischendrin entstanden von 1965 bis 1968 fünf Filme, in denen Dracula Christopher Lee als angemessen bösartiger Fu Man Chu zu sehen war.
Lee hatte bereits fünf Jahre zuvor in der Hammer-ProduktionThe Terror of the Tongs mit Chung King, dem Anführer eines chinesischen Geheimbundes, eine ähnliche Rolle gespielt. Das Fu-Man- Chu-Quintett realisierte Harry Alan Towers zunächst als deutsch-britische Koproduktionen und später mit italienischer und spanischer Beteiligung. Towers hatte von Sax Rohmers Witwe nur die Rechte an dessen Charakteren aber nicht an den Inhalten der Romane erworben. Daher schrieb er unter dem Pseudonym Peter Welbeck die Drehbücher zu allen fünf Filmen.
Ich, Dr. Fu Man Chu (The Face of Fu Manchu) startete die Reihe und wurde von Don Sharp (Rasputin – The Mad Monk) inszeniert. Am Anfang des Films wird ein Doppelgänger von Fu Man Chu enthauptet, doch dieser ist noch ganz fidel und enführt einem von Walter Rilla gespielten deutschen Forscher, der ein Massenvernichtungsmittel im Angebot hat. Neben den Briten Christopher Lee und Nigel Green, der den Nayland Smith spielte, traten im Film auch die deutschen Stars Joachim Fuchsberger und Karin auf. Diese sollten in Westdeutschland die Fans der nach den Büchern von Edgar Wallace und Karl May entstandenen Filmreihen in die Kinos locken. Wie In allen fünf Filmen spielte hier die in China geborene Tsai Chin Fu Manchus Tochter Lin Tang.
Die Rechnung ging auf und schon ein Jahr später folgte Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu (The Brides of Fu Manchu). Der in Irland und England wurde wieder von Don Sharp inszeniert. Diesmal kidnappte Fu Man Chu die Töchter von bekannten Wissenschaftlern, damit diese ihm eine Wunderwaffe bauen. Den Nayland Smith spielte diesmal von Douglas Wilmer gespielt und außerdem waren Heinz Drache, Harald Leipnitz und “Winnetous Schwester“ Marie Versini dabei.
Die Rache des Dr. Fu-Man-Chu (The Vengeance of Fu Manchu) drehte 1967 der TV-Regisseur Jeremy Summers. Erstmals wurde “vor Ort“ in Hong Kong in den Studios der Shaw Brothers gedreht. Auch diesmal hat Fu Man Chu einen teuflischen Plan im Angebot und will die die Polizeichefs in aller Welt durch hypnotisierte Doppelgänger ersetzen. Nayland Smith wurde wieder von Douglas Wilmer gespielt und aus Deutschland waren Horst Frank und Wolfgang Kieling dabei. Die recht aufwändig produzierten ersten drei Filme der Reihe sind deutlich besser gelungen als der Rest.
Die letzten beiden Filme Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu(The Blood of Fu Manchu) und Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu (The Castle Of Fu Manchu) hat hingegen der Trash-Filmer Jess Franco (Nachts, wenn Dracula erwacht) sehr hurtig in Szene gesetzt. Doch es soll auch gesagt werden, dass Francos bunten und psychedelischen Bilder durchaus ihren Reiz haben. Nachdem Harry Alan Towers Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu, den fünften und letzten Film der Reihe gesehen hatte, soll er zu Jess Franco gesagt haben: „Dir ist etwas gelungen, was noch keiner vor Dir geschafft hat: Du hast Fu Man Chu getötet!“
Bei Filmjuwelen sind alle fünf Filme zunächst 2019 in einer DVD-Edition erschienen. 2024 folgte eine optimal zusammengestellte Blu-ray-Edition mit allen fünf Filmen, deutschsprachigen Audiokommentaren von Rolf Giesen und haufenweise Bonusmaterial, wie Analysen von britischen Filmexpertzen wie Christopher Frayling, Kim Newman und Jonathan Rigby, sowie sehr gut reastaurierte Stummfilme mit Fu Man Chu aus den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts.
Aktuell wurden ebenfalls bei Filmjuwelen ausgerechnet die beiden letzten Fu-Man-Chu-Filme von Jess Franco als edel aufgemachte Collector’s Editions mit Mediabook, Blu-ray und bildtechnisch optimierter 4K Ultra HD veröffentlicht.
Dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes wird eine Geistergeschichte um einen monströsen und im Dunkeln leuchtenden Höllenhund aufgetischt, der im nebeligen Dartmoore herumspuken soll. Holmes glaubt (ganz im Gegensatz zu seinem Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle) nicht an das Übernatürliche und geht der Sache gemeinsam mit seinem treuen Helfer Dr. Watson vor Ort auf den Grund.
Von den vier Sherlock-Holmes-Romanen, die Sir Arthur Conan Doyle neben 56 Kurzgeschichten zwischen 1887 und 1927 verfasste, ist Der Hund von Baskerville mit Abstand am populärsten. Dies schlägt sich auch in einer beeindruckenden Liste von Verfilmungen nieder. Zahlreiche Darsteller wie Basil Rathborne, Stewart Granger, Jeremy Brett und Benedict Cumberbatch haben schon den im Dunkeln leuchtenden Hund bekämpft.
Nach seinen großen Erfolg mit Frankensteins Fluch und Draculaversuchte sich die englischenHammer Film Productions an diesem Stoff. Für den ersten Farbfilm mit Sherlock Holmes wurde wieder das Erfolgstrio mit Regisseur Terence Fisher sowie den Darstellern Peter Cushing und Christopher Lee verpflichtet.
Es verwunderte etwas, dass Cushing den Meisterdetektiv spielte, während Lee die undankbarere Rolle des Sir Henry Baskerville erhielt. Dies war einer der wenigen Auftritte, in der Lee auch romantische Gefühle (für die Italienerin Marla Landi) darstellen musste. Nicht unerwähnt bleiben soll André Morell, der Doktor Watson nicht – wie es häufig der Fall war – als Trottel, sondern als engagierten Unterstützer von Holmes porträtierte. Es entstand eine stilvolle Version, die – wie bei Hammer nicht anders zu erwarten – den Horroraspekt verstärkt herausarbeitete.
Der Hund von Baskerville war zwar ein Erfolg, doch leider gab es keine weiteren Auftritt von Sherlock Holmes, angeblich weil es keine weiteren Vorlagen von Conan Doyle gab, die zu Hammers Horror-Image passen. Peter Cushing spielte anschließend den Meisterdetektiv in einer BBC-Serie. Auch Christopher Lee hatte danach Auftritt als Sherlock Holmes, etwa 1962 unter der Regie von Terence Fisher in der deutsch-italienisch-französischen Produktion Sherlock Holmes und das Halsband des Todes. Kurios ist, dass Lee auch noch als Holmes´ Bruder Mycroft in Billy Wilders Das Privatleben des Sherlock Holmeszu sehen war.
Nachdem die DVD-Edition von Der Hund von Baskerville recht unbefriedigend ausgefallen ist, liegt der Film bei NSM Records auch als Blu-ray vor. In England ist eine prachtvoll ausgestattete Blu-ray-Edition erschienen. Hier die darauf enthaltenen Extras: Audiokommentar mit den Hammer-Experten Marcus Hearn and Jonathan Rigby, Doku “Release the Hound!“ (30:20 min), Bericht über André Morell (19:43 min),
“The Many Faces of Sherlock Holmes“ – Eine Doku, die 1986 als Werbung für Young Sherlock Holmes: Das Geheimnis des verborgenen Tempels entstanden ist und von Christopher Lee moderiert wird (46:04 min), “Actor s Notebook“- Christopher Lee erzählt von den Dreharbeiten (12:59 min), Christopher Lee liest Auszüge aus Der Hund von Baskerville (14:36 min + 6:24 min), Englischer Trailer in Schwarzweiß (1:59 min), Sehr schön zusammengestellte Galerie mit 146 Bildern, 28 seitiges Booklet
Das Massenblatt Bild machte 2005 in seinen Ausgaben mit Otto Waalkes und täglichen Comics mächtig Werbung für seine 12-bändige Comic-Bibliothek, die am 1. August gestartet wurde und im Wochentakt erschienen. Eigentlich sind diese gebundenen Bände, die für nur 5 Euro 160 farbige Seiten von ausgewählten Comicklassikern präsentieren, eine prima Idee. Doch leider waren die Bücher meist nicht dort erhältlich, wo die Bild-Zeitung verkauft wurde.
Als Band 6 der Bild-Comic-Bibliothek war Conan angekündigt. Wer sich Abenteuer mit muskulösen Barbaren erhoffte, war sicherlich etwas enttäuscht, als er einen kleinen Jungen mit Sherlock-Holmes-Mütze auf der Rückseite des Buches abgebildet sah. Geboten wird der Manga Detektiv Conan, der stilecht von hinten nach vorne zu lesen ist. Hier geht es um den 16-jährigen Meisterdetektiv Shinichi Kudo, der durch ein seltsames Gift in einen sechsjährigen Jungen verwandelt wird. Er nennt sich nun Conan (nach seinem Lieblingsautor Sir Arthur Conan Doyle) und lebt fortan unerkannt im Hause seiner Freundin, deren Vater praktischerweise auch noch ein erfolgloser Privatdetektiv ist.
Geboten werden die ersten 18 Fälle der Serie. Gosho Aoyamas schwarzweiße Grafik kommt im größeren Format besser zur Geltung als in den Taschenbüchern. Detektiv Conan ist keine schlechte Serie, doch als einzige Manga-Serie innerhalb der Bild-Comic-Bibliothek (die FAZ-Reihe Klassiker der Comic-Literaturverzichtet ganz auf Mangas) wäre vielleicht die ebenfalls bei Egmont-Ehapa erschienene und deutlich originellere Serie Ranma ½ die bessere Wahl gewesen.
Schon immer habe ich Anthologien geliebt. Anthologien sind wie Wundertüten oder eine Packung Haribo Colorado (man verzeihe mir die Schleichwerbung): Es ist für jeden etwas dabei. Wo man bei einem Roman auf Gedeih und Verderb mit ein und demselben Autor bis zum bitteren Ende auskommen muss, bietet die Anthologie – und ganz besonders: Die Horror-Anthologie! – kurzweilige Abwechslung.
Flug und Angst (im Original: Flight Or Fright) ist so ein Glücksfall- und gehörte zu meiner Urlaubslektüre 2019. Herausgegeben von Stephen King und Bev Vincent versammelt dieses Buch Stories namhafter Autoren der Vergangenheit und Gegenwart unter dem Motto: Angst verleiht Flügel (oder andersrum).
Darunter finden sich antike Schätze (Das Grauen der Höhe von Arthur Conan Doyle; Die Flugmaschine von Ray Bradbury oder Alt werden sie nicht von Roald Dahl oder Richard Mathesons sehr beeindruckend für die TV-Serie Twilight Zone verfilmte Erzählung Alptraum auf 20.000 Fuß ) aber auch Neues, exklusiv für die Anthologie Geschriebenes (wie Stephen Kings Ein Fachmann für Turbulenzen und Freigabe erteilt von Joe Hill) und sogar ein Gedicht des bekannten amerikanischen Lyrikers und Romanciers James Dickey (sehr eindringlich: Im Fall).
In einer Einleitung von Stephen King (der mit Langoliers Anfang der 90er-Jahre einen ganzen Roman dem Thema Flugzeughorror widmete) erfahren wir etwas über seine eigenen Ängste im Umgang mit den fliegenden Stahlkolossen und wie er durch einen Beinahe-Unfall Schließlich darüber hinwegkam. Abgerundet wird das ganze durch ein Nachwort des Mitherausgebers Bev Vincent (der mit Zombies im Flugzeug auch selbst eine Geschichte beigesteuert hat, die laut eigener Aussage stark von dem Film Snakes On A Plane inspiriert wurde).Das Nachwort schließt mit der Bitte ab, einen jeden, der dieses Buch in einem Flugzeug sitzend zur Hand nimmt zu fotografieren und dieses Foto an die Herausgeber zu schicken.
Fazit: Alles in allem eine hochkarätige, sehr abwechslungsreiche Anthologie, die einmal wieder beweist: In der Kürze liegt die Würze.
In den Sherlock-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle taucht seit dem ersten Roman Eine Studie in Scharlachrotimmer wieder eine Bande von Straßenjungs auf, die kleine Aufträge für den Meisterdetektiv übernimmt. Diese erhielt den Namen Baker Street Irregulars (so nennt sich auch eine 1934 gegründete Vereinigung von besonders enthusiastischen Holmesianern) und stand u. a. im Mittelpunkt von zwei BBC-Serien.
Bei Conan Doyle führte die Bande ein gewisser Wiggins an, dessen Vornamen der Autor jedoch für sich behielt. In der von Jean-Blaise Djian (Der große Tote) und Olivier Legrand getexteten Serien sind Billy, Charlie und Black Tom (die im Laufe der Geschichte zum Quartett ergänzt werden) dicke Freunde. Sie assistieren zwar Sherlock Holmes, sind aber auf sich alleine gestellt als Black Toms Freundin gekidnappt wird und im Londoner Halbwelt-Milieu zu verschwinden droht…
Genau wie Guy Ritchie mit seinem Kinofilm Sherlock Holmes mit Robert Downey Jr. (in dem ebenfalls die fast fertige Londoner Tower Bridge gezeigt wurde) gelang den Comic-Autoren und dem sehr detailfreudig arbeitenden Zeichner David Etien mit Die Vier von der Baker Street (Spirou präsentiert Rummelsdorf) eine ebenso moderne wie visuell aufregende Neuinterpretation, die respektvoll mit Conan Doyles Schöpfung umgeht und durch ihre rasante Erzählweise sowie die sympathischen Hauptfiguren großen Spaß macht.
Zwar scheint Sherlock Holmes in Kino, TV und Literatur auch 85 Jahre nach dem Tode seines Schöpfers Arthur Conan Doyle unsterblich zu sein, doch dieser Film versucht zu zeigen wie das Leben des Meisterdetektivs zu Ende gegangen sein könnte.
Wie bereits bei Conan Doyle hat sich der 93-jährige Mr. Holmes 1947 auf einem Landsitz in Sussex zurückgezogen um Bienen zu züchten. Zugleich denkt er aber auch über seine letzten Fälle nach. Er sinniert über einen von ihm zwar gelösten aber tragisch ausgehenden Fall, den er 1919 bearbeitete, nachdem Dr. Watson ihn verlassen hatte. Seine Gedanken kehren aber auch immer wieder zu einer Angelegenheit zurück, für die er kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Japan reiste.
Holmes versucht seinen letzten Fall – ganz im Gegensatz zu den von Dr. Watson verfassten Phantastereien – so wahrheitsgemäß wie möglich zu Papier zu bringen. Dies will ihm nicht so recht gelingen, doch das Interesse dass Roger, der Sohn seiner Haushälterin, an seinem Text vitalisiert ihn.
Regisseur Bill Condon hatte bereits 1998 in Gods and Monstersmit Ian McKellen zusammengearbeitet. Damals spielte dieser den alternden an seinem Leben zweifelnden Regisseur James Whale, dem es nicht gelang an dem Erfolg seines legendären Frankenstein-Films mit Boris Karloff anknüpfen zu können. Als “Mr. Holmes“ spielt McKellen ebenfalls einen einst sehr erfolgreichen Menschen, der sich zurückgezogen hat. Doch zusätzlich wird ihm noch die Möglichkeit gegeben verschiedene Lebensphasen von Sherlock Holmes darzustellen und zu vermitteln warum er sich nicht mehr dem Lösen von Kriminalfällen widmen mochte.
Nicholas Rowe
Dabei kommt es zu einem köstlichen Moment, der allen Freunden des Meisterdetektivs viel Freude bereiten dürfte. Es wird gezeigt, wie sich McKellen als Mr. Holmes im Kino mit einer Mischung aus Amüsement und Ekel die nicht an der “Wirklichkeit“ orientierte Verfilmung eines seiner Fälle ansieht In diesen schwarzweißen Film im Film ist als Sherlock Holmes Nicholas Rowe zu sehen, der diese Rolle bereits 1985 in der Spielberg-Produktion Das Geheimnis des verborgenen Tempels spielte. Auch ansonsten gibt es allerlei kleine Anspielungen auf den Holmes-Mythos. In erster Linie jedoch handelt der Film von einem Menschen, der an seinem Lebensende über sein Tun aber auch sein Lassen nachdenkt und daraus ein paar durchaus logische Schlussfolgerungen zieht.