Der Motor hinter dem Projekt ist als Co-Produzent der 2012 für The Artist mit dem Hauptrollen-Oscar prämierte Franzose Jean Dujardin, der sich bereits 2016 für seine Titelrolle als Mein ziemlich kleiner Freund per Filmtrick auf eine Größe von 1,36 m schrumpfen ließ. Als Der Mann, der immer kleiner wurde ist ein Ende seiner Reise in den Mikrokosmos nicht abzusehen.
Dujardin spielt den Bootsbauer Paul, der glücklich mit Frau und Tochter in einem schönen Haus an der französischen Küste lebt. Beim Schwimmen im Ozean wird er mit einem seltsamen Loch in den Wolken konfrontiert. In den nächsten Monaten beginnt er unaufhaltsam zu schrumpfen und ist schließlich so klein, dass seine Familie ihn nicht mehr finden kann. Stattdessen hat ihn eine Spinne als fette Beute auserkoren…
Regie und Drehbuch sind bei Jan Kounen(Dobermann, Blueberry und der Fluch der Dämonen) in guten Händen und die Spezialeffekte, die immer wieder digitale Updates zu Schlüsselszenen aus Jack Arnolfs Klassiker liefern, können angemessen beeindrucken. Doch auch der schwarzweiße Originalfilm funktioniert immer noch sehr gut.
Jack Arnold erzählte seine Geschichte 1957 kompakt und spannend in 81 Minuten. Obwohl Jan Kounens Film zwanzig Minuten länger ist, wurden einige Szenen aus dem Original weggelassen. So gelingt es den Wissenschaftlern in der Neuverfilmung nicht, zumindest für kurze Zeit den Schrumpfprozess von Monsieur C. zu aufzuhalten, und dessen Romanze mit einer kleinwüchsigen Zirkusartistin wurde auch weggelassen.
Das Remake hat von Anfang an einen melancholischen Grundton, denn Dujardin als Monsieur C. fühlt sich gleich in der ersten Szene beim Schwimmen im Ozean „ganz klein“ und arangiert sich daher recht rasch mit seinem Schicksal. Dies beschert dem Film einige Längen, die nicht immer durch die Opulenz der Inszenierung aufgefangen werden. Freunde des Originals kommen dennoch auf ihre Kosten.
Die Blu-ray von Leonine enthält als Extras ein ausführliches Making Of (39:06 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln) und den deutschen Trailer (1:43 min)
Jack Arnold drehte 1953 mit Gefahr aus dem Weltall nicht nur den ersten 3D-Film der Universal Studios, sondern startete damit auch eine Reihe von Klassikern des phantastischen Films. Ebenfalls in 3D folgten Der Schrecken vom Amazonas und die Fortsetzung Die Rache des Ungeheuers. 1955 drehte Arnold den Riesenspinnen-Thriller Tarantula und ließ zwei Jahre später sein absolutes Meisterwerk folgen.
Bereits der Vorspann mit dem unvergesslichen Trompetensolo von Ray Anthony und der immer kleiner werdenden menschlichen Silhouette deutet an, dass gleich etwas ganz Besonderes folgen wird.
Ebenfalls im Vorspann zu sehen ist eine sich auf das Publikum zubewegende seltsame Wolke und mit dieser beginnt dann auch Die unglaubliche Geschichte des Mister C. Scott Carey (Grant Williams) unternimmt zusammen mit seiner Ehefrau Louise einen Bootsausflug. Mit sanftem Druck besteht dieser darauf, dass Louise ihm ein Bier aus der Kombüse holt.
Wenn diese stattdessen an Deck geblieben wäre, hätte sich die Geschichte wahrscheinlich ganz anders entwickelt, denn nur Mister C. ist der mysteriösen am Boot vorüberziehenden Wolke ausgesetzt und das hat fatale Folgen. In den nächsten Wochen wird Scott immer kleiner und selbst den besten Wissenschaftlern gelingt es lediglich für kurze Zeit den Schrumpfprozess zu stoppen.
Doch dann wird er endgültig zum “Incredible Shrinking Man“ (so der Originaltitel des Films). Für kurze Zeit zieht Scott in ein Puppenhaus, doch dann wird er so winzig, dass Louise ihn nicht mehr wahrnehmen kann. Die Hauskatze und kurz darauf eine Spinne werden zur lebensgefährlichen Bedrohung für ihn.
Zum Abschluss muss ich spoilern, denn im Gegensatz zu den vorherigen phantastischen Filmen von Jack Arnold, gibt es diesmal kein Happy End. Genau wie in der Romanvorlage von Richard Matheson, der auch das Drehbuch schrieb, schrumpft Mister C. immer weiter. Am Ende des Films lässt er sich mit gewachsenem Selbstbewusstsein und großer Gelassenheit auf das Abenteuer Mikrokosmos ein.
2025 entstand in Frankreich unter dem Titel Der Mann, der immer kleiner wurde (L’Homme qui rétrécit) eine aufwändig produzierte Neuverfilmung mit Jean Dujardin in der Titelrolle, die trotz ihrer sorgfältigen Machart nicht bei Jack Arnolds Klassiker mithalten kann.
Bonusmaterial der Blu-ray von Universal: Interview mit Regisseur Jack Arnold (11:52 min, wahlweise mit deutsch eingesprochener Übersetzung), Deutsche Super-8-Fassung (16:39 min), US- Super-8-Fassung (7:54 min); Teaser-Trailer (0:39 min, mit der Erzählerstimme von Orson Welles), US-Trailer (2:00 min, ebenfalls mit der Erzählerstimme von Orson Welles) und eine Bildergalerie mit 94 Werbematerialien.
In der ersten Hälfte der 60er-Jahre drehte der für seine billigen B-Pictures wie The Little Shop of Horror oder Das Vermächtnis des Professor Bondi bekannte Roger Corman acht Filme, die mehr oder minder auf den Werken von Edgar Allan Poe basierten.
Blu-ray-Cover von Timo Wuerz
Diese wurden in prächtigen Farben und imposanten Kulissen fast immer mit Vincent Price in Szene gesetzt. Der morbide Charme und die stilvolle Machart dieser in vergangenen Zeiten spielenden Filme kann locker bei den zeitgleich entstandenen legendären britischen Horror-Klassikern der britischen Hammer-Studios mithalten.
1960 entstand mit Die Verfluchteneine recht freie Interpretation von Poes Erzählung Der Untergang des Hauses Usher. Erzählt wird, wie Philip Winthrop (Mark Damon) seine Verlobte Madeline (Myrna Fahey) in ihrem abgelegenen Elternhaus besuchen will. Deren Bruder Roderick Usher (Vincent Price) ist dies gar nicht recht und er behauptet, dass auf Madeline ein Familienfluch lastet. Philip lässt sich nicht abweisen und erlebt schreckliche Dinge in dem düsteren Herrenhaus.
Roger Corman stand mit 300.000 Dollar ein für seine Verhältnisse beachtliches Budget zur Verfügung. Dennoch ließ er keine Möglichkeit aus, um den Film teurer aussehen zu lassen, als er tatsächlich war. So drehte er die Szene als Philip durch eine trostlose karge Landschaft zum Familiensitz reitet in einem Gebiet, in dem gerade ein Waldbrand stattgefunden hat.
Wenn (Vorsicht, Spoiler!) am Ende das House of Usher abbrennt, war dies in Wirklichkeit eine Scheune, die angerissen werden sollte. Corman gab dem Besitzer 50 Dollar und durfte das Gebäude vor laufender Kamera abfackeln…
Das Bonusmaterial der Blu-ray von Die Verfluchten enthält ein interessantes Gespräch mit Mark Damon, der für seine Darstellung des Philip Winthrop einen Golden Globe erhalten hat und erzählt, dass er es war, der gemeinsam mit Roger Corman eine Schauspielschule besuchte, die Idee mit den Poe-Verfilmungen hatte. Er beschreibt Corman als sehr nervösen Regisseur und fragte oftmals den Kameramann Floyd Crosby, ob seine schauspielerische Leistung in Ordnung war.
Nachdem Die Verfluchten sehr erfolgreich in den Kinos lief, drehte Corman ein Jahr später gleich zwei weitere Poe-Verfilmungen. In Das Pendel des Todesagierte Vincent Price an der Seite von Barbara Steele, die ein Jahr zuvor durch Mario Bavas Die Stunde, wenn Dracula kommt zur Horror-Ikone wurde. Doch der Film gehört ganz und gar Price, der scheinbar nahtlos vom Gepeinigten zum Peiniger wird.
Price spielt diesmal den spanischen Edelmann Don Nicholas Medina, der ein auf den Klippen am Meer gelegenes Schloss bewohnt. Er erhält Besuch von Francis Barnard (John Kerr), dem Bruder seiner gerade verstorbenen Ehefrau Elisabeth. Einst hatte der Vater von Don Nicolas seine untreue Ehefrau lebendig eingemauert. Hat die ebenfalls zum Ehebruch neigende Elisabeth ein ähnliches Schicksal erlitten?
Die Blu-ray von Das Pendel des Todes erhält als Bonus noch einen fünfminütigen Prolog, der sieben Jahre nach der Premiere mit der Darstellerin Luana Anders gedreht wurde, um den Film für die TV-Ausstrahlung zu verlängern.
Ebenfalls 1962 drehte Corman mitLebendig begraben seinen einzigen Poe-Film ohne Vincent Price. Die Hauptrolle übernahm Ray Milland, der für Billy Wilders Das verlorene Wochenende einen Oscar erhalten hat und etwas zurückhaltender als Price agierte.
Milland spielte den wohlhabenden Guy Carrell, der Angst davor hat, genau wie sein Vater lebendig begraben zu werden. Natürlich passiert genau dies, doch der Film hat noch einige Überraschungen zu bieten.
Die Blu-ray von Lebendig begraben enthält ein interessantes Interview mit Roger Corman, der davon erzählt, wie er den Film zunächst selbst produzieren wollte, aber dann doch wieder bei AIP landete.
Anschließend drehte Corman noch den Episoden-Film Schwarze Geschichten – Der grauenvolle Mr. Xund danach er den Eindruck, dass er sich innerhalb seiner Poe-Reihe ständig wiederholen würde und schlug einen etwas anderen Weg ein. Er bat den Autor Richard Matheson auf der Grundlage des Gedichts Der Rabeeine Horror-Komödie zu schreiben. Dennoch wurde der Film so beworben, als wenn es eine weitere auf Schocks setzenden Poe-Verfilmung wäre.
Die Besetzung von Der Rabe ist besonders glanzvoll ausgefallen. An der Seite von Vincent Price sind diesmal Boris Karloff, Peter Lorre und ein junger aufstrebender Darsteller namens Jack Nicholson zu sehen. Price spielt den Zauberer Craven, der um seine verstorbene Frau Lenore trauert und Besuch von seinem Kollegen Bedlo (Lorre) erhält, der vom bösen Magier Dr. Scarabus in einen Raben verwandelt wurde. Es kommt zu einem Duell der Zauberer…
Das Resultat schlägt einen etwas freundlicheren Grundton an, als die vorherigen Poe-Filme. Roger Corman stellte Der Rabe schneller als erwartet fertig und war daher der Meinung, dass Boris Karloff ihm noch zwei Drehtage “schuldete“.
Diese forderte er ein, um mit ihm (und Jack Nicholson) in Windeseile den angeblich auch auf Poe basierenden The Terror zu drehen. Dieser Film wiederum spielt eine gewisse Rolle in Peter Bogdanovichs Targets – Bewegliche Ziele, der ebenfalls zustande kam, weil Corman erneut zwei ihm seiner Meinung noch zustehende Drehtage bei Karloff eintrieb.
Auch die Blu-ray von Der Rabe verfügt über einige interessante Extras. Dazu gehören Interviews mit Corman und Richard Matheson, sowie der Inhalt der zum Film veröffentlichten Schallplatte „The Voice of Edgar Allan Poes The Raven“, auf der Karloff, Price und Lorre zu hören sind.
Den Abschluss der Reihe bildeten der eigentlich auf dem Roman Der Fall Charles Dexter Ward von H. P. Lovecraft basierende Die Folterkammer des Hexenjägers, sowie die in England gedrehten Filme Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie und Das Grab der Lygeia.
Eigentlich sollte ein neues Wundermittel den Krebs endgültig besiegen. Doch dies ging völlig nach hinten los und eine Seuche raffte fast die komplette Menschheit dahin. Als scheinbar einzige Einwohner von New York sucht der Elitesoldat und Wissenschaftler Robert Neville gemeinsam mit seinem treuen Hund nach Artgenossen und Auswegen. Er macht jedoch eine erschreckende Entdeckung…
Richard Mathesons Novelle I Am Legend wurde bereits zweimal verfilmt. 1964 als The Last Man on Earth mit Vincent Price und 1971 als Der Omega-Mann mit Charlton Heston (außerdem inoffiziell als I Am Omega mit Mark Dacascos).
Die 2007 entstandene Neuverfilmung von Francis Lawrence (Constantine) mit Will Smith setzt anfangs stark auf Realismus und zeigt beeindruckende Aufnahmen eines menschenleeren New Yorks. Auf den nahezu unbefahrenen Straßen hat das Unkraut den Asphalt gesprengt und entflohene Zootiere jagen im Central Park Damwild. Diese Bilder machen jedoch seltsamerweise kein bisschen depressiv (oder gar nachdenklich), sondern laden eher zum Bewundern der tricktechnischen Meisterschaft und der zahllosen phantasievoll ausgesponnenen Details ein.
Wenn der von Will Smith bewährt zupackend und sympathisch verkörperte Held vor diesen beeindruckenden Kulissen sehr viel weniger gegen seine Einsamkeit als gegen eine Horde Vampire ankämpft, hat der Film – bei aller optischer Wucht – sein Potential als halbwegs glaubhafte (Anti-) Utopie komplett verspielt. Als spannendes Popcorn-Kino geht I Am Legend jedoch voll in Ordnung!
Schon immer habe ich Anthologien geliebt. Anthologien sind wie Wundertüten oder eine Packung Haribo Colorado (man verzeihe mir die Schleichwerbung): Es ist für jeden etwas dabei. Wo man bei einem Roman auf Gedeih und Verderb mit ein und demselben Autor bis zum bitteren Ende auskommen muss, bietet die Anthologie – und ganz besonders: Die Horror-Anthologie! – kurzweilige Abwechslung.
Flug und Angst (im Original: Flight Or Fright) ist so ein Glücksfall- und gehörte zu meiner Urlaubslektüre 2019. Herausgegeben von Stephen King und Bev Vincent versammelt dieses Buch Stories namhafter Autoren der Vergangenheit und Gegenwart unter dem Motto: Angst verleiht Flügel (oder andersrum).
Darunter finden sich antike Schätze (Das Grauen der Höhe von Arthur Conan Doyle; Die Flugmaschine von Ray Bradbury oder Alt werden sie nicht von Roald Dahl oder Richard Mathesons sehr beeindruckend für die TV-Serie Twilight Zone verfilmte Erzählung Alptraum auf 20.000 Fuß ) aber auch Neues, exklusiv für die Anthologie Geschriebenes (wie Stephen Kings Ein Fachmann für Turbulenzen und Freigabe erteilt von Joe Hill) und sogar ein Gedicht des bekannten amerikanischen Lyrikers und Romanciers James Dickey (sehr eindringlich: Im Fall).
In einer Einleitung von Stephen King (der mit Langoliers Anfang der 90er-Jahre einen ganzen Roman dem Thema Flugzeughorror widmete) erfahren wir etwas über seine eigenen Ängste im Umgang mit den fliegenden Stahlkolossen und wie er durch einen Beinahe-Unfall Schließlich darüber hinwegkam. Abgerundet wird das ganze durch ein Nachwort des Mitherausgebers Bev Vincent (der mit Zombies im Flugzeug auch selbst eine Geschichte beigesteuert hat, die laut eigener Aussage stark von dem Film Snakes On A Plane inspiriert wurde).Das Nachwort schließt mit der Bitte ab, einen jeden, der dieses Buch in einem Flugzeug sitzend zur Hand nimmt zu fotografieren und dieses Foto an die Herausgeber zu schicken.
Fazit: Alles in allem eine hochkarätige, sehr abwechslungsreiche Anthologie, die einmal wieder beweist: In der Kürze liegt die Würze.
Auf eine Disney Produktion über Roboter-Boxkämpfe hat die Welt ganz sicher nicht gewartet. Dass die mechanischen Kampfungetüme bei einer 110 Millionen Dollar Produktion recht gut funktionieren werden, daran bestand kaum Zweifel, aber funktioniert deshalb auch der Film? Eigentlich dürfte das nicht der Fall sein.
Der in einer nahen Zukunft angesiedelte Real Steel basiert auf einer bereits 1963 in der klassischen TV-Serie The Twilight Zone mit Lee Marvin verfilmten Kurzgeschichte von Richard Matheson. Der Film erzählt vom ehemals erfolgreichen Boxer Charlie Kenton, der mit einem alten Kampfroboter über ländliche Jahrmärkte tingelt und diesen gegen Preisbullen antreten lässt, um halbwegs über die Runden zu kommen.
Das ganz große Geld wittert Charlie, als die Schwester seiner verstorbenen Frau seinen von ihm völlig vernachlässigten Sohn Max adoptieren möchte. Da diese mit einem Krösus verheiratet ist, interessiert sich Charlie plötzlich scheinbar für Max und in der Hoffnung auf eine hohe “Ablösesumme“ verbringt er Zeit mit dem knapp 10-jährigen Jungen. Dieser ist ein großer Fan von Roboter-Boxkämpfen und entdeckt auf einem Schrottplatz den Sparring-Roboter ATOM. Max päppelt diesen hoch und ATOM gewinnt zahlreiche kleinere Boxkämpfen, was ihm für einen großen Fight qualifiziert. Doch Charlie ist eher am schnellen Geld interessiert und plant ATOM noch vor dem Kampf an die gegnerische russisch-japanische (!) Konkurrenz zu verkaufen…
Kommt es doch noch zum großen Kampf, vielleicht sogar gegen den Super Champion ZEUS? Werden die sich zunächst bekämpfenden Charlie und Max am Ende des Filmes ein gutes Vater-Sohn-Gespann? Tja, da möchte ich nicht zuviel verraten, aber ich bin ziemlich sicher, dass Real Steel ohne Hugh Jackman in der Hauptrolle ein seelenloses Hightech-Spektakel mit Lowtech-Story wäre. Okay, Dakota (so heißen anscheinend weibliche und männliche Kinderstars) Goyo nervt als Sohnematz kaum und Evangeline Lilly (Ant-Man) war schon taff und sexy in Lost. Doch erst die Menschlichkeit bzw. Starqualität von Jackman gibt dem ganzen Roboterkampf-Quatsch ein Herz.
Am 19. Juni 1964 ging ein Stück TV-Geschichte zu Ende. Im US-Fernsehen lief mit The Bewitchin‘ Pool die letzte Episode der einflussreichen SerieThe Twilight Zone und diese endete nicht damit, dass der Showrunner Rod Serling dem Publikum erzählte, was es nächste Woche zu erwarten hatte. Dem Sender CBS waren das Budget zu hoch und die Quoten zu niedrig. Serling, der 92 der insgesamt 156 Episoden geschrieben hatte, bekam ein Angebot von ABC, lehnte dies jedoch ab, da die dort geplante Serie zu horror-lastig ausfallen sollte. Von 1970 bis 1973 produzierte Serlin schließlich die ähnlich gelagerte in Farbe gedrehte Serie Night Gallery.
Mit dieser schön aufgemachten Edition liegt The Twilight Zone komplett auf DVD und Blu-ray vor. Die Episoden beginnen mit einem beeindruckenden Vorspann mit schwebender Tür und markanter Titelmelodie. Obwohl die schwarzweißen Episoden der fünften Season aus den Jahren 1963 und 1964 stammen, haben sie sich erstaunlich gut gehalten. Das liegt daran, dass hier richtige 25-minütige Spielfilme entstanden sind. Unter den Regisseuren befinden sich Hollywood-Veteranen wie Don Siegel oder Richard Donner. In fast jeder Episode sind prominente Darsteller wie Lee Marvin, James Coburn, Jack Klugman, Telly Savalas. Martin Landau oder Mickey Rooney zu sehen. Die Soundtracks komponierten Filmmusik-Maestros wie Bernard Herrmann oder Jerry Goldsmith, deren Arbeiten auf dieser Edition auch als isolierte Tonspur genossen werden können.
Ros Serling und Robby
Auch unter den 36 Episoden der letzten Staffel befinden sich einige echte Highlights. Am bekanntesten dürfte wohl die Geschichte Nightmare at 20,000 Feet (Porträt eines ängstlichen Mannes) sein. In dieser Episode will während eines stürmischen Flugs keiner seiner Mit-Passagiere William Shatner glauben will, dass sich ein Dämon auf der Tragfläche des Flugzeuges befindet. Diese Geschichte wurde 1983 für den Twilight Zone-Kinofilm (deutscher Titel Unheimliche Schattenlichter) von Mad Max-Regisseur George Miller neu verfilmt. Aktuell wurde diese Geschichte in Sharknado 2 – The Second One recht amüsant parodiert und im neuseeländischen Spielfilm Shadow in the Cloudamüsant variiert.
Nightmare at 20,000 Feet
Die Episode Living Doll (Die Rache der Puppe, hierzu enthält die Edition zwei deutsche Tonspuren) dürfte die Filmreihe um die Horror-Puppe Chucky inspiriert haben, während das von Richard Matheson geschriebene Roboter-Box-Drama Steel (Ein Halbschwergewicht aus Stahl) 2011 Grundlage für den Kinofilm Real Steelmit Hugh Jackman war. Ein sehr interessanter Fremdkörper ist die Episode An Occurrence at Owl Creek Bridge. Diese wurde nicht eigens für die Serie gedreht, sondern es handelt sich um den Oscar-prämierten französischen Kurzfilm La Rivière du hibou, der sehr kunstvoll und fast wortlos von Robert Enrico (Die Abenteurer) nach einer Kurzgeschichte von Ambrose Bierce inszeniert wurde.
Abgesehen von den Episoden A Short Drink from a Certain Fountain, An Occurrence at Owl Creek Bridge, Sounds and Silences, Black Leather Jackets und The Encounter gibt es zu allen Folgen, die auf den sechs Scheiben dieser Box in sehr guter Bildqualität enthalten sind, eine deutsche Tonspur. Es sind auch Rod Serlings Abmoderationen zu sehen, die zwar nicht synchronisiert wurden, aber auf immer auf die jeweils nächste Episode gespannt machen. Auch daher ist es ein großes Vergnügen sich gleich mehrere diese TV-Kabinett-Stücke hintereinander anzusehen.
Extras der Blu-ray: Isolierte Filmmusik, Radio-Hörspiele und Audiokommentare, leider ohne deutsche Untertitel, Die restlichen Extras haben Untertitel: Interviews mit Darstellern wie Bill Mumy und Autoren wie Richard Matheson, “The Mike Wallace mit Rod Serling“ (20:09 min), “Conversations with Rod Serling“(31:31 min), Vorlesung von Rod Serling (12:34 min), Schmalfilmaufnahmen von Autor George Clayton Jones (2:24 min)