Archiv der Kategorie: BUCH

Lesenswerte Bücher

Die Klapperschlange – Die Entstehungsgeschichte

1981 vermuteten John Carpenter und Nick Castle, dass sechszehn Jahre später die ganze Insel Manhattan ein Hochsicherheitsgefängnis sein würde, in dem drei Millionen Häftlinge ohne Wärter eingesperrt sind. Aus dieser Ausgangsidee entstand der Film Die Klapperschlange, bei dem John Carpenter Regie führte und der bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.


Dies belegt aktuell ein großformatiger Bildband, der noch einmal die Entstehungsgeschichte des Kultfilms Revue passieren lässt. Dass die Hauptrolle des raubeinigen Augenklappenträgers an Kurt Russel ging, überrascht heute niemanden mehr. Seinerzeit war er jedoch hauptsächlich aus Disney-Produktionen wie Superhirn in Tennisschuhen oder der Fortsetzung Es kracht, es zischt, zu seh’n ist nischt bekannt.

Doch John Carpenter hat mit Russell bereits einen TV-Film über Elvis gedreht und wusste, dass er der richtige war, um in die Gefängnishölle von New York aufzubrechen. Dort soll er jene rote Rettungskapsel finden, mit der sich Donald Pleasence als US-Präsident in Sicherheit bringen wollte. Dank dieses Buchs wissen wir, dass jene Rettungskapsel kurz darauf Robin Williams als “Mork vom Ork“ in der gleichnamigen TV-Serie als Raumschiff diente.

Ein hübscher Funfact ist auch, dass James Cameron (Avatar) maßgeblich an Die Klapperschlange beteiligt war und zahlreiche Gemälde anfertigte, die dazu beitrugen, dass der Drehort St. Louis zu einen futuristisch abgerockten New York wurde. Der Bildband beschäftigt sich intensive mit den Spezialeffekten und dem Design des Films.

Porträtiert werden aber auch die großartigen Darsteller Ernest Borgnine, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, sowie die Westernlegende Lee Van Cleef. Hinzu kommen wunderschöne Filmplakate aus aller Welt, eins davon stammt vom Comickünstler Paul Chadwick. Schöner kann ein Kultfilm nicht gefeiert werden.

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The Fantastic World of Frank Frazetta

Bereits 1999 erschien bei Taschen unter dem Titel Frank Frazetta – Master of Fantasy Art ein schön zusammengestellter Hardcoverband, der auf 164 Seiten einige der besten Werke des begnadeten Zeichners und Malers in Wort und Bild vorstellte.

Doch dies Werk verblasst gegen die neue Veröffentlichung, bei der Taschen seine Muskeln ähnlich stark spielen lässt, wie Tarzan oder Conan auf den Gemälden von Frazetta. Jetzt sind es 468 Seiten geworden und das Format ist auf 32 x 47 cm angewachsen. Auch der Leser benötigt Muskeln, um das knapp 5 kg schwere Buch zu bewegen.

Doch erfreulicherweise wird auch der Geist angesprochen, denn die in Deutsch, Englisch und Französisch abgedruckten Texte gehen durchaus in die Tiefe. In seiner Einleitung stellt Dan Nadel den Künstler als das genaue Gegenteil von dessen Idol Hal Foster vor. Wo der Schöpfer von Prinz Eisenherz “edel war, da war Frazetta prachtvoll vulgär“.

In den vier Kapiteln “Anthropomorphe Tiere und Li’l Abner“, “Tarzan, Conan und Ringo Starr“, “Esquire und Death Dealer“ sowie “Fire and Ice and From Dusk Till Dawn“ wird nicht immer erfolgreich versucht, Ordnung in das in nahezu alle Richtungen wuchernde Werk von Frazetta zu bringen.  

Wo Texte, zumindest wenn sie eine akzeptable Länge haben sollen, versagen, schaffen – wie immer bei Taschen – die unzähligen mit viel Bedacht ausgewählten Abbildungen Abhilfe. Anfangs chronologisch und auf den letzten Seiten thematisch geordnet, kommen nicht nur die allgemein bekannten, erstaunlich lässig hingehauenen Ölschinken wie Death Dealer oder die kürzlich für 5,4 Millionen Dollar verkaufte Egyptian Queen in angemessener Größe zum Abdruck.

Auch etliche schwarzweiße Zeichnungen, etwa aus seinen EC-Comics sind enthalten und belegen, was für ein begnadeter Zeichner bereits der junge Frazetta war. Hinzu kommen jene Plakate zu Filmen wie Was gibt’s Neues, Pussy?, Tanz der Vampire, Clint Eastwoods Der Mann, der niemals aufgibt, Fire and Ice und das leider nicht rechtzeitig zum Kinostart fertiggewordene Motiv zu From Dusk Till Dawn, von deren fürstlicher Entlohnung Frazetta jeweils ein ganzes Jahr leben konnte.

Beeindruckend ist auch die Fülle von Paperback-, Magazin- und LP-Covern, die das Buch präsentiert und die zeigen, dass Frazetta vielleicht nicht der vielseitigste, doch ganz sicher der omnipräsenteste Künstler seiner Zeit war.

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Inside James Bond

Es ist eigentlich keine Neuigkeit, dass nach Werken wie Unnützes James Bond Wissen, Roger Moores Bond über Bond, On the Set of James Bond’s Spectre und dem großformatigen 50 Jahre James Bond Filmplakate ein weiteres Buch über die James-Bond-Filme erschienen ist. Auch dass der Bildband von “Europas größter Film-Lifestyle-Zeitschrift“ Cinema, die arg mit Auflagenschwund zu kämpfen hat, zusammengestellt wurde, weckt nur bedingt Neugierde.

Doch der Inhalt überzeugt und überrascht. Die Bebilderung wurde zwar gut ausgewählt, kann jedoch nicht bei Taschens wuchtigem The James Bond Archives mithalten. Für das Cinema-Buch sprechen jedoch die vielen interessanten Infos, bei denen es sich nur selten um bereits allseits bekannte Anekdoten handelt. Ebenfalls sehr gut gelungen ist auch , und vor allem die sinnvolle Gliederung.

Nach einer knappen aber unterhaltsamen Einleitung, bei der von Ian Fleming, den Autor der James-Bond-Romane, sowie den Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman erzählt wird, folgt der spannendste Teil des Buchs.

Nacheinander werden Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig, sowie ihre 007-Filme vorgestellt. Neben aussagekräftigen Biografien und Interviews, gibt es auch Infos zu den Kinoauftritten, die die Darsteller außerhalb der 007-Reihe absolviert haben.

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit den weiblichen Darstellern, den Schurken, den Drehorten, den Kulissen, den Gadgets und der Musik. Letzteres Kapitel ist besonders interessant. Völlig neu war mir, dass Alice Cooper 1974 einen Titelsong namens The Man with the Golden Gun eingereicht hatte, der nicht verwendet wurde, jedoch auf dem Album Muscle of Love enthalten ist.

Den Abschluss des Buches bilden erfrischend subjektive Kritiken zu allen Bond-Filmen, die dazu einladen manche zuvor eher verschmähte Werke wie In tödlicher Mission, Lizenz zum Töten, Die Welt ist nicht genug oder Ein Quantum Trost noch einmal mit neuen Augen zu betrachten.    

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Pardon

Unter dem durchaus passenden Titel Teuflische Jahre wird noch bis zum 19. März im Caricatura Museum Frankfurt der 60. Geburtstag des Satiremagazins Pardon gefeiert. Wer es nicht in die Ausstellung schafft, enthält durch einen sehr schön zusammengestellten Katalog ebenfalls einen äußerst lebendigen Einblick in den Auf- und Abstieg der Monatsschrift, die zeitweilig mit einer Auflage von über 300.000 Exemplaren ein Millionenpublikum zum Lachen aber auch ins Grübeln brachte.

Die Pardon-Ausstellung erfreut durch eine erstaunlich hohe Anzahl von großartigen Originalzeichnungen. Kuratoren waren der ehemalige stellvertretende Pardon-Chefredakteur Gerhard Kromschröder und der Grafiker Till Kaposty-Bliss, der die Ausstellung auch durch Sperrmüllfunde bereichert hat. Die Vielzahl der wohlüberlegt angeordneten Exponate lassen darüber staunen, wer alles – von Volker Ernsting über Kurt Halbritter, Brösel, Volker Reiche, Tom Bunk, Gerhard Seyfried, Bernd Pfarr, Peter Butschkow, Tetsche bis hin zu Erich Rauschenbach für das Satiremagazin tätig war.

Im September 1962 erschien die erste Ausgabe von Pardon. Enthaltenwaren Texte von Hans Magnus Enzensberger, Ephraim Kishon und Erich Kästner, der wortgewaltig davon erzählt, wie schwierig es war, im harmoniesüchtigen Nachkriegsdeutschland eine satirische Zeitschrift zu etablieren und Pardon viel Erfolg wünschte. Das Cover der Ausgabe wurde bereits für eine nicht für den Verkauf bestimmte Nullnummer verwendet. Es stammt von Loriot und zeigt dessen berühmtes Knollennasenmännchen, das – versteckt in einem prächtigen Blumenstrauß – dem Betrachter eine Bombe mit brennender Lunte entgegen hält. Dieses Bild ist genau wie Loriots Entwürfe zum Cover der Pardon-Ausgabe vom März 1977 im Caricatura Museum als Original zu sehen.

Das Cover der Nullnummer stammt von Loriot und zeigt dessen berühmtes Knollennasenmännchen, das versteckt in einem prächtigen Blumenstrauß dem Betrachter eine Bombe mit brennender Lunte entgegenhält. Pardon zeigte den Mächtigen im Lande immer wieder kunstvoll den Stinkefinger. Franz Josef Strauß, den 1972 ein Pardon-Titelbild lächelnd neben der eine Bombe haltenden Ulrike Meinhof zeigt, hatte das Satiremagazin achtzehnmal erfolglos verklagte.  

Pardon-Cover von Horst B. Baerenz

Doch leider fühlte sich Herausgeber Nikel nicht nur für Satire, sondern auch für Literatur, Philosophie und – schlimmer noch! – für Bewusstseinserweiterung zuständig. Spätestens als 1977 ein Cover einen schwebenden Mann im Lotussitz vor blauem Himmel zeigte und einen “unsatirischen Bericht zum Thema “Kein Witz: Ich kann fliegen!“ hatten viele Mitarbeiter die New-Agen-Faxen dick.

Für Peter Knorr war Pardon “aus den lichten Höhen rational aufklärerischer Satire in die Schleimgruben esoterischer Weltsicht“ geraten. Daher hatten sich im Laufe der Jahre viele PARDON-Mitarbeiter, wie die Urgesteine der Neuen Frankfurter Schule Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und F. K. Waechter, oder Clodwig Poth verabschiedet und nach einer Alternative gesucht. Im November 1979 tauchte dann erstmals das “endgültige Satiremagazin“ Titanic auf.

Ein knappes Jahr später legte Nikel sein Amt als Chefredakteur nieder und Henning Venske übernahm den Posten. Der auch aus der Sesamstraße bekannte Kabarettist konnte noch kurz punkten, indem er die seinerzeit omnipräsente Werbekampagne eines Kräuterlikör-Fabrikanten mit dem von einem zehnjährigen Jungen aufgesagten Slogan “Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zurzeit im Knast sitzt“ veralberte.

Vor Gericht wurde Pardon auf Schadenersatz verklagt und musste eine Gegendarstellung der Schnapsfirma veröffentlichen. Dies geschah dann in einer Ausgabe, auf deren Cover ein Säugling an der Mutterbrust zu sehen ist und der zugehörige Text lautet “Ich trinke Jägermeister, weil meine Mami voll davon ist.“ Als Pardon in Berufung ging, zog Jägermeister den Schwanz ein und alle Forderungen zurück. Danach hielt das Satiremagazin noch bis Juli 1982 durch, wurde dann eingestellt und zwei Wiederbelebungsversuche scheiterten.

Der schöne Katalog zur Ausstellung präsentiert neben den Covern sehr interessante Texte von Pardon-Veteranen wie Herbert Feuerstein, Otto Waalkes, Alice Schwarzer, Hannes Wader oder Günter Wallraff. Leider ist genau wie in der Ausstellung nur wenig über Pardons bahnbrechendes Patenkind, das Comicmagazin Slapstick, doch sonst ist alles prima.   

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Annie Leibovitz

2014 produzierte der Taschen Verlag einen gewaltigen Bildband im “Sumo-Format“ von 50 x 56 cm, der es zusammen mit einem dreibeinigen Buchständer auf ein Gewicht von 26 Kilo brachte. Es wurden 9.000 signierte Exemplare produziert und für 6.000 € angeboten.

Obwohl diese limitierte Erstausgabe noch nicht ganz abverkauft ist, veröffentlicht Taschen rechtzeitig zum Weihnachtsfest 2022 eine Neuauflage, die mit 29 x 39 cm deutlich kleinformatiger, aber dafür aber mit 556 Seiten etwas umfangreicher und mit 125 € sehr viel günstiger ausgefallen ist.

Doch vielleicht auch noch ein paar Worte zum Inhalt: Grundidee von Benedikt Taschen war es, die Fotografin Annie Leibovitz, die mittlerweile fast ebenso bekannt ist, wie die zahllosen von ihr abgelichteten Promis, darum zu bitten, Bilder auszuwählen, die sich besonders gut für eine großformatige sich gerne auch über eine Doppelseite ersteckende Veröffentlichung eignen.

Zu ihrer Auswahl meinte Leibovitz: “Es ist nicht chronologisch geordnet, und es ist keine Retrospektive. Es ist eher so etwas wie eine Achterbahnfahrt.“ Dem kann nur zugestimmt werden und wer einfach mal drauflos blättert, wird reich belohnt. Auf ein Foto von Queen Elisabeth folgt R2-D2 und Whoopie Goldberg badet auf dem Backcover in einer Wanne voller Milch.

Andy Warhol wird dabei gezeigt, wie er zurückfotografiert, Donald Trump kommt an der Seite seiner barbäuchigen hochschwangeren Gatte Melania leider ebenfalls vor. Wer Mick Jagger mal mit Vollbart sehen möchte, wird ebenfalls bestens bedient. Es gibt Foldouts mit atemberaubende Gruppenporträts von weiblichen oder männlichen Hollywoodstars und so vieles mehr, was ich mir gleich in aller Ruhe ansehen werde.

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Quentin Tarantino: Cinema Speculation

Der Titel trifft genau genommen nur auf elf Seiten in diesem Sachbuch zu. Im Kapitel Cinema Speculation versucht sich Quentin Tarantino vorzustellen, was gewesen wäre, “wenn Brian De Palma anstatt Martin Scorsese Taxi Driver gedreht hätte“. Spoiler: Wahrscheinlich hätte De Palma sich stärker an Paul Schraders Drehbuch gehalten und die Titelrolle hätte Jeff Bridges anstelle von Robert De Niro gespielt.

Damit der Leser den Überlegungen des (laut Klappentext) “mitreißendsten Filmliebhabers der Welt“ auch folgen kann, erzählt Tarantino ausführlich von den Anfängen seiner Liebe zum Kino. Bereits als Siebenjähriger nahmen ihn seine Mutter Connie und sein Stievater Curt in Los Angeles mit ins Tiffany Kino. Dort sahen sie ein alles andere als jugendfreies Double Feature.

Neben Carl Reiners schwarzer Komödie Wo ist Papa? wurde hier auch noch ein besonders subversiver Streifen namens Joe – Rache für Amerika gezeigt. Hierin brilliert Peter Boyle, der später bei Mel Brooks in Frankenstein Junior das Monster spielen sollte, als rassistischer Bauarbeiter, der sich mit einem verzweifelten Mittelklasse-Vater anfreundet. Bill Compton hat gerade den mit Drogen handelnden Freund seiner Tochter (Susan Sarandon in ihrer ersten Rolle) erschossen. Das ungleiche Duo greift eine Hippie-Kommune auf dem Lande an, wobei Compton auch noch seine Tochter erschießt.

Cinema Speculation: Vielleicht wäre auch ich ein Meisterregisseur geworden, wenn mein erstes großes Kinoerlebniss nicht Disneys Dschungelbuch sondern Joe – Rache für Amerika gewesen wäre. Doch wahrscheinlich hätte sich dann auch noch meine Mutter scheiden lassen müssen, damit sie sich mit mir und ihren neuen Freunden an Blaxploitation-Filmen erfreuen könnte.

Plastisch und mitreißend schildert Tarantino, wie er – oftmals als einziger weißer Junge im Kinosaal – Pam Grier oder Jim Brown zujubelte. Auf diese plastischen Beschreibungen von den Reaktionen, die die Filme seines Lebens in vollbesetzten Filmpalästen auslösten, greift Tarantino immer wieder zurück, wenn er über die Entstehungsgeschichte einiger Meilensteine des Kinos der 70er-Jahre plaudert.

Index der US-Ausgabe

Die gar nicht einmal so sorgfältig übersetzte deutsche Ausgabe von Cinema Speculation verfügt zwar über ein blaues Lesebändchen, enthält aber weder ein Inhaltsverzeichnis noch einen Index wie die Originalausgabe.

Daher seien hier die Filme aufgeführt, denen Tarantino jeweils ein Kapitel widmete und die das Fundament seiner eigenen Filmografie bilden:

Bullitt (1968) von Peter Yates mit Steve McQueen

Dirty Harry (1971) von Don Siegel mit Clint Eastwood

Deliverance (1972) von John Boorman mit Burt Reynolds

The Getaway (1972) von Sam Peckinpah mit Steve McQueen

Sisters (1972) von Brian De Palma mit Margot Kidder

Daisy Miller (1974) von Peter Bogdanovich mit Cybill Shepherd

Taxi Driver (1976) von Martin Scorsese mit Robert De Niro

Rolling Thunder (1977) von John Flynn mit William Devane

Paradise Alley (1978) von und mit Sylvester Stallone

Escape from Alcatraz (1979) von Don Siegel mit Clint Eastwood

Hardcore (1979) von Paul Schrader mit George C. Scott

The Funhouse (1981) von Tobe Hooper mit Kevin Conway

   

Hinzu kommt noch eine Lobeshymne auf den engagierten Filmkritiker Kevin Thomas, sowie eine Kurzfassung von Peter Biskins Buch Easy Riders, Racing Bulls, in der Tarantino allerdings nicht allzu viel vom Hippie-Kino der 60er-Jahre hält und das Blockbuster-Revival durch Filmnerds wie Steven Spielberg oder George Lucas sehr viel höher einschätzt.

Den Abschluss des Buches bildet ein rührender Nachruf auf einen gewissen Floyd, der gelegentlich in derselben WG wie Quentin und seine Mutter lebten. Der charismatische Schwarze führte ein unstetes Leben und enttäuschte den kleinen Quentin oft, weil er ihn nicht wie versprochen mit ins Kino nahm. Doch Floyd versuchte sich auch als Autor und schrieb ein Drehbuch über einen schwarzen Cowboy, das Tarantino zu Django Unchained inspirierte.      

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Heinz Erhardt – Die Biografie

Zum 100. Geburtstag des am 20. Februar 1909 in Riga auf die Welt gekommenen Heinz Erhard haben Rainer Berg und Norbert Klugmann ihre 1987 erstmals als “Heinz Erhardt, dieser Schelm“ veröffentlichte “Lebensgeschichte des großen Künstlers“ noch einmal überarbeitet und erweitert.

Die Biografie entstand in enger Zusammenarbeit mit der Familie des Humoristen und geriet durch die zahlreichen sehr komischen Erhardt-Zitate äußerst kurzweilig. Das Buch feiert zwar großteils den begnadeten Komiker und Verseschmied, doch auch seine Schattenseiten werden nicht ausgespart. Heinz Erhardts großer Erfolg im Filmen wie Witwer mit fünf Töchtern und Bühnenstücken wie Das hat man nun davon war für ihn auch eine Art Fluch. Aus Angst in Vergessenheit zu geraten, nahm er fast jedes Engagement an und seine Urlaube verbrachte er meist mit einer Tournee durch die Seebäder.

Um dem Druck und den Stress zu bewältigen, griff Heinz Erhardt zu Medikamenten und versteckte im Bühnenbereich Doornkaat-Fläschen. 1971 erlitt er einen Schlaganfall und konnte die restlichen acht Jahre seines Lebens weder sprechen noch schreiben. Dies war für einen Mann des Wortes natürlich besonders tragisch, dessen Filmauftritte und Gedichte („Hinter eines Baumes Rinde, wohnt die Made mit dem Kinde„) auch heute noch genauso komisch wie damals sind.

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Heinz Erhardt – Mein Leben

Glücklich ist der Mensch zu preisen, der – angetan mit einem Regenmantel – durch den strömenden Regen geht und das Gefühl hat, durch meinen Mantel geht nichts durch. Dieser Mensch hat Humor! Humor ist nichts anderes als ein undurchlässiger Regenmantel und es ist nur bedauerlich, dass Regenmäntel immer so verregnet aussehen.

Dies ist so ziemlich der einzige überlieferte Text, in dem Heinz Erhardt einmal etwas die Ebene des virtuosen Spaßmachers verlässt und sich völlig zu Recht fragt, warum es – verdammt nochmal! -nötig ist, sich ein Mäntelchen umzuhängen, nur um halbwegs trocken durchs Leben zu kommen.

Seit Erhardts Tod im Jahre 1979 ist die Welt ganz gewiss nicht besser (und garantiert auch nicht komischer) geworden. Daher ist es zu begrüßen, dass sich der Lappan Verlag unermüdlich darum bemüht, das Werk des Humoristen weiterhin an die Leser zu bringen.

So erschien dort in einer Neuauflage Heinz Erhardt – Die Biografie und Jutta Bauer illustrierte Ein Nasshorn und ein Trockenhorn, während Gerhard Glück bereits sieben Lappan-Sammelbände mit Texten von Erhardt bebildert hat. Außerdem ist das erstmals 1970 im Fackelträger Verlag und danach in etlichen Auflagen als Rowohlt-Taschenbuch erschienene große Heinz Erhardt Buch in einer erweiterten und um Fotografien ergänzten Edition weiterhin im Angebot.

Aktuell ist es Lappan gelungen, den Freunden von Heinz Erhardt eine weitere große Freude zu bereiten. Erhardts Töchtern Verena Haacker und Marita Malicke stellten ein Buch zusammen, das durch Fotos, Dokumente aus privaten Alben, bisher unveröffentlichte Texte, Filmkritiken und Zeitungsausschnitte einen fast schon intimen Einblick in die Gedankenwelt ihres Vaters ermöglicht.

Als Titel des Albums wurde ein durchaus philosophisches Erhardt-Zitat gewählt: Des Menschen Leben gleicht der Brille: Man macht viel durch!

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Timur Vermes: Comicverführer

Nachdem sein Roman Er ist wieder da zu einem Weltbestseller wurde, bekam der bereits zuvor als Journalist tätige Timur Vermes 2016 das Angebot Comicrezensionen auf Spiegel Online zu veröffentlichen. Diese Texte, die hier zu finden sind, gehören zum Intelligentesten und Kurzweiligsten, was im deutschsprachigen Raum zum Thema Comics geschrieben wurde.

Leider beendet Spiegel Online die Zusammenarbeit mit Vermes weitestgehend. Das ist sehr schade und umso erfreulicher ist, dass dieser ein inhaltlich aber auch optisch großartiges Buch über sein Lieblingsthema geschrieben hat. Genau wie seine Spiegel-Texte richtet dieses sich ausdrücklich nicht an Experten, sondern Vermes strebt an, aus seinen Lesern Comicfans zu machen.

Um Hemmschwellen abzubauen, bekennt er im Vorwort, dass sein Geschmack “nicht außergewöhnlich“ sondern “näher an Pommes und Bratkartoffeln als an der Molekularküche“ ist. Als nahezu lebenslanger Comicleser beschreibt der 1967 in Nürnberg geborene Autor sehr plastisch jene Zeit der Pubertät, als bei ihm “auf einmal Schluss mit lustig“ war, weil Mädchen wichtiger wurden als Comics. Wer noch heute als Erwachsener denkt: “Tja, aus dem Alter für Comics bin ich raus“, dem liefert Vermes mit seinem Buch schlüssige Thesen dafür, dass jetzt die “Zeit für andere Comics“ ist.

In 36 originell aufgebauten Kapiteln empfiehlt er Comics, die dabei helfen das Medium neu- oder wiederzuentdecken. Dabei greift er natürlich auch auf seine Spiegel-Texte zurück, denn selbst nach einigen Jahren ist er immer noch der Meinung ist, dass die gefällig in Szene gesetzten Comicreportagen von Sarah Glidden (Israel verstehen) den mit sehr viel weniger Rücksicht auf den Leser erzählten Berichten aus Krisengebieten von Joe Sacco (Palästina) deutlich unterlegen sind. Doch Vermes grast nicht nur Genres wie Western, Funny, Sex oder Literaturadaption und auch ein wenig die Mangas ab, sondern gibt angehenden Lesern auch Lebenshilfe.

Es ist zu erfahren, wie blitzschnell das Comiclesen erlernt werden kann, wie Comics preiswerter zu erwerben sind, was nach Meinung des Autors von Graphic Novels zu halten ist und warum Werke wie Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters, Maus, Ein Vertrag mit Gott oder Watchmen immer wieder neu entdeckt werden können und sollten. Zusätzlich gibt es als als sogenannte Outtakes pointiert formulierte Kurzrezis, die auch schon einmal vor zu Unrecht in den Himmel gelobten Werken warnen.

Das Ganze ist zudem auch noch so großartig layoutet und bebildert, dass sich der Vergleich zum genialen Bart-und-Scheitel-Cover von Er ist wieder da förmlich aufdrängt. Es bleibt nur noch zu sagen: Absolute Leseempfehlung!

Hier gibt es übrigens einen Blog zum Buch.

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Stephen King: Im Kabinett des Todes

1993 schrieb Stephen King in Vorwort seiner dritten Kurzgeschichtensammlung Alpträume: „Sollte es je einen neuen Kurzgeschichtenband geben, so wird er ausschließlich aus Geschichten bestehen, die bis jetzt weder geschrieben noch ausgedacht sind, und ich glaube es wird erst in einem Jahr das Licht der Welt erblicken, das mit einer Zwei anfängt.“ Er sollte recht behalten, denn erst 2002 hatten sich bei King genug Stories angesammelt, um ein weiteres Buch zu füllen.

Ein absolutes Highlight befindet sich leider nicht unter den vierzehn neuen Kurzgeschichten, zu denen auch ein 80-seitiger Besuch in der öden Fantasy-Welt vom Revolvermann Roland gehört. Verwunschene Hotelzimmer (die Story Zimmer 1408 wurde mittlerweile verfilmt), Déjà vu-Erlebnisse und bedrohliche Gemälde, die sich im Laufe der Zeit verändern, sind die schon ein wenig ausgelutschten Bestandteile der Stories. Auch Kings immer wieder aufblitzende Meisterschaft im Beschreiben und Platzieren von scheinbaren Nebensächlichkeiten, die meist interessanter als die ganze Geschichte sind, kann hier leider nicht viel retten.

Stephen King bekennt sich im Vorwort zu Im Kabinett des Todes dazu, dass er sich immer wieder verpflichtet fühlt Kurzgeschichten zu schreiben, um diese „fast ausgestorbene Kunstform“ am Leben zu erhalten. Beim Schreiben von ein bis zwei Kurzgeschichten im Jahr hat King zunehmend das Gefühl „seinen Verpflichtungen nachzukommen.“ Wenn er so weitermacht, hat der Leser beim Abarbeiten von Kings Büchern auch immer mehr dieses Gefühl.

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