Alfred Neuwald (Die Weltenbummler, Stups der kleine Schwertwal) alias Neufred fühlte sich in Aachen so wohl, dass er auch nach seinem Abschluss an der dortigen Fachhochschule für Design nicht in seine Heimatstadt Hamburg zurückgekehrt ist. Er hat für Aachen mit Karl der Kleine sogar ein fast schon nicht mehr inoffizielles Maskottchen geschaffen. Dieser tauchte zunächst in Comicstrips auf, die häufig seine Sucht nach Printen thematisierten.
Der kleine Monarch reiste aber auch in Comicalben durch die Geschichte der Kaiserstadt. Dabei traf er Napoleon, bekämpfte die Printe des Teufels und hatte eine sogar eine Begegnung mit seinem Namenspatron Karl der Große. Doch auch das Hier und Heute ist dem kleinen Karl nicht fremd. Er scheute auch die Klimahölle nicht und wurde in Neufreds letztem Album Doppelt Gemoppelt per KI in großer Anzahlt vervielfältig. Dies führte in Aachen zu einer Printen-Knappheit, die den einzig wahren Karl ärgerte, während sich Professor Holger Hoos über den Comic sehr freute.
Der Leiter des Lehrstuhls für Methodik der Künstlichen Intelligenz an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen erstand auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt direkt vom Erzeuger das Karl-der-Kleine-Gesamtwerk. Er war so begeistert, dass er es Neufred ermöglichte, sich als Artist in Residence am Aachener Lehrstuhl für Methodik der Künstlichen Intelligenz umzuschauen und inspirieren zu lassen.
Obwohl es auch genügt hätte, wenn einige Illustrationen oder Karikaturen entstanden wären, beschloss Neufred (ohne Einsatz von KI) eine Graphic Novel zu zeichnen, Er veröffentlichte das 100-seitige Buch in seinem Granus Verlag, der auch die Comics mit Karl der Kleine veröffentlicht. Inspiration für Deus AIX Machina fand Neufred bei Comicreportagen von Guy Delisle wie Pjöngjang oder Shenzhen.
Er drängte sich „wissbegierig auch in Konferenzen und Meetings“ auf, bei denen das Forschungsteam mit aufgeklappten Laptops den Saal betrat. Er absolvierte den Turing-Test, indem er zwei sehr kleine aber äußerst starke Magneten mit bloßen Händen trennte und unterhielt sich mit den Forschenden. Dabei stellt Neufred fest, dass es sich bei diesen häufig um KI-Skeptiker handelt.
So verglich etwa Roman die Weiterentwickelung der KI zwar mit der Evolution (und sich selbst mit Darwin), wäre jedoch nie auf die Idee gekommen, Künstliche Intelligenz für das Entwickeln von Algorithmen zu verwenden. Roman weigert sich „das herkömmliche Programmieren abzugeben“, da dieses für ihn „Ingenieurskunst“ ist. Justin, der privat in einer Metal-Band singt, möchte mit KI-generierter Musik nichts zu tun haben, da Fake-Songs auf Spotify und anderen Plattformen seiner Band immer mehr „das Wasser abgraben“. Als Comiczeichner kennt Neufred dieses Problem natürlich auch.
Interessant sind im Comic auch die Beispiele, die die Schwierigkeiten im Umgang mit der KI illustrieren. So wird deren häufig nach hinten losgehendes Bemühen darum, die Wünsche der User überzuerfüllen als “Kobra-Effekt“ bezeichnet. Dieser Begriff stammt aus der Kolonialzeit, als in Indien eine Schlangenplage herrschte und die Engländer eine Prämie für jede erlegte Kobra auszahlten. Dies führte dazu, dass viele Inder Kobras züchteten, um möglichst häufig Prämien zu kassieren.
Die bei der KI drohenden “Kobra-Effekte“ können amüsant sein, etwa wenn ein Staubsaugerroboter nach dem Saugen den Staub zurück in den Raum bläst, um seine Aufgabe weiterhin erfüllen zu können. Doch es ist auch mit dem Schlimmstenzu rechnen, wenn z. B. “ein Raketenprogramm die eigene Basis beschießt, um den Krieg zu beenden.“ Also, Augen auf beim Definieren der Hyperparameter!
In Neufreds Comic ist zu spüren, dass die KI am Lehrstuhl zwar mit kritischer Distanz erforscht und weiterentwickelt wird, doch dabei insgesamt sehr viel Optimismus herrscht. So ist Prof. Hoos davon überzeugt, dass die rasant voranschreitende Künstliche Intelligenz „genau im richtigen Moment aufgetaucht“ ist, denn: „In Zukunft wird ein kleiner arbeitender Anteil der Bevölkerung sehr viele Ruheständler finanzieren müssen. Die KI wird ihnen diese Arbeit sehr erleichtern.“ Es wäre schön, wenn sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ebenfalls in diese Richtung weiterentwickeln würden.
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