n diesem Comic geht es ganz im Gegenteil zu Filmdramen, in denen Edelmimen wie Alec Guinness, Anthony Hopkins oder Bruno Ganz versuchten, die Wutausbrüche Adolf Hitlers zu imitieren, darum durch Ereignisse, die sich an dessen letzten 100 Lebenstagen zugetragen haben, aufzuzeigen, wie viel Unheil er angerichtet hat.
Als Vorlage diente ein Bildband des französischen Historikers Jean Lopez, der eine Vielzahl von ebenfalls bei uns nicht erschienenen Büchern über den Zweiten Weltkrieg wie La Wehrmacht – La fin d’un mythe oder Heinz Guderian – Le Maître des Panzers geschrieben hat.
Auch der Pariser Autor Jean-Pierre Pécau und der in Sarajewo geborene Zeichner Senad Mavric haben sich in Ihren Comics häufig mit der Historie beschäftigt. Gemeinsam schufen sie die Serie Machines de Guerre und zeigten sich fasziniert von Wehrmacht-Wunderwaffen wie dem Panzerkampfwagen VI Tiger.
Ihr Comic Die letzten 100 Tage Hitlers erzählt 100 zumeist aus einer Seite bestehende Kurzgeschichten. Tag für Tag wird dargestellt, was sich zwischen dem 15. Januar 1945, an den Adolf Hitler sein Westfront-Hauptquartier in Hessen per Sonderzug in Richtung Berlin verlassen hatte, und dem Freitod des Führers am 30. April 1945 ereignet hat.
Dabei ist zu festzustellen, dass sich Jean Lopez – auch wenn er den Panzer-Meister Guderian recht häufig auftreten ließ – in seiner „Chronique de l’apocalypse“ erfolgreich darum bemüht hat, möglichst viele erschreckende Ereignisse aus dem letzten Kriegsjahr sowie dem völligen Zusammenbruch des Dritten Reichs darzustellen.
Mavric mag manche dieser grausige Szenen, aber auch den einen oder anderen Panzer, ein wenig zu dekorativ zu Papier gebracht haben, doch insgesamt vermittelt der Comic sehr eindringlich die Schrecken des Nationalsozialismus.
Urplötzlich ziehen die Hühner mit den Menschen gleich, denn auch sie können reden und denken. Das Federvieh muss jedoch einen blutigen Weg beschreiten, bis es Gleichberechtigung erlangt, zumindest auf dem Papier. So hat der hochintelligente und die Menschen hassende Gockel Jake Gallo keine Chance eine angemessene Tätigkeit zu finden. Daher verlässt er die Stadt und zieht zurück zu seiner Familie aufs Land.
Dort liest er die Lebenserinnerungen seines gerade verstorbenen Vaters Elmer. Dabei wird er mit den 20 Jahre andauernden Kampf konfrontiert, den seine Vorfahren ausfechten mussten, um nicht weiterhinin den Schlachthöfen und Mägen der Menschen zu landen. Dabei findet er widerwillig heraus, dass es auch gute Menschen gibt, wie den Bauern Ben, der mit seinem Vater befreundet war.
Gerry Alanguilan schrieb und zeichnete diesen Comic von 2006 bis 2008, Doch erst jetzt erscheint – dank des Dantes Verlags – sein ergreifendes und mehrfach preisgekröntes Wcrk Elmar auch bei uns. Der 2019 verstorbene Filippino ist ein begnadeter Zeichner und hat sehr viele Superhelden-Comics für Marvel und DC geinkt.
Dank Alanguilans perfekter Schwarzweiß-Grafik funktioniert Elmer erstaunlich gut und die Geschichte wirkt niemals albern, auch wenn es darin gelegentlich um Liebesbeziehungen zwischen Mensch und Huhn geht. Doch in erster Linie ist Elmer eine politische und gesellschaftliche Parabel im Stile von George Orwells Klassiker Animal Farm.
Auf 111 Exemplare limitierte Hardcover-Ausgabe mit Print
Dem Dantes Verlag ist nicht nur für die Veröffentlichung dieses Comics zu danken, sondern auch dafür, dass der Übersetzer Jens R, Nielsen im Anhang noch allerlei interessante Anmerkungen und Erklärungen platzieren durfte, die die Lektüre vertiefen.
Harte Sitten herrschen auf dem Predator-Heimatplaneten Yautja Prime. Dort gilt der nicht allzu draufgängerische Dek als unwürdig und daher soll sein größerer Bruder Kwei ihn töten. Als dieser sich weigert, wird Kwei von seinem Vater getötet. Um seine Ehre wiederherzustellen, bricht Dek zum Planeten Genna auf, um den gewaltigen Kalisk zu erlegen, vor dem sich sogar sein Vater fürchtet.
Dort trifft er auf die beschädigte Androidin Thia. Dieser fehlt der komplette Unterleib, doch sie kann Dek davon überzeugen, dass sie das ideale “Werkzeug“ für den jungen Predator ist. Das ungleiche Duo übersteht zahlreiche Gefahren und findet noch einen weiteren Verbündeten mit erstaunlichen Kräften. Thias “Schwester“ Tessa hingegen ist gefährlicher als der Kalisk.
Es ist erstaunlich, was Dan Trachtenberg aus dem etwas schwächelnden Predator-Franchise herausgeholt hat. Zuvor in Predators, Predator – Upgrade, aber auch in Trachtenbergs Prey, standen die menschlichen Jäger und somit auch potentiellen Opfer des Predators im Zentrum des Geschehens. Trachtenberg und sein Co-Drehbuchautor Patrick Aison hingegen verzichten ganz auf menschliche Charaktere.
Die erstaunlich oft ziemlich amüsante Geschichte erzählt von Predatoren, der tödlichen Flora und Fauna des Planeten Genna, sowie den Androiden des Weyland-Yutani-Konzerns. Erstaunliche Tiefe gewinnt der Film durch Elle Fanning, die nicht nur großartig als vorlaute und neugierige Thia ist, sondern auch deren “böse Schwester“ Tessa angemessen bedrohlich verkörpert. Über einen weiteren Film mit Dek und Thia würde ich mich sehr freuen.
Während die DVD von “Predator: Badlands“ über keinerlei Extras verfügt, enthält die Blu-ray zusätzlich noch diese Extras: Audiokommentar mit Regisseur Dan Trachtenberg, Produzent Ben Rosenblatt, Kameramann Jeff Cutter und Stunt-Koordinator Jacob Tomuri, „Die Verkörperung des Predators“ (5:43 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), „Authentische Sythetische“ (6:41 min), „Die Erschaffung des Badlands“ (6:53 min), „Dek von den Yautja“ (6:11 min) und drei gelöschte und prävisualisierte Szenen (insgesamt 27:37 min)
Der vierte Band der Franka-Gesamtausgabe des All Verlags enthält vier Alben, die erstmals in den Neunzigern erschienen sind. Der Niederländer Henk Kuijpers, der die Serie auch heute noch fortführt, war bereits damals auf der Höhe seiner Kunst.
Ab 1990 veröffentlichte er jede Woche eine Seite Franka in der Programmzeitschrift Veronica, anschließend erschien die Serie im Comicmagazin Sjors en Sjimmie stripblad und danach als Album. Er war finanziell abgesichert und produzierte ein Album pro Jahr.
Seine Zeichnungen waren jetzt nur noch selten überladene Wimmelbilder, sondern mit drei Panel-Reihen pro Seite hatte er einen lockereren Stil gefunden. Zudem fand er die Zeit um limitierte Luxuseditionen seiner Alben zu produzieren. Einige dieser hierin abgedruckten zusätzlichen Illustrationen sind in der Gesamtausgabe zu finden.
Die Geschichten von Kuijpers waren weiterhin überraschend und spannend. In Die blaue Venus wird ein Mordanschlag auf Franka verübt. Versehentlich wird sie für tot erklärt. Sie versteckt ihre rotte Mähne unter einer blonden Kurzhaar-Perücke und beginnt in der Kunst-Szene zu ermitteln…
Ihr nächstes Abenteuer Der dreizehnte Buchstabe erlebte Franka teilweise in Berlin, wofür Kuijpers im Ostteil der wiedervereinigten Stadt recherchierte. Hierzu enthält dieser Band einige schöne Illustrationen. Interessant ist auch, dass sich Henk Kuijpers beim Aussehen der Schurkin von Willy Brandts Witwe Brigitte Seebacher inspirieren ließ, die seinerzeit auf einem Spiegel-Cover abgebildet war.
1994 startete Kuijpers einen spannenden Zweiteiler. Das portugiesische Goldschiff erzählt davon, wie Franka den Kunstdieb Rix jagt und sich in diesen verliebt (und das nicht nur platonisch!). Daher setzt sie in der Fortsetzung Die Augen des Rudergängers alles dran, um den entführten Rix wieder zu befreien.
Der schöne Sammelband enthält zusätzlich noch zwei Kurzgeschichten mit Franka, sowie eine reich illustrierte, von Volker Hamann (Reddition) kundig verfasste Einleitung. Schöner kann ein Comic-Klassiker nicht präsentiert werden.
Dieses signierte Exlibris liegt der auf 111 Exemplare limitierten Vorzugsausgabe bei
Abschließend sei noch erwähnt, dass diese Ausgabe, genau wie schon Band 3 der Franka- Gesamtedition, von Martina Kagel und Hartmut Becker neu aus dem Niederländischen übersetzt wurde, was dem Lesefluss sehr zugute kommt.
Es schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, eine Neuauflage der 1977 gestarteten BBC-Serie Der Doktor und das liebe Vieh zu produzieren, denn das Darstellertrio Robert Hardy, Christopher Timothy und Peter Davison war allzu charismatisch. Doch die 2020 gestartete Neuauflage der Tierarzt-Geschichten aus Yorkshire hat es mittlerweile bereits auf sechs Staffeln gebracht.
Dies dürfte daran liegen, dass die Chemie zwischen Samuel West und Callum Woodhouse als Gebrüder Siegfried und Tristan Farnon, sowie Nicholas Ralph als der neue Kollege James Herriot ebenfalls stimmt. Ein großes Plus – neben der prachtvollen nostalgischen Optik – ist, dass mit Herriots Gattin Helen (Rachel Shenton) und der Haushälterin Mrs. Hall (Anna Madeley) zwei Nebenfiguren des Originals jetzt gleichberechtigt im Zentrum des Geschehens stehen.
Die sechste Staffel spielt 1945 und erzählt nicht nur meist eher amüsante Geschichten aus dem Alltag der Tierarztpraxis im ebenso idyllischen wie fiktiven Örtchen Darrowby, sondern auch von den Dorfbewohnern, die gar nicht oder völlig verändert aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehren. Zu Letzteren zählt auch Tristan Farnon, der zwar mit einem Orden ausgezeichnet wurde, diesen aber nicht tragen mag.
Tristan Kriegstrauma ist ein zentrales Motiv der sechsten Staffel. Doch auch die Arroganz seines Bruders Siegfried sorgt immer wieder für Probleme im Praxisbetrieb. Zugleich geht es um Mrs. Pumphrey (Patricia Hodge), die “Onkel Herriot“ damit nervt, dass sie mit ihren nicht mehr ganz jungen Pekinesen-Hündchens Tricki Woo eine Zucht begründen möchte.
Wie immer endet die Staffel mit der zur Weihnachtszeit spielenden Folge 7. Kriegsbedingt ist es nicht einfach einen Truthahn für das große Festessen aufzutreiben und höchstwahrscheinlich wird ein “Mock Turkey“ bzw. „Murkey“ serviert werden. Doch – wie es der Zufall so will – findet im örtlichen Pub The Drovers Arms ein Dart-Turnier statt und Mr. Hall ist sehr gut im Pfeilewerfen. Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht, und die Staffel endet mit einer hübschen Schlusspointe.
Die Edition der 6. Staffel von Polyband enthält auf zwei Blu-rays alle sieben Episoden der fünften Staffel. Hinzu kommen Interview mit Regisseur Andy Hay (5:34 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), sowie mit den Darstellern Nicholas Ralph (9:46 min), Rachel Shenton (6:28 min), Samuel West (6:58 min), Callum Woodhouse (7:06 min) und Anna Madeley (7:03 min)
Es sollte fünf Jahre dauern, bis Wes Craven (Scream) 1977 nach The Last House on the Left einen weiteren billigen, dreckigen Horrorfilm drehen konnte. In The Hills have Eyes hat eine nicht sonderlich sympathisch gezeichnete Familie (darunter auch Dee Wallace, die später weitere unheimliche Begegnungen mit ET, Cujo und den Critters haben sollte) in der Wüste von New Mexico einen Autounfall. Seltsame Gestalten hüpfen durch die Gegend und dezimieren die Eindringlinge.
In der der deutschen Fassung, die 1979 als Hügel der blutigen Augen in die Kinos kam, machte das alles nicht viel Sinn, denn in dieser Version erzählt der Film von Außerirdischen, die sich wie Steinzeitmenschen aufführen. Cravens Original hingegen handelt von Menschen, die durch eine Atomkatastrophe Hirnschäden bekamen. Angesichts seines niedrigen Budgets ist The Hills have Eyes solide inszeniert, gewiss kein Klassiker, aber der etwas besser budgetierten Fortsetzung The Hill have Eyes, Part 2, die Craven 1984 fabrizierte haushoch überlegen.
Doch da 2006 beeits einige Horrorfilme aus dem selben Zeitraum wie etwaTexas Chainsaw Massacre, The Fogoder Amityville Horror mehr oder weniger erfolgreich neu verfilmt wurden, produzierte Craven ein Remake von The Hills have Eyes . Dieses macht sogar richtig Spaß (vorausgesetzt der Zuschauende hat nicht allzu schwache Nerven und schon mal den einen oder anderen Splatterfilm abgesessen). Nach einer kurzen Pretitel-Sequenz bei der ein Team von Schutzanzugträger, die mit Geigerzählern durch die Wüste rennen, ziemlich drastisch abgemetzelt wird, folgt ein hübsch subversiver Vorspann mit Country-Musik, Atombomben und Bildern von ganz üblen Mutationen.
Danach erzählt der Film von einer etwas spießigen Großfamilie, die mit ihrem Riesenwohnwagen von einem seltsamen Tankwart auf Abwege geschickt und von einer Mutanten-Bande dezimiert wird. Recht sympathisch ist dabei, dass es der zunächst eher schwächliche Liberale ist, der sich der Bedrohung erfolgreicher stellt als sein Macho-Schwiegervater. Dem Franzosen Alexandre Aja gelang bereits zuvor bereits mit High Tension ein ebenso blutiger wie raffinierter Horrortrip. Auch sein Update von The Hills have Eyes überzeugt und ist dem Original mindestens ebenbürtig ist.
Der Erfolg blieb nicht aus und die vom Deutschen Martin Weisz (Rohtenburg) inszenierte Fortsetzung folgte schon ein Jahr später. Alexandre Aja drehte anschließend weitere gelungene Horrorfilme, wie Mirrors, Piranha 3D oder Horns.
Zwar bewegt er sich auch im Horror-Genre, doch im Gegensatz zu den fast immer sehr gradlinig aufgebauten Büchern seines Vaters Stephen King arbeitet Joe Hill mit einer raffinierter ausgeklügelten Erzählstruktur, die geschickt Neugierde aufbaut und diese dann mit pointierten meist wirklich überraschenden Enthüllungen befriedigt. Dies gilt für seinen ersten Roman Blind, für die sehr empfehlenswerte Comicserie Locke & Key und erst recht für dieses Buch.
Die Grundidee ist eher blödsinnig. Dem aus einer wohlhabenden Künstlerfamilie stammenden Ig Perrish wachsen urplötzlich zwei Hörner aus dem Kopf. Er ist dadurch in der Lage Menschen dazu zu bringen in seiner Gegenwart die Wahrheit zu sagen, was diese so beschäftigt, dass sie nicht dazu kommen die Hörner zu bemerken. Ein Jahr zuvor wurde Igs Freundin Merrin bestialisch ermordet und fast jeder – einschließlich seiner Eltern – glaubt, dass er – obwohl er freigesprochen wurde – der Täter wäre. Ausgerechnet bei Merrins tatsächlichem Mörder funktioniert Igs Trick mit den Hörnern jedoch nicht…
Hill baut am Anfang des Romanes absolute Hochspannung auf und lässt sich dann sehr viel Zeit damit ausgiebig (und anrührend kitschig) zu erzählen, wie Ig einst seine heiß geliebte Merrin eroberte. Dabei schreibt er unglaublich mitreißend, schildert die Love Story ebenso spannend wie die gelegentlich recht drastischen Schockmomente, macht sich zudem durch die Sache mit den Zwangsbeichten auch noch über die Doppelmoral der US-Gesellschaft lustig und hat auch zum Thema Religion allerlei zu sagen. Auf viel mehr Ebenen kann ein Buch gar nicht funktionieren!
2013 verfilmte Alexandre Aja (High Tension, The Hills Have Eyes, Mirrors, Piranha 3D, Horns) as Buch und das Resultat lief auch bei uns unter seinem Originaltitel Horns. Obwohl die Hauptrolle von Harry Potter Daniel Radcliffe gespielt wurde, konnte der Film weder Publikum noch Kritiker begeistern.
Ben Carson (Kiefer Sutherland) musste den Polizeidienst quittieren, nachdem er für den Tod seines Partners verantwortlich war. Als auch noch seine Ehe in die Brüche ging, begann er zu trinken und zog übergangsweise bei seiner Schwester ein.
Er tritt einen Job als Nachtwächter im New Yorker Luxuskaufhaus Mayflower an, das einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallenen war. Bei seinen Rundgängen durch die riesigen Räumlichkeiten bemerkt er bedrohliche Erscheinungen hinter den seltsamerweise unzerstörten riesigen Spiegeln, die ihn und auch das Leben seiner Frau und Kinder bedrohen…
Der französische Regisseur Alexandre Aja hat es nach High Tension und dem Remake von Wes Cravens The Hills Have Eyes nicht mehr nötig zu beweisen, dass er knallharte und äußerst blutrünstige Horrorfilme drehen kann. Mirrors hingegen funktioniert – abgesehen von einer sehr harten Badezimmer-Schockszene – etwas subtiler. Basierend auf dem koreanischen Film Into the Mirror von 2003 wird eine phantasievoll zusammengesponnene Geistergeschichte erzählt. Der Film ist zudem genauso stark am Charakter und Schicksal der von Kiefer Sutherland mit gewohnter Bravour gespielten Hauptfigur interessiert.
Auch optisch wird einiges geboten und es erstaunt, dass der Film – abgesehen von einigen wenigen New Yorker Außenaufnahmen – fast komplett in Bukarest entstand. Dort fanden die Produzenten einen riesigen unvollendeten Bau aus der Ceausescu-Ära, der sich sehr gut als Double für das ausgebrannte Kaufhaus eignete. Angeblich war dort sogar noch die “Anspannung“ aus dieser Zeit förmlich spürbar.
Mit Mirrors gelang Aja 2008 ein spannender Gruselfilm, der in bester Tradition von Tobe Hoopers (bzw. Steven Spielbergs) Poltergeist steht und eine angenehme Alternative zum zeitgleich entstandenen perversen Folterhorror der Saw– und Hostel-Filmreihen bot.
Alex (Cécile De France) möchte ein schönes Wochenende auf dem Lande verbringen und die Familie ihrer Freundin Marie (Maïwenn) besuchen. Doch die anfangs herrschende Harmonie wird sehr schnell getrübt.
Ein schmuddeliger fetter Fremder (Philippe Nahon), der mit einem rostigen Citroën-Kleinbus unterwegs ist, dringt brutal in das einsam gelegene Haus ein, ermordet Maries Familie und entführt das Mädchen. Alex versucht sie aus den Klauen des Mörders zu befreien…
Die rohe Wucht mit der hier das Grauen hier Einzug hält, stellte Alexandre Aja 2003 in seinem zweiten Spielfilm drastisch dar. Die Bilder des französischen Films sehen zwar aus wie aus einem Schocker US-amerikanischer Machart, doch selten wurde Gewalt so beklemmend nachfühlbar gezeigt. In der Hauptrolle brilliert Cécile De France (Chanson d’Amour, Hereafter, Eine größere Welt) in einer ihrer ersten Hauptrollen.
Das Ende des Films ist mehr als überraschend, macht High Tension zu sehr viel mehr als einen weiteren Film über durchgeknallte Serienkiller und bescherte Alexandre Aja eine Karriere im internationalen Horrorkino: The Hills Have Eyes, Mirrors, Piranha 3D, Horns, Crawl, Never Let Go…
2021 spielte der vielbeschäftige Liam Neeson in The Ice Road einen gewissen Mike McCann, der als erfahrener Trucker tonnenschwere Werkzeuge zur Rettung von verschütteten Bergleuten durch Kanada ewiges aber brüchiges Eis von kutschieren sollte. Noch gefährlicher als die Kräfte der Natur ist jedoch ein unredlicher Beifahrer, der im Auftrag eines Finstermannes verhindern soll, dass McCann rechtzeitig sein Ziel erreicht…
Der eher durch seine coole Atmosphäre als durch Hochspannung überzeugende Film lief bei uns nur kurz in den Kinos, wurde aber ein großer Erfolg auf Netflix und Amazon Prime, sowie auf DVD und Blu-ray. Da dies so gut lief, drehte Regisseur und Drehbuchautor Jonatham Hensleigh (The Punisher) vier Jahre später ein Sequel.
Dieses wird seinem Titel Ice Road: Vengeancein keinster Weise gerecht. Eis ist diesmal Mangelware, obwohl der Film in der Nähe des Mount Everest spielt. Dorthin reist McCann nicht aus Rachsucht, sondern um den letzten Willen seines in The Ice Road ermordeten Bruder Gurty zu erfüllen und dessen Asche auf dem höchsten Berg der Welt zu verstreuen. Bei diesem Vorhaben bekommt es McCann mit schwerbewaffneten Söldnern zu tun, die ein abgelegenes Bergdorf terrorisieren.
Lebte der erste Teil davon, dass vor Ort im eisigen Kanada gedreht wurde, reiste diesmal das Filmteam gut erkennbar nicht wirklich nach Nepal, sondern drehte stattdessen in Australien. Dies ist dem Film leider sehr deutlich anzumerken, was schade ist, denn Liam Neeson agiert souverän wie immer und hat mit der Chinesin Fan Bingbing eine taffe Frau an seiner Seite.