Archiv der Kategorie: COMIC

Die neusten Comicalben auf dem Markt!

I. Astalos: Oh, Sch…..!

Ab 1975 arbeitete Ivica Astalos regelmäßig als Texter, Ideenautor und Zeichner für die seinerzeit von Herbert Feuerstein und später von Panini gelenkte deutsche Ausgabe des US-Satiremagazins MAD. Nachdem die Zeitschrift eingestellt wurde hat, machte Astalos einfach im Eigenverlag weiter.

In Paperbacks wie 40 verrückte Jahre, Märchen, wie sie keiner kennt, MADe in Farbe, Knüppeldick, Buch der Technik oder in seiner Autobiografie Going MAD! präsentierte er Highlights aus seinen MAD-Schaffensphasen aber auch neue Comics und Cartoons.

Eigentlich wollte er kein weiteres Buch mehr machen, doch die aktuellen Ereignisse ließen ihm keine Ruhe.

Doch zuvor veröffentlichte er bereits unter dem Titel Zarenthron Geschichten einen Band mit ebenso bitterbösen wie treffsicheren Cartoons über den blutigen Wahnsinn, den Wladimir Putin in der Ukraine anrichtet.

Wie bereits zu dessen erster Amtszeit im Panini-MAD hat Astalos sich jetzt erneut an Donald Trump abgearbeitet. Auffallend ist, dass in Oh, Sch…..! nur wenig ältere MAD-Beiträge wie “Gestern im Weißen Haus“, “Danke Amerika…“ oder “George W. Bush und die Zehn Gebote“ enthalten sind.

TSCHÜSS GRÖNLAND, TSCHÜSS KANADA, TSCHÜSS WELT

Auf mehr als 70 der 100 Seiten sind brandaktuelle Cartoons zu finden, die Astalos lange nach seiner Zeit bei MAD zu Papier brachte. Hier sind Karikaturen von JD Vance, Elon Musk oder Friedrich Merz zu finden und Themen wie Friedensrat, Grönland, Nobelpreis oder ICE werden aufgegriffen.

RICHTUNGSWEISEND

Thematisch passend sind die Cartoons von Astalos über den Mann mit dem extralangen roten Schlips ebenso wenig subtil, wie dessen ständiges Bemühen darum, bloß nicht in Vergessenheit zu geraten.  Astalos bringt es auf den Punkt: „Das Buch sollte so plump und direkt sein, wie es die Aktöre sind!“

Oh, Sch…..! sowie alle anderen Werke von Astalos können hier direkt beim Erzeuger bestellt werden. Wer sich auf diese Rezension beruft, dem zeichnet I. Astalos ein ähnlich schönes Bildchen wie das Obenstehende in das Büchlein.

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Scott McCloud: Der Comic-Club

1993 wurde Scott McClouds Comics richtig lesen zum Bestseller. Obwohl es ein Sachbuch ist, wurde es als der „intelligenteste Comic seit langem“ gefeiert. McCloud trat darin als Comicfigur auf und erklärte die spezielle Sprache des Mediums.

In den letzten Jahren feierte Raina Telgemeier große Erfolge mit Comics wie Smile, in dem sie ihre unangenehmen Zahnspangen-Erfahrungen aufarbeitete. Sie ist mit McCloud befreundet und schlug ihm vor, gemeinsam an einem ähnlichen Buch wie Comics richtig lesen zu arbeiten. Dieses sollte jedoch jüngere Comicfans ansprechen.

McCloud war von der Idee sehr angetan und machte sich zusammen mit Telgemeier ans Werk. Genau wie zuvor McCloud in seinem Buch, erklärt in Der Comic-Club eine Schulbibliothekarin, dass die wesentlichsten Bestandteile von grafischen Erzählungen gar nicht zu sehen sind. Da “unser Gehirn es liebt, Verbindungen zu suchen“ werden beim Lesen von Comics, die Dinge, die zwischen den Bildern (bzw. Panels) geschehen sein könnten, zu Geschichten zusammengefügt. Doch Der Comic-Club ist sehr viel mehr als ein originell gestaltetes Lehrbuch.

In einem lockeren Stil zwischen Manga und Simpsons wird sehr lebendig erzählt, wie die comicbegeisterten Schüler Makayla, Howard, Lyndia einen Club gründen. Zusammen mit der Bibliothekarin Frau Fatima verwandeln sie gefaltete DIN-A4-Blätter in achtseitige Comichefte, die sie an Mitschüler und auf einer Convention verkaufen. Trotz Schwierigkeiten mit den Zeichenutensilien oder skeptischen Eltern gelingen dem Quartett sehr eigene Comicgeschichten.

Scott McCloud brachte bereits durch die 1990 von ihm ins Leben gerufene 24-Stunden-Comic-Bewegung, weltweit unzählige junge Leute dazu, innerhalb eines Tages einen 24-seitigen Comic zu zeichnen. Auch das Buch Der Comic-Club dürfte dazu beitragen, dass immer mehr Comics entstehen werden.

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Die letzten 100 Tage Hitlers

n diesem Comic geht es ganz im Gegenteil zu Filmdramen, in denen Edelmimen wie Alec Guinness, Anthony Hopkins oder Bruno Ganz versuchten, die Wutausbrüche Adolf Hitlers zu imitieren, darum durch Ereignisse, die sich an dessen letzten 100 Lebenstagen zugetragen haben, aufzuzeigen, wie viel Unheil er angerichtet hat.

Als Vorlage diente ein Bildband des französischen Historikers Jean Lopez, der eine Vielzahl von ebenfalls bei uns nicht erschienenen Büchern über den Zweiten Weltkrieg wie La Wehrmacht – La fin d’un mythe oder Heinz Guderian – Le Maître des Panzers geschrieben hat.

Auch der Pariser Autor Jean-Pierre Pécau und der in Sarajewo geborene Zeichner Senad Mavric haben sich in Ihren Comics häufig mit der Historie beschäftigt. Gemeinsam schufen sie die Serie Machines de Guerre und zeigten sich fasziniert von Wehrmacht-Wunderwaffen wie dem Panzerkampfwagen VI Tiger.

Ihr Comic Die letzten 100 Tage Hitlers erzählt 100 zumeist aus einer Seite bestehende Kurzgeschichten. Tag für Tag wird dargestellt, was sich zwischen dem 15. Januar 1945, an den Adolf Hitler sein Westfront-Hauptquartier in Hessen per Sonderzug in Richtung Berlin verlassen hatte, und dem Freitod des Führers am 30. April 1945 ereignet hat.

Dabei ist zu festzustellen, dass sich Jean Lopez – auch wenn er den Panzer-Meister Guderian recht häufig auftreten ließ – in seiner „Chronique de l’apocalypse“ erfolgreich darum bemüht hat, möglichst viele erschreckende Ereignisse aus dem letzten Kriegsjahr sowie dem völligen Zusammenbruch des Dritten Reichs darzustellen.

Mavric mag manche dieser grausige Szenen, aber auch den einen oder anderen Panzer, ein wenig zu dekorativ zu Papier gebracht haben, doch insgesamt vermittelt der Comic sehr eindringlich die Schrecken des Nationalsozialismus.

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Henk Kuijpers: Franka-Gesamtausgabe 4

Der vierte Band der Franka-Gesamtausgabe des All Verlags enthält vier Alben, die erstmals in den Neunzigern erschienen sind. Der Niederländer Henk Kuijpers, der die Serie auch heute noch fortführt, war bereits damals auf der Höhe seiner Kunst.

Ab 1990 veröffentlichte er jede Woche eine Seite Franka in der Programmzeitschrift Veronica, anschließend erschien die Serie im Comicmagazin Sjors en Sjimmie stripblad und danach als Album. Er war finanziell abgesichert und produzierte ein Album pro Jahr.

Seine Zeichnungen waren jetzt nur noch selten überladene Wimmelbilder, sondern mit drei Panel-Reihen pro Seite hatte er einen lockereren Stil gefunden. Zudem fand er die Zeit um limitierte Luxuseditionen seiner Alben zu produzieren. Einige dieser hierin abgedruckten zusätzlichen Illustrationen sind in der Gesamtausgabe zu finden.

Die Geschichten von Kuijpers waren weiterhin überraschend und spannend. In Die blaue Venus wird ein Mordanschlag auf Franka verübt. Versehentlich wird sie für tot erklärt. Sie versteckt ihre rotte Mähne unter einer blonden Kurzhaar-Perücke und beginnt in der Kunst-Szene zu ermitteln…

Ihr nächstes Abenteuer Der dreizehnte Buchstabe erlebte Franka teilweise in Berlin, wofür Kuijpers im Ostteil der wiedervereinigten Stadt recherchierte. Hierzu enthält dieser Band einige schöne Illustrationen. Interessant ist auch, dass sich Henk Kuijpers beim Aussehen der Schurkin von Willy Brandts Witwe Brigitte Seebacher inspirieren ließ, die seinerzeit auf einem Spiegel-Cover abgebildet war.  

1994 startete Kuijpers einen spannenden Zweiteiler. Das portugiesische Goldschiff erzählt davon, wie Franka den Kunstdieb Rix jagt und sich in diesen verliebt (und das nicht nur platonisch!). Daher setzt sie in der Fortsetzung Die Augen des Rudergängers alles dran, um den entführten Rix wieder zu befreien.

Der schöne Sammelband enthält zusätzlich noch zwei Kurzgeschichten mit Franka, sowie eine reich illustrierte, von Volker Hamann (Reddition) kundig verfasste Einleitung. Schöner kann ein Comic-Klassiker nicht präsentiert werden.    

Dieses signierte Exlibris liegt der auf 111 Exemplare limitierten Vorzugsausgabe bei

Abschließend sei noch erwähnt, dass diese Ausgabe, genau wie schon Band 3 der Franka- Gesamtedition, von Martina Kagel und Hartmut Becker neu aus dem Niederländischen übersetzt wurde, was dem Lesefluss sehr zugute kommt.

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Ully Arndt: Der goldene Handschuh

Als Heinz Strunk (Fleisch ist mein Gemüse, Ein Sommer in Niendorf) für einen Roman über Fritz Honka recherchierte, wurde ihm sehr schnell klar, dass es „des Schlechten zu viel gewesen“ wäre, wenn er sich bei seiner Geschichte ausschließlich den Hamburger Serienmörder konzentrieren würde. Ihm gelang ein erstaunliches, oft auch sehr skurriles Buch, über die sehr unterschiedlichen Besucher der St.-Pauli-Absturzkneipe Der goldene Handschuh, zu denen auch Fritz Honka gehörte.

Als Strunks Bestseller fürs Kino adaptiert wurde, erzählte Regisseur Fatih Akin seinen Film nahezu komplett aus Honkas Täter-Perspektive. Detailgenau, dreckig und blutig stellte er dessen menschenverachtende Untaten zur Schau.

Der die Comicserie Ottifanten produzierende Illustrator Ully Arndt nahm bereits 2017 Kontakt zu Heinz Strunk auf und zeigte ihm einige Entwürfen für eine Handschuh-Adaption als Graphic-Novel. Strunk war davon sehr angetan.

Neun Jahre später liegt nun ein hundertseitiger Comic vor, dem ein zweiter Teil folgen soll. Im Gegensatz zu Akin interessierte sich Arndt eher weniger für den Serial Killer. Genau wie in Strunks Roman geht es ihm bei seiner Adaption um die Siebziger, eine Zeit “zwischen Nachkriegstristesse und Moderne“, wie es so schön auf der Rückseite des Comicalbums heißt.

In einem sehr eigenständigen Stil setzt Arndt nicht nur Honkas Morde in Szene, sondern erzählt auch äußerst werkgetreu und nicht minder mitreißend von einer heruntergekommenen Pfeffersack-Familie, deren männliche Mitglieder sich ebenfalls im Goldenen Handschuh herumtreiben.

Anders als im Roman lud Arndt – zur Freude von Strunk – die Leserschaft seines Comics auch noch kurz in den Jazzclub Onkel Pö zu einem gemeinsamen Auftritt von Udo Lindenberg und Otto Waalkes ein. Strunk hatte auch nichts dagegen, dass Arndt seine Erzählung um eine 16-seitige Sequenz ergänzt hat, die von den Zuhälter-Praktiken des Handschuh-Besuchers Fanta-Rolf erzählt.

Strunk hat recht, wenn er in seinem Nachwort zu Arndts Comic schreibt: “Ich glaube, dass das Ergebnis bei einem glatten Durchmarsch gut geworden wäre, aber nicht diese Tiefe und Qualität erreicht hätte, für die es eben neun Jahre gebraucht hat.“

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Pauli: Das Geheimnis von Schloss Grauenfels

Im Zentrum des elften Bands der Reihe Perlen der Comicgeschichte des Bildschriften Verlags stand bereits der kleine Maulwurf Pauli aus der Comic-Werkstatt von Rolf Kauka. Hier wurde mit der 1958 im Fix und Foxi-Heft 124 gestarteten Fortsetzungsserie Die Pauli Familie ein von Werner Hierl gezeichnetes wildes Frühwerk veröffentlicht.

Den “definitiven Pauli“ schuf jedoch der aus Zagreb stammende Branko Karabajic. Ewald Comics veröffentlicht eine seiner schönsten Maulwurfs-Geschichten. Das Geheimnis von Schloss Grauenfels erschien erstmals 1972 verteilt auf zwölf Fix und Foxi-Hefte. Erzählt wird von Pauli, der zusammen mit seinem Freund Mausi seinen wohlhabenden, aber sehr geizigen Onkel Hubert besucht, der in einem heruntergekommenen Schloss lebt.

Als das Duo nach einer beschwerlichen und beinahe tödlich verlaufenden Anreise endlich dort ankommt, beginnt – wie Herausgeber Hilmar Kalaba sehr treffend in seinem Vorwort schreibt – ein “Gruselkrimi“, der ziemlich brutal ist. Es gibt “Mordversuche mit offenem Dolch, Gift und Dynamit“. Doch dank der unschlagbar niedlichen Zeichnungen von Karabajic und seiner treffsicher platzierten Gags ist der Comic mindestens ebenso komisch wie gruselig.

Für die Qualität der Geschichte spricht auch, dass Das Geheimnis von Schloss Grauenfels jetzt bereits zum vierten Mal veröffentlicht wird. Bereits 1973 kam der Comic in der Reihe Fix und Foxi Album zum Abdruck, wurde jedoch um sechs Seiten gekürzt. 1992 erschien unter dem Titel Pauli – Das geheimnisvolle Schloss eine Bilderbuch-Version ohne Sprechblasen und mit sehr viel Prosatext. Hierfür passte Florian Julino die Zeichnungen von Branko Karabajic dem Seitenlayout an und ergänzte sie bei Bedarf.

Die jetzt erschienene Neuausgabe ist die definitive Version mit allen 53 Comicseiten. Hilmar Kalaba, der zuvor als gute Seele bei Ewaldschen Kauka-Veröffentlichungen wie Geschichten von Tom und Klein-Biberherz,  Mischa – Piraten im All oder Lupo und der Jazz fungierte, hat wieder mit großem Einsatz die Druckvorlagen auf Vordermann gebracht und farblich angeglichen.

Dieser schöne Druck liegt der mittlerweile vergriffenen Vorzugsausgabe bei.

Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Comic-Highlights aus dem reichhaltigen Fundus des Hauses Kauka in dieser optimalen Form erscheinen werden!  

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Comixene 149

Im Dezember 1974 wurde die Comixene von Andreas C. Knigge zusammen mit René Lehner und Thilo Rex gegründet. Nachdem Ausrichtung und Leitung häufig gewechselt hatte, stellte das Magazin für Comic-Kunst und grafische Literatur 2023 mit der 147. Ausgabe sein Erscheinen ein, und es sah so aus, als wenn es keine Jubiläumsnummer zum 50. Geburtstag geben würde.

Doch der Edition Alfonz war es tatsächlich gelungen,Knigge zu überreden weiterzumachen. Im Dezember 2024 präsentierte er die 148. Comixene als Kanon der „111 besten Graphic Novels“. Er gab darin bekannt, dass Ende 2015 eine Ausgabe mit dem Schwerpunktthema “Bande Dessinée – Die  Chronik“ folgen würde. Genau dies ist jetzt geschehen!

Das Cover ziert eine Illustration von Jacques Tardi, die im September 1976 die Titelseite von Métal Hurlant zierte. Zu sehen ist ein Roboter, der dabei ist die ikonische Mondrakete von Tim und Struppi zu verschlingen. Das Motiv passt zum Inhalt, denn Knigge und seine Autoren erzählen davon, wie Hergès sehr konservativ erzählten Abenteuer von Tim nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankobelgien erhebliche Comic-Konkurrenz bekamen.

Zum einen gab es das Jugendmagazin Spirou, dessen Macher die Resistance unterstützt hatten, ganz im Gegensatz zu Hergé, der seine Comics in einer von den deutschen Besatzern kontrollierten belgischen Tageszeitung veröffentlichte. Doch auch das Konkurrenzblatt Tintin beschritt mit Serien wie Blake und Mortimer, Michel Vaillant oder Umpah-Pah eigene Comicwege, obwohl auf dem Cover weiterhin Tim und Struppi zu sehen waren.

Die Comixene berichtet zudem über die weitere Entwicklung, die progressive Comicmagazine wie Pilote, Fluide Glacial oder Métal Hurlant ins Spiel brachte, die auch für eine reifere Leserschaft interessant waren. Hinzu kommen auf 148 Seiten interessante Berichte zum Comicpionier Rodolphe Töpffer, dem frühen Superhelden Phantom oder dem Comic-Freilichtmuseum Brüssel. Außerdem gibt es aussagekräftige Interviews mit dem aus Düsseldorf stammenden Andreas Martens, der unter seinem Vornamen Comic-Karriere in Brüssel machte, sowie – versehen mit der etwas respektlosen Überschrift „Alte Knacker“ – ein Gespräch mit den Herausgebern Dirk Schulz von Splitter und Georg F.W. Tempel von Zack.  

Für die Ende 2025 erscheinende 150. Comixene steht bereits das Schwerpunktthema fest: “130 Jahre Comics – Die verborgene Geschichte“.

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Garth Ennis: The Pro

Ein Außerirdischer ist ganz im Gegensatz zu seinen mechanischen Helferlein davon überzeugt, dass jeder Erdenbürger ein Held sein kann. Um dies zu beweisen verleiht er einer alleinerziehenden Prostituierten Superkräfte.

Dies sichert ihr zwar die Aufnahme in das Superhelden-Team Liga der Ehre, in der Kühle Ritter natürlich einen Sidekick namens Warmer Knappe hat. Die  Dame düpiert die prüden Helden durch herzhafte Flüche und unfaire Tricks beim Kampf gegen Superschurken. Außerdem denkt sie gar nicht daran, ihre alte Tätigkeit aufzugeben, sondern nutzt ihre neugewonnenen Kräfte um möglichst viele Freier superschnell zu befriedigen.

Mit dieser Geschichte, zu der die Idee am Rande der Comic Action in Essen erste Formen annahm, schuf Garth Ennis 2002 eine Art kurze Vorskizze zu seiner Erfolgsserie The Boys. Bei allem Spaß an originellen Brutali- und Vulgaritäten (es dürfte in der Tat ganz schön gefährlich für den Luftverkehr werden, wenn es bei Superman bzw. Super-Saint zur Ejakulation kommt) erzählt Ennis aber auch davon, dass unsere Welt nicht wirklich besser wäre, wenn es tatsächlich Superhelden gäbe, was Brian K. Vaughan (Saga, Y – The Last Man) wie folgt kommentierte: “Das ist der Watchmen-Comic über ungeschützten Sex mit leichten Damen.“

Auch weil Amanda Conner den Zeichenstift schwang, konnte von Frauenfeindlichkeit keine Rede sein. Doch nicht alle Comicschaffenden waren begeistert. Comiclegende Jim Steranko (Nick Fury) war – wenige Tage nach 9/11 – so entsetzt über The Pro, dass er Ennis & Co. als Terroristen bezeichnete. Dies führte immerhin dazu, dass der Comic ihm gewidmet wurde.

Die deutsche Panini-Ausgabe erschien unter dem Tite Die Super-Schlampel und ist sogar noch etwas schöner als die US-Veröffentlichung. Auch der spritzigen deutschen Übersetzung von Jörg Krismann, die aus der Erstveröffentlichung in Hit Comics # 38 und # 39 übernommen wurde, ist der Spaß an der Freude deutlich anzumerken.

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Batman/Deadpool

Bereits vor einigen Monaten kam es zu einer ersten, spektakulär von Greg Capullo gezeichneten 25-seitigen Begegnung zwischen Batman und Deadpool. Beim zweiten Aufeinandertreffen von der DC-Ikone und dem unberechenbaren Marvel-Antihelden nahm Grant Morrison keine Rücksicht auf den Erstkontakt.

Der Kultautor macht sein eigenes Ding und damit seinen Fans sicherlich viel Freude. Eine irgendwie auch das Crossover beeinflussende Rahmenhandlung erzählt von einer amourösen Begegnung zwischen Eternity und Kismet, den Verkörperungen des Marvel- bzw. des DC-Universums.

In der beeindruckend von Dan Mora in Szene gesetzten Geschichte spielen unter anderen Eulen, eine riesige Schreibmaschine sowie der aus einem früheren Crossover stammende DC-Marvel-Bastard Logan-Wayne eine Rolle.  Der Sinn der wirren Handlung hat sich mir nur teilweise erschlossen.

Sehr viel mehr Spaß hatte ich daran, dass genau wie beim ersten Crossover von Batman und Deadpool, das Comicheft noch weitere Begegnung zwischen DC- und Marvel-Charakteren enthält. So gibt es ein unter anderen von Scott Snyder geschriebenes Kräftemessen zwischen John Constantine und Doctor Strange, bei dem auch Swamp Thing und Ghost Rider eine Rolle spielen.

Außerdem zeichnete Amanda Conner einen gemeinsamen “Super-Samstag“, den Harley Quinn und der Hulk in einem verstrahlten Vergnügungspark erleben. Nur fünf Seiten haben die in der Nachbarschaft wohnenden Teenager Kamala Khan alias Ms. Marvel und Virgil Ovid Hawkins alias Static Zeit, um sich bei einem gemeinsamen Einsatz etwas kennenzulernen.

Der Höhepunkt des Heftes ist eine von Tom Taylor geschriebene, immerhin achtseitige, Geschichte, in der Nightwing den Wolverine-Klone Laura Kinney dabei hilft ihre Schwester Gabby zu finden. Wenn dabei Killer Croc zurechtgestutzt und am Ende angesichts der Überväter Batman und Wolverine über Gemeinsamkeiten gefachsimpelt wird, hat das schon was…    

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Superman: Die letzten Tage von Lex Luthor

Superman ist zwar der erste und wohl auch mächtigste Superheld, doch sein DC-Kollege Batman, der kurz nach ihm die Comicbühne betreten hat, ist ungleich erfolgreicher. Mit dem Dunklen Ritter und seiner Schurken-Menagerie lassen sich anscheinen sehr viel einfacher ikonische Geschichten wie The Dark Knight Returns, Year One oder Arkham Asylum erzählen.

Es gibt zwar Superman for all Seasons und All-Star Superman, sowie die TV-Serie Smallville und den überraschend gut gelungenen Kinofilm von James Gunn, doch selbst Frank Miller lieferte mit Superman: Year One nur ein durchwachsenes Epos. Insgesamt zeigt sich, dass es nicht einfach ist, dem allmächtigen Mann vom Planeten Krypton neue Aspekte abzutrotzen.

Es gibt zwar Superman for all Seasons und All-Star Superman, sowie die TV-Serie Smallville und den überraschend gut gelungenen Kinofilm von James Gunn, doch selbst Frank Miller lieferte mit Superman: Year One nur ein durchwachsenes Epos und insgesamt zeigt sich, dass es nicht einfach ist dem allmächtigen Mann vom nicht mehr existierenden Planeten Krypton neue Aspekte abzutrotzen.

Mark Waid bewies bereits 1996 in seinem spektakulär von Alex Ross in Szene gesetzten Klassiker Kingdom Come, dass er sich sehr gut im DC-Universum auskennt. Daher garniert er seine Story über den sterbenskranken Lex Luthor, der seinen Nemesis Superman um Hilfe bittet, mit Gastauftritten von allerlei weniger prominenten DC-Charakteren.

Bei seiner gemeinsam mit Luthor durchgeführten Suche nach Heilung trifft Superman unter anderen auf seine alte Liebe, die Seejungfrau Lori Lemaris, und auf Querl Dox alias Brainiac 5, dem Superhirn der Legions of Super-Heroes aus dem 31. Jahrhundert. Zwar treten in Waids Story auch ein DC-Promi wie Wonder Woman auf, doch Batman wird nur einmal erwähnt und nur einmal abgebildet im Hintergrund zu sehen.

Nicht ohne Grund befürchtet der Autor, dass der Fledermausmann seinen Comic aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Doch zum Glück ist an Die letzten Tage von Lex Luthor eine weitere Person mit Superkräften beteiligt. Auch hier sind die Zeichnungen von Bryan Hitch eine Klasse für sich.

Der Brite, der in The Ultimates erstmals Samuel Jackson als Nick Fury auftreten ließ, sorgt auch diesmal für eine spektakuläre Optik. Hitch kann sowohl Superhelden-Gewimmel als auch hochemotionale Großaufnahmen. Daher macht es Sinn, dass Panini Die letzten Tage von Lex Luthor im Großformat 25 x 32 cm veröffentlicht hat.

Ein weiteres Plus des Comics ist, dass dieser bei DCs Black Label erscheint, also abseits der sonstigen Comicreihen angesiedelt ist und es Mark Waid dadurch ermöglich wird, seine Geschichte überraschend enden zu lassen.

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