Schlagwort-Archiv: Jack Kirby

Hal Foster: Tarzan

Bevor Hal Foster ab 1937 große Erfolge mit Prinz Eisenherz feierte, veröffentlichten die US-Zeitungen bereits sechs Jahre lang auf farbigen Sonntagsseiten seine Version von Edgar Rice Burroughsʼ Dschungelhelden Tarzan. Ein großformatiger Band des Taschen Verlags präsentiert den kompletten Tarzan von Hal Foster.

Dazu gehören auch jene sechzig schwarzweißen Zeitungsstrips, die Foster 1929 zu Papier brachte. Hierin adaptierte den ersten Tarzan-Roman von Rice Burroughs und erzählte die Origin, inklusive der tragischen Geschichte von dessen Eltern Lord und Lady Greystoke, die nach einer Meuterei an der afrikanischen Küste ausgesetzt wurden.

Nachdem er diese Miniserie mit dem Verzicht von Tarzan auf seinen Adelstitel, sowie seiner Rückkehr in den Dschungel zum Abschluss gebracht hatte, war Foster keineswegs erpicht darauf, weiterhin als Comiczeichner tätig zu sein.

Das Buch von Taschen enthält ein sehr interessantes Vorwort von Dian Hanson, das im Gegensatz zu den nur in der Originalversion enthaltenen Comics, reichbebildert in deutscher, englischer und französischer Sprache zum Abdruck kommt. Hanson erzählt darin vom eher schmächtigen Kanadier Foster, der aber dennoch ein Naturbursche wie Tarzan war. Bereits in frühster Jugend ging er auf die Jagd, um den Speiseplan seiner in ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie zu bereichern.

Als zeichnerischer Autodidakt studierte er in die Bibliothek von Winnipeg Bildbände mit Zeichnungen von Gustavé Doré oder Arthur Rackham. Nach einigen beruflichen Irrwegen  fand er in Chicago Arbeit als Werbegrafiker. Hanson schreibt, dass Fosters Spezialität das Zeichnen von “Korsetts, Büstenhalter („speziell für die Dame mit großer Oberweite“), Bindengürteln, Ausschnittsrüschen und Tournüren“ war. Sie meint, dass diese Beschäftigung mit Damenunterwäsche ihm später dabei geholfen hatte, den Dschungel und das Mittelalter mit exotischen Schönheiten zu bevölkern.

Nach Fosters ersten Tarzan-Strips, die gemeinsam mit der ebenfalls am 7. Januar 1929 gestarteten Science-Fiction-Serie Buck Rogers als die ersten Abenteuercomics gelten, übernahm zunächst Rex Hayden Maxon die Serie. Doch zeichnerisch und auch inhaltlich war Edgar Rice Burroughs unzufrieden mit Maxons Tarzan und er sorgte dafür, dass Foster zur Serie zurückkehrte.

Während der Arbeit an seinen detaillierten Tarzan-Sonntagsseiten entdeckte Foster seine Liebe zum graphischen Erzählen. Zudem bekam er sehr viel positives Feedback in Form von Fanpost. Weniger zufrieden war er jedoch mit den nicht von ihm stammenden Geschichten und der trotz seines großen Einsatzes auf einem niedrigen Niveau bleibenden Bezahlung. Daher begann er ab 1934 mit Prinz Eisenherz eine eigene Serie zu entwickeln und erhielt von Hearts Kings Features Syndicate ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte.

Mit Burne Hogarth trat ein mittlerweile ebenfalls legendärer Comiczeichner in die Tarzan-Fußstapfen von Foster. Doch für Comicstars wie Frank Frazetta, Bernie Wrightson, Wally Wood oder Jack Kirby war Hal Foster der Größte.

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Silver Surfer Anthologie  

Paninis Anthologie zum Silver Surfer enthält nicht die ersten Comics mit dieser faszinierenden Figur. Seinen ersten Auftritt hatte der galaktische Weltenreiter 1966 in Heft 48 der Serie Fantastic Four.

Um seinen Heimatplaneten Zenn-La vor der Zerstörung durch Galactus zu schützen, trat Norrin Redd in dessen Dienste. Das übermächtige Wesen verwandelte den jungen Philosophen in ein Wesen mit gewaltigem Intellekt und nahezu unendlicher Macht. Doch Norrin zahlte einen hohen Preis, denn er büßte seine emotionale Bindung zu seiner Heimatwelt und seiner geliebten Shalla-Bal ein. Fortan suchte er als Silver Surfer nach Ersatznahrung für den sich von Planeten ernährenden Galactus.

Die Anthologie überspringt sieben Hefte und startet mit Fantastic Four #55. Hier wird nicht die Origin des Surfers erzählt, sondern davon, wie dieser den ohnehin schon mit einer kurzen Lunte gesegneten Ben Grimm alias Das Ding wütend macht, weil er sich mit dessen Freundin, der blinden Künstlerin Alicia Masters, angefreundet hatte.

Fantastic Four #55 ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Stan Lee gemeinsam mit dem Zeichner Jack Kirby gewaltige Superhelden-Action mit zwischenmenschlichen Konflikten verknüpfte. In den sehr guten redaktionellen Beiträgen ist zu erfahren, dass Kirby den Silver Surfer in der Serie Fantastic Four auftreten ließ, ohne sich zuvor mit Stan Lee abzustimmen.

Nach anfänglicher Skepsis war Lee von der Figur derart angetan, dass er etliche Jahre als einziger Autor von Geschichten mit den Silver Surfer fungierte. Doch es ist sehr schade, dass nur ein einziges Heft innerhalb dieser Anthologie von Kirby, dem Schöpfer des Silver Surfers gezeichnet wurde. Mit gleich fünf US-Heften, die fast die halbe Anthologie füllen, sehr viel prominenter vertreten ist John Buscema.

Der in einen sehr viel feineren und detaillierteren Stil als der gröber arbeitende Kirby zeichnende Buscema kam 1968 zum Zuge, als Marvel die erste eigene Serie des Silver Surfers startete. Diese wurde natürlich von Stan Lee getextet. Der Taschen Verlag präsentierte kürzlich in einem riesengroßen Band seiner Marvel Comics Library alle 18 Hefte dieser Serie. Auch hier ist das Entsetzten, das der Silver Surfer über das nur selten humane Verhalten der Menschheit empfindet, ein zentrales Motiv der Serie.

Die Silver Surfer Anthologie präsentiert Stories aus dreizehn Marvel-Publikationen, die zwischen 1966 und 2023 veröffentlich wurden. Enthalten ist die ebenfalls von John Buscema gezeichnete achtseitige Story The Answer, die auch durch die großartige Kolorierung von Rick Veich beeindruckt und in der ersten Ausgabe von Epic Illustrated veröffentlich wurde. Mit diesem Magazin versuchte Marvel ab 1980 ziemlich vergeblich im selben Bereich wie Metal Hurlant bzw. Heavy Metal zu wildern.     

Ebenfalls enthalten ist der Auftakt einer 1982 gestarteten Zusammenarbeit zwischen Stan Lee und John Byrne, dem es im Gegensazu zu Kirby sogar gelang nicht nur als Zeichner sondern auch als Co-Autor genannt zu werden. Byrne visualisierte sehr aufregend die “Schöpfungsgeschichte“ des Silver Surfers. 1986 erhielt er von DC den Auftrag die Superman-Legende in der sechsteiligen Mini-Serie The Man of Steel.neu zu definieren.

Auch ansonsten wird einiges geboten. Sehr interessant ist ein von Mark Waid geschriebenes Team-Up mit dem Surfer und Daredevil, das Chris Sanee aufregend bebildert hat. Nicht fehlen darf in dieser Anthologie jene Story, in der Stan Lee davon erzählt, wie er 2007 auf den Silver Surfer traf.

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Avengers: Verhängnisvolle Wahrheit

Dieser Comic scheint etwas Besonderes zu sein, denn er wird in einem sehr stylisch aufgemachten Hardcoverband veröffentlicht. Der Schutzumschlag ist beidseitig bedruckt. Auf der Unterseite befinden sich von Michael Cho gezeichnete Porträts von Giant-Man, Thor, Iron Man und Wasp.

Den Einband hat hingegen der bei diesem Comic ansonsten nur als Autor tätige Chip Kidd mit eindrucksvollen Großaufnahmen von Captain America und Hulk verziert. In den USA wurde The Avengers in the Veracity Trap! nicht von Marvel, sondern von Abrams ComicArts veröffentlicht. Dort ist auch der ebenfalls bei Panini herausgebrachte Band Fantastic Four: Tödlicher Kreislauf von Alex Ross erschienen.

Angesichts der pompösen Aufmachung ist die Story (zunächst) etwas dünn. Auf den ersten Seiten outen sich Kidd und Cho als gnadenlose Jack-Kirby-Fanboys outen. In großformatigen Bildern lassen sie die Avengers gegen den schurkischen Loki und seine Horde von Monstern antreten. Dabei gönnen sie jedem der Helden Iron Man, Captain America, Iron Man, Thor, Hulk, Giant-Man und Wasp, aber auch Loki, ganzseitige “meisterhafte Marvel-Pin-Ups“.

So weit, so klischeehaft. Doch nach 20 Seiten gibt es eine echte Überraschung, die nicht zu erwarten war. Wer sich nicht das Vergnügen daran verderben möchte, sollte jetzt nur noch einen Satz lesen und sich dann unvorbereitet auf Avengers: Verhängnisvolle Wahrheit einlassen. Es lohnt sich!  

Plötzlich werden die Avengers mit Lokis Wahrheitsvortex konfrontiert und Thor gelangt zu einer erschreckenden Erkenntnis: “Bei den Göttern! Wir sind … nicht real!“ Schlimmer noch: “Wir existieren in einem Kontinuum, das sich Comicheft nennt. Viele halten es für niedere Literatur.“

Jetzt sei nur noch gespoilert, dass die Avengers im weiteren Verlauf der ebenso turbulenten wie clever konstruierten Handlung auch noch auf ihre Schöpfer Chip Kidd und Michael Cho treffen.  

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Marvel Comics Library. Hulk. 1962–1966

Bereits ein halbes Jahr nachdem Stan Lee und Jack Kirby durch das erste Heft mit den Fantastic Four das Zeitalter der modernen Superhelden eingeläutet haben, folgte im März 1962 der nächste nicht minder imposante Streich. Auf nur vierundzwanzig auch heute noch mit Hochgenuss zu lesenden Seiten, ist die Geburt eines ikonischen Comic-, TV– und Kino-Charakters zu erleben.

Dr. Bruce Banner ist nicht nur der Erfinder der mächtigen G-Bombe, sondern zugleich auch ihr erstes Opfer. Als er den sich im eigentlich durchs Militär abgeriegelten Testgebiet herumtreibenden Teenager Rick Jones rettet, wird er den Gammastrahlen der explodierenden Bombe ausgesetzt. Als dann auch noch die Nacht anbricht, verwandelt er sich in einem klobigen Rohling, dessen Gesichtszüge an Boris Karloff als Frankensteins Monster erinnern.

Dies alles geschieht auf den ersten sechs Seiten des Comics und der Wahnsinn geht weiter. Einem Assistenten von Dr. Banner, der den verdächtigen Vornamen Igor trägt, gelingt es zu veranlassen, dass sein Vorgesetzten in die Sowjetunion entführt wird. Dort geht die Geschichte noch munter weiter und überrascht immer wieder mit unerwarteten Wendungen.    

            

Es ist wahrhaft unglaublich, dass The Incredible Hulk bei seinem Debüt eine graue Hautfarbe hatte. Doch Marvel-Mastermind Stan Lee änderte in dem einen Monat später erschienenen Heft 2 ohne weitere Erklärung diese „nicht so gut wirkende Farbe kurzerhand in grün um“ und freute sich: „Oh, welche Allmacht hat man als Autor im Comic-Business.“

Heute ist der grüne Hulk eine der beliebtesten Comicfiguren. Daher ist es ebenfalls unglaublicher, dass seine im Umfeld von Marvel-Longsellern wie Fantastic Four oder Spider-Man veröffentlichte Serie bereits nach sechs Heften eingestellt wurde. Die Figur überlebte jedoch als Mitglied der Avengers und durch kürzere Geschichten in der Anthologie-Reihe Tales to Astonish.

Daher enthält dieser mittlerweile achte Band aus Taschen überformatiger Reihe Marvel Comics Library nicht nur die ersten 8 Hefte mit dem Unglaublichen Hulk, sondern zudem auch noch die Ausgaben 59 bis 83 von Tales to Astonish. Diese kommen jedoch nicht komplett zum Abdruck.

Das Buch präsentiert zwar alle Cover, auf denen fast immer der Hulk zu sehen ist, sowie die Comicgeschichten mit dem grünen Giganten. Es fehlen jedoch die Zweitstories, in deren Zentrum Giant Man oder Sub-Mariner stehen. Im April 1968 wurde Tales to Astonish # 102 in The Incredible Hulk umbenannt, doch das ist eine andere Geschichte, die möglicherweise in einem weiteren Band der Marvel Comics Library dokumentiert wird.

Für die Marvel Comics Library spricht, dass alle Hefte “mit den bewährten Reproduktionsmethoden von Taschen fotografiert wurden, sodass sie dem ursprünglichen Erscheinungsbild der Comics zum Zeitpunkt ihrer Erstveröffentlichung entsprechen. Gleichzeitig wurden sie mithilfe moderner Retuschetechniken digital überarbeitet, um Probleme mit dem billigen, nicht perfekten Druck der damaligen Zeit zu beheben.“  

Laut Taschen wurde “exklusiv für diese Serie ein spezielles Papier entwickelt, das die Haptik von Zeitungspapier und die Farbigkeit der Originalcomics wiedergibt“. Die Umschlagseiten hingegen kommen inklusive der damaligen Werbeanzeigen auf dickeren und glänzenden Papier zum Abdruck.

Hinzu kommen redaktionelle Texte von Douglas Wolk, Reproduktionen von Original-Artwork, sowie ein Register, das umfassend über Inhalt, Kreativkräfte und Gaststars der einzelnen Hefte informiert. Besser können klassische Comics nicht präsentiert werden.

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Sergio Ponchione: Memorabilia

Bereits 2013 veröffentlichte Sergio Ponchione mit DKW einen 27-seitigen Comic über Steve Ditko (Spider-Man), Jack Kirby (Fantastic Four) und Wally Wood (MAD, EC-Comics). Der italienische Comickünstler tritt in dieser Story auch selber auf und macht einen Nachwuchszeichner mit den drei Großmeistern des US-Comics vertraut.

Durch beeindruckende Collagebilder, in denen er die unterschiedlichen Zeichenstile des Trios sowohl imitiert als auch interpretiert, vermittelt er biografische Details. Für den vorliegenden Band hat Ponchione seinen Comic um Hommagen an Will Eisner und Richard Corben ergänzt.

Auch sein eigenes Licht stellt Ponchione dabei nicht unter den Scheffel und weist darauf hin, dass es in seiner Heimatstadt Asti eine Dauerausstellung mit seinen Werken gibt.

Das mag etwas arrogant wirken, doch dem seit den Neunzigern in der Comicbranche tätigen Zeichner gelingt ein informativer und großartig in Szene gesetzter Exkurs durch die Geschichte seines Mediums.

Es wäre sehr erfreulich, wenn Sergio Ponchione in diesem Stil auch noch die in seinem Comic angekündigten Biografien über Alex Toth, E. C. Segar und Robert Crumb nachliefern würde.

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Marvel Comics Library – Spider-Man 2

Nachdem Taschen im ersten Band seiner pompös aufgemachten Reihe Marvel Comics Library die erste Hälfte der legendären Spider-Man-Hefte Stan Lee und Steve Ditko präsentierte, folgt jetzt der Abschluss dieser kurzen aber fruchtbaren Zusammenarbeit. Genau wie zuvor bereits bei den Fantastic Four und danach bei zahlreichen weiteren Marvel-Klassikern, wie den Avengers oder den X-Men, war beim Spinnenmenschen ebenfalls Jack Kirby als Zeichner vorgesehen.

Von diesem stammt auch das legendäre Cover des Heftes Amazing Fantasy 15, in dem Spider-Man seinen ersten Auftritt hatte. Doch die darin enthaltene Geschichte, die auf elf Seiten erzählte, wie der Schüler Peter Parker zu seinen Superkräfte kam, zeichnete Steve Ditko. Stan Lee hielt ihn für besser geeignet, als den auf überlebensgroße Helden und Schurken spezialisierten Kirby, um die Erlebnisse eines kontaktscheuen Schülers in Szene zu setzen, der plötzlich ebenso große Macht wie Verantwortung hat.

Der gewaltige Erfolg von Spider-Man gab Lee recht. Doch nach 38 Heften mochte Ditko nicht mehr. Warum er aufhörte Spider-Man zu zeichnen, wird wohl für immer eins der größten Mysterien der Comicbranche bleiben. Auch später als er in Credits von Blockbustern gemeinsam mit Stan Lee als Schöpfer von Spider-Man genannt wurde, ließ sich Ditko nicht zu Interviews oder Statements bewegen.

Taschen hat auch für diese 620-seitige Edition alles drangesetzt, um die Comichefte so originalgetreu wie möglich abzudrucken. Für die Reproduktionen der Cover und Backcover wurde Hochglanzpapier und für die Innenseiten Offsetpapier mit matter Oberfläche verwendet. Auf diese Weise kommen die Comics – inklusive der Leserbriefe und Werbeanzeigen – in einem Hardcoverband in englischer Sprache im Format von 28 x 39,5 cm zum Abdruck, also doppelt so groß wie einst die Originalhefte. Als Beigabe gibt es eine Übersicht mit Inhaltsangaben, sowie Hinweise auf die Besonderheiten der enthaltenen Ausgaben. Hierbei handelt es sich um die 1965 und 1966 erschienenen Hefte 20 bis 38, sowie das Spider-Man Annual No. 2.  

Bemerkenswert an diesem Band ist, dass der prominent angekündigte Vorwortschreiber diesmal nicht nur zwei Seiten mit persönlichen Erinnerungen gefüllt hat, sondern auch fachlich einiges geliefert hat. Jonathan Ross ist eine der interessanten Persönlichkeiten in der britischen Entertainment-Branche. Ich hatte das große Glück ihn einige Male als Moderator auf dem San Diego Comic Con zu erleben und war von seiner verbalen Brillanz, seiner Schlagfertigkeit und seiner jederzeit spürbaren Liebe zur Trivialkultur beeindruckt. Außerdem besitzt Ross eine der größten Comic-Sammlungen der Welt und hat die Superheldenparodie America’s got Talent geschrieben. Diesen Prachtband garniert Ross auf zwölf Seiten mit einer ebenso fundierten wie pointierten Einleitung.

Die Ditko-Nachfolge trat übrigens John Romita Sr. an, dessen großartigen Spider-Man-Comics hoffentlich auch bald in einer Ausgabe der Marvel Comic Library zu bestaunen sein werden.

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Marvel Comics Library – Silver Surfer

Taschen feierte bereits die ersten Comicauftritte von Spider-Man, den Avengers, den Fantastic Four und den X-Men in überformatigen Büchern ab. Hierbei handelt es sich Comics aus den frühen Jahren mit den von Jack Kirby gezeichneten ersten Abenteuer der ganz großen Marvel-Helden, die auch heute noch im Comic und im Kino ihre Abenteuer erleben.

Taschens Band über den Silver Surfer enthält nicht die ersten Comics mit dieser faszinierenden Figur. Seinen ersten Auftritt hatte der galaktische Weltenreiter 1966 in Heft 48 der Serie Fantastic Four. Um seinen Heimatplaneten Zenn-La vor der Zerstörung durch Galactus zu schützen, trat er in dessen Dienste. Fortan suchte er nach Ersatznahrung für das sich von Planeten ernährende Wesen.

Erster Auftritt in Fantastic Four 48

Ab August 1968 erhielt der Silver Surfer eine eigene Serie, die von Stan Lee geschrieben und von John Buscama gezeichnet wurde. Ein zentrales Motiv war, das Entsetzten, das der Silver Surfer über das nur selten humane Verhalten der Menschheit empfindet.

Der Taschen-Band enthält alle 18 Hefte der Serie, wobei letzteres von Jack Kirby gezeichnet wurde. Dieses ist nicht gerade der krönende Abschluss, der Serie, denn der sich an Hal Foster (Prinz Eisenherz) und Burne Hogarth (Tarzan) orientierende John Buscama zeichnet in einen sehr viel feineren und detaillierteren Stil als gröber arbeitende Kirby.

Als Vorwort enthält der Band einen Text von Sal Buscema, der sehr häufig die Zeichnungen seines Bruders geinkt hatte und dessen Kunstfertigkeit in den höchsten Tönen lobt. Diese kommen dank des Überformat von 28 x 39,5 cm bestens zur Geltung. Zum Abdruck der Titelbilder und Backcover wurde Hochglanzpapier und für die Innenseiten Offsetpapier mit matter Oberfläche verwendet.

Als Anhang gibt es eine praktische Übersicht mit “Storylines & Credits“. Hier ist zu erfahren, wer an den jeweiligen Heften mitarbeitete. Hinzu kommen Inhaltsangaben und jeweils eine Übersicht darüber, welcher Charakter in welchem Heften seinen ersten Auftritt im Marvel-Universum hatte.

Die 18 Comichefte sind in englischer Sprache enthalten, inklusive der ebenfalls recht amüsanten Leserbriefseiten und Werbeanzeigen, Bei den ersten sieben Heften fehlt leider, die darin ebenfalls abgedruckte Comicserie Tales oft the Watcher. Doch ansonsten ist auch dieser Prachtband, die perfekte Möglichkeit, um die Faszination der frühen Marvel-Comics nachzuvollziehen und zu feiern.

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Marvel Comics Library – Fantastic Four

Es ist schon erstaunlich, was da Ende 1961 für ein Comicheft an die US-Zeitungskioske geliefert wurde. Das Cover zeigte die vier Titelhelden im Einsatz gegen ein grünes Riesenwesen, das sich durch die Asphaltdecke einer New Yorker Straße gebohrt hatte.

Erzählt wurde davon, wie es Dr. Reed Richards gelungen ist, mit eine qualmenden Signalpistole von einem Hochhaus aus The Fantastic Four mit drei riesigen Lettern in den Himmel zu schreiben. Prompt wird Susan Storm unsichtbar, Ben Grimm kommt als orangenes Steinwesen unter seinem Mantel hervor und Susans Bruder Johnny fackelt auch nicht lange.

Als sich die fantastischen Vier nach acht Comicseiten endlich formiert haben, gibt es erst einmal eine Rückblende. Diese erzählt davon, wie das quirlige Quartett wagemutig in eine Rakete stürmt und sich ins All befördern lässt, bevor “die Russen die ersten“ sind. Doch tückische kosmische Strahlung verwandelt die Truppe quasi in Feuer, Luft, Erde und – naja – Wasser, man bedenke die fließenden Bewegungen von Reed Richards als elastischer Mr. Fantastic.

Nachdem nun also die Entstehungsgeschichte klargestellt wurde, geht es mit vereinten Kräften gegen ein riesiges aus der Tiefe kommendes Monstrum, das Moleman – bei dem es, wie wir später erfahren, um den frustrierten Nukleartechniker Harvey Rupert Elder handelt – zusammen mit weiteren Ungetümen auf die Menschheit gehetzt hat…

Die Story dieser Wundertüte von einem Comic hat Stan Lee mit einer immer noch völlig geklärten Methode dem Zeichner Jack Kirby übermittelt und diesen dadurch zu fünfundzwanzig ebenso wild wie wuchtig in Szene gesetzte Comicseiten angestiftet. Fortan war nicht mehr DC mit Superman und Batman der Platzhirsch in der Superhelden-Wildnis, sondern Kirby und Lee produzierten in dichter Folge weitere Knaller wie den Hulk, Thor, den Silver Surver oder die X-Men.

Nachdem Taschen bereits die ersten Comicauftritte von Spider-Man und den Avengers mit überformatigen Büchern abgefeiert hat, folgt jetzt eine nah an den Originalheften orientierte Veröffentlichung jener Comics, die das Fundament von Marvel bilden. Ein 700-seitiger Band enthält Reproduktionen von sehr gut erhaltenen Exemplaren der ersten zwanzig Fantastic-Four-Ausgaben. Dabei wurde wieder alles drangesetzt, um die Rasterpunkte der alten Farbgebung originalgetreu wiederzugeben.

Dieses Bestreben ging sogar so weit, dass für den Abdruck der Titelbilder und Backcover Hochglanzpapier und für die Innenseiten Offsetpapier mit matter Oberfläche verwendet wurde. Die Comics, inklusive der ebenfalls recht amüsanten Leserbriefseiten und Werbeanzeigen, kommen in englischer Sprache im Format von 28 x 39,5 cm zum Abdruck, also doppelt so groß wie einst die Originale.

Deutscher Reprint von 1999

Beim Betrachten dieser Seiten wird klar, wie nachlässig diese Comic-Meilensteine bisher in Neuauflagen präsentiert wurden. So ist auf dem Cover eines bei uns 1999 von Marvel Deutschland herausgegebenen Reprints von Fantastic Four # 1 der Schriftzug des Titels schwarz statt knallrot, ein Polizist wurde einfach weggelassen und die neue Farbgebung ist im Vergleich zum Original eine Frechheit. Erst diese liebevoll aufgemachte Edition ermöglicht es, nachzuvollziehen, warum es ohne diese knallbunten Seiten kein Marvel Cinematic Universe gegeben hätte. 

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Marvel Comics Library – Avengers

Im November 1961 startete die schier unglaubliche Erfolgsgeschichte der modernen Marvel-Comics mit einem Heldenteam, den Fantastic Four. Zwei Jahre später debütierte mit den Avengers eine noch mächtigere Gruppe von Superhelden. Deren Mitglieder Ant-Man, Hulk, Thor, Iron Man (damals noch in einer goldenen Rüstung) und The Wasp hatten zuvor bereits Einzelabenteuer bestanden.

Doch im September 1963 traten sie als The Avengers gemeinsam erfolgreich gegen Thors Halbbruder Loki an. Auf dem Cover von The Avengers # 4 war dann zu lesen “Captain America Lives Again!“ Der Marvel-Held des Zweiten Weltkriegs erlebte hier ein spektakuläres Comeback. Jack Kirby und Stan Lee ließen Captain America, nachdem er Jahrzehnte als Folge eines Flugzeugabsturzes in einem Eisblock im Atlantik eingefroren war, zum Mitglied der Avengers werden.

Dieser und viele weitere klassische Comic-Momente können dank der Marvel Comic Library noch einmal so authentisch wie möglich erlebt werden. Die klassischen Hefte aus den 60er-Jahren kommen originalgetreu zum Abdruck. Dabei wurde auf eine Neukolorierung verzichtet, sondern Taschen hat alles drangesetzt, um die Rasterpunkte der alten Farbgebung originalgetreu wiederzugeben.

Dieses Bestreben ging sogar so weit, dass für die Reproduktionen der Titelbilder und Backcover Hochglanzpapier und für die Innenseiten Offsetpapier mit matter Oberfläche verwendet wurde. Die Comics inklusive der Leserbriefe und Werbeanzeigen kommen in einem knapp 630-seitigen Hardcoverband in englischer Sprache im Format von 28 x 39,5 cm zum Abdruck, also doppelt so groß wie einst die Originale.

Das in einer Auflage von 5.000 nummerierten Exemplaren produzierte Resultat revitalisiert durch akribische Rekonstruktion den Charme der Original-Comichefte. Als Beigabe gibt es ein ausführliches Vorwort des Comicautoren Kurt Busiek (Marvels), sowie Credits mit Inhaltsangabe zu jedem der enthaltenen Hefte.

Die Interessenten für mit 150 Euro nicht ganz billige – weil aufwändig produzierte – Sammler-Ausgaben dürften durch das beständig expandierende Marvel Cinematic Universe nicht weniger werden. Daher setzt Taschen seine Marvel Comics Library mit Bänden zu Fantastic Four, X-Men, Captain America, Silver Surfer und Spider-Man fort.

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Doctor Mordrid – Master of the Unknown

Mitten in New York, aber gut versteckt, haust Doctor Anton Mordrid (Jeffrey Combs) und hält von seiner mit magischen Artefakten gefüllten Wohnung Kontakt zu anderen Dimensionen wie dem Tor zur Hölle. Als von dort aus eine Invasion der Erde droht, versucht der Magier dies mit Hilfe der jungen Polizistin Samantha Hunt (Yvette Nipar) zu verhindern…

Doctor Mordrid

Bereits 1982 versuchte Full Moon Entertainment, die auf Trash-Filmreihen wie Puppet Master, Subspecies oder Trancers spezialisierte Firma von Charles Band und seinem Vater Albert ein an den Marvel-Comics orientiertes Filmuniversum loszutreten. Doch trotz sorgfältiger Machart ist dem Resultat jederzeit das moderate Budget anzusehen. Der Höhepunkt von Doctor Mordrid ist findet in einem Naturkundemuseum als Kampf zwischen einem Mammut- und einem T-Rex-Skelett statt.

Doctor Mordrid

Diese an den Trickexperten Ray Harryhausen erinnernde Sequenz wurde von David Allen im Stop-Motion-Verfahren realisiert und inspirierte die deutsche Firma Highlight dazu, den Film 1993 auf Video unter dem Titel  Rexosaurus zu veröffentlichen.

Doctor Mordrid - Master of the Unknown

Eine liebevoll aufgemachte Mediabook-Edition aus dem Hause Wicked Vision präsentiert Doctor Mordrid als das, was er wirklich ist: Der gescheiterte Versuch mit einem Film über Doctor Strange ein Marvel Cinematic Universe zu starten. Dass hierzu bereits Gespräche auf höchster Ebene stattgefunden haben, belegt – als Höhepunkt des interessant zusammengestellten Bonusmaterials – ein halbstündiger Monolog der Marvel-Legende Jack Kirby.

Doctor Mordrid

Gut aufgelegt erzählt Kirby davon, wie er bereits 1941 gemeinsam mit Joe Simon Captain America schuf und in den 60er-Jahren nahezu alle bedeutenden noch heute sehr aktiven Marvel-Superhelden schuf. Am Ende erzählt der Zeichner, dass er große Hoffnungen in die von Full Moon Entertainment geplanten Verfilmungen seiner Comics setzt, den Namen Stan Lee hingegen ewähnt Kirby kein einziges Mal.

Doctor Mordrid

Die Limited Mediabook Edition von Wicked Vision enthält den 75-minütigen Film auf DVD und Blu-ray. Als Bonusmaterial gibt es zwei Audiokommentare: Einmal von Regisseur Charles Band und Hauptdarsteller Jeffrey Combs (wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), sowie von Torsten Dewi und Marco Erdmann, “Videozone – Hinter den Kulissen“ (8:41 min), Uncut Footage (92:44 min), William Shatner im Gespräch mit Stuart Gordon, Jeffrey Combs und Barbara Crampton (12:17 min), Interview mit Comic-Legende Jack Kirby (27:58 min), Deutscher Trailer (1:06 min), US-Trailer (1:36 min), Alternativer Trailer (1:01 min), Bildergalerie (2:29 min), sowie 24-seitiges Booklet mit einem informativen Text von Torsten Dewi

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