Nachdem Levin Kurio seit 2004 in seinem Weissblech Verlag bereits 80 Ausgaben der Reihe Hammerharte Horrorschocker veröffentlichte, startete er zum Comic-Salon in Erlangen eine zweite „ähnlich gelagerte spuktakuläre“ Heftserie. Geisterstunde enthält “drei neue Geister- und Gruselstories in bewährter gespenstischer Manier.“
Ähnlich wie einst bei den EC-Comics der Crypt-Keeper, der Vault-Keeper und die Old Witch, gibt es jetzt auch bei Weissblech ein Trio von Horror-Moderatoren, die nachts auf einem Friedhof herumlungern und abwechselnd in die die Comicgeschichten einführen.
“Der diabolische Dreck“, “der furchteregende Fischjunge“ und “die Hexe Desdemona“ wurden von Lewin Kurio entworfen und zieren plastisch koloriert auch das Cover der ersten Ausgabe von Geisterstunde.
Den Comic eröffnet die ebenfalls von Kurio stammende Geschichte “Ich kaufte einen Geist!“. Hierin ersteigert Waldemar Barz, ein fanatischer Sammler von “Relikten aus vorgeschichtlicher Zeit“, eine geheimnisvolle Truhe, an der er nur wenig Freude haben wird.
Der Höhepunkt des Hefts ist Der Atem des Drachen, eine Geschichte aus dem Wilden Westen. Michael Musal erzählt von chinesischen Arbeitern, die für die Central Pacific Railroad eine Bahnstrecke unter unmenschlichen Bedingungen bauen. Als sich ein sadistischer Vorarbeiter an seiner Tochter vergreift, reicht es dem Heiler Chao Len.
In seiner in den letzten drei Jahrzehnten auf knapp 50 Titel angewachsenen Reihe mit Comic-Biografien hat Willi Blöss bereits Vincent van Gogh, Robert Capa, Niki de Saint Phalle, Klaus Staeck, Nam June Paik und Wilhelm Busch auf jeweils 24 Seiten ebenso kompakt wie kompetent porträtiert.
Jetzt hat der Comiczeichner sein ohnehin schon immenses Spektrum erweitert und sich zwei Kolleg:innen gewidmet, die in den Sechzigern die 9. Kunst in Frankreich maßgeblich prägten. Sowohl im handlichen A6-Heft zu Claire Bretécher als auch in der nahezu gleichzeitig erschienenen Comic-Biografie zu Jean-Jacques Sempé spielt René Goscinny eine wichtige Rolle.
Bevor der in einem Vorort von Bordeaux bei herzlosen Pflegeeltern aufgewachsene Sempé Titelbilder für den New Yorker zeichnete, schuf er gemeinsam mit seinem “ersten Freund in Paris“ Goscinny die mehrfach verfilmte Comicbestseller-Reihe Der kleine Nick.
Zeitgleich mit Sempé arbeitete auch Claire Bretécher mit Goscinny zusammen, allerdings nur wenige Monate. Doch er schätzte die Comics von Bretécher und Ende der Sechziger war sie die einzige Frau, die im von Goscinny ins Leben gerufenen Magazin Pilote veröffentlichte.
Die beiden Biografien ergänzen sich perfekt, denn etwas abseits von Asterix oder Lucky Luke bietet Willi Blöss fundiert recherchierte Impressionen aus ebenso spannenden wie prägenden Comic-Jahren.
Seit 2007 arbeitet Enrico Marini (Gipsy,Der Stern der Wüste) an seinem Historienepos Die Adler Roms. Nach Band V gab es eine sechsjährige Unterbrechung, wohl auch weil Marini in seinem aufwändigen direkt kolorierten Zeichenstil den Zweiteiler Batman: Der dunkle Prinz und zudem noch die Miniserie Noir Burlesque realisiert hatte.
Doch seit Band VI setzt Marini die lose auf der Biografie von Hermann dem Cherusker basierende Serie im Jahrestakt mit 64-seitigen Alben fort. Nachdem Die Adler Roms bei Carlsen als Softcover gestartet wurde, erscheint die Serie mittlerweile dankenswerterweise in Hardcover-Bänden im größeren Format von 24 x 32 cm.
Im Zentrum steht die mittlerweile nicht mehr bestehende Freundschaft zwischen dem Römer Marcus und dem Germanen Arminius, die gemeinsam aufgewachsen sind. In der Schlacht im Teutoburger Wald hat Arminius drei römische Legionen vernichtend geschlagen.
Während sich der glücklose Feldherr Marcus aus Frust eine Weile in Rom als Gladiator versuchte, hat Arminus die Erziehung von dessen Sohn Titus übernommen, der sich in Raban umbenannt hat und bei den Cheruskern lebt. Tusnelda, die hochschwangere Gefährtin von Arminius, ist hingegen in Gefangenschaft von Marcus geraten.
Marini gehen die Ideen für dramatische Verwicklungen nicht aus und seine Geschichte lässt mittlerweile eher an Game of Throne als an ein Geschichtsbuch oder einen Kostümfilm aus Hollywood denken.
1976 trafen mit Superman und Spider-Man erstmals Helden von DC und Marvel aufeinander. In dem von Gerry Conway geschriebenen Abenteuer mussten sie sich mit Lex Luthor und Dr. Octopus herumärgern.
Die Zeichnungen stammten von Ross Andru. Dieser erhielt etwas Unterstützung von den Comiclegenden John Romita Sr. und Neal Adams, der zwei Jahre später Superman auf Muhammad Ali treffen ließ.
Der Comic erschien bei uns seinerzeit als übergroßes Ehapa-Album, wobei der Titel “Superman gegen Super-Spider“ lautete, weil der deutsche Verlag nicht die Rechte an Spider-Man hatte. 1981 kam es zu einer weiteren Begegnung von Superman und Spider-Man, die diesmal gegen Dr. Doom und den Parasiten antraten. Panini veröffentlichte diesen Comic erst 1999 und hat jetzt beide Crossover-Klassiker im Hardcover-Großformat neu aufgelegt.
In der Zwischenzeit gab es weitere Crossovers zwischen Marvel und DC, doch erst jetzt – ein halbes Jahrhundert nach ihrem Erstkontakt – treffen der Stählerne und der Spinnenmann wieder aufeinander. Dabei geht es allerding etwas weniger episch zu. Während die beiden ersten Begegnungen einen Umfang von nahezu 100 bzw. 60 Seiten hatten, füllt das neue Gipfeltreffen mit 24 Seiten gerade mal ein halbes Comicheft.
Nicht allzu spektakulär erzählen Autor Mark Waid (Kingdom Come, Die Geschichte des Marvel-Universums) und Zeichner Jorge Jimenez davon, wie die Reporter Clark Kent und Peter Parker in Metropolis hinter derselben Story herjagen und dadurch eine gefährliche Kooperation zwischen Brainiac und Dr. Octopus vereiteln.
Genau wie kurz zuvor bei zwei Heften, in denen DCs Batman auf Marvels Deadpool traf, gibt es auch hier sieben weitere Ministories mit verlagsübergreifenden Begegnungen, die teilweise von bekannten Comickünstlern realisiert wurden. So schrieb etwa Greg Rucka eine Story, in der Lois Lane vom Daily Planet mit J. Jonah Jameson vom Daily Bugle über den Unterschied zwischen Objektivität und Neutralität diskutiert.
Ganz im Gegensatz zum ersten Crossover von Superman und Spider-Man spielen diesmal die Frauen der der Seite der Helden keine Rolle, haben aber ihren großen gemeinsamen Auftritt in der achtseitigen Story The World’s Finest, die Tom King für Jim Lee schrieb.King gibt in dieser witzigen Shortstory, dem mittlerweile für DC arbeitenden Lee noch einmal die Gelegenheit den von ihm designten X-Men Gambit auf einer spektakulären Doppelseite in Szene zu setzen.
Bemerkenswert sind die Storys von Sean Murphy, der neben Superboy und Spider-Man 2099 auch Terry McGinnis als Batman Beyond auftreten lässt, sowie eine von Jeff Lemire geschriebene Begegnung zwischen Clark Kent und Peter Parker, die sich über ihre Stiefväter Jonathan Kent und Ben Parker unterhalten. Im durchaus krönenden fünfseitigen Abschluss Blind Date kommt es zu einem Team-Up zwischen Power Girl und dem Punisher, das in eine Romanze übergeht.
Ende Juni erscheint das zweite Spider-Man/Superman-Heft. Die Hauptstory wurde von Brad Meltzer geschrieben und von Pepe Larraz gezeichnet. Auch hier sind acht weitere kurze Crossover-Comics enthalten.
Im wirren Outfit betritt ein namensloser „Mann aus der Zukunft“ ein Diner in Los Angeles. Angeblich bereits zum 117. Mal versucht er aus den anwesenden Gästen ein Rebellenkommando zusammenzustellen, um die Welt zu retten. Seine scheinbar willkürlich zusammengestellte Truppe hat bereits große Schwierigkeiten das Restaurant zu verlassen, ohne von der anrückenden Polizei erschossen zu werden…
Gore Verbinsky hat bereits in seiner Pirates-of-the-Caribbean-Trilogie immer mal wieder surreale Momente eingebaut, die auch von Terry Gilliam hätten stammen können. Bei Good Luck, Have Fun, Don’t Die bewegt er sich noch ein gutes Stück weiter in Richtung Brazil oder 12 Monkeys, denn er wechselt immer wieder nahtlos zwischen Klamauk und sozialkritischen Drama.
Zum scheinbar wirren Gesamtkonzept passt auch die Besetzung der Hauptrolle durch Sam Rockwell, der gerne den unberechenbaren Weirdo spielt. Das Drehbuch von Matthew Robinson überrascht durch die eingestreuten Rückblenden, in denen die zwangsrekrutierten Diner-Gäste näher vorstellt werden, zugleich aber auch gezeigt wird, in welchem Zustand sich die menschliche Gesellschaft befindet, bzw. demnächst befinden wird.
So kann sich ein von Michael Peña und Zazie Beetz gespieltes das Lehrerehepaar kaum noch gegen die von ihren Handys gesteuerten Schüler durchsetzen. Susan (Juno Temple) hingegen landet, gleich nachdem ihr Sohn Darren Opfer eines Schulmassakers wurde, bei einer angeblichen Selbsthilfegruppe. Dort wird ihr angeboten Darren klonen zu lassen. Hierfür gibt es staatliche Zuschüsse, und wenn der neue Sohn auch noch Werbesprüche aufsagt, kann Susan sogar Gewinn machen…
Eine Klasse für sich ist Haley Lu Richardson, die als Ingrid eine Allergie gegen elektronische Geräte und WLAN hat und daher als Prinzessin auf Kindergeburtstagen arbeitet. Gore Verbinsky gelingt es scheinbar ebenso so mühe- wie atemlos seinen Film wild wechselnd zwischen Action und Wahnsinn auf Touren zu halten. Auch das wirklich überraschende Ende lädt dazu ein, sich Good Luck, Have Fun, Don’t Die sobald wie möglich nochmal anzuschauen.
Die Blu-ray von Constantin Film enthält als Bonusmaterial eine fünfminütige Featurette und den deutschen Trailer (2:09 min).
1969 drehte Elvis Presley den letzten seiner 31 Kinofilme, die zwar erfolgreich waren, doch den King von 1961 bis 1969 davon abhielten, Konzerte zu geben. Dies änderte sich schlagartig, als er im Sommer 1969 damit begann teilweise mehrmals täglich im International Hotel in Las Vegas aufzutreten. Bis zu seinem Tode gab Elvis mehr als 1.000 Konzerte, leider nur in Nordamerika.
Als Baz Luhrmann 2022 für seinen erfolgreichen Kinofilm Elvis nach Filmmaterial von diesen Auftritten suchte, machte er reiche Beute. In den Filmarchiven von Warner, die sich in Salzminen in Kansas befinden, wurden 68 Kisten mit 35-mm- und 8-mm-Filmmaterial entdeckt. Peter Jacksons Park Road Post Production hatte zuvor schon Filmmaterial aus dem Ersten Weltkrieg für die Doku They Shall Not Grow Old und Beatles-Aufnahmen mit erstaunlichen Resultaten restauriert.
Auch die Auftritte von Elvis wirkten nach der Bearbeitung wie gestern gedreht. Gemeinsam mit dem irischen Cutter Jonathan Redmond gelang Baz Luhrmann mit EPiC: Elvis Presley in Concert ein erstaunlicher 96-minütiger Film. Dieser funktioniert durch die interessanten Bilder und die ebenfalls restaurierten O-Töne als Doku, zeigt aber auch immer wieder den begnadeten Showman.
Nach einem kurzen zehnminütigen Prolog, der durch gut gewählte Filmausschnitte belegt, was für seichte Kinokost Elvis dreizehn Jahre lang in Hollywood drehte, dokumentiert Luhrmann mit welcher Power dieser danach performte. Mitten im Song wechselt der Film immer wieder scheinbar nahtlos von der intimen Probe direkt zum umjubelten Livekonzert.
Dabei ist ein erstaunlich entspannter Elvis zu erleben, der scheinbar mühelos auch interessante Coverversionen zu Yesterday von den Beatles oder Bridge over Troubled Water von Simon & Garfunkel gesungen hat. Ob es im Nachspann auch noch das Elvis-Gedicht American David von Bono gebraucht hätte, ist Geschmackssache.
Dieser Westerncomic wurde bereits ab 2021 unter dem Titel Die Frau mit dem Silberstern im Magazin ZACK abgedruckt. Martin Frei schrieb und zeichnete damit eine Fortsetzung zum Comicalbum Der Mann mit dem Silberstern, das 1969 als sechster Band der Serie Leutnant Blueberry erschienen ist.
Anders als davor und danach präsentierten Autor Jean-Michel Charlier und Zeichner Jean Giraud in diesem Album nicht das Kapitel einer epischen Storyline, sondern sie erzählen eine abgeschlossene Geschichte. Leutnant Mike Blueberry erhält den Befehl als Sheriff im von Outlaws bedrohten Städtchen Silver Creek für Recht und Ordnung zu sorgen.
Zusammen mit seinem versoffenen Sidekick Jim McClure, dem jungen Rusty und der Lehrerin Katie Marsh gelang es ihm die Gesetzlosen zu vertreiben. Am Ende der Geschichte übergibt Blueberry seinen Silberstern an Katie, die ihn gerne näher kennengelernt hätte, und reitet davon. Martin Frei griff diese Geschichte auf und erzählte davon, wie die Lehrerin versucht sich weiterhin in Silver Creek zu behaupten.
Vor der Veröffentlichung in ZACK fragte der Herausgeber Georg F. W. Tempel bei den Lizenzgebern in Frankreich nach, ob es in Ordnung wäre, eine Fortsetzung des Blueberry-Comics zu produzieren. Ihm wurde mitgeteilt, dass dies möglich ist, wenn keine der Hauptfiguren im Bild oder namentlich eine Rolle spielen würde.
Ohne Beanstandung erschien Die Frau mit dem Silberstern ab 2021 als Fortsetzungsserie in neun Ausgaben von ZACK. Da die Resonanz positiv war, wurde 2023 die gesamte Geschichte zusammen mit Bonusmaterial in einer Hardcover-Edition veröffentlicht, deren Cover an Egmonts Blueberry Chroniken erinnert. Als dies einem Nachfahren des 1989 verstorbenen Charlier zu Ohren kam, drohte dieser mit rechtlichen Schritten.
Schweren Herzens ließ Tempel die bereits gedruckten Ausgaben einstampfen. Eine auf wenige Exemplare limitierte Vorzugsausgabe, der Originalcomicseiten von Martin Frei beilagen, wurde zuvor bereits ausgeliefert und wird mittlerweile hochgehandelt.
Doch damit war der Comic nicht gestorben. Frei und Tempel überlegten sich, wie es mit der einen Silberstern tragenden Westernheldin weitergehen sollte. Frei nahm einige Änderungen an der Story und den Zeichnungen vor. Aus Miss Marsh wurde Carol Welsh und Silver Creek heißt jetzt Snowflake.
Den Part von Mike Blueberry übernahm ein “Pinkerton-Detektiv, Seemann, Büffeljäger, Goldsucher und Indianeragent“ namens Bullet Hill, mit dem problemlos weitere Abenteuer erzählt werden können.
Innerhalb der Zack-Edition erschien eine Hardvoverausgabe mit dem kompletten Comic, der sich nicht hinter frankobelgischen Westernklassikern verstecken muss. Neben Hintergrundinfos ist eine schön zusammengestellte Galerie mit Zeichnungen von der Lehrerin und weiteren Cowgirls enthalten.
Bevor Hal Foster ab 1937 große Erfolge mit Prinz Eisenherz feierte, veröffentlichten die US-Zeitungen bereits sechs Jahre lang auf farbigen Sonntagsseiten seine Version von Edgar Rice Burroughsʼ Dschungelhelden Tarzan. Ein großformatiger Band des Taschen Verlags präsentiert den kompletten Tarzan von Hal Foster.
Dazu gehören auch jene sechzig schwarzweißen Zeitungsstrips, die Foster 1929 zu Papier brachte. Hierin adaptierte den ersten Tarzan-Roman von Rice Burroughs und erzählte die Origin, inklusive der tragischen Geschichte von dessen Eltern Lord und Lady Greystoke, die nach einer Meuterei an der afrikanischen Küste ausgesetzt wurden.
Nachdem er diese Miniserie mit dem Verzicht von Tarzan auf seinen Adelstitel, sowie seiner Rückkehr in den Dschungel zum Abschluss gebracht hatte, war Foster keineswegs erpicht darauf, weiterhin als Comiczeichner tätig zu sein.
Das Buch von Taschen enthält ein sehr interessantes Vorwort von Dian Hanson, das im Gegensatz zu den nur in der Originalversion enthaltenen Comics, reichbebildert in deutscher, englischer und französischer Sprache zum Abdruck kommt. Hanson erzählt darin vom eher schmächtigen Kanadier Foster, der aber dennoch ein Naturbursche wie Tarzan war. Bereits in frühster Jugend ging er auf die Jagd, um den Speiseplan seiner in ärmlichen Verhältnissen lebenden Familie zu bereichern.
Als zeichnerischer Autodidakt studierte er in die Bibliothek von Winnipeg Bildbände mit Zeichnungen von Gustavé Doré oder Arthur Rackham. Nach einigen beruflichen Irrwegen fand er in Chicago Arbeit als Werbegrafiker. Hanson schreibt, dass Fosters Spezialität das Zeichnen von “Korsetts, Büstenhalter („speziell für die Dame mit großer Oberweite“), Bindengürteln, Ausschnittsrüschen und Tournüren“ war. Sie meint, dass diese Beschäftigung mit Damenunterwäsche ihm später dabei geholfen hatte, den Dschungel und das Mittelalter mit exotischen Schönheiten zu bevölkern.
Nach Fosters ersten Tarzan-Strips, die gemeinsam mit der ebenfalls am 7. Januar 1929 gestarteten Science-Fiction-Serie Buck Rogers als die ersten Abenteuercomics gelten, übernahm zunächst Rex Hayden Maxon die Serie. Doch zeichnerisch und auch inhaltlich war Edgar Rice Burroughs unzufrieden mit Maxons Tarzan und er sorgte dafür, dass Foster zur Serie zurückkehrte.
Während der Arbeit an seinen detaillierten Tarzan-Sonntagsseiten entdeckte Foster seine Liebe zum graphischen Erzählen. Zudem bekam er sehr viel positives Feedback in Form von Fanpost. Weniger zufrieden war er jedoch mit den nicht von ihm stammenden Geschichten und der trotz seines großen Einsatzes auf einem niedrigen Niveau bleibenden Bezahlung. Daher begann er ab 1934 mit Prinz Eisenherz eine eigene Serie zu entwickeln und erhielt von Hearts Kings Features Syndicate ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte.
Der Splitter Verlag überrascht immer wieder durch interessant gestaltete Comicbiografien zu Filmgrößen wie Alfred Hitchcock, Stan Laurel, Steven Spielberg oder Martin Scorsese. Doch so umfassend wie in den ersten beiden Bänden über das Leben und Werk von George Lucas wurde noch kein Filmschaffender im Medium Comic porträtiert.
Der erste Band George Lucas: Der lange Weg zu Star Wars enthält zwar auch kurze Episoden aus der Jugend von Lucas, widmet sich auf 200 Seiten jedoch hauptsächlich und sehr ausführlich der Entstehungsgeschichte des ersten Star-Wars-Films. In einem sehr lockeren Stil gelingen Renaud Roche treffsichere – sich gelegentlich am Rande der Karikatur bewegende – Porträts von den Darstellern und den Mitgliedern der Filmcrew.
Der erste Band enthält zwar auch kurze Episoden aus der Jugend von Lucas, widmet sich auf 200 Seiten jedoch hauptsächlich und sehr ausführlich der Entstehungsgeschichte des ersten Star-Wars-Films. In einem sehr lockeren Stil gelingen Renaud Roche treffsichere – sich gelegentlich am Rande der Karikatur bewegende – Porträts von den Darstellern und den Mitgliedern der Filmcrew.
Auch Roches Farbgebung kann überzeugen. Meist koloriert er lediglich in Grautönen, setzt aber immer wieder kleine Farbakzente. So sind manche Krawatten rot und Szenen aus Filmen erstrahlen in Technicolor.
Der Autor Laurent Hopman hat seine Hausaufgaben gemacht, wie nicht nur die umfassende Bibliografie am Ende des Buchs belegt. So erzählt er detailliert davon, dass Star Wars ein ganz anderer Film geworden, wenn George Lucas seine ersten Drehbuchversionen umgesetzt hätte. Auch auf die Probleme bei der Finanzierung und der Realisierung von innovativen Spezialeffekten geht er ausführlich ein.
Doch auch zwischenmenschliche Probleme werden nicht ausgespart und Hopman beschreibt ausführlich die problembeladene Ehe von George und Marcia Lucas. Außerdem beschäftigt er sich mit der Affäre zwischen Carrie Fisher und Han Solo, die während der Dreharbeiten in England lange ein Geheimnis blieb.
Band 1 endet 1977 mit dem triumphalen Erfolg des ersten Star-Wars-Films und den für George Lucas sehr erfolgreichen Verhandlungen mit den Studiogewaltigen von Fox über die finanziellen Konditionen bei der Fortsetzung Das Imperium schlägt zurück.
Auf ebenfalls 200 Seiten erzählen Hopman und Roche in George Lucas – Episode II die nicht minder problematische Entstehungsgeschichte der Fortsetzung. Hier gab Lucas die Regie an Irvin Kershner ab, den er als Dozent an der Filmhochschule kennen und schätzen gelernt hatte.
Auch ansonsten versuchte George Lucas sich nach Fertigstellung des Drehbuchs nicht weiter an Produktion des Films zu beteiligen. Doch die Dreharbeiten in Norwegen und England liefen aus dem Ruder. Immer wieder klingelte in Kalifornien das Telefon und Lucas musste Marcia, der er ein ruhiges Familienleben versprochen hatte, immer wieder enttäuschen.
Das zweite Buch endet ebenfalls mit einer triumphalen Filmpremiere, der erstmals tagelang vor den Kinos kampierenden Fans entgegengefiebert hatten. Auch für George und Marcia gibt es ein Happy End. Dass dieses nicht von Dauer sein wird, davon erzählen Hopman und Roche in einem dritten Band. Auf diesen Comic über das Ende einer Trilogie und einer Ehe bin ich schon sehr gespannt.
Nach seiner epischen Familienbiografie Columbusstraße realisierte Tobi Dahmen einen weiteren ambitionierten Comic. In Zusammenarbeit mit dem internationalen Projekt „Survivor-Centred Visual Narratives“ nahm er Kontakt auf zum ebenfalls in den Niederlanden lebenden Syrer Akram Al Saud.
Dieser wurde 2010 als neunzehnjähriger Architekturstudent in Aleppo aus heiterem Himmel verhaftet. Er landete zunächst in einem Gefängnis des Luftwaffen-Geheimdienstes und wurde dann in eine weitere Haftanstalt verschleppt. Nachdem er im Verhör zugab gegen das Assad-Regime zu sein, wurde er zum ersten Mal brutal verprügelt.
Al Saud beschreibt Dahmen seine Haft, bei der er zusammen mit sechzehn weiteren Gefangenen 75 Tage in eine 1,80 x 2,30 große Zelle gesperrt wurde. Im Comic zeigt Dahmen, wie er in seiner Wohnung mit mehreren Zollstöcken die Fläche der Zelle markiert und sich vorstellt dort gemeinsam mit sechzehn Menschen eingesperrt zu sein.
Doch ansonsten taucht Tobi Dahmen innerhalb seiner Comicerzählung eher selten auf. Er lässt Akram Al Saud zu Wort kommen und visualisiert dessen Erlebnisse in eindringlichen aber niemals voyeuristischen Bildern. Obwohl Al Saud von den vier syrischen Geheimdiensten immer wieder verhaftet und gefoltert wurde, hörte er nicht auf gegen das System zu demonstrieren.
Ende 2015 verlor er seine Hoffnung auf ein besseres Syrien und “beschloss rüberzumachen“. Tobi Dahmen zeigt wie es Al Saud zusammen mit 65 Flüchtenden in einem Gummischlauchboot, das kaum größer als seine Gefängniszelle war, nach Griechenland und weiter in den Westen schaffte.
Nachdem er das Verhalten der dortigen Polizei als “sehr demütigend“ empfand, wollte Al Saud nicht in Deutschland bleiben. Zu einer Frau, die fragte, ob sie und ihre Tochter in einem anderen Schlafsaal der Unterkunft und nicht bei den ganzen Männern übernachten könnien, meinte ein Beamter: “Wenn es Dir hier nicht gefällt, kannst Du ja zurück zu Baschar al-Assad gehen.“
Eindringlicher als ein Zeitungsartikel oder ein TV-Bericht vermittelt dieser mit einem umfangreichen Anhang versehene Comic die tragische Geschichte eines jungen Syrers, bei der es sich leider um alles andere als ein Einzelschicksal handelt.