Alle Beiträge von Heiner Lünstedt

Nosferatu in Venedig

Ein Jahr bevor er in seinem letzten Film Paganini nicht nur die teuflisch geigende Titelrolle spielte, sondern erstmals auch Regie führte, kehrte Klaus Kinski 1988 noch einmal zu einer seiner bekanntesten Rollen zurück. Italienische Produzenten – darunter auch Silvio Berlusconi – hatten die mehr oder weniger geniale Idee den Darsteller als Vampir Nosferatu durch Venedig spuken zu lassen.

Cover A

Doch sie hatten die Rechnung ohne den unberechenbaren Kinski gemacht. Dieser dachte gar nicht daran, sich noch einmal – wie ein Jahrzehnt zuvor im Film von Werner Herzog – Tag für Tag aufwändig zur Schreckensgestalt in der Tradition des Grafen Orlok aus F. W. Murnaus Stummfilmklassiker Nosferatu schminken zu lassen.

Cover B

Unbeeindruckt von den Regieanweisungen der wechselnden Regisseure trat Kinski ganz “normal“ mit seiner herbstblonden Mähne auf, und als einzigen Kompromiss ließ er sehr gelegentlich mit Mäusezahn-Prothese filmen. Doch meistens ist Kinski im Film mit oft von ihm selbst inszenierten Aufnahmen zu sehen, in denen er bei Sonnenaufgang durch Venedig schlendert.

Cober C

Auch die prominenten Nebendarsteller Christopher Plummer und Donald Pleasence, sowie einige schöne Bilder aus Venedig (ohne Kinski) konnten den Film nicht retten. Erst auf Video fand Nosferatu in Venedig sein Publikum. Mittlerweile gibt es auch ein mit drei verschiedenen Covern veröffentlichtes Mediabook. Mit Creation is violent ist auch eine hochinteressante spielfilmlange Doku mit „Anecdotes On Kinski’s Final Years“ enthalten, die eine gute Ergänzung zu Werner Herzogs Mein liebster Feind ist.

In Interviews wird hier ausführlich erzählt, wie Kinski den Machern seiner letzten Billigfilme ausgiebig auf die Nerven und den Darstellerinnen immer wieder an die Wäsche gegangen ist. Doch es wird auch dokumentiert, dass Kinski in seinen letzten Jahren anscheinend in seinem abgelegenen Haus in Lagunitas (Kalifornien) zur Ruhe gekommen ist. Die Leiterin der örtlichen Poststelle und deren Tochter schwärmen noch heute von ihrem guten Freund Klaus.  

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Die große Liebe

Berlin zur Zeit des Zweiten Weltkriegs: Während eines kurzen Heimaturlaubs sieht der junge Fliegeroffizier Paul Wendlandt die berühmte Varieté-Sängerin Hanna Holberg und verliebt sich in sie. Ein Fliegeralarm hilft ihm dabei der Frau seiner Träume näher zu kommen, denn Hanna ist gezwungen, Paul mit zu sich nach Hause zu nehmen. Die beiden möchten heiraten, doch der Krieg lässt es nicht zu…

Bei diesem Film von 1941, in dem Zarah Leander ihre Hits Davon geht die Welt nicht unter und Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n singt überrascht auf den ersten Blick, dass hier – genau wie bei den DVDs zu zahlreichen Horrorfilmen – ein rotes FSK 18-Quadrat auf dem Cover platziert wurde.

Oberflächlich betrachtet erzählt Die große Liebe eine dramatische Liebesgeschichte. Doch scheinbar ganz nebenbei wird auch von einem “normalen“ Leben in einem ständig von Luftangriffen bedrohten Berlin, von Engpässen in der Versorgung mit Lebensmitteln, von Truppenbetreuung im besetzten Paris und von bedingungsloser Opferbereitschaft für das Vaterland erzählt. Einmal ist sogar eine Ansprache von Adolf Hitler zu hören, der den Beginn des Russlandfeldzugs ankündigt.

Mit Die große Liebe wollte Joseph Goebbels einen Film produzieren, der anders als die meisten UFA-Filme kein völliger Eskapismus war, sondern die damalige Realität zeigte und nach nationalsozialistischen Vorstellungen zurechtbog. Im Gegensatz zu Veit Harlans schwerfälligen und allzu offensichtlich propagandistischen Werken Jud Süß oder Kolberg konnte Die große Liebe tatsächlich die Massen begeistern und 28 Millionen Menschen sahen seinerzeit den Film.

Dieser ist trotz seiner teilweise erstaunlich leichtfüßigen Grundtons alles andere als ein purer Unterhaltungsfilm, sondern sehr gut gemachte Durchhalte-Propaganda. Von daher ist es angebracht, wenn die DVD nicht nur den FSK 18-Sticker sondern auch noch einen – allerdings eher zaghaft-kritischen – einleitenden filmhistorischen Kommentar enthält!

Bei der Blu-ray von Die große Liebe gibt es auf der Rückseite des Covers einen knappen, aber guten Text von Ane Siegmayer, hier ein Zitat: “In Hannas persönlichem Schicksal konnte sich das vornehmlich weibliche Publikum 1942 wiedererkennen. Gleichzeitig war der Film eine regelrechte Huldigung der deutschen Luftwaffe und sprach auch ein männliches Publikum an. Geschickt wurden die vermeintlich positiven Seiten des Lebens als Luftwaffenoffizier zur Schau gestellt: actionreiche Fliegereinsätze, Heldentum, eine schmucke Uniform und Fronturlaub am Strand — was will man(n) mehr. Die Stationen der Handlung führten die Liebenden und die ZuschauerInnen einmal quer durchs besetzte Europa. Interessanterweise war das Oberkommando der Wehrmacht mit dem Film nicht einverstanden. Von einem Fliegeroffizier, der eine Nacht mit einer Sängerin verbrachte. fühlte das 0KW sich moralisch gestoßen.“

Abschließend noch ein paar Worte zum Evergreen Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n. Komponiert wurde der Song von Michael Jary, der darauf bestand, dass er zur Fertigstellung unbedingt seinen Texter Bruno Balz benötigt. Daraufhin kam dieser, der von der Gestapo wegen seiner Homosexualität verhaftet wurde, wieder frei. Sein Lied machte nicht nur nationalsozialistischen Bürgern Hoffnung auf ein Wunder, sondern auch den Oppositionellen und KZ-Insassen.     

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Ghibliothek

Eines Tages stellte Michael Leader fest, dass es “eine unfassbare gewaltige Lücke im kulturellen Wissen“ seines ansonsten genauso filmbesessenen Kumpels Jake Cunningham gab: “Er hatte kaum einen Studio Ghibli-Film gesehen.“ Da dies gar nicht ging, erstellte Michael einen „strengen und straffen Lehrplan für Mike“ und das Resultat ist dieses bemerkenswerte Buch.

Angefangen bei Hayao Miyazakis 1984er Blockbuster Nausicaä aus dem Tal der Winde setzte sich das Duo chronologisch und intensiv – aber niemals ausufernd! – mit den einzelnen Ghibli-Filmen auseinander. Dabei war es Michael, der die jeweiligen Hintergrundinfos lieferte, während Jake, der manche Filme zum ersten Mal sah, ebenso lebendige wie subjektive Kritiken zu Papier brachte.

Das Konzept geht voll auf und das Buch lädt auf 200 sehr schön bebilderten Farbseiten zu einer spannenden Zeitreise ein. Wer sich darauf einlässt, ist 1986 dabei, als Miyazaki mit Das Schloss im Himmel den ersten Ghibli-Film drehte. Zwei Jahre später später brachte das Studio mit Miyazakis Mein Nachbar Totoro und Isao Takahatas Die letzten Glühwürmchen am selben Tag zwei sehr unterschiedliche Filme in die Kinos.

Die beiden Studiogründer beschritten völlig unterschiedliche Wege. Nachdem Takahata mit Only Yesterday einen schwer zu Herzen gehenden Film in Szene setzte, machte er mit Pom Poko, Meine Nachbarn die Yamadas und Die Legende der Prinzessin Kaguya ohne Rücksicht auf Verluste sein eigenes Ding. Hayao Miyazaki hingegen reihte Klassiker an Klassiker: Kikis kleiner Lieferservice, Porco Rosso, Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland, Das wandelnde Schloss, Ponyo und Wie der Wind sich hebt.

Doch das ist noch lange nicht alles. Dieses Buch erzählt auch darüber, wie Miyazakis Sohn Goko 2006 mit Die Chroniken von Erdsee an der Kinokasse zwar erfolgreich war, doch auch sehr viel Spott erntete und Ursula K. Le Guin, die Autorin der dem Film zugrundeliegenden Fantasy-Romane, verärgerte, Besprochen werden auch Die rote Schildkröte vom Niederländer Michael Dudok und der am Computer animierte Film Aya und die Hexe, die sich beide nicht so recht in die restliche Ghibli-Filmografie einfügen wollen.

Die 2022 erschienene erste Auflage der Ghibliothek ist bereits vergriffen und mittlerweile liegt eine neue Ausgabe vor, die zusätzlich noch ein Nachwort emthält, sowie eine Besprechung zu Hayao Miyazakis möglicherweise tatsächlich letzten Ghibli-Film Der Junge und der Reiher.

In derselben Aufmachung ist das ebenfalls von Michael und Jake verfasste Buch Die Anime-Bibliothek erschienen. Dieser “ultimative Guide zum japanischen Animationsfilm“ enthält je einen ausgewählten Film von dreißig Regisseuren, also z. b. Akira von Katsuhiro Otomo, Ghost in the Shell von Mamoru Oshii oder Your Name von Makoto Shinkai.

Durch die Hintertür ist es dem Duo auch gelungen “Studio Ghibli“ in ihren ebenfalls sehr lesenswerten Anime-Guide zu schmuggeln, denn mit Lupin III: Das Schloss des Cagliostro ist darin auch der erste Kinofilm von Hayao Miyazaki enthalten.

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Frankensteins Monster

So mancher schon etwas betagter Comicfreund hat sicherlich in seiner Jugend die beim Williams Verlag erschienene Serie Das Monster von Frankenstein mit einigem – vielleicht sogar leicht schaurigen – Vergnügen gelesen. Diese startete in den USA 1973 bei Marvel unter dem Titel The Monster of Frankenstein als relativ werkgetreue Adaption von Mary Shelleys Romanvorlage.

Der Autor Gary Friedrich und der Zeichner Mike Ploog siedelten ihre Geschichte am Ende des 19. Jahrhunderts an. Die ersten vier Hefte erzählten von einer Arktisexpedition, die Robert Walton IV, ein Ururenkel von Dr. Victor Frankenstein, mit einer “kleinen Gruppe von Gesetzlosen und Mördern“ durchführte und die natürlich im ewigen Eis das tiefgekühlte Monster fand.

Während nach dem Auftauen des Monsters die Lage am Nordpol ziemlich brenzlig wurde, erzählte Walton seinem Schiffsjungen die tragische Geschichte seines Vorfahrens. Dieser Auftakt der Serie funktioniert sehr gut als atmosphärisch stimmige Comicversion des Klassikers.

Dabei wurde vermieden, dass das Monster zu sehr nach Boris Karloff und Universal Horror aussah. Mike Ploog orientierte sich dabei an einer von Stan Lee abgesegneten Entwurfszeichnung von John Romita SR.

Doch nach vier Heften wurde es immer alberner und nach Ausgabe 6 verabschiedete sich Mike Ploog. Es kam dann tatsächlich genauso wie von ihm befürchtet, denn langsam aber sicher landete das Monster in Marvels damaliger Gegenwart und traf auf Spider-Man oder Iron Man.

Zwischendrin gastierte das Monster aber auch mit kürzeren Fortsetzungsstories in Marvel-Horrormagazinen wie Monster Unleashed! oder The Legion of Monsters. Hier gab es teilweise großartige schwarzweiße Graphik von John Buscema zu bestaunen und so manche dieser Geschichten ist durchaus lesenswert.

All dies Material brachte bei uns der Williams Verlag ab 1974 unter dem Titel Das Monster von Frankenstein an die Kioske. Als Krönung wurde hierfür die Nummer 26 sogar eigens für die deutsche Veröffentlichung von Hartmut Huff getextet und vom Spanier Leopold Sanchez gezeichnet.

Dabei handelt es sich um die direkte Fortsetzung des letzten US-Heftes The Monster of Frankenstein # 18. Die deutsche Ausgabe hielt sogar bis Nummer 33 durch, denn hier wurden auch noch eigens kolorierte Versionen der schwarzweißen Seiten aus Monster Unleashed!verwurstet.

Panini hat den Marvel-Frankenstein in einem schönen leicht überformatigen Sammelband auf 570 Seiten komplett (aber ohne Ausgabe 26!) veröffentlicht und auch noch etwas Bonusmaterial draufgelegt. In derselben Aufmachung – allerdings in drei Bänden – wurde bei Panini auch die zeitgleich erschienene Serie The Tomb of Dracula als Die Gruft von Dracula herausgebracht.

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Der absolute Horror

Im sechsten Buch der Reihe “Texte zur graphischen Literatur“ erzählt Christian Blees faktenreich und unterhaltsam die Geschichte der Gruselcomics in Deutschland. Dabei informiert er auch darüber, in welcher Form diese veröffentlicht wurden und liefert zudem die Biografien der wichtigen internationalen Kreativkräfte.

Dabei liest sich das Buch teilweise wie ein guter Gruselroman, denn es ist erschreckend, wie rücksichtslos viele internationale Comics von deutschen Verlagen verstümmelt, entstellt oder entschärft wurden. Dies trifft ganz besonders auf die Veröffentlichungen in den Siebzigern zu.

Doch Blees erzählt auch vom wohl ersten deutschen Gruselcomic, dem 1954 beim Alfonz Semrau Verlag veröffentlichen Vierteiler Das Geisterschiff, dessen Zeichner unbekannt blieb. Es folgten beim Bildschriftenverlag (bsv) innerhalb der aus den USA übernommenen Reihe Illustrierte Klassiker auch immer wieder Adaptionen von Schauerliteratur wie Die Frau in Weiß vom Wilkie Collins oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson.

Zwar gab es bei bsv ab 1967 noch das aus neun Heften bestehendes Gastspiel einer den Namen der Horrorfilm-Ikone Boris Karloff tragenden Anthologie mit “Geschichten des Grauens“, doch das goldene Zeitalter der deutschen Horrorcomics waren die Siebziger. Hier kann Christian Blees aus dem Vollen schöpfen und schreibt sehr lebendig über den bei bsv/Williams von 1972 bis 1984 veröffentlichten “besten Horror aller Zeiten“.    

Eigens für die schlicht “Horror“ genannte aus dem DC-Fundus bestückte langlebige Serie schuf die Grafikerin Marlies Gerson einen roten Titelschriftzug mit blutrot tropfenden Buchstaben, der auch das Cover dieses Buchs ziert. Christian Blees betrachtet diese Comics keineswegs unkritisch: “Was die Bearbeitung der verschiedenen Geschichten anbelangt, bekleckerten sich die Horror-Verantwortlichen keineswegs immer mit Ruhm: Wie damals (nicht nur) auf dem deutschsprachigen Comicmarkt üblich, wurden Originalseiten mitunter kräftig ummontiert oder auch heftig beschnitten. Dies traf bei Horror beispielsweise gleich auf das allererste Heft zu.“

Doch immerhin bekam die deutsche Leserschaft auf diese manchmal etwas suboptimale Art zeitnah Zugriff auf die Marvel-Horrorklassiker Die Gruft von Graf Dracula und Das Monster von Frankenstein, wobei mangels US-Material für letztere Serie das Heft 26 sogar eigens für die deutsche Veröffentlichung von Hartmut Huff getextet und vom Spanier Leopold Sanchez gezeichnet wurde.

Natürlich finden in diesem Buch auch die von 1974 bis 2006 sehr erfolgreich bei Bastei veröffentlichten Gespenster Geschichten Erwähnung. Ewald Fehlau betreute die Reihe mit den sanften Grusel-Kurzgeschichten fast von Anfang an als Redakteur. Neben (freundlich ausgedrückt) höchst durchschnittlichen Comicmaterial kamen innerhalb der Reihe auch Storys von Zeichnern wie Frank Frazetta, Jack Kirby oder Wally Wood zum Abdruck.

Bemerkenswert ist auch, dass deutsche Zeichner wie Altmeister Hansrudi Wäscher, Reinhard Horst oder Oliver Kammel zum Einsatz kamen und Peter Mennigen Hauptautor bei den Gespenster Geschichten war. „Seltsam? Aber so steht es geschrieben …“

Damit diese Rezension nicht zum Epos wird, sei noch in Stichworten aufgezählt, was noch alles in diesem seinem Thema mehr als gerecht werdenden Buch zu finden ist: Vampirella, Spuk Geschichten, Vanessa: Die Freundin der Geister, Der Geister Reiter, Alan Dark, Gänsehaut, Grusel-Comics, Arsat – Der Dämonenjäger, Swamp Thing, Menschenblut, Buffy – Im Bann der Dämonen, Dylan Dog, Hellboy, The Walking Dead, Marvel Zombies, From Hell, Locke & Key, American Vampire, Neonomicon, Crossed, Hill House Comics, Malcolm Max, Outcast, Once & Future, Das Haus am See, Creepshow. Manga-Horror aus Japan, Horrorschocker uvm.

Dieser Buch bestellen unter: www.reddition.de

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Beverly Hills Cop 4

Nach einer Pause von 30 Jahren kehrt Eddie Murphy auf Netflix zu seiner populärsten Figur zurück. Einmal mehr verschlägt es ihn als Detroiter Cop Axel Foley nach Los Angeles. Dort ist seine Tochter Jane (Taylour Paig), die als Anwältin den Fall eines vermeintlichen Polizistenmörders übernommen hat, ihres Lebens nicht mehr sicher.

Der 63-jährige Murphy scheint kaum gealtert zu sein und Axel Foley ist immer noch ein unberechenbarer Chaot, der jedoch wieder den Fall auf jeden Fall löst. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten stehen ihm – permanent untermalt von Harald Faltermeyers vertrauten Soundtrack-Gedudel – auch die wieder von Judge Reinhold, John Ashton und Paul Reiser gespielten alten Kollegen zur Seite.

Doch es gibt auch interessante Neuzugänge. Gut mithalten in Sachen Schlagfertigkeit kann Joseph Gordon-Levitt als Detective Bobby Abbott, der zugleich auch der Ex-Freund von Jane ist. Kevin Bacon hingegen hat sichtlich viel Vergnügen an seiner Rolle als ebenso schnöseliger wie korrupter Cop.

Das Resultat ist nicht ganz so komisch Martin Brests Original von 1984 und kann in Sachen Action nicht mithalten bei Tony Scotts Fortsetzung. Besser als der dritte Teil, den John Landis in den Sand setzte, ist der vom Newcomer Mark Molloy inszenierte vierte Beverly Hills Cop aber allemal, denn diesmal ist tatsächlich wieder die alte Hitze an.      

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Diabolik ist nicht zu fassen

Nach einem spektakulären Banküberfall in Clerville sind sowohl Diabolik als auch sein Gegenspieler Inspektor Ginko den Tätern auf der Spur, allerdings aus unterschiedlichen Motiven. Beide werden von den Räubern außer Gefecht gesetzt und in eine Zelle gesperrt. Dort erfährt Ginko Details über die faszinierende Vergangenheit seines Gegners, während dessen Komplizin Eva Kant versucht Diabolik zu befreien…

Diese Geschichte erzählten die Schwestern Angela und Luciana Giussani 1968 in Diabolik, chi sei? (Diabolik, wer bist Du?) dem 107. Taschenbuch der italienischen Erfolgsserie. Der Comic war eine ideale Vorlage für die Fanbrothers Marco und Antonio Manetti, um ihre 2021 mit Diabolik und ein Jahr später mit Diabolik wird gejagt begonnene Trilogie mit einem krönenden Finale zu beenden.

Auch ihren dritten Diabolik-Film haben die Manettis so inszeniert, als wenn er in den Sechziger Jahren entstanden. Dies erklärt den etwas arg entschleunigt erzählten Auftakt, doch es lohnt sich dranzubleiben. Wenn sich Diabolik (Giacomo Gianniotti) und Ginko (Valerio Mastandrea) in der kleinen Zelle gegenübersetzen, ist auch das Publikum gefesselt. Großartig ist auch eine stilvoll in Schwarzweiß in Szene gesetzte Rückblende, die plausibel erklärt, warum Diabolik der einzige Name des Antihelden ist.

Die Manettis haben die Comicvorlage etwas angedickt. Dadurch ist es ihnen möglich auch die in Italien sehr populäre Figur der Altea di Vallenberg, die bereits in Diabolik wird gejagt von Monica Bellucci gespielt wird, in die Geschichte einzubinden. Da die Adelige in einer sehr enge Beziehung zu Inspektor Ginko steht, hat sie ein ebenso großes Interesse wie Eva Kant (wieder großartig: Miriam Leone) daran, das Versteck der Bankräuber zu finden.

In der zweiten Hälfte entwickelte der Film durch das Zusammenspiel der beiden sehr unterschiedlichen Duos Diabolik/Ginko und Eva Kant/Altea eine große Dynamik. Es ist sehr schade, dass keine weiteren dieser stilvollen und traditionsbewussten Comicverfilmungen gedreht werden.

Die Blu-ray von Plaion enthält neben dem 124-minütigen Hauptfilm noch ein 14-mimütiges, sehr informatives Making Of und den deutschen Trailer (1:21 min). Zusätzlich gibt es noch eine Special Edition mit Blu-ray und DVD, die in einem Schuber stecken, der einen 125-seitigen Comic in der Größe einer DVD-Hülle enthält. Dabei handelt es sich um die deutsche Erstveröffentlichung der Filmvorlage „Diabolik, wer bist Du“ von 1968.

Auf den schlichten schwarzweißen Zeichnungen von Clauco Coretti und Enzo Facciolo, ist alles zu sehen, was zum Erzählen der gradlinig-spannenden Geschichte der Giussani-Schwestern erforderlich ist. Durch diesen Comic wird klar, warum Diabolik zu einem so großen Erfolg wurde.

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Enrico Marini: Die Adler Roms VI

Seit 2007 erzählt Enrico Marini (Gipsy, Der Stern der Wüste) in Die Adler Roms von der On-Off-Freundschaft zwischen dem Römer Marcus und den Germanen Arminus. Marinis erste im Alleingang realisierte Serie basiert auf der alles andere als lückenlos dokumentierten Biografie von „Hermann der Cherusker“, der zu Beginn unserer Zeitrechnung als römischer Soldat unter dem Namen Arminus diente.

Im Jahre 9. n. Chr. bescherte er seinem einstigen Arbeitgeber in der Schlacht im Teutoburger Wald eine verheerende Niederlage und vernichtete drei Legionen. In Marinis Comic kommt Arminus als germanische Geisel nach Rom und erhält bei einem Veteranen zusammen mit dessen Sohn Marcus eine knallharte Ausbildung, die der Beginn einer fragilen Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern ist.

Band V von Die Aller Roms zeigt die atemberaubend, u. a. auf einer monumentalen Doppelseite, von Marini in Szene gesetzte Schlacht im Teutoburger Wald, die für Marcus in einer großen privaten Tragödie gipfelt. Nachdem Marini die ersten fünf Bände im Zweijahrestakt realisiert hatte, sollte es sieben Jahre dauern bis die Fortsetzung erschien.    

Gleich der erste Blick in Band VI überrascht, denn der Comic beginnt mit einer Doppelseite, die jedoch kein gewaltiges Schlachtengetümmel zeigt, sondern einen eher intimen Moment. Im Schatten ist ein Mann zu sehen, der sein Schwer schärft. Um ihn herum befinden sich das Schild und die Waffen eines Gladiatoren. Dass es hier um Marcus handelt verwundert kaum, doch es verwundert, dass Marini seinen Comic diesmal nicht mit aufwändig ausgestalteten Bildfolgen, sondern mit einer schlichten (aber sehr wirkungsvollen) Illustration begonnen hat.

Angesichts der letzten Comics von Marini überrascht diese Entwicklung nicht. Auch in seinem nur die Schmuckfarbe Rot einsetzenden Krimi Noir Burlesque und seiner Batman-Story Der dunkle Prinz setzt Marini weniger auf beeindruckend detailliert gestaltete Panels. Stattdessen zieht er die Leserschaft mit einem an Mangas erinnernden ökonomisch ausgeführten Stil noch stärker in seine Geschichte hinein.

Zwar nimmt die Lektüre des aktuellen mehr als achtzig Seiten umfassenden Bandes sehr viel weniger Zeit ein, als dies bei den merklich dünneren vorherigen Alben der Fall war. Doch ich hatte das Gefühl diesmal sehr viel näher am Geschehen dran zu sein und hoffe, dass es nicht wieder sechs Jahre dauert, bis die Fortsetzung erscheint.

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Jean-Yves Mitton: Das Phantom

Lee Falks Serie The Phantom startete am 17. Februar 1936 und betrat somit noch vor Superman und Batman die Superheld-Bühne. Auch im Nachkriegsdeutschland waren die Geschichten vom “Wandelnden Geist“, der sein Kostüm von Generation zu Generation weiterreicht, sehr populär. Bereits 1949 wurden die Phantom-Strips in Zeitungen wie der Hamburger Morgenpost veröffentlicht.

Von 1974 bis 1983 erschienen beim Bastei Verlag 238 großformatige Hefte und diverse Taschenbücher. Danach wurde es etwas ruhiger um das Phantom. Doch in den letzten Jahren kam es zu einer überraschenden Wiederauferstehung. Im Juni 2022 erschien bei der Edition Alfonz das Sachbuch Lee Falks Phantom – Der ultimative Wegweiser durch den Dschungel der deutschsprachigen Veröffentlichungen von Christian Blees.

Garniert mit einem Titelbild von Timo Wuerz startete zeitgleich mit diesem Rückblick bei Zauberstern Comics ein “offiziell Fanboy geprüftes 100-seitiges “Phantom-Magazin. Enthalten sind sowohl klassisches als auch neues Material und es sind bereits dreizehn Farbausgaben im Bastei-Format erschienen.

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die ebenfalls 2022 gestarteten Aktivitäten von Ulrich Wick, der etwas nostalgischer unterwegs ist. Unter dem Motto “Bastei Freunde präsentieren“ erscheinen hier in zwölf schwarzweißen Heften alle für Bastei von Peter Mennigen geschriebenen und vom Spanier José Ortiz Tafalla gezeichneten Phantom-Comics.

Hierbei handelt es sich um eine absolute Liebhaber-Ausgabe, für die Menningen seine Texte noch einmal überarbeitet hat. Bei den Titelbildern handelt es sich um zwölf bisher nicht in Deutschland veröffentlichte Werke von Ertugrul Edirne und außerdem sind hochinteressante Fachartikel enthalten.

Mit einer ebenfalls in Schwarzweiß veröffentlichten zweibändigen Edition beteiligt sich auch Kult Comics am Phantom-Revival. Jean-Yves Mitton zeichnete in Frankreich unter dem Pseudonym John Milton für die Éditions Lug einige Comics mit Superhelden wie Silver SurferFantastic Four oder Spider-Man. Als der schwedische Semic-Verlag den Familienbetrieb aus Lyon übernahm, erhielt Mitton die Gelegenheit acht Phantom-Geschichten zu zeichnen.

Mittons Comics entstanden nach Texten von britischen Autoren wie Donne Avenell oder Norman Worker. Sie erschienen in Schweden, Norwegen, Finnland, Australien und mit zwanzigjähriger Verspätung auch in Frankreich. Da seine Comics für das schwarzweiße Fantomen-Magazin entstanden sind, platzierte Mitton viele Schwarzflächen in seinen Zeichnungen und arbeitete dabei sehr gekonnt mit Licht und Schatten.

Variantcover von Band 1

Seine Zeichenkunst kommt ganz besonders gut in jenen Geschichten zum Ausdruck, in denen die Vorfahren des amtierenden Phantoms im historischen Paris oder in Brügge ihre Abenteuer erlebten. Seine Geschichten mit dem Phantom machten den Superhelden-Zeichner Mitton fit für in Comicalben veröffentlichte Serien wie Chronik der Barbaren, Messalina oder Vae Victis, mit denen er in Frankreich große Erfolge feierte. Es ist sehr lobenswert, dass Kult Comics seine Edition mit reich bebilderten und äußerst informativen Vorworten versehen hat.

Exlibris von Geier zu Band 2

Als Alternative zur Softcover-Veröffentlichung gibt es eine gebundene auf 99 Exemplare limitierte Ausgabe mit Exlibris von Jean-Yves Mitton und Geier.    

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Schock

Die Regisseure und Drehbuchautoren Daniel Rakete Siegel und Denis Moschitto, der auch die Hauptrolle übernahm, machen dort weiter wo Fatih Akin 1998 mit Kurz und schmerzlos Hoffnung auf ebenso spannende wie milieusichere deutsche Unterwelt-Thriller machte.

Moschitto spielt auch die Hauptrolle des Arztes Bruno, der wegen Drogenproblemen seine Approbation verloren hat. Dennoch denkt er nicht daran, seinen Beruf an den Nagel zu hängen. In Köln kümmert er sich um Patienten, die nicht so einfach zum Arzt gehen können oder wollen. Dabei handelt es sich meist um Prostituierte, Kleinkriminelle oder Illegale.

Bruno kommt gerade so über die Runden, doch eines Tages erhält er ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann. Im Auftrag der Anwältin Kreber (eiskalt: Anke Engelke) soll er einen an Leukämie erkrankten Mafiosi behandeln. Die Lage eskaliert, nachdem Bruno von einem befreundeten Apotheker unwirksame Medikamente bekam…   

Aus der sehr guten Darstellerriege ragt Fahri Yardım heraus, der bisher eher sympathische oder komödiantische Rollen spielte. Eine durchaus dunkle Seite zeigte er bereits in der Fremdschäm-Serie Jerks. In Schock gelingt ihm das Kunststück Giuli, den Mann von Brunos Schwester und Mitglied der kriminellen Mittelschicht, sowohl bedrohlich als auch bedauernswert zu spielen. Aus dieser Richtung kann gerne noch mehr kommen.

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