Alle Beiträge von Heiner Lünstedt

Lurchi # 174: Ach und Krach beim Rasenschach

Mit Heft Nummer 173 wird die seit 1937 laufende Serie Lurchis Abenteuer fortgesetzt. Damit liegt nun nach Lurchi im Hohen Norden, Lurchis Höhlenabenteuer, Lurchis Luftpost, Spielplatz mit Hindernissen, Fernweh, Finale mit Riesen-Überraschung, Lava und und Klopf, klopf – wer spukt denn da? das neunte “lustige Salamanderheft“ von Jan Reiser (Sticks & Fingers,  De Gschicht vom Brandner Kasper, Der kleine Lord) vor.

Schon seit Hoops noch eine Kaulquappe war, begeisterte er sich für amerikanisches Essen, Musik, Autos und ganz besonders für Sport, der da seine Heimat hat: American Football. Er träumt davon, mit seinen Freunden diese Leidenschaft für Football zu teilen und sie dafür zu begeistern.Der Sport ist hart und körperlicher Einsatz ist vonnöten. Die Begeisterung möchte sich so gar nicht einstellen.

Aber zum Glück kennt Cherie Chipmunk, die amerikanische Austauschschülerin von Emily eine Variante des American Football, bei der es nicht so hart und rau zugeht. Der wesentliche Unterschied zum American Football ist, dass die Verteidigung den ballführenden Spieler der Angreifer stoppt, indem sie ihm ein „Flag“ aus dem Gürtel zieht, statt ihn körperlich zu tackeln wie im American Football. Das Flag ist ein Stück Tuch, das dem Spieler stibitzt wird. So weniger rabiat kommen alle auf ihre Kosten und der Spaß beginnt.

Ein fester Bestandteil des Hefts ist wieder spannende und lehrreiche Wissensvermittlung: Wir lernen etwas über die nicht ganz einfachen Regeln des Spiels und in einem Interview mit dem Präsidenten des „American Football und Cheerleading Verbands von Rheinland-Pfalz erfahren wir, dass es in Deutschland circa 450 Football-Vereine in Deutschland gibt.

Der Zeichner und Autor Jan Reiser in Personalunion brilliert abermals durch ein gelungenes Gesamtwerk. Wem die Wartezeit auf Heft 175 zu lange wird, der kann ja alte Sammelbände von Lurchi lesen – neu erschienen ist Sammelband 9 mit den alten Heften 146 bis 157 – noch gezeichnet von Dietwald Doblies, der bis 2021 für die Serie verantwortlich war.

Wer hätte im Jahre 1937, dem Geburtsjahr von Lurchi gedacht, dass dem Feuersalamander ein so langes und erfolgreiches Leben beschieden sein würde. Er ist älter als Batman und Superman: Der Lurch kam durch!

Norbert Elbers

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John Grisham: Das Vermächtnis

In seinem neuen Roman gelingt John Grisham einmal mehr ein großartiger Einstieg. Mit wenigen markanten Sätzen stellt er Simon Latch vor, der im ländlichen Virginia als dreifacher Familienvater mit seinen Einkünften als Amwalt gerade so über die Runden kommt. Die lange überfällige Scheidung und die Wetten, die er wider besseres Wissen in einer Sportsbar abschießt, treiben ihn in einer von Grisham fast atemlos erzählten emotionalen Achterbahnfahrt immer weiter in den finanziellen Abgrund.

Doch alles wird anders, nachdem die 85-jährige Witwe Eleanor Barnett Simons Büro beteiten hat und ihr Testament neu aufsetzen lassen will. Anscheinend besitzt sie eine Unmenge Coca-Cola- und Walmart-Aktien, die von ihrem Mann stammen. Unvorsichtigerweise hat sie sich von einem windigen Anwalt, der direkt gegenüber der Mini-Kanzlei von Simon sein juristisches Unwesen treibt, einen für sie sehr unvorteilhaftes Testament ausgestellen lassen.


Simon erstellt ein neues Testament auf freut sich auf seine Zukunft als fair bezahlter Nachlassverwalter eines Millionenerbes. Doch die Sache geht voll nach hinten los, und plötzlich wird Simon vor einem Schwurgericht wegen Mord angeklagt. Die Beschreibung von Gerichtsverfahren mit 12 Geschworenen sind normalerweise die Spezialität von John Grisham. Wenn er jedoch im driitten Viertel seines Romans lediglich die Plädoyers und Aussagen von Richterin, Staatsanwältin, Anwälten, Zeugen oder Zeuginnen protokolliert, ist dies alles andere als ein kurzer Prozess, sondern lediglich, die von allen Emotionen bereinigte Nacherzählung der sehr viel besseren ersten Hälfte seines Romans.

Im letzten Viertel folgt noch eine Art Befreiungsschlag, der so stark in eine völlig andere Richtung geht, dass es schwerfällt dieses durchaus gelungene, recht eigenständigen Finale als den krönenden Abschluss von Das Vermächtnis zu akzeptieren. Doch was meckere ich hier eigentlich rum, schließlich kriegt das Buch doch noch die Kurve, und ich habe es in einer Nacht durchgelesen…

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Invasion

Eine gewaltige Explosion zerreißt den Himmel zwischen Dallas und Washington und die Trümmer des zerborstenen Spaceshuttles Patriot regnen auf die USA herab. Die Behörden bekommen die Katastrophe zwar sofort unter Kontrolle, doch an den Wrackteilen klebt eine merkwürdige Substanz.

Wer mit dieser in Berührung kommt, ist nicht mehr derselbe. Die Psychiaterin Carol Bennell setzt alles daran, um ihren Sohn zu beschützen, der womöglich der Schlüssel dafür sein könnte, die bevorstehende komplette Infektion der kompletten Erdbevölkerung abzuwenden…

Invasion ist die bereits vierte Kino-Verfilmung einer Science-Fiction-Geschichte von Jack Finney. 1956 drehte Don Siegel jenen schwarzweißen Klassiker, der bei uns Die Dämonischen hieß und im Original den sehr viel prägnanteren Invasion of the Body Snatchers erhielt. Auf dem Höhepunkt der McCarthey-Ära wird von einer Welt erzählt, in der unklar ist, wer Freund (bzw. Mensch) und wer Feind (bzw. Alien) ist. Unvergessen ist die Szene, in der der Hauptdarsteller Kevin McCarthy panisch „You’re next! You’re next!“ schreit. 

In der Neuverfilmung Die Körperfresser kommen von 1976 gelang Philip Kaufman ein erinnerungswürdiges pessimistisches Ende, das erschüttert, weil der von Donald Sutherland verkörperte “Held“ doch noch zum bösen Alien geworden ist. 1993 verlegte Abel Ferrera die Geschichte auf eine Militärbasis und lieferte eine kompakte und spannende Umsetzung von Finneys Geschichte.  

Die dritte Neuverfilmung hätte 2007 das Zeug zum Hit gehabt. Die Besetzung mit Nicole Kidman und Daniel Craig ist hochklassig. Die Wahl des deutschen Regisseurs Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) hätte zu einem interessanten Film führen können. Die Neuinterpretation vom Drehbuchautor Dave Kajganich macht aus der Invasion eine Infektion, die die Menschen zu gleichgeschalteten Robotern mutieren lässt, diese verlieren dadurch jedoch jegliches Interesse an kriegerischen Konflikten.

Ein nicht völlig uninteressanter Ansatz, der in der kurzen Laufzeit des Filmes ziemlich untergeht. Gelegentlich kommt zwar etwas Spannung auf, diese geht jedoch meist in Krawall-Action über, was daran liegen könnte, dass Produzent Joel Silver Hirschbiegels Filmversion noch von den Wachowski-Brüdern und James McTeigue (V wie Vendetta) überarbeiten ließ. Die Veröffentlichung eines Director’s Cuts von Invasion steht noch aus.

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Die Dämonischen

Es ist schon erstaunlich, dass einer der besten und immer wieder gerne neuverfilmten Science-Fiction-Klassiker fast ganz ohne Spezialeffekte auskommt. Vorlage war The Body Snatchers, eine Erzählung von Jack Finney, die 1954 als Fortsetzungsgeschichte im Collier’s Magazine erschienen ist. Finney erzählte in dieser sehr finsteren Geschichte von außerirdischen Invasoren, die nachts in die Körper von schlafenden Menschen schlüpfen, um sie zu gleichgeschalteten und emotionslosen Wesen zu machen.

Bei der Verfilmung, die 1956 in den USA etwas zu reißerisch als Invasion of the Body Snatchers in die Kinos kam und bei uns den eher nichtssagenden Titel Die Dämonischen erhielt, stand Regisseur Don Siegel ein Budget von lediglich 400.000 Dollar zu Verfügung. Daher gab es keine aufwändigen Trickeffekte, wie in den zeitgleich entstandenen Alien-Invasionsfilmen Kampf der Welten, Invasion vom Mars, Fliegende Untertassen greifen an oder der 3D-Produktion Gefahr aus dem Weltall. Dennoch überzeugen, die Szenen in denen gezeigt wird, wie die Samen aus dem All zunächst zu großen Pflanzenschoten und dann zu “neuen Menschen“ werden.

Siegel erzählt vom Arzt Miles Bennell (Kevin McCarthy), der in seine kalifornische Heimatstadt Santa Mira zurückkehrt. Während er seiner Jugendfreundin Becky (Dana Wynter) immer näherkommt, muss er feststellen, dass sich seine vertraute Umgebung drastisch verändert hat. So will ein kleiner Junge nicht nach Hause zurückkehren, weil die Frau, die dort wohnt, nicht mehr seine Mutter ist. Immer mehr der Bewohner wirken wie ausgetauscht…

Ursprünglich sollte der Film negativ enden, mit einem verzweifelten Miles Bennell, der ebenso verzweifelt wie vergeblich „You’re next! You’re next!“ schreit. Doch der Produktionsfirma war dies zu drastisch und bestand auf einer Rahmenhandlung. So kann Bennell im neuen Ende doch noch einige Mitmenschen von der Invasion überzeugen und ein Abwenden der Gefahr erscheint möglich. Fast noch schlimmer ist die neu gefilmte Eröffnungsszene, in der Bennell einem Psychologen “spoilert“, was in seinem Heimatort geschehen ist. Damit wurde laut Siegel der sorgfältige Spannungsaufbau des Films “beinahe ruiniert“.

Doch zum Glück nur beinahe, denn im Laufe der nächsten Jahrzehnte entstanden drei weitere Verfilmungen von Jack Finneys Geschichte. 1978 stand Philip Kaufman bei Die Körperfresser kommen mit Donald Sutherland, Jeff Goldblum und Leonard Nimoy eine prominente Besetzung sowie ein sehr viel größeres Budget zur Verfügung. Kaufman gewährte Kevin McCarthy einen kurzen Gastauftritt und Don Siegel war kurz als Taxifahrer zu sehen. Kaufman verzichtete auf die Rahmenhandlung, die Don Siegel aufgezwungen wurde und ließ seinen Film mit einem laut kreischenden zum Pod verwandelte Sutherland sehr böse ganz im Sinne von Finney enden.

Donald Sutherland in Die Körperfresser kommen

Basierend auf einer Idee des Regisseurs Larry Cohen (It’s Alive, The Ambulance, American Monster), der ein großer Fan des Originalfilms war, verlegte Abel Ferrara 1993 in Body Snatchers die Handlung auf einen Militärstützpunkt, wo gleichgeschaltetes Verhalten nicht weiter auffällt. Ferrara hätte zwar lieber eine werkgetreues und um die Rahmenhandlung bereinigtes Remake des Originalfilms gedreht, doch ihm gelang ein sehr spannender Film mit einigen überraschenden Wendungen und guten Effekten.   

Meg Tilly in Body Snatchers

2007 verfilmte der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) die Story von Finney unter dem schlichten Titel Invasion. Trotz der Starbesetzung mit Daniel Craig und Nicole Kidman konnte der Film, genau wie die Version Abel Ferrara das Budget nicht wieder einspielen.

Filmjuwelen veröffentlichte “Die Dämonischen“ als Collector’s Edition im Mediabook. Enthalten ist neben der bereits 2018 auf Blu-ray veröffentlichen Fassung ohne Bonusmaterial eine 4K Ultra HD-Scheibe. In allerbester Bildqualität enthält diese den Film in den Bildformaten 2,00:1 und 1,84:1. Außerdem gibt es erstmals einen deutschsprachigen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen. Ebenfalls enthalten ist ein zweiter, nicht untertitelter Audiokommentar mit den Hauptdarstellern Kevin McCarthy und Dana Wynter, die vom Regisseur Joe Dante interviewt werden.

Hinzu kommt die zwölfminütige wahlweise deutsch untertitelte Featurette “Die Angst ist real“, in der Joe Dante und Larry Cohen darüber reflektieren, ob “Die Dämonischen“ politisch links oder rechts einzuordnen ist Außerdem sind der deutsche Trailer (2:47 min) und der US-Trailer (1:47 min) enthalten. Für Heimkino-Freunde ist diese neue Edition nahezu unverzichtbar, denn während Filmjuwelen in letzter Zeit auf gedruckte Booklets anstelle von e-Book-Links verzichtet hatte, gibt es bei “Die Dämonischen“ endlich wieder ein richtig schön aufgemachtes 28-seitiges Mediabook mit einem reich bebilderten Text von Dr. Rolf Giesen.

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Night Sleeper – Ein Zug außer Kontrolle

Kurz bevor der Nightsleeper den Bahnhof von Glasgow zu seiner vierstündigen nächtlichen Fahrt verlässt, kommt es durch den Diebstahl einer Handtasche zu einigen Komplikationen. Der Polizist Joe klärt scheinbar die Lage und der Zug macht sich auf den Weg. Doch es handelte sich um ein Ablenkungsmanöver, das von Erpressern organisiert wurde, die das gesamte britische Eisenbahnnetz unter ihre Kontrolle gebracht haben…

Genau wie einst 24 mit Kiefer Sutherland wird auch diese Mitte September 2025 von der BBC ausgestrahlte sechsteilige Miniserie in Echtzeit erzählt. Der etwas undurchsichtige Joe, den Joe Cole (Gangs of London, The Ipecress File) mit all seinen Selbstzweifeln recht interessant verkörpert, befindet sich an Bord des Zuges, also genau wie Sutherland als Jack Bauer, dort wo die Action abgeht.

Die zweite Hauptfigur ist die Computerexpertin Abby (Alexandra Roach), die gerade auf dem Flughafen Gatwick ihre Urlaubsreise nach Marrakesch antreten will. Doch sie wird vom National Cyber Security Centre angefordert. Während sie in London mit Joe per Telefon versucht das Schlimmste zu verhindern, gerät sie zwischen die Fronen von Regierung und Geheimdiensten.

Neben Joe und Abby, die beiden mit Fehlern aus ihrer Vergangenheit konfrontiert werden, befinden sich im Zug und in der Londoner Kommandozentrale allerlei markante Charaktere. Diese tragen wie der ehemalige Lokführer Fraser Warren (James Cosmo), der zum Althippie mutierte frustrierte Ex-Regierungshacker Paul Peveril (David Threlfall) und die britische Verkehrsministerin (Sharon Small) ihren Teil zur Problemlösung aber auch zur Handlung bei. Das Resultat ist etwas weniger atemlos, aber nicht minder spannend wie  24 erzählt und funktioniert zudem auch als Ensemble-Drama sowie als Whodunit nach dem Vorbild von Agatha Christie.

Die Edition von Polyband enthält auf zwei Blu-rays alle sechs Episoden von Nightsleeper. Hinzu kommen noch eine kurze aber sehr gute Featurette (5:18 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln).     

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Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu

1913 feierte der englische Autor Sax Rohmer mit seinem ersten Roman über den Superverbrecher Dr. Fu Man Chu große Erfolge und stand schon recht bald im Zentrum zahlreicher Kinofilme. Von 1965 bis 1968 spielte Dracula Christopher Lee fünfmal einen angemessen bösartigen Fu Man Chu. Die ersten drei Filme Ich, Dr. Fu Man Chu, Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu und Die Rache des Dr. Fu Man Chu wurden relativ sorgfältig produziert.

Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu und Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu hat hingegen der Trash-Filmer Jess Franco (Nachts, wenn Dracula erwacht) sehr hurtig in Szene gesetzt. Bei Filmjuwelen ist 2024 eine optimal zusammengestellte Blu-ray-Edition mit allen fünf Filmen und haufenweise Bonusmaterial erschienen. Aktuell wurden dort ausgerechnet die beiden letzten Fu-Man-Chu-Filme als edel aufgemachte Collector’s Editions mit Mediabook, Blu-ray und bildtechnisch optimierter 4K Ultra HD veröffentlicht.  

1969 entstand in Barcelona und Istanbul als deutsch-spanisch-italienische Co-Produktion Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu. Auch im letzten Film der Reihe ist der Name Programm, denn schon nach wenigen Sekunden quält Jess Franco die Zuschauer, in dem er die Anfangsszene aus Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu erneut verwendet und gleich danach blaustichige Bilder zeigt, die eindeutig aus einem eingefärbten Schwarzweißfilm stammen, in diesem Falle aus Die letzte Nacht der Titanic von 1958. Ebenfalls zum Einsatz kamen spektakuläre Szenen eines Staudamm-Bruchs, die aus dem britischen Film Gefährliches Erbe von 1957 stammten.

Da es sich um eine deutsch-spanisch-italienische Co-Produktion handelt, musste auch ein deutscher Darsteller in einer Hauptrolle dabei sein. Bei den ersten beiden Fu-Man-Chu-Filmen kamen Joachim Fuchsberger und Heinz Drache zum Einsatz. Beide waren aus der westdeutschen Edgar-Wallace-Reihe als Inspektoren bekannt. In deren Fußstapfen trat im letzten Fu-Man-Chu-Film Günther Stoll, der kurz zuvor in Der Buckelige von Soho den Inspektor Hopkins spielte.  

Im Bonusmaterial des Mediabooks bemängelt der britische Filmexperte Vic Pratt, dass der letzte Fu-Man-Chu-Film nicht nur billig, sondern auch prüde wirkte. Was seltsam war, zumal Jess Franco kurz zuvor einen Film mit dem Titel Rote Lippen – Sadisterotica gedreht hatte. Etwas seltsam, ist außerdem, dass Jess Franco den im Film gezeigten von Antoni Gaudí geschaffenen Park Güell von Barcelona nach Istanbul verlegte. Doch abschließend soll noch gesagt werden, dass die bunten, psychedelischen Bilder in den beiden Fu-Man-Chu-Filmen von Franco durchaus ihren Reiz haben.

Der Produzent Harry Alan Towers sah dies jedoch anders. Nachdem er mit Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu, den fünften und letzten Film seiner Reihe gesehen hatte, soll er zu Jess Franco gesagt haben: „Dir ist etwas gelungen, was noch keiner vor Dir geschafft hat: Du hast Fu Man Chu getötet!“ Doch der Produzent hat dabei kräftig mitgewirkt, denn das von ihm unter dem Pseudonym Peter Welbeck verfasste Drehbuch erzählt davon, dass es Fu Man Chu gelungen ist, aus Opium eine Substanz zu gewinnen, die jederzeit und blitzschnell große Mengen Wasser in Eis verwandeln kann.

Die Collector’s Editions von Filmjuwelen enthält den Film auf UHD in der längeren britischen Fassung von 92:15 min mit deutscher und englischer Tonspur. Das Bonusmaterial ist auf der Blu-ray zu finden. Hier gibt es neben der kürzeren 84:10-minütigen deutschen Version – wahlweise mit deutschsprachigen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen – auch die englischsprachige Extended Version, die in England als “The Castle of Fu Manchu“ und in den USA als “Assignment Istanbul“ (92:15 min) gezeigt wurde.

Hinzu kommen eine Einführung vom Filmexperten Vic Pratt (6:53 min), Alternative Titelsequenzen aus Deutschland, USA und Spanien (insgesamt 10:09 min), der deutsche Trailer (3:11 min) und der UK-Trailer (2:28 min), sowie eine Galerie mit 40 Werbematerialien. Für Fans von Filmen dieser Art ist die Edition nahezu unverzichtbar, denn während Filmjuwelen in letzter Zeit auf gedruckte Booklets anstelle von e-Book-Links verzichtet hatte, gibt es bei “Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“ ein richtig schön aufgemachtes 28-seitiges Mediabook mit einem farbig bebilderten Text von Dr. Rolf Giesen.  

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Aztec Batman: Clash of Empires

Es ist erfreulich, dass es weitergeht mit den DC Universe Animated Original Movies. Nachdem die Trilogie Justice League: Crisis on Infinite Earths die Reihe Tomorrowverse beendet hatte und der Klassiker Watchmen äußerst gut gelungen als Animationsfilm adaptiert wurde, folgte 2025 eine Elseworld-Story über den Batman des Aztekenreichs.

Der Auftakt von Aztec Batman schildert wahrheitsgemäß, wie der Konquistador Hernán Cortés 1519 an der Küste des heutigen Mexikos landet und nach Tenochtitlan aufbricht, um das Reich der Azteken zu erobern. Im Film tötet er nach der Landung den Vater von Yohualli Coatl, dem die Flucht vor den spanischen Eroberern gelingt.

Im von Cortés beherrschten Tenochtitlan findet Yohualli Unterschlupf im Tempel des Fledermausgottes Tzinacan. Basierend auf Plänen von Leonardo da Vinci, die er den Spaniern entwendet hat, entwickelt Yohualli Waffen, um als maskierter Rächer die Invasoren zu bekämpfen und seinen Vater zu rächen…

Dieser farbenfrohe Animationsfilm entstand als US-mexikanische Co-Produktion und im Vorspann der US-Version wurden die spanischen Credits belassen. In Mexiko und Kolumbien lief Aztec Batman: Clash of Empires sogar in den Kinos. Regisseur Juan Meza-León strebte an “die aztekische Kultur so authentisch wie möglich darstellen“.

Dies ist jedoch nicht ganz einfach, wenn zugleich versucht wird, möglichst originelle aztekische oder konquistadorische Versionen von DC-Charakteren wie Joker, Poison Ivy, Azrarel oder Alfred Pennyworth auftreten zu lassen. Wenn bei Catwoman der Totem ausgetausch und sie zu Jaguar Woman wird, klappt dies noch ganz gut. Doch es ist ziemlich albern (Vorsicht, Spoiler), eine historische Figur wie Cortés in Two-Face zu verwandeln.  

Das Ende des Films lässt reichlich Raum für Fortsetzungen, doch ich plädiere dafür, beim nächsten DC Animation Movie neue Wege zu beschreiten oder einen weiteren DC-Comicklassiker zu verfilmen. Angekündigt ist eine animierte Version von Batman: Knightfall, worauf ich sehr gespannt bin.         

“Aztec Batman: Clash of Empires“ ist leider nicht in Deutschland erschienen. Die britische Blu-ray verfügt enthält neben dem 89-minütigen Hauptfilm noch die Dokumentationen “The Battle Cry of Aztec Batman“ (3:45 min) und „The Batman Mythology and Aztec Inspiration“ (6:25
min)

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Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu

1913 feierte der englische Autor Sax Rohmer mit seinem ersten Roman über den Superverbrecher Dr. Fu Man Chu große Erfolge und stand schon recht bald im Zentrum zahlreicher Kinofilme. Von 1965 bis 1968 spielte Dracula Christopher Lee fünfmal einen angemessen bösartigen Fu Man Chu. Die ersten drei Filme Ich, Dr. Fu Man Chu, Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu und Die Rache des Dr. Fu Man Chu wurden relativ sorgfältig produziert.

Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu und Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu hat hingegen der Trash-Filmer Jess Franco (Nachts, wenn Dracula erwacht) sehr hurtig in Szene gesetzt. Bei Filmjuwelen ist 2024 eine optimal zusammengestellte Blu-ray-Edition mit allen fünf Filmen und haufenweise Bonusmaterial erschienen. Aktuell wurden dort ausgerechnet die beiden letzten Fu-Man-Chu-Filme als edel aufgemachte Collector’s Editions mit Mediabook, Blu-ray und bildtechnisch optimierter 4K Ultra HD veröffentlicht.  

1968 entstand Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu. und der Name ist Programm. Der Superverbrecher hat in einer ehemaligen Inka-Stadt ein besonders tückisches Schlangengift entdeckt. Seine Sklavinnen sind immun dagegen. Sie sollen losziehen und Fu Man Chus Gegner küssen, um das Gift zu übertragen. Dies klappt recht gut bei Fu Man Chus Erzfeind Inspektor Nayland Smith, denn dieser erblindet sofort und wird beim nächsten Vollmond sterben…

Jess Franco hat seinen Film so geplant, dass sich Christopher Lees Auftritte in Grenzen halten und er nur sehr wenige Drehtage zu absolvieren hatte. Neben dem TV-Robin- Hood Richard Green als Nayland Smith spielen die österreichische Darstellerin Loni von Friedl und ihr damaliger Gatte Götz George mit. Letzterer gibt bei den Action-Szene Vollgas. Tollkühn springt er ungedoubelt von einer Klippe, klammert sich an eine mehrere Meter entfernte Palme und gleitet halbwegs elegant am Baumstamm herunter.

Doch das war es eigentlich auch schon. Franco “bereicherte“ die Produktion durch eine nicht verwendete Szene aus seinem ein Jahr zuvor entstandenen Film Sumuru – Die Tochter des Satans, der ebenfalls auf einer Vorlage von Sax Rohmer basiert und in dem die dem 007-Film Goldfinger bekannte Shirley Eaton die Hauptrolle spielte. Obwohl Eatons Name auf den Plakaten von Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu abgedruckt wurde, erfuhr sie erst sehr viel später von ihrer „Mitwirkung“ und wartet noch heute auf ihre Gage.

Die Collector’s Editions von Filmjuwelen enthält den Film auf UHD in der längeren britischen Fassung von 93:36 min mit deutscher und englischer Tonspur. Das Bonusmaterial ist auf der Blu-ray zu finden. Hier gibt es neben der kürzeren 81:23-minütigen deutschen Version – wahlweise mit deutschsprachigen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen – auch die englischsprachige Extended Version, die in England als “The Blood of Fu Manchu“ und in den USA als “Kiss Me To Death“ (93:39 min) gezeigt wurde.

Hinzu kommen eine Einführung vom Filmexperten Vic Pratt (7:13 min), Farbtests (0:47 min), Alternative Titelsequenzen aus Deutschland, England, USA und Spanien (insgesamt 10:06 min), der deutsche Trailer (2:47 min), der UK-Trailer (2:59 min), der US-Trailer (1:41 min), sowie eine Galerie mit 89 Werbematerialien. Für Fans von Filmen dieser Art ist die Edition nahezu unverzichtbar, denn während Filmjuwelen in letzter Zeit auf gedruckte Booklets anstelle von e-Book-Links verzichtet hatte, gibt es bei “Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“ ein richtig schön aufgemachtes 28-seitiges Mediabook mit einem farbig bebilderten Text von Dr. Rolf Giesen.  

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Lon Chaney – Das Phantom von Hollywood

Der 1883 in Colorado Springs geborene Leonidas Frank Chaney ist zweifelsohne der erste ganz große Star des Horrorkinos. Doch Lon Chaney war sehr viel mehr als ein Schauspieler, der sich auf Schreckgestalten konzentriert hat. Er verfügte über einen Koffer mit gut sortierten Schminkmaterialien und konnte sich dadurch in Windeseile komplett verwandeln.

Diese Fähigkeit verhalf ihm am Anfang seiner Karriere dazu, in den Kindertagen des Kinos, täglich gleich mehrere Rollen in zahllosen Filmen zu erhalten. Quasi auf Zuruf verwandelte sich “Der Mann mit den 1000 Gesichtern“ in einen Chinesen oder eine uralte Frau. Doch Lon Chaney verfügte nicht nur über Fähigkeiten als Maskenbildner, sondern durch seine ausdrucksstarke Mimik war er der ideale Stummfilm-Darsteller.

Seine Körpersprache entwickelte er bereits in frühster Jugend. Beide Eltern waren gehörlos und Chaney verständigte sich mit ihnen nicht nur über die Zeichensprache, sondern auch durch pantomimische Bewegungen. Diese Begabung kam ihm später auch als Schauspieler zu Gute. Sein Weg führte ihn vom Vaudeville über Wanderbühnen langsam aber sicher nach ganz oben in Hollywood.

Die Kommunikationsdesignerin und Kunsthistorikerin Sabine Schwientek veröffentlichte beim Schüren Verlag mit Dämon der Leinwand bereits eine großartige Biografie über Conrad Veidt. Genauso akribisch rekonstruierte sie Lon Chaneys Leben und sein zu Großteilen verschollenes Filmwerk. Ausführlich beschäftigt sie sich mit dessen bekanntesten Filmen Der Glöckner von Notre-Dame und Das Phantom der Oper. Ein Kapitel erzählt von Chaneys Horrorklassiker London after Midnight, der immer noch die Popkultur beeinflusst, aber nach einem Brand im Filmarchiv von MGM nicht mehr auffindbar ist.

Durch ausführliche Inhaltsangaben erweckt Schwientek aber auch die frühen, häufig verschwundenen Filme Chaneys zum Leben. Oft spielte er darin mit großem Einsatz Menschen mit schweren körperlichen Gebrechen. Doch ihm ging es nicht um nur um die Zurschaustellung seiner darstellerischen Fähigkeiten, sondern er stellte zunächst fremd oder erschreckend wirkenden Charaktere mit ebenso viel Respekt wie Empathie dar. Zeit seines Lebens fühlte er sich behinderten oder sozial schwachen Menschen näher verbunden, als den Mächtigen in Hollywood.

So wurde Chaney als sich eines Tages Dreharbeiten in die Länge gezogen hatten, vom MGM-Studiochef Irving Thalberg Chaney gebeten, etwas länger zu bleiben, damit die Statisten nicht für einen weiteren Tag bezahlt werden mussten. Chaney lehnte entschieden ab: “Was kümmert es mich, wenn MGM 20.000 Dollar mehr zahlen muss? Fünf oder zehn Dollar für einen zusätzlichen Arbeitstag bedeutet für die Statisten Brot und Butter oder neue Schuhe für die Kinder. Ich bin froh, dass ich Sie dazu bringen kann, das zu bezahlen.“

In einem Bonuskapitel beschäftigt sich Sabine Schwientek mit dem tragischen Leben von Lon Chaney Junior, der durch den Erfolg seines Films The Wolfs Man eher zwangsweise das künstlerische Erbe seines Vaters antrat. Dieses Kapitel ist nicht im Buch enthalten, doch über einen dort abgedruckten Link kann es als eBook heruntergeladen werden.

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Milo Manara: Maler & Modell

Nachdem Panini 2020 mit der Biografie von Caravaggio den achtzehnten und letzte Band seine Werkausgabe von Milo Manara herausbrachte, hat jetzt Splitter übernommen. Dort sind bereits 22 etwas großformatigere Hardcover-Bände mit Werken des italienischen Erotik-Meister erschienen, denen jeweils ein Kunstdruck beiliegt.

Darunter befinden sich Klassiker wie Mann aus Papier, der von Hugo Pratt getextete Comic Ein indianischer Sommer, die von Alejandro Jodorowsky geschriebene Serie Borgia in vier Bänden oder eine 560-seitige limitierte Gesamtausgabe der Abenteuer von Guiseppe Bergmann.

Es sind aber auch Titel dabei, die erstmals bei uns veroffentlicht werden , wie etwas der Band Die Frauen von Manara, der in Frankreich bereits 1998 erschienen ist. Dabei handelt es sich um eine eher wahllos und auch wortlos zusammengestellte Collection mit erotischen, gelegentlich auch pornografischen Illustrationen.

Sehr viel gelungener ist Splitters Manara-Veröffentlichung Maler & Modell, denn hier wird eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte mit kurzen begleitenden Texten geboten. Im Vorwort schreibt Manara über Modelle, dass “viele der bedeutenden Meisterwerke unserer Kultur ohne diese niemals entstanden wären. Und doch scheint sich, während wir den Künstlern bereitwillig Ruhm und Anerkennung zusprechen, kaum jemand an diejenigen zu erinnern, die sie damals inspiriert haben.“

Manara beginnt “vor mehr als dreißigtausend Jahren als irgendjemand, irgendwo so gerührt war von der Schönheit einer frau, dass er ihre Silhouette an die Wand einer Höhle malte.“ Etwas versponnen endet er “irgendwo in unserem Raum-Zeit-Kontinuum, wo jemand in seinem Raumschiff sein Modell materialisiert und dabei dieselbe Ergriffenheit verspürt wie einst unsere Vorfahren angesichts des Körpers einer nackten Frau.“  

Auf 126 Seiten präsentiert Manara beeindruckende Bilder, die Künstler wie Botticelli, Raffael, Tizian, Caravaggio, Rubens, Hogarth, Hokusai, Böcklin, Manet, Rodin, Klimt, Munch, Toulouse-Lautrec, Matisse, Picasso, Klimt, Dix, Dalí, Fellini oder Pratt dabei zeigen, wie sie arbeiten oder Inspiration finden. Manara stellt dabei nicht nur Frauen in erotischen Posen dar. Er porträtiert auch die Künstler und beweist, dass er ebenso altmeisterlich wie modern malen kann.

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