Schlagwort-Archiv: Walt Disney

Hanco Kolk: REMAKE – Ikonen der Popkultur

Frankenstein, Dracula, Mickey Mouse, Sherlock Holmes und Batman, aber auch das Märchen vom Aschenputtel, sind zweifelsohne Ikonen der Popkultur. Der Niederländer Hanco Kolk, der bereits die Comic-Ikone Spirou in Szene setzten durfte, belegt ebenso faktenreich wie amüsant durch stilsichere Karikaturen, dass keine Ikone ein echtes Original ist.

Es dürfte mittlerweile einigermaßen bekannt sein, dass weder Walt Disney die Mickey Mouse noch Bob Kane den dunklen Ritter Batman im Alleingang erschaffen hatten, sondern der begnadete Animator Ub Iwerks bzw. der ideenreiche Comicautor Bill Finger maßgeblichen Anteil dran hatten.

In seinem Kapitel “Die DNA von Batman“ reist Kolk zurück in der Zeit und erzählt vom Schuhmacher Pierre Picaud, der 1807 von Freunden aus Neid angezeigt, in der Nacht vor seiner Hochzeit verhaftet wurde und sieben Jahre im Kerker saß. Dieses traurige Schicksal inspirierte Alexandre Dumas zu seinem Weltbestseller Der Graf von Monte Christo. Da die Titelfigur Edmond Dantès sich – genau wie Pierre Picaud – als Rächer betätigte, beeinflusste das Buch Charaktere wie Scarlet Pimpernel, Judex, Zorro, Phantom oder Batman, die ebenfalls ihre Identitäten verbargen um Missionen zu erfüllen.

Bei Walt Disneys Mickey Maus ist es noch krasser. Die Figur steht nicht nur in der Tradition von zuvor entstandenen Trickfilmfiguren wie Felix the Cat, sondern den Namen und das Erscheinungsbild der Maus mit den runden Ohren klaute Disney bei einer bereits zwei Jahre zuvor entstandenen Spielzeugmaus namens Micky. Um dies zu kaschieren nannte er sein Figur Mickey und gab ihr einen Nachnamen.

Außerdem erfahren wir von Kolk, dass der der wirkliche Schöpfer von Frankensteins Monster weder Victor Frankenstein noch Mary Shelley war, sondern es zuvor bereits Berichte darüber gab wie Gott oder andere Götter wie Prometheus oder Nüwa ebenfalls lebende Wesen erschaffen haben. Bemerkenswert ist auch, dass es nicht nur mindestens 365 Versionen der Geschichte vom Aschenputtel gibt, sondern die älteste bereits vor 11.700 Jahren in der Steinzeit entstanden sein soll. Mit seinem Comic gelang Hanco Kolk ein wilder Ritt kreuz und quer durch die Popkultur.

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Toy Story 5

1995 erzählte der erste komplett am Computer erstellte Langfilm Toy Story von Andys reich mit Spielsachen bevölkerten Kinderzimmer. Hauptfigur ist die Cowboy-Puppe Woody, die äußerst eifersüchtig reagiert als Andy plötzlich eine neues Lieblingsspielzeug hat.

Während Woody lediglich einige Sätze wie “Du bist mein Lieblings-Deputy!“ oder „Da ist eine Schlange in meinem Stiefel!“ aufsagen kann, wenn an seiner Zugschnurr gezogen wird, verfügt die Actionfigur des Space-Rangers Buzz Lightyear über ausklappbare Flügel, sowie elektronische Funktionen wie Lichteffekte und Lasergeräusche.

Die Grundidee, dass ein Spielzeug plötzlich altbacken wirkt und durch etwas Moderneres ersetzt wird, machten Toy Story zu einem Film, der auch ein erwachsenes Publikum ansprach. Es ist erstaunlich, dass nach den drei sehr gut gelungenen Fortsetzungen Toy Story 2, Toy Story 3 und Toy Story 4 erst der fünfte Teil davon erzählt, dass Kinder dank Tablets und Videogames gar nicht mehr an sonstigen Spielsachen interessiert sind.

Doch es würde wahrscheinlich nicht funktionieren, wenn ein am Computer produzierter Film, der häufig am Tablet betrachtet wird, vor den Gefahren des Fortschritts warnt. Die Welt von Toy Story 5 ist jedoch deutlich komplexer. Zwar sitzt die achtjährige Bonnie plötzlich nur noch an ihrem nagelneuen grünen Tablet Lily und ignoriert ihre alten Lieblingsspielzeuge.

Doch Woody, Buzz und die ganze Kinderzimmer-Bande müssen erfahren, dass es auch elektronische Toys gibt, die darunter leiden, nicht mehr angesagt zu sein. Dazu gehört auch Smarty Pants, der originellste Neuzugang von Teil 5. Das einstige Lieblingsspielzeug sieht aus wie eine Toilettenpapierrolle mit Gesicht und unterstützte seine Besitzerin spielerisch beim Stuhlgang.

Zusammen mit Smarty Pants, dem blauen GPS-Nilpferd Hippo, dem gut vernetzten kleinen Fotoapparat Snappy und zahlreichen weiteren ausgemusterten Spielzeugen versuchen die Toys unter der Führung des Cowgirls Jessie die kleine Bonnie dazu zu bringen, wieder mit ihnen zu spielen.

Bleibt nur noch anzumerken, dass Toy-Story-Fan Taylor Swift den Film durch ihrem Song I Knew It, I Knew You bereicherte, die Toys Gefühle füreinander entwickelt haben und auch der fünfte Teil, bereits mehr als eine Milliarde Dollar eingespielt hat.

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Pixar: Hoppers

Die Tatsache, dass ein neuer Animationsfilm von Pixar in die Kinos kommt, ist mittlerweile nicht mehr wirklich eine Nachricht. Nicht sonderlich inspirierten Fortsetzungen zu einstigen Hits wie Cars oder Die Monster AG, sowie seltsame Flops wie Rot oder Elio, haben sich nicht gerade positiv auf das Image des lange Zeit zuverlässigen Lieferanten von technisch und vor allem inhaltlich großartigen Filmen ausgewirkt.

Die Werbekampagne zu Hoppers mit mehr oder weniger niedlichen Waldbewohnern auf knallgelben Grund ist ziemlich nichtssagend. Wer jedoch einen banalen Film voller herumhoppelnder Tierchen erwartete, wird angenehm enttäuscht und erstaunlich unaufdringlich in Richtung sorgsamer Umgang mit der Natur gestupst. Ähnlich wie in den besten Pixar-Filmen wird auch in Hoppers unaufhaltsam eine originelle Geschichte erzählt.

Die kleine Mabel Tanaka befreit immer wieder Schildkröten, Hamster oder Meerschweinchen aus ihren Käfigen, Erst ihre Großmutter kann das wilde Mädchen zur Ruhe bringen, indem sie diese mit einem Tümpel-Biotop als friedlichen Rückzugsort vertraut macht. Das geht eine Weile gut, doch dann will der karrieresüchtige Provinzbürgermeister Jerry den Sehnsuchtsort von Mabel für den Bau einer Autobahn wegsprengen.

Er behauptet, dass ohnehin alle Tiere verschwunden sind, will jedoch den Autobahnbau stoppen, wenn es der mittlerweile fast erwachsenen Mabel in 48 Stunden gelingt, wieder Biber im Tümpel anzusiedeln. Nachdem ihre Unterschriftenkampagne krachend gescheitert ist, entdeckt Mabel, dass es einigen Lehrkräften ihrer Schule gelungen ist, das menschliche Bewusstsein in lebensechte Robotertiere „hoppen“ zu lassen. 

In Gestalt eines Bibers versucht Mabel ihre Welt wieder in Ordnung zu bringen. Das daraus entstehende von Pixar sorgfältig ausgeklügelte Chaos steht in der Tradition von Meisterwerken wie Toy Story, Findet Nemo, Ratatouille, Oben, Alles steht Kopf und Soul.  

„Hoppers“ erlebte seine deutsche Premiere am 5. März 2026 auf der großen Leinwand und drei Monate später folgte die Heimkino-Veröffentlichung. Während die DVD bei Leonine ganz ohne Bonusmaterial auskommt, bietet die Blu-ray allerlei interessantes Bonusmaterial, das es ermöglicht am Kreativprozess teilzunehmen. Das Making Of „Hopping In“ (11:46 min, wie alle Extras, wahlweise mit deutschen Untertiteln) zeigt, wie das Pixar-Team vom Daniel Chong den Film produziert hat. Hinzu kommen die Features “Die Viecher-Tagebücher“ über eine viertägige Exkursion der Pixar-Kreativkräfte zum Yellowstone-Nationalpark (10:17 min) und „Das ist König George“ über den König der Säugetiere (6:34 min), “Beaverton enthüllt“ mit erstaunlichen Fakten und Pixar-Eastereggs (4:12 min) und “Verdammt gute Patzer“ (2:04 min). Die Krönung sind die „Gelöschten Szenen“ (19:37 min), Hier wurden in Form von zumeist schlichten aber beeindruckenden Skizzen verworfene aber originelle Handlungsvarianten visualisiert.

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Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit

Spätestens wenn Steven Spielberg sich selbst zitiert wird klar, in welche Richtung sein neuster Film geht. 1977 erzählte er in Unheimliche Begegnung der dritten Art erstmals von Begegnungen mit Außerirdischen. Eins der musikalischen Leitmotive war damals der Song When You Wish Upon A Star aus dem Zeichentrickklassiker Pinocchio von Walt Disney.

Ein halbes Jahrhundert später ist in einer entscheidenden Szene von Disclosure Day – inmitten des ebenfalls von John Williams komponierten Soundtracks – das Lied Someday My Prince Will Come aus Disneys ersten abendfüllenden Animationsfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge zu hören. Auch Disclosure Day erzählt davon, dass die Öffentlichkeit von der Obrigkeit nicht über bereits erfolgte Kontakte mit Außerirdischen informiert wurde.

Doch ansonsten ist der Film sehr viel finsterer und pessimistischer als Unheimliche Begegnung der dritten Art. Vor dem Hintergrund einer gar nicht so weit von unserer Realität entfernten Welt, die kurz vor dem Dritten Weltkrieg steht, liefern sich sympathische “Rebellen“ einen Kampf mit der Wardex Corporation, die im Dienste der US-Regierung steht und keine Probleme damit hat, rücksichtslos Waffen einzusetzen.

Den Wardex-Chef verleiht Colin Firth ein wenig menschliche Tiefe, doch Spielberg lenkt die Sympathien eindeutig in Richtung der mit Emily Blunt und Josh O’Connor ebenfalls hochkarätig besetzten Gegenseite. Nachdem Disclosure Day eine Weile als Mystery-Thriller vor sich hingedümpelt hat, schaltet Spielberg langsam aber sicher auf Action-Modus.

Dabei spielt er zwar nicht ganz in der Liga von Mission: Impossible oder Fast & Furious, wohl auch weil er nicht nur auf Krawall aus ist. Immerhin gelingt Spielberg eine spektakuläre Sequenz mit Autos und Eisenbahnen, die an seinen autobiografischen Film Die Fabelmans denken lässt. Hierin erzählt er davon, wie er bei seinem ersten Kinobesuch in Cecil B. DeMilles Die größte Schau der Welt eine Tricksequenz sah und diese danach sofort auf der heimischen Modelleisenbahn nachstellen musste.

Der Spaß, den er damals hatte, ist in Disclosure Day gelegentlich zu spüren. Doch trotz aller inszenatorischer Meisterschaft wird nicht so recht klar, was Spielberg eigentlich erzählen will. Es wirkt ein wenig so, als wenn er den Film nach einer Laufzeit von 145 Minuten einfach beendet hat, damit dieser nicht noch länger wird oder gar Zeitraum für dringend benötigte Erklärungen zur Verfügung steht.  

Die Blu-ray von Plaion Pictures enthält als Bonus die vierminütige Doku „Spielberg & Williams. Eine lengendäre Zusammenarbeit“.

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Nautilus

Als Jules Verne 1869 seine populärste Figur Kapitän Nemo in seinem Roman 20.000 Meilen unter dem Meer auftreten ließ, war dieser ein unermesslich reicher mysteriöser Ingenieur. Nemo hatte mit der Menschheit gebrochen hat und betrachtete die Weltmeere als seine Heimat.  

Erst fünf Jahre später in Die geheimnisvolle Insel dichtete Verne dem Captain eine tragische Vorgeschichte an. Nemo war einst der indische Prinz Dakkar, dessen Familie von den britischen Kolonialtruppen ermordet wurde.

Shazad Latif

Diese Vorgeschichte ist auch die Grundlage der britischen Miniserie Nautilus, in der ein als Sklave arbeitender Nemo (sehr charismatisch: Shazad Latif) das U-Boot Nautilus gemeinsam mit dem Franzosen Gustave Benoit (Thierry Frémont) für die Ostindien-Kompanie gebaut hat. Zusammen mit einigen Gefangenen kapert Nemo die Nautilus.

Georgia Flood

Unterwegs versenkt er ein britisches Schiff und nimmt die junge Britin Humility Luca (Georgia Flood), sowie deren Zofe und Leibwächterin Loti (Céline Menville) mit an Bord der Nautilus. Mit seiner bunt zusammengewürfelten Mannschaft bricht Nemo auf, um einen Wikingerschatz zu finden und die Ostindien-Kompanie zu zerstören.

Céline Menville

Die britische Serie Nautilus war ursprünglich für Disney+ geplant und hätte dort angesichts des von Walt Disney produzierten Filmklassikers 20.000 Meilen unter dem Meer auch bestens ins Programm gepasst. Es ist unverkennbar, dass der Look des U-Boots im Disney-Film die Macher der Serie inspiriert hat.

Doch jetzt ist Nautilus seltsamerweise in der ZDF-Mediathek aufgetaucht. Das passt gar nicht so schlecht, denn die zehnteilige Serie erinnert ein wenig an die in den Siebzigern zu Weihnachten im ZDF ausgestrahlten Abenteuer-Vierteiler,  wie Der Seewolf, Michael Strogoff oder Die Lederstrumpf-Erzählungen.  

Andrew Shaw

Es ist unverständlich, warum Disney sich die großartige Serie Nautilus entgehen ließ- Mit beträchtlichen, nicht nur tricktechnischen Aufwand und den ihre Rollen perfekt ausfüllenden  Darstellern gelang es, die Welt von Jules Verne in prächtige Filmsequenzen zu verwandeln.

Thierry Frémont

Die Geschichte ist zwar vor 150 Jahren angesiedelt, doch durchaus heutig, denn sie erzählt von einer Welt voller Intoleranz und Unterdrückung.  

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Tron: Ares

Es ist erst etwas enttäuschend, dass es sich hier nicht um eine direkte Fortsetzung des fünfzehn Jahre zuvor entstandenen Sequels Tron Legacy handelt. Doch nach einem etwas holperigen Auftakt wird klar, dass Tron: Ares sehr eigene Wege geht.

Im Zentrum steht mit Ares ein Master Control Program, das von Dillinger Systems als perfekter Soldat entwickelt wurde. Doch die KI entwickelt ein Eigenleben und will ihrem Schöpfer nicht mehr gehorchen. Nicht nur in der virtuellen Welt, sondern auch in der Realität kommt es zu einem gewaltigen Showdown.

Die neuen Spezialeffekte und das klassische Design des ersten Tron-Films von 1982 kommen auch in der zweiten Fortsetzung bestens zur Geltung. Es ist daher sehr schade, dass es nicht möglich ist, den vom Norweger Joachim Rønning (Pirates of the Caribbean 5, Maleficent 2) mit einigen Terminator-Anleihen ebenso fantasievoll wie rasant in Szene gesetzten Film auch daheim in 3D zu sehen.

Neben dem, nicht völlig unerwartet, kurz vor Schluss doch noch als Kevin Flynn auftauchenden Jeff Bridges, ist Jared Leto das größte Plus des Films. Sowohl in Actionszenen als auch in stilleren Momenten überzeugt Leto als KI, die langsam ihre Menschlichkeit entdeckt und ist hoffentlich bei Tron 4 wieder dabei.

Ab 5. Februar auf DVD, Blu-ray und 4K

Während die DVD von “Tron: Ares“ über keinerlei Extras verfügt, enthält die Blu-ray zusätzlich noch diese Extras: „Der Weg zu Tron: Ares“ (11:41 min), „Lichtrenner auf Achse“ (6:57 min), „Die Kunstfertigkeit von Tron: Ares“ (6:17 min), „Die Darsteller unter sich“ (4:55 min), „Das Vermächtnis von Tron“ (5:12 min) und drei gelöschte Szenen, inklusive eines Gastauftritts von Steven Lisberger (insgesamt 2:17 min)

Es sei noch erwähnt, dass nicht nur der dritte Teil als 4K UHD veröffentlicht wird, sondern parallel dazu auch seine beiden Vorgänger.

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Entenhausener Ikonen: Donald Duck

Es hat bei Egmont Tradition immer wieder neue zusammengestellte Collectionen mit Disney-Comics zu veröffentlichen. So startete 2004 die Disney Hall of Fame, die ausgewählte Werke von Zeichnern wie Romano Scarpa oder Paul Murry präsentierte (wobei in acht (!) der zwanzig Bände ausschließlich Don Rosa vertreten war).

Zur selben Zeit erschien die ebenfalls sehr schön zusammengestellte Reihe Disney´s heimliche Helden, deren zehn Bände nicht nur Nebencharakteren wie Kater Karlo, Klaas Klever oder Gundel Gaukeley gewidmet waren, sondern sich auch mit Onkel Dagoberts Geldspeicher oder Donalds Auto 313 beschäftigten.

Von 2012 bis 2014 erschien die zehnbändige Reihe Die besten Geschichten von…, in der Comics von Al Taliaferro oder Daan Jippes präsentiert wurden. Nicht zu vergessen ist die 2018 veröffentlichte Disney-Anthologie mit fünf jeweils 430-seitigen Bänden zu Micky Maus, Donald Duck, Goofy, Daisy Duck und Onkel Dagobert, die Ulrich Schröder mit einem durchgehenden Motiv auf dem Buchrücken garniert hatte.

Jetzt startet die neue Reihe Entenhausener Ikonen, die sich abwechselt mit Donald Duck, Onkel Dagobert und Micky Maus beschäftigt. Zum Auftakt wird auf 300 Seiten in Comics und Texten dargestellt, wie Donald zur (Vorsicht Wortspiel!) Legend(t)e wurde. Auf den ersten Seiten des Buchs sind (natürlich) einige Onepager aus der Feder von Al Taliaferro zu sehen und es folgen Geschichten von Carl Barks. Dabei handelt es sich um vier zehnseitige Stories, die zwischen 1943 und 1964 entstanden sind.

Als Beispiel für eine längere Barks-Geschichte wurde der 32-seitige Halloween-Comic Spendieren oder Schickanieren von 1952 ausgewählt, bei dem es sich um eine Adaption bzw. Erweiterung des im selben Jahr entstandenen Disney-Cartoons Trick or Treat handelt. In einem seiner fundierten Textbeiträge weist Disney-Historiker Jim Fanning, von dem auch die Einleitung zu Taschens pompös aufgemachter Library-Ausgabe von Carl Barks’s Donald Duck stammt, auf die Unterschiede zwischen Trickfilm und Comic hin.

Es folgen Donald-Comics, die von Tony Strobl, Vicar, Giorgio Cavazzano, William Van Horn, Don Rosa, Mau Heimans, Carmen Pérez & Tony Fernández und Ferioli gezeichnet wurden. Hinzu kommt ein vierseitiges Interview mit Paco Rodriguez, was etwas seltsam anmutet, weil der spanische Zeichner in diesem Band nur mit einer Seite vertreten ist.   

Diese ist in der Story Das Bildnis von Donald Duck (A Beautiful Likeness von 2011) zu finden, die für mich das absolute Highlight dieser Collection ist. Hierin erzählt der ansonsten auch als Zeichner tätige Kari Korhonen davon, wie Tick, Trick und Track ihrem Onkel zum Geburtstag ein Porträt schenken wollen. Nach und nach beauftragten sie zwölf Künstler, waren aber mit keinem von deren Donald-Porträts zufrieden.  

Als Zeichner kamen mit Ferioli, Marco Rota, Mau Heymans, Wanda Gattino, Wilma van den Bosch, Arild Midthun, Michel Nadorp, Freddy Milton, Bas Heymans, Giorgio Cavazzano, Daan Jippes und dem interviewten Paco Rodriguez zwölf Disney-Künstler zum Einsatz, die nicht nur Donald porträtierten, sondern auch jeweils eine Seite zur Story beisteuerten.   

Zeitgleich mit dem ersten Donald-Band erscheint Entenhausener Ikonen 02 – Onkel Dagobert I: Das Geheimnis seines Erfolgs. Das Buch enthält erwartungsgemäß recht viele Comics von Carl Barks und überraschenderweise nur eine Story von Don Rosa, sowie ein Interview mit Kari Korhonen.

Jetzt dürfen wir uns auf den ersten Ikonen-Band zu Micky Maus freuen, der unter dem Motto Es kann nur einen geben! steht. Danach erscheinen im Vierteljahrestakt weitere Bände, abwechselnd zu Donald, Dagobert und Micky. Es ist zu hoffen, dass dies eine Weile so weitergeht und vielleicht noch weitere “Entenhausener Ikonen“ gewürdigt werden.        

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Bambi: The Reckoning

Bei diesem Film handelt es sich um den vierten Beitrag zum Twisted Childhood Universe. bzw. Poohniverse. Die Reihe startete 2023 mit Winnie the Pooh: Blood and Honey, der dank seines originellen Titels und trotz seiner billigen Machart das 77fache seine Budgets von 100.000 Dollar einspielte.

Es folgte eine Fortsetzung und mit Neverland Nightmare eine Horrorversion des Disney-Klassikers Peter Pan. Anschließend nahm sich der britische Produzent, Drehbuchautor und Regisseur Rhys Frake-Waterfield Bambi vor

Genau wie viele Disney-Filme beginnt auch diese finstere Version von Bambi mit dem Blick in ein Märchenbuch. In sehr simpler Scherenschnitt-Technik wird erzählt, wie Bambi nicht nur beim Tod seiner Mutter dabei war, sondern auch miterleben musste, wie seine Partnerin Feline vom Truck eines Pharmaunternehmens überfahren wurde.

Nachdem Bambi dann auch noch vergiftetes Flusswasser getrunken hat, dreht der Hirsch völlig durch und greift Menschen an. Hierzu gehören Xana (Roxanne McKee) und ihr Sohn Benji (Tom Mulheron), die nach einem von Bambi verschuldeten Autounfall durch den dunklen Wald irren.

Bambi: The Reckoning ist etwas mehr als ein Trashfilm mit lustigem Titel. Das Team von Frake-Waterfield bemüht sich redlich darum, eine Familientragödie in die Geschichte einzuarbeiten und die mittelprächtigen Spezialeffekte im dunklen Wald zu verstecken. Dennoch ist der lustige Slogan, den sich Plaion für die Bewerbung des Films ausgedacht, hat sehr zutreffend: REHE, RACHE, RAMBOZAMBO!   

Die Blu-ray von Plaion enthält neben dem 80-minütigen Hauptfilm noch einen Audiokommentar mit Regisseur Dan Allen und Kameramann Vince Knight (ohne deutsche Untertitel), erweiterte und entfernte Szenen (3:49 min, wie alle übrigen Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), Behind the Madness (9:50 min), Scaretalk: Interview mit den Darstellern (54:46 min), sowie den deutschen und englischen Trailer (je 1:37 min)

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Carl Barks’s Donald Duck. Vol. 1. 1942–1950

Wohl dem, der die schon lange vergriffene, dreißigbändige Carl Barks Collection, die Egmont von 2005 bis 2008 herausbrachte, sein Eigen nennen kann. Enthalten sind alle Enten-Comics des Schöpfers von Onkel Dagobert, Daniel Düsentrieb, den Panzerknackern und vielen weiteren Bewohnern Entenhausens.

Die Comics wurden in der deutschen Übersetzung, bzw. „Textfassung“ von Erika Fuchs abgedruckt und neu koloriert. Bei Taschen erscheint jetzt ein Band, der 600 Seiten mit Barks-Comics enthält, die zwischen 1942 und 1950 in der US-Reihe Four Color zum Abdruck kamen. Grundlage dieser Veröffentlichung sind die englischsprachigen Dialoge von Barks und der Look der Originalhefte.

Carl Barks Collection – Band VI

In den letzten Jahren wurde hierzulande ein wenig davon abgerückt, die originelle und sprachgewaltige Eindeutschung von Erika Fuchs fast noch wichtiger zu nehmen als die großartigen Geschichten von Barks. Henner Löffler belegt in seinem Buch Wie Enten hausen, dass nicht jede Freiheit, die sich Frau Fuchs bei ihren Übersetzungen nahm auch eine Verbesserung war.

Carl Barks’s Donald Duck. Vol. 1.

Alexander Braun zeigt in Staying West auf, wie sensibel sich Barks 1956 im Comic Land of the Pygmy Indians mit indigener Kultur beschäftigt hat und wie wenig davon in der deutschen Übersetzung übriggeblieben ist. Braun schlussfolgert sogar: “Schlechter als Fuchs kann man den Originaltext kaum übersetzen.“

In dem riesigen, 28 x 39.5 cm großen Buch von Taschen sind in den Sprechblasen die handschriftlich erstellten Originaltexte von Barks zu finden. Auch ansonsten wird vermittelt, wie jene Hefte aussahen, die sich seinerzeit besser verkauften als die Superhelden-Comics. Genau wie bei den Comicheften wurden im Buch die Umschlagsseiten auf Hochglanzbögen gedruckt, während für die Geschichten im Innenteil raues ungestrichenes Papier verwendet zum Einsatz kam.  

Den Auftakt bildet das Heft Four Colors # 9, das die 64-seitige Geschichte Donald Duck finds Pirate Gold enthält, die Carl Barks 1942 zusammen mit seinem ehemaligen Disney-Animationskollegen Jack Hannah zu Papier brachte. Das Titelbild zeichnete jedoch ein gewisser Hank Porter. Bei den folgenden Heften kommen zunächst ebenfalls Titelbilder zum Abdruck, die nicht aus der Feder von Carl Barks stammen.

Onepager von Al Taliaferro aus Four Color # 62

Auch die Donald-Onepager auf der Umschlagsrückseite stammen anfangs nicht von Barks, sondern von Al Taliaferro, der seit 1938 die Zeitungscomics mit dem Enterich zeichnete. Manchmal kam es vor, dass auf dem Backcover die erste Seite einer Barks-Geschichte abgedruckt und lediglich mit rötlichen Farben koloriert wurde.   

Durch diese sorgfältige Reproduktion der kompletten Hefte kann miterlebt werden, wie rasant Barks die Qualität seiner Stories und Zeichnungen steigerte. Das Buch enthält allerdings längst nicht alle Disney-Comics, die Barks zwischen 1942 und 1950 zeichnete. So fehlen seine meist zehnseitigen Geschichten aus der Reihe Walt Disney’s Comics & Stories.  

Doch auch die seinerzeit veröffentlichten längeren Geschichten von Barks aus Four Color sind nicht komplett enthalten. So fehlt das 1949 erschienene Heft 238 mit der Story Voodoo Hoodoo, die von einem Zombie namens Bombie erzählt. Die vom Horrorfilm White Zombie mit Bela Lugosi inspirierte Geschichte ist den Disney-Erben anscheinend zu gruselig.

Neben den Comics enthält das Buch einen Index mit Storylines & Credits der enthaltenen 15 Ausgaben der Reihe Four Color. Es handelt sich dabei um die Hefte 9, 29. 62, 108, 147, 159, 178, 189, 199, 203, 223, 256, 263, 275 und 282.  

Hinzu kommt eine 23-seitige Einleitung vom Disney-Experten Jim Fanning. Der Text wurde reich bebildert und es kommen auch einige der Ölgemälde zum Abdruck, die der Pensionär Carl Barks für seine Fans auf der Basis seiner Comics auf die Leinwand zauberte.

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Alexander Braun: ICH, DAS TIER – Vom bösen Wolf bis Donald Duck

»Es ist verblüffend, wie wenig sich bislang die Literatur- oder Kunstgeschichte mit dem Motiv des vermenschlichten Tiers im Comic beschäftigt hat. Eine ganze Traditionslinie von Goethe über Jean de La Fontaine bis zurück zu Aesop in der Antike kennt die Literaturform der Fabel oder volkstümlichen Märchendichtung. Der Comic des 20. und 21. Jahrhunderts ist diesbezüglich die Quintessenz, ein gigantisches finales Feuerwerk.«

Es ist aber auch verblüffend, dass Alexander Braun, von dem dies Zitat stammt, bereits ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung von Black Comics einen weiteren voluminösen Katalog samt Ausstellung präsentiert. Diese erlebt diesmal ihre Premiere nicht im schauraum comic + cartoon in Dortmund, sondern wird zum zehnjährigen Jubiläum der GRIMMWELT in Kassel gezeigt.

Im Zentrum steht die Darstellung von vermenschlichten Tieren in Märchen und Comics. Diesem Thema widmet sich Braun in fünfzehn Kapiteln, die sich mit Themenkomplexen, aber auch mit einzelnen Künstlern beschäftigen. Zum Auftakt geht es um die im 19. Jahrhundert sehr populären Bilderbögen, die sehr oft auch Märchen in comicähnlicher Form nacherzählten.

Es folgt das Kapitel “Frankreich“, dessen Schwerpunkt Edmond-François Calvos großartig bebildertes, 1944 unter abenteuerlichen Bedingungen im von den Deutschen besetzten Land veröffentlichtes Buch “Die Bestie ist tot – Der Zweite Weltkrieg bei den Tieren“ bildet. Braun lobt zwar Calvos Artwork, hat aber einige Bedenken bezüglich der Erzählung von Viktor Dancette, die zwar das Ende des Weltkriegs prophezeite, aber nicht frei von gefährlichen Vereinfachungen ist. Bei komplexen historischen Themen gerät die Fabel an ihre Grenzen. Nicht alle Deutschen waren aggressive Wölfe und nicht alle Franzosen arme hilflose Kaninchen.     

Im nächsten Kapitel “USA“ beschäftigt sich Alexander Braun erneut mit der Geschichte der Zeitungscomics und lässt noch intensivere Betrachtungen zu George Herriman, den Schöpfer von Krazy Cat, und zu Gus Dirks folgen. Dieser war der deutschstämmige, sehr viel talentiertere Bruder von Rudolph Dirks, der mit seine Serie The Katzenjammer Kids große Erfolge feierte. Doch nicht minder populär waren die im Insektenreich angesiedelten Bildgeschichten von Gus Dirks, der 1902 – als seine Werke bereits landesweit veröffentlicht wurden – im Alter von nur 21 Jahren Selbstmord beging.

Natürlich darf in diesem Buch auch Walt Disney nicht fehlen und Braun liefert auf 24 Seiten eine opulent bebilderte Analyse von dessen frühen Zeichentrickfilmen. Nahezu denselben Umfang räumt Braun aber auch dem “Duckman“ Carl Barks ein. Über den Schöpfer von Onkel Dagobert und der Welt von Entenhausen zu schreiben ist für ihn “immer wieder aufs Neue ein ganz besonderes und sehr emotionales Vergnügen.“ Daher habe ich hier allerlei interessante Details und Abbildungen gefunden, die mir neu waren.

Zum Abschluss noch die zweite Hälfte des Buchs im Schnelldurchlauf: Hier geht es um die Cartoons und die zugehörigen Comicadaptionen von Warner Bros. (Looney Tunes) und Hanna-Barbera (Familie Feuerstein), Walt Kellys bei uns leider kaum bekannte Serie Pogo, den unglaublich populären Comic-Kater Garfield und seinen Schöpfer Jim Davis, Bryan Talbots Grandville, Fables von Bill Willingham und Mark Buckingham, um “Wölfe“ (Schwertpunkt: Disneys Drei kleine Schweinchen), Stehaufmännchen und Roy & Al von Ralf König, sowie um fabelhaften Comic Trip mit Tropf von Josephine Mark (Red).   

Ein märchenhaftes Buch!

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