Archiv der Kategorie: COMIC

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Jordi Lafebre: Barcelona-Krimis

Jordi Lafebre zeichnete den ergreifenden Comic Lydie und die nicht minder beeindruckende. aus sechs Alben bestehende, Serie Wundervolle Sommer. Die Texte schrieb der vielbeschäftigte Autor Benoît Drousie alias Zidrou (Die Bestie, Rick Master, Shi) und siedelte die Geschichten in seiner belgischen Heimat an. Anschließend realisierte Lafebre im Alleingang die in 20 Kapiteln rückwärts erzählte Love Story Trotz Allem… Liebe, die sich hauptsächlich in Italien abspielt.

Mit Ich bin ihr Schweigen realisierte er 2023 einen Barcelona-Krimi. In seiner katalanischen Heimatstadt lässt Lafebre auf mehr als 100 Seiten, die im allerfeinsten frankobelgischen Stil gezeichnet sind, erstmals die selbsternannte Ermittlerin Eva Rojas auf die Leserschaft los. Diese verzweifelt fast an einem verzwickten Mordfall, der sich innerhalb der völlig zerstrittenen Familie Monturós zugetragen hat , die den Schaumwein Cava produziert.

Eva ermittelt nicht im Alleingang, sondern sie hat Hilfe, auch wenn diese etwas zweifelhaft ist. Ihr erscheinen immer wieder drei schon lange verstorbene weibliche Familienmitglieder, darunter die im spanischen Bürgerkrieg verstorbene Ana Rojas. Das Trio kommentiert teilweise sehr rabiat das Verhalten von Eva.

Der Comic fesselt auch, weil durch Lafebres interessant verschachtelte Erzählstruktur immer mehr über Eva Rojas zu erfahren ist. Diese wollte zunächst Chirurgin werden, doch weil Tote sie krank machen, konnte sie keine Obduktionen durchführen und wurde stattdessen eine brillante Fachärztin für Psychiatrie.

Da Eva ihre Zulassung verloren hat, muss sie sich von ihren Kollegen, dem Psychiater Llull, untersuchen lassen. Diesem schildert sie ihre Ermittlungen, bei denen sie mit einer Polizistin konfrontiert wird, die anscheinend nicht ohne Grund Alemany heißt und Angela Merkel verblüffend ähnlich sieht. Jordi Lafebres oftmals ganz schön verwirrende Geschichte ist ähnlich faszinierend wie dessen großartige Zeichenkunst.

Daher ist es sehr erfreulich, dass Lafebre mit Ich bin ein verlorener Engel bereits einen zweiten Barcelona-Krimi mit Eva Rojas fertiggestellt hat. Diesmal findet Vize-Inspektorin Alemany ein paar Beine vor, die zu einer Leiche gehören, die in einem frischbetonierten Fundament stecken. Nach den Tätowierungen zu urteilen, handelt es sich bei dem Toten um einen Neonazi.

In der Nähe des Tatortes befindet sich Eva Rojas, die anscheinend alles über den Mord weißt, doch nicht bereits ist ohne ihren Psychiater auszusagen. In der Praxis von Doktor Llull erzählt, sie sehr ausführlich, was sie in den letzten Tagen erlebt hat.

Das ist zwar nicht immer sachdienlich, doch auf ihre alles andere als zielstrebige Art, hat Eva, während sie sich um ihre in eine geschlossene Anstalt eingewiesene Mutter kümmerte, fast alles über einen entführten jungen Fußball-Star und eine ermordete Prostituierte herausgefunden.

In den Nachworten zu seinen Barcelona-Comics schreibt Jordi Lafebre, dass er sich für seine Geschichten in Sachen Psychiatrie und mentale Gesundheit beraten ließ. Es ist ihm gelungen psychische Erkrankungen zu einem integralen Teil seiner Geschichte zu machen, ohne sich über die davon betroffenen lustig zu machen. Auch daher ist zu hoffen, dass es mit den Abenteuern von Eva Rojas weitergeht.       

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André Breinbauer: Blutsauger

Hannah hat in Wien die Wohnung ihrer Großmutter übernommen. Das hat den Vorteil, dass die Miete sehr günstig ist und nicht willkürlich erhöht werden kann. Doch der direkt nebenan wohnende Herr Fürst scheint ein Vampir zu sein und – was vielleicht noch viel schlimmer ist – die Hausverwaltung versucht mit allen Mitteln Emma dazu zu bringen, ihren Mietvertrag zu kündigen…

Der in Passau geborene André Breinbauer lebt seit 2005 in Wien und hat genügend vom dortigen Flair und Schmäh aufgeschnappt, um den Mythos vom Vampir in der Donaumetropole aufleben zu lassen. In finster-bunten Bildern erzählt er eine klassisch-moderne Gruselgeschichte.

Indem er Hannah gemeinsam mit ihrem Noch-Nicht-Freund Markus einer Performance beiwohnen lässt, in der das Künstlerkollektiv “Sterben im Gemeindehaus“ Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens live mit Musik und Ton aufführt, kann Breinbauer eine gelungene Comicversion des Stummfilmklassikers in seine Geschichte einbauen.

Dass sich Hannah im Laden “Voll mit Büchern“ Bram Stokers Roman Dracula kauft und diesen vor dem Einschlafen liest nutzt Breinbauer dazu, seinen Comic mit einigen Passagen aus dem Buch zu garnieren. Zugleich schreitet Hannahs Gruselgeschichte in atmosphärischen Bildern ebenso spannend wie amüsant voran und findet ein originelles Ende.

Blutsauger ist übrigens nicht Breinbauers erste Vampirgeschichte. Er illustrierte zuvor bereits das Kinderbuch Graf Fauchi und das verschwundene Gebiss von Heinz Strunk, aus dessen Besteller Der goldene Handschuh Ully Arndt einen Comic gemacht hat.

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Posy Simmonds: Fred

Auf dem diesjährigen Comic-Salon Erlangen erhielt Posy Simmonds den Max und Moritz-Preis für ihr Lebenswerk. Mit Tamara Drewe, Gemma Bovery und Cassandra Darke hatte Reprodukt in den letzten Jahren einige jener Graphic Novels von Simmonds veröffentlicht, die in Großbritannien zunächst als wöchentliche Fortsetzung in der Zeitung The Guardian und danach in Buchform erschienen sind.

Da Reprodukt zudem ein umfangreiches Sortiment von Kindercomics im Angebot hat, wurde dieses jetzt durch Fred ergänzt. Hierbei handelt es sich um das 1987 erschienene erste Kinderbuch von Posy Simmonds, das von den Geschwistern Sophie und Nick handelt, die um ihren Kater Fred trauern, obwohl dieser ständig geschlafen hat.

Fred wird im Garten der Familie neben den Grabsteinen einer weiteren Katze und eines Käfers begraben. Den Kindern wissen nicht, was sie auf den Grabstein des faulsten Katers aller Zeiten schreiben sollen. Doch mitten in der Nach werden sie durch eine Horde von Katzen geweckt und erfahren, dass Fred – genau wie Batman – eine Doppelidentität hatte und nachts ein völlig anderer Kater war…

Fred wurde bereits 1994 bei Diogenes veröffentlicht. Reprodukt hat das komplett in Comicform erzählte Buch neu übersetzen und von Michael Hau handlettern lassen. Auch die Farben kommen in der Neuedition strahlender rüber. In dieser Form wird Fred weiteren Generationen von Kindern bei der Trauer um ein geliebtes Haustier zur Seite stehen.

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Henri Vaillant: Ein Leben voller Herausforderungen

Jean Gratons seit 1957 laufende (bzw. rennende) französische Traditionsserie Michel Vaillant startete acht Jahre später auch bei uns. Doch in Mickyversion hatte die Hauptfigur zwar dieselben Initialen, hieß jedoch Michael Voss und war deutscher Rennfahrer. Als das Comicmagazin ZACK im April 1972 startete, war Michel Vaillant wieder Franzose und von Anfang an dabei.

Nachdem ZACK eingestellt wurde, lief die Serie zunächst bei Egmont in der Reihe Die großen Flieger- und Rennfahrer-Comics, bevor Carlsen ab 1989 in dreizehn Alben den Start der Serie in der chronologisch korrekten Reihenfolge veröffentlichte. Band 14 bis 64 erschienen anschließend im Kleinverlag Seven Island Edition.

Als ZACK ab 1999 beim Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag neu gestartet wurde, war Michel Vaillant natürlich im jetzt monatlich erscheinenden Magazin mit dabei. Ab 2006 erschienen im selben Verlag 70 Alben mit dem Rennfahrer. Anschließend startete Egmont ab 2021 die mittlerweile auf zwanzig umfangreiche Hardcoverbände angewachsene Michel Vaillant Collector’s Edition.

Mittlerweile wird ZACK vom Blattgold-Verlag herausgegeben und auch dort erscheinen Alben mit dem Rennfahrer, wie die Reihen Michel Vaillant Legenden oder Michel Vaillant – Staffel 2. Doch Herausgeber Georg F. W. Tempel veröffentlicht unter dem Label Michel Vaillant auch ungewöhnliches Material, wie den Soap-Opera-Comic Familie Labourdet, den Jean Graton ab 1966 nach Texten seiner Frau Francine für das belgischen Frauenmagazin Chez Nous zeichnete.    

Ebenfalls etwas ungewöhnlich ist das bei Blattgold veröffentlichte Album Henri Vaillant, das 2025 in Frankreich erschienen ist. Hierin wird die Lebensgeschichte des Vaters von Michael Vaillant erzählt. Diesen verkörperte 2003 im nicht besonders gut gelungenen Michel-Vaillant-Film Frankreichs Altstar Jean-Pierre Cassel (Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten).

Der Comic schildert wie Henri Vaillant in den Dreißigern als Sechzehnjähriger seine bretonische Heimat in Richtung Elsass verließ, um sich dort in den Bugatti-Werken zum Automechaniker ausbilden zu lassen. Henri hätte bei Bugatti Karriere als Konstrukteur machen können, gründete jedoch eine eigene Firma und konnte es – zum Ärger seiner Gattin Elisabeth – nicht lassen, selbst an Autorennen teilzunehmen.

In seiner Geschichte erzählt der erfahrene, auch für die Piratenserie Der rote Kosar tätige, Comicautor Marc Bourgne eher selten vom Rennsport. Stattdessen fließt sehr viel Historie ein, wie etwa die deutsche Besatzungszeit, in der Henri Vaillant bei der Résistance aktiv war.

Die Zeichnungen von Claudio Stassi kommen auf den ersten 120 Seiten des Albums seltsamerweise in Schwarzweiß zum Abdruck. Erst als Michael Vaillant volljährig ist, wechselt der Kolorist Jérémy Lelorrain auf den letzten vierzig Seiten behutsam in den Farbmodus. Dieses angenehm nostalgisch erzählte Album ist der optimale Einstieg in die sich auch nach sieben Jahrzehnten immer noch rasant weiterentwickelnde Welt von Michael Vaillant.   

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Emma und Amir: Im Schatten des Terrors

Die Zeichnungen von Bianca Schaalburg (Der Duft der Kiefern) sehen auf den ersten Blick etwas krickelkrackelig aus. Daher brauchte ich eine Weile, bis ich mich auf diesen Comic eingelassen habe. Doch die ersten Seiten zogen mich sofort in den Bann. Hier beschreibt Schaalburg, wie die Berlinerin Emma und der Deutsch-Iraker Amir sich ein Jahr lang an denselben Orten aufhalten ohne sich zu begegnen.

Während Emma in einem Badeschiff in der Spree schwimmt, sitzt Amir zusammen mit seinem Hund Hammett dumpf brütend in unmittelbarer Nähe auf dem Deck der MS Hoppetosse. Während Emma im Prinzenbad in Kreuzberg im 50-Meter-Sportbecken ihre 20 Bahnen schwimmt, geht Amir dort hinten auf die Liegewiese und genießt die friedliche Sommerstimmung.

Während Emma in der ehemaligen Männerschwimmhalle des Neuköllner Hallenbads Ganghoferstrasse ihre Runden schwimmt, sitzt Amir zur selben Zeit am selben Ort in der ehemaligen Frauenbadehalle und begibt sich nur sporadisch ins Wasser. Er macht sich sorgen um seinen kranken Hund, den er kurz darauf einschläfern lassen muss.

Diese ersten knapp zwanzig Seiten des Comics sind meisterlich erzählt und stimmungsvoll in Szene gesetzt. Wenn danach eine Bombe explodiert, die Polizei einen islamistischen Anschlag vermutet, Amir in Verdacht gerät, der Polizei entkommt und Emma als Geisel nimmt, geht es rasant und überraschend weiter.

Die junge Frau genießt die Situation und am nächsten Morgen ist es Amir, der gefesselt aufwacht, während Emma ihm einen Kaffee bringt. Mit witzigen Dialogen hält Bianca Schaalburg spielerisch die Balance zwischen Krimispannung und Romanze. Nachdem sich Amir im Laufe der weiteren Verwicklungen seinen Bart abrasiert, entdeckte Emma, dass dieser “ein Grübchen im Kinn wie Cary Grant“ hat.

Spätestens hier wird klar, dass Schaalburgs große Vorbild für Emma und Amir der Filmklassiker Charade mit Cary Grant und Audrey Hepburn ist. Daher spielt sich die Handlung der zweiten Hälfte des Comics am Charade-Schauplatz Paris ab.

Der etwas kompliziert konstruierte Plot um ein internationales, rechtspopulistisches Komplott verdrängt die so schön erzählte Romanze immer mehr. Was etwas schade ist, doch den positiven Gesamteindruck von Schaalburgs Comic kaum trübt.

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Reddition 83 – Watchmen

Als 1986 die Maxiserie Watchmen der Briten Alan Moore und Dave Gibbons erschienen ist, war dies ein bedeutender Meilenstein, nicht nur im Bereich der Superhelden-Comics. Es ist immer wieder spannend, weitere Details darüber zu erfahren, wie der Autor Moore und der Zeichner Gibbons seinerzeit gemeinsam an jedem Panel dieses sorgfältig durchkomponierten Comics gearbeitet haben.

Die 83. Ausgabe der Zeitschrift für Graphische Literatur enthält auf zwölf reich bebilderten Seiten eine Gibbons-Biografie von Volker Hamann, dem Herausgeber der Reddition. Eine sehr gute Ergänzung ist der Abdruck jenes Tagesspiegel-Interviews, das Lars von Törne 2025 mit Gibbons anlässlich von dessen Besuch auf dem Comicfestival München geführt hat.

Interessant ist hier die Aussage von Gibbons, dass er und Alan Moore Superhelden lieben und “diese Liebe floss auch in Watchmen ein“. Er sieht es als sehr problematisch an, dass viele andere Comics wie The Boys von Garth Ennis, der erfolgreich als TV-Serie umgesetzt wurde, Superhelden ebenfalls als “trostlos, gewalttätig und unangenehm“ darstellen. Völlig zurecht fragt er sich, warum andere Autoren nicht auch mit neuen Ideen ankommen, “die niemand jemals zuvor ausprobiert hat?“

Passend dazu widmet sich die Reddition natürlich auch den von Gibbons sehr kritisch gesehenen und von Alan Moore völlig ignorierten Comicfortsetzungen Before Watchmen, Doomsday Clock und Rorschach und den Adaptionen als Kinofilm, Serie und Animationsfilm. In diesem Zusammenhang sehr interessant ist Günter Krenns Artikel “(No) League of Extraordinary Movies – Alan Moore und Hollywood“ über Verfilmungen wie From Hell, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, V For Vendetta oder Batman: The Killing Joke.  

Ein Großteil der Reddition ist zudem noch dem schier unübersichtlichen Gesamtwerk von Alan Moore gewidmet, von Miracleman, Swamp Thing, Superman: Whatever Happened to the Man of Tomorrow?, America’s Best Comics, Lost Girls, Providence bis hin zu seinem 1.400-seitigen Roman Jerusalem, den Peter Lau in seinem Artikel in dieser Reddition für ein “weiteres Meisterwerk“ hält.

Die angemessene Würdigung erhält auch die auf Dystopien statt auf Superhelden setzende englische Comickultur, über die Peter Schimkat in seinem Artikel “Britische Comics – Bis zu 2000 AD und Warrior“ umfassend informiert. Gibbons und Moore sind zwar mit Superhelden-Heften aufgewachsen, doch zugleich war beiden klar, dass es auch völlig andere Arten gibt, Comics zu erzählen. Auch diese Erkenntnis hat Watchmen zu sehr viel mehr als eine weitere Superhelden-Geschichte gemacht.

Zu bestellen unter: www.reddition.de

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Auf den Spuren von Blueberry

Mit etwas Verspätung feiert ein wuchtiger Band den sechzigsten Geburtstag des von Jean-Michel Charlier und Jean Giraud geschaffenen besten Westerncomics. Am 31. Oktober 1963 trat Leutnant Mike Steven Donavan alias Blueberry im Magazin Pilote in einer wöchentliche Fortsetzungsserie erstmals in Erscheinung.

Am 31. Oktober 1963 trat Leutnant Mike Steven Donavan alias Blueberry im Magazin Pilote in einer wöchentliche Fortsetzungsserie erstmals in Erscheinung.

Seine erste Comicgeschichte wurde zwei Jahre später im Comicalbum Fort Navajo nachgedruckt und dieses Ereignis feierte Ende 2025 in Frankreich der großformatige Jubiläumsband Sur la piste de Blueberry, den Egmont jetzt (deutlich hochpreisiger) mit Leinenrücken, Spotlackierung auf dem von Mathieu Lauffray im Frazetta-Look gestalteten Cover und Sonderpapier veröffentlicht hat.

Der 128-seitige Tribut von 29 Comickünstlern hat diese edle Aufmachung durchaus verdient. Zwar haben manche namhaften Künstler wie Milo Manara, Daniel Goosens oder Blutch nur Einzelillustrationen beigesteuert, die teilweise auch noch recht kleinformatig zum Abdruck kommen.

Doch die ebenfalls enthaltenen vierzehn Stories präsentieren Highlights aus dem Leben des am 30. Oktober 1843 in den Südstaaten auf der Redwood Plantation, die zuvor nicht von Charlier und Giraud dokumentiert wurden. Die Comicgeschichten sind in verschiedenen Lebensabschnitten von Blueberry angesiedelt, kommen chronologisch geordnet zum Abdruck und werden von den jeweiligen Künstlern eingeleitet.

Gleich die erste Story ist ein Highlight. Der achtseitige Comic stammt vom Autor Olivier Bocquet und dem Zeichner Anlor, die zuvor bereits bei der Serie Ladies with Guns (Splitter) zusammengearbeitet haben. Das Duo hat es sich erlaubt eine Geschichte zu Papier zu bringen, die sich einige Jahre vor Blueberrys Geheimnis, dem im Jahre 1861 angesiedelten chronologisch ersten Blueberry-Comic von Charlier und Giraud, zugetragen hat.   

Der wunderschön in Szene gesetzte Comic erzählt von einem bereits sehr selbstbewussten circa zehnjährigen Blueberry, der in den Südstaaten einem Sklavenmädchen bei einer Konfrontation mit ihrem agressiven “Herren“ so tatkräftig zur Seite steht, dass der Plantagenbesitzer zu Tode kommt. In der originelle Geschichten spielt auch Blaubeerkuchen eine Rolle.

Im Anschluss daran setzt Michel Blanc-Dumont, der bereits zwölf Alben der Serie Die Jugend von Bluberry zeichnete, von einer Begegnung zwischen dem Leutnant und dem ebenfalls von ihm gezeichneten Westernhelden Jonathan Cartland in Szene.

Richtig spannend ist die Geschichte Ein guter Blaurock vom Autor Vincent Brugeas und dem Zeichner Ronan Toulhoat. Sie erzählen, wie es Blueberry gelingt zu verhindern, dass einige nachtragende Südstaatler seinen künfzigen Kameraden Leutnant Craig auf der Postkutschenfahrt nach Fort Navajo ermorden.

Mehr als erwähnenswert ist auch die Geschichte For One Dollar More in der Enrico Marini (Die Adler Roms) davon erzählt, wie einige Halunken verhindern, dass Blueberry beim letzten Auftritt von Chihuahua Pearl in Paloma City dabei ist. Ein ebenso ungewöhnliches Ende nimmt eine Story von Dominique Bertail (Madeleine, die Widerständige), in der Blueberry und Jimmy McClure eine Bärenfamilie retten. Doch sie haben die Rechnung ohne eine populäre Nebenfigur der Serie gemacht.   

Es folgen Beiträge von interessanten Künstlern wie Matz & Philippe Xavier, Olivier Taduc, Thierry Martin oder Félix Meynet, bevor eine im Jahre 1910 spielende Geschichte von Corentin Rouge über einen ausgeglichen wirkenden 67-jährigen Blueberry diese schöne Edition zum Anschluss bringt.

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Geisterstunde

Nachdem Levin Kurio seit 2004 in seinem Weissblech Verlag bereits 80 Ausgaben der Reihe Hammerharte Horrorschocker veröffentlichte, startete er 2026 zum Comic-Salon Erlangen eine zweite „ähnlich gelagerte spuktakuläre“ Heftserie. Geisterstunde enthält “drei neue Geister- und Gruselstories in bewährter gespenstischer Manier.“

Bei dieser Serie gibt ein Horror-Trio, die ähnlich wie einst bei den EC-Comics der Crypt-Keeper, der Vault-Keeper und die Old Witch, nachts auf einem Friedhof herumlungern und abwechselnd in die die Comicgeschichten anmoderieren.

“Der diabolische Dreck, der furchteregende Fischjunge und die Hexe Desdemona“ wurden von Lewin Kurio entworfen und zieren plastisch koloriert das Cover der ersten Ausgabe von Geisterstunde.

Die erste Geschichte “Ich kaufte einen Geist!“ stammt ebenfalls von Kurio und erzählt von Waldemar Barz, einem fanatischen Sammler von “Relikten aus vorgeschichtlicher Zeit“. Bei einer Auktion überbietet dieser seinen Konkurrenten Broselius Grapel und ersteigert eine geheimnisvolle „Geistertruhe“. Doch die Freude über den Kauf hält nur kurz an, denn darin lauter das Grauen…

Der Höhepunkt des Hefts ist Der Atem des Drachen, eine Geschichte aus der Zeit des Wilden Westens. Abgelehnt an tatsächliche Ereignisse erzählt Michael Musal von chinesischen Arbeitern, die für die Central Pacific Railroad unter unmenschlichen Bedingungen eine Bahnstrecke bauen. Nachdem sich ein sadistischer Vorarbeiter an seiner Tochter vergriffen hat, geht der Heiler Chao Len einen Pakt mit dem Drachen Shen Lung ein. Durch diesen kann sich Chao an den Aufsehern rächen, doch seine Nachfahren müssen einen hohen Preis dafür zahlen…

Die letzte Geschichte stammt von Eckart Breitschuh, dessen Fantasy-Serie Luba Wolfschwanz ebenfalls bei Weissblech erscheint. “Geistersemestersause“ erzählt von einer Studentin, die sich auf einer Party amüsiert. Doch eigentlich gehört sie gar nicht dahin und gerät in die Fänge der Agentur Lemur. Diese Story ist etwas kürzer geraten, scheint aber der Auftakt von etwas Größerem zu sein.

Es darf sich auf weitere Geisterstunden gefreut werden, die genau wie die Horrorschocker vierteljährlich zum fairen Preis von 4,90 Euro angeboten werden.

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Comic-Biografien zu Claire Bretécher + Jean-Jacques Sempé

In seiner in den letzten drei Jahrzehnten auf knapp 50 Titel angewachsenen Reihe mit Comic-Biografien hat Willi Blöss bereits Vincent van Gogh, Robert Capa, Niki de Saint Phalle, Klaus Staeck, Nam June Paik und Wilhelm Busch auf jeweils 24 Seiten ebenso kompakt wie kompetent porträtiert.     

Jetzt hat der Comiczeichner sein ohnehin schon immenses Spektrum erweitert und sich zwei Kolleg:innen gewidmet, die in den Sechzigern die 9. Kunst in Frankreich maßgeblich prägten. Sowohl im handlichen A6-Heft zu Claire Bretécher als auch in der nahezu gleichzeitig erschienenen Comic-Biografie zu Jean-Jacques Sempé spielt René Goscinny eine wichtige Rolle.

Bevor der in einem Vorort von Bordeaux bei herzlosen Pflegeeltern aufgewachsene Sempé Titelbilder für den New Yorker zeichnete, schuf er gemeinsam mit seinem “ersten Freund in Paris“ Goscinny die mehrfach verfilmte Comicbestseller-Reihe Der kleine Nick.  

Zeitgleich mit Sempé arbeitete auch Claire Bretécher mit Goscinny zusammen, allerdings nur wenige Monate. Doch er schätzte die Comics von Bretécher und Ende der Sechziger war sie die einzige Frau, die im von Goscinny ins Leben gerufenen Magazin Pilote veröffentlichte.  

Die beiden Biografien ergänzen sich perfekt, denn etwas abseits von Asterix oder Lucky Luke bietet Willi Blöss fundiert recherchierte Impressionen aus ebenso spannenden wie prägenden Comic-Jahren.

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Enrico Marini: Die Adler Roms VIII

Seit 2007 arbeitet Enrico Marini (Gipsy, Der Stern der Wüste) an seinem Historienepos Die Adler Roms. Nach Band V gab es eine sechsjährige Unterbrechung, wohl auch weil Marini in seinem aufwändigen direkt kolorierten Zeichenstil den Zweiteiler Batman: Der dunkle Prinz und zudem noch die Miniserie Noir Burlesque realisiert hatte.

Doch seit Band VI setzt Marini die lose auf der Biografie von Hermann dem Cherusker basierende Serie im Jahrestakt mit 64-seitigen Alben fort. Nachdem Die Adler Roms bei Carlsen als Softcover gestartet wurde, erscheint die Serie mittlerweile dankenswerterweise in Hardcover-Bänden im größeren Format von 24 x 32 cm.

Im Zentrum steht die mittlerweile nicht mehr bestehende Freundschaft zwischen dem Römer Marcus und dem Germanen Arminius, die gemeinsam aufgewachsen sind. In der Schlacht im Teutoburger Wald hat Arminius drei römische Legionen vernichtend geschlagen.

Während sich der glücklose Feldherr Marcus aus Frust eine Weile in Rom als Gladiator versuchte, hat Arminus die Erziehung von dessen Sohn Titus übernommen, der sich in Raban umbenannt hat und bei den Cheruskern lebt. Tusnelda, die hochschwangere Gefährtin von Arminius, ist hingegen in Gefangenschaft von Marcus geraten.

Marini gehen die Ideen für dramatische Verwicklungen nicht aus und seine Geschichte lässt mittlerweile eher an Game of Throne als an ein Geschichtsbuch oder einen Kostümfilm aus Hollywood denken.

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