1964 geriet die Reihe der Edgar Wallace-Verfilmungen von Horst Wendlandts Rialto ein wenig ins Stocken. Die letzten Filme brachten nicht mehr den gewohnten Kassenerfolg. Daher wurden für Der Hexermit Heinz Drache und Joachim Fuchsberger gleich beide Chef-Kriminalisten der Serie in einer Produktion eingesetzt. So entstand ein temporeicher Film mit deutlichen Anleihen bei James Bond, dessen Erfolg die Serie wiederbelebte.
Bereits ein Jahr folgte eine Fortsetzung, in der die Titelfigur wieder von Scotland Yard gejagt wird, gleichzeitig aber bei der Aufklärung eines verzwickten Kriminalfalls hilft. Diesmal ist allerdings nur der von Heinz Drache gespielte australischen Inspector Wesby dabei, weil sich Inspector Higgins alias Joachim Fuchsberger gerade in den Flitterwochen befindet.
Neues vom Hexer ist die einzige Fortsetzung innerhalb der Edgar Wallace-Reihe und sicherlich nicht das absolute Highlight der Serie. Der Film entstand zu einer Zeit als die bis vier Wallace-Filme pro Jahr in die Kinos kamen. Dank der guten Besetzung mit Eddi Arent und Klaus Kinski, sowie einiger auch heute noch beeindruckender Tierdressuren bietet der Film aber dennoch spannende Unterhaltung.
Ein Wagen fährt vorbei. Ein Päckchen fliegt heraus. Ein holperiger Schwenk zu einer Brücke mit der Aufschrift „London“ und im Anschluss öffnen zwei Radfahrerinnen das Paket, in dem sich ein Kopf befindet. Dieser gehört einem gewissen Francis Elmer vom Außenministerium, dessen bester Mann Michael Brixan (Heinz Drache) aus Istanbul abgezogen und auf den Fall ansetzt wird.
Brixan sucht Elmers Nichte Ruth Sanders (Ina Duscha) auf, die gerade als Statisten in einem Film mitspielt, der auf dem Gelände eines alten Gutshauses gedreht wird. Dessen Besitzer Henry Longvale (Ludwig Linkmann) ist im ständigen Streit mit seinem Nachbarn dem Schlossbesitzer Sir Gregory Penn. Brixan (Benno Sterzenbach) verfolgt reichlich viele falsche Fährten, und als er endlich dem „Kopfgeldjäger“, der bereits 13 Menschen enthauptet hat, auf die Schliche kommt, ist es schon fast zu spät.
Erst nach dem Erfolg von Der Frosch mit der Maske und Der rote Kreis sicherte sich Rialto Film die Rechte an allen Krimis von Edgar Wallace, doch im Falle von Der Rächer, Der Fluch der gelben Schlange und Das Rätsel des silbernen Dreieck waren die Produzent Kurt Ulrich, Artur Brauner und Harry Alan Towers schneller.
In der 1960 entstandenen Verfilmung von Der Rächer sind zwar alle Zutaten für einen typischen Wallace-Film vorhanden, doch nach einen recht spannenden Auftakt, wird viel zu lange von den langweiligen Intrigen des Filmteams erzählt. Die sehr viel interessantere Handlung um Sir Gregory – inclusive monsterhaften Diener und gefangener Asiatin – wird dabei nur am Rande abgehandelt. Als schon fast jeder Zuschauer eingeschlafen ist, gibt es doch noch ein durchaus spannendes Finale mit einem für eine deutsche Filmproduktion bemerkenswerten Mut zum Trivialen.
Insgesamt handelt es sich eher um einen Trendsetter als um einen Trittbrettfahrer, denn die erstmals in einem Wallace-Film auftretenden Darsteller Heinz Drache, Siegfried Schürenberg und Klaus Kinski wurden nach ihrem Auftritten in Der Rächer auch häufig in den Rialto-Filmen eingesetzt.
Auf DVD ist der Film bisher leider nur als Vollbild-Version in mäßiger Qualität erhältlich, dies trifft sowohl auf die 2006 bei Studiocanal erschienene Veröffentlichung als auch auf die 2019er-Edition von Filmjuwelen zu.
Seinem Theaterstück The Gaunt Stranger von 1925 gab Edgar Wallace kurz danach den neuen Titel The Ringer. Der zugehörige Roman hieß bei uns Der Hexer. Der vielleicht bekannteste Krimi des britischen Autors wurde immer ab 1928 immer wieder gerne verfilmt. Für das westdeutsche TV entstanden 1956 und 1963 zwei Adaptionen und auch das DDR-Fernsehen produzierte 1962 eine Verfilmung.
Kurz darauf geriet die 1959 mit Der Frosch mit der Maskegestartete Serie der Edgar-Wallace-Verfilmungen von Horst Wendlandts Produktionsfirma Rialto ein wenig ins Stocken. Die letzten Filme brachten nicht mehr den gewohnten Kassenerfolg. Daher wurden 1964 für den siebzehnten Film der Reihe mit Heinz Drache und Joachim Fuchsberger gleich beide Chef-Kriminalisten der Serie in einer Produktion eingesetzt.
Der Humor lag in den bewährten Händen von Eddie Arent und Siegfried Schürenberg als Sir John. So entstand ein temporeicher Schwarzweiß-Film im Breitwandformat und mit deutlichen Anleihen bei James Bond, dessen Erfolg die Serie wiederbelebte. Es geht um den mysteriösen Hexer, der aus Australien nach England zurückkehrt, obwohl er dort steckbrieflich gesucht wird. Er will seine Schwester rächen, die von Mädchenhändlern getötet wurde…
Wie immer innerhalb der Serie bleiben auch bei dieser Wallace-Verfilmung eher einzelne Situationen und Typen in Erinnerung, während die eigentliche Story eher nebensächlich ist und schnell wieder in Vergessenheit gerät. Daher kann bei jeder Wiederholung erneut geraten (aber kaum kombiniert) werden, wer der Täter ist. Kleiner Spoiler: Der Name des Hexer-Darstellers ist nicht im Vorspann des Films zu lesen.
Bereits ein Jahr folgte mit Neues vom Hexer eine Fortsetzung, in der die Titelfigur wieder von Scotland Yard gejagt wird, gleichzeitig aber bei der Aufklärung eines verzwickten Kriminalfalls hilft. Diesmal ist allerdings nur der von Heinz Drache gespielte australischen Inspector Wesby dabei, weil sich Inspector Higgins alias Joachim Fuchsberger gerade in den Flitterwochen befindet.
Der Hexer ist auf mittlerweile auch auf Blu-ray erschienen und wurde 2015 gemeinsam mit Der Frosch mit der Maske und Der Hund von Blackwood Castle als Edgar Wallace Edition 1 veröffentlicht. Zu allen drei Filmen gibt es als Bonus Trailer und alternative Vorspänne. Für Der Frosch mit der Maske hat Joachim Kramp, der Autor des Edgar Wallace Lexikons einen Audiokommentar eingesprochen.
Die Blu-ray zu Der Hund von Blackwood Castle enthält noch Interviews mit Karin Baal (9:04 min) und Rainer Brandt (4:31 min), der eine Nebenrolle spielte und später durch seine amüsante Synchronisation von Die Zweibekannt wurde.
1959 startete mit Der Frosch mit der Maske die Reihe der bundesdeutschen Edgar-Wallace-Filme. Acht Jahre später kam der bereits 25. Beitrag der „offiziellen Serie“ von Rialto Film in die Kinos. Beim fünften Farbfilm der Reihe haben sich alle Beteiligten besonders viel Mühe gegeben.
Heinz Drache – ansonsten immer in der Rolle des Ermittlers – drehte mit Der Hund von Blackwood Castle seinen letzten Kinofilm. Er spielt allerdings keinen Polizisten und auch ansonsten steht diesmal bei Scotland Yard kein Inspektor zur Lösung des Falles zur Verfügung.
Dies ist um so erfreulicher, denn dadurch kann Siegfried Schürenberg als zuverlässig trotteliger Sir John seinen wohl größten Part innerhalb der Reihe hinlegen. Optimal ergänzt wird er von der ebenfalls sehr schrulligen Agnes Windeck.
Der Film basiert auf keinem Roman von Wallace, sondern angeblich “auf Motiven von Edgar Wallace“. Es geht um einen Hund mit sehr giftigen Zähnen und die Mordlust entfesselnde Erbschaft. Der Titel des Films sucht der eine gewisse Nähe zum wohl bekanntesten Sherlock-Holmes-Roman Der Hund von Baskerville.
Die Ausstattung erinnert dabei an die besten britischen Hammer-Filme. Die atmosphärischen und nebeligen Außenaufnahmen entstanden auf der Berliner Pfaueninsel und Peter Thomas (Raumpatrouille Orion, Jerry Cotton, Der letzte Mohikaner) garnierte den Film mit einem wilden und innovativen Soundtrack. Der Hund von Blackwood Castle ist definitiv ein Höhepunkt der Edgar-Wallace-Filmreihe.
Der Hund von Blackwood Castle ist mittlerweile auch auf Blu-ray erschienen und wurde 2015 gemeinsam mit Der Frosch mit der Maske und Der Hexer als Edgar Wallace Edition 1 veröffentlicht. Zu allen drei Filmen gibt es als Bonus Trailer und alternative Vorspänne. Für Der Frosch mit der Maske hat Joachim Kramp, der Autor des Edgar Wallace Lexikons einen Audiokommentar eingesprochen.
Die Blu-ray zu Der Hund von Blackwood Castle enthält noch Interviews mit Karin Baal (9:04 min) und Rainer Brandt (4:31 min), der eine Nebenrolle spielte und später durch seine amüsante Synchronisation von Die Zweibekannt wurde.
1913 schrieb der englische Autor Sax Rohmer seinen ersten von insgesamt 13 Romanen über den Superverbrecher Dr. Fu Man Chu (im Original Dr. Fu Manchu). Er orientierte sich dabei an den Sherlock-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle und beschwor die „gelbe Gefahr“ aus Fernost. Die diabolische Figur schlug ein und auch das Kino griff bereits Anfang der Zwanziger den asiatischen Schurken dankbar auf.
1932 spielte “Frankensteins Monster“ Boris Karloff den Part, während Myrna Loy die Rolle von Fah Lo See, der äußerst attraktiven Tochter von Fu Man Chu übernahm. Peter Sellers war 1980 in seinem letzten Film Das boshafte Spiel des Dr. Fu Man Chu zugleich als Schurke und als dessen Widersacher Nayland Smith zu sehen. Zwischendrin entstanden von 1965 bis 1968 fünf Filme, in denen Dracula Christopher Lee als angemessen bösartiger Fu Man Chu zu sehen war.
Lee hatte bereits fünf Jahre zuvor in der Hammer-ProduktionThe Terror of the Tongs mit Chung King, dem Anführer eines chinesischen Geheimbundes, eine ähnliche Rolle gespielt. Das Fu-Man- Chu-Quintett realisierte Harry Alan Towers zunächst als deutsch-britische Koproduktionen und später mit italienischer und spanischer Beteiligung. Towers hatte von Sax Rohmers Witwe nur die Rechte an dessen Charakteren aber nicht an den Inhalten der Romane erworben. Daher schrieb er unter dem Pseudonym Peter Welbeck die Drehbücher zu allen fünf Filmen.
Ich, Dr. Fu Man Chu (The Face of Fu Manchu) startete die Reihe und wurde von Don Sharp (Rasputin – The Mad Monk) inszeniert. Am Anfang des Films wird ein Doppelgänger von Fu Man Chu enthauptet, doch dieser ist noch ganz fidel und enführt einem von Walter Rilla gespielten deutschen Forscher, der ein Massenvernichtungsmittel im Angebot hat. Neben den Briten Christopher Lee und Nigel Green, der den Nayland Smith spielte, traten im Film auch die deutschen Stars Joachim Fuchsberger und Karin auf. Diese sollten in Westdeutschland die Fans der nach den Büchern von Edgar Wallace und Karl May entstandenen Filmreihen in die Kinos locken. Wie In allen fünf Filmen spielte hier die in China geborene Tsai Chin Fu Manchus Tochter Lin Tang.
Die Rechnung ging auf und schon ein Jahr später folgte Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu (The Brides of Fu Manchu). Der in Irland und England wurde wieder von Don Sharp inszeniert. Diesmal kidnappte Fu Man Chu die Töchter von bekannten Wissenschaftlern, damit diese ihm eine Wunderwaffe bauen. Den Nayland Smith spielte diesmal von Douglas Wilmer gespielt und außerdem waren Heinz Drache, Harald Leipnitz und “Winnetous Schwester“ Marie Versini dabei.
Die Rache des Dr. Fu-Man-Chu (The Vengeance of Fu Manchu) drehte 1967 der TV-Regisseur Jeremy Summers. Erstmals wurde “vor Ort“ in Hong Kong in den Studios der Shaw Brothers gedreht. Auch diesmal hat Fu Man Chu einen teuflischen Plan im Angebot und will die die Polizeichefs in aller Welt durch hypnotisierte Doppelgänger ersetzen. Nayland Smith wurde wieder von Douglas Wilmer gespielt und aus Deutschland waren Horst Frank und Wolfgang Kieling dabei. Die recht aufwändig produzierten ersten drei Filme der Reihe sind deutlich besser gelungen als der Rest.
Die letzten beiden Filme Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu(The Blood of Fu Manchu) und Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu (The Castle Of Fu Manchu) hat hingegen der Trash-Filmer Jess Franco (Nachts, wenn Dracula erwacht) sehr hurtig in Szene gesetzt. Doch es soll auch gesagt werden, dass Francos bunten und psychedelischen Bilder durchaus ihren Reiz haben. Nachdem Harry Alan Towers Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu, den fünften und letzten Film der Reihe gesehen hatte, soll er zu Jess Franco gesagt haben: „Dir ist etwas gelungen, was noch keiner vor Dir geschafft hat: Du hast Fu Man Chu getötet!“
Bei Filmjuwelen sind alle fünf Filme zunächst 2019 in einer DVD-Edition erschienen. 2024 folgte eine optimal zusammengestellte Blu-ray-Edition mit allen fünf Filmen, deutschsprachigen Audiokommentaren von Rolf Giesen und haufenweise Bonusmaterial, wie Analysen von britischen Filmexpertzen wie Christopher Frayling, Kim Newman und Jonathan Rigby, sowie sehr gut reastaurierte Stummfilme mit Fu Man Chu aus den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts.
Aktuell wurden ebenfalls bei Filmjuwelen ausgerechnet die beiden letzten Fu-Man-Chu-Filme von Jess Franco als edel aufgemachte Collector’s Editions mit Mediabook, Blu-ray und bildtechnisch optimierter 4K Ultra HD veröffentlicht.