Schlagwort-Archiv: DDR

Winnetou und Old Shatterhand

Es ist erstaunlich welche Comic-Raritäten der Bildschriftenverlag veröffentlicht. Zuletzt erschienen dort in bibliophilen und fundiert kommentierten Ausgaben die britische Westernserie Blut auf der Prärie und in drei Bänden die Karl-May-Comics von Walter Neugebauer.

In dieselbe Richtung geht die schön aufgemachte Veröffentlichung einer weiteren Karl-May- Adaption, die in Westdeutschland nahezu unbekannt sein dürfte. 1983 erschien in der DDR-Jugendzeitung Trommel in wöchentlichen Fortsetzungen die aus Ungarn stammende Comicserie Winnetou und Old Shatterhand.

Zu diesem Zeitpunkt wurde Karl May in Ostdeutschland erstmals nach dem Kriege wieder veröffentlicht, das DDR-Fernsehen strahlte als Premiere die BRD-Produktion Der Schatz im Silbersee aus und in den Kinos liefen weitere der zwei Jahrzehnte zuvor entstandenen westdeutschen Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker.

Trommel-Veröffentlichung von 1983

Bereits 1957 realisierte der umtriebige Kulturfunktionär und Autor Tibor Horváth zusammen mit dem begnadeten Zeichner Ernó Zórád eine Adaption von Karl Mays Winnetou. 1975 überarbeitete Horváth seine Geschichte. Er verdoppelte den Umfang auf 25 Seiten, die Zórád komplett neu zeichnete. Jetzt sahen die Hauptfiguren ähnlich wie Brice und Barker aus.

Diese Version des Comics wurde auch in der Trommel veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine recht werkgetreue Nacherzählung des 1893 von Karl May verfassten ersten Winnetou-Romans. Hauptfigur ist das Greenhorn Charly, das sich beim Büchsenmacher Mr. Henry einen Bärentöter kauft und dank seiner Fähigkeiten als Faustkämpfer recht bald Old Shatterhand genannt wird. Der Comic ist ganz offensichtlich nicht als Endlosserie angelegt, denn eine wichtige Hauptfigur stirbt am Ende der Geschichte.           

Der Editon des Bildschriftenverlags enthält jedoch nicht die Trommel-Veröffentlichung dieses Comics, sondern eine sehr viel schönere Version, die 1983 in Ungarn als 64-seitiges Softcoveralbum erschienen ist. Hierin kommen die Zeichnungen von Ernó Zórád in einem sehr viel größeren Format zum Abdruck. Sein lockerer Stil beeindruckt und ist international absolut konkurrenzfähig.

Das Titelbild stammt nicht von Zórád, sondern wurde exklusiv von Ertugrul Edirne als Gemälde angefertigt. Ebenfalls für den Bildschriftenverlag schuf Edirne ein beeindruckend plastisch koloriertes Cover für die deutsche Erstveröffentlichung von Frank Hampsons Jesus von Nazareth – Sein mutiger Weg.

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Der Held vom Bahnhof Friedrichsstraße

Bevor er im Juni 2025 im Alter von 70 Jahren starb, konnte Wolfgang Becker noch seinen letzten Film vollenden. Der Regisseur, der zuvor Das Leben ist eine Baustelle, Good Bye, Lenin! und Ich und Kaminski drehte, findet auch bei Der Held vom Bahnhof Friedrichsstraße die thematisch angemesseme Balance aus Komik, Dramatik und Tragik.

Dem ehemaligen DDR-Bürger Michael Hartung (Charlie Hübner) ist die Wende nicht allzu gut bekommen. Fast schon teilnahmslos betreibt er in Berlin eine heruntergekommene Videothek und wird gelegentlich finanziell durch seine Tochter Natalie (Leonie Benesch) unterstützt. Hartungs unauffälliges – oftmals im Bademantel stattfindendes – Dasein ändert sich drastisch, als 2019 eine große Feier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls ansteht.

Der nicht besonders erfolgreiche Journalist Alexander Landmann (Leon Ulrich) glaubt durch schlampige Recherchen “herausgefunden“ zu haben, dass der einst bei der Reichsbahn tätige Hartung angeblich eine Weiche falsch gestellt hatte und es dadurch ermöglichte, dass 127 Menschen vom Ostberliner Bahnhof Friedrichstraße per S-Bahn in den Westen gelangten.

Nachdem ihm Landmann einige Geldscheine überreicht hat, ist Hartung damit einverstanden als “Held vom Bahnhof Friedrichsstraße“ aufzutreten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten steigert er sich immer mehr in die Rolle hinein. Er tritt zusammen mit Katarina Witt in einer Talkshow auf und fühlt sich – motiviert durch den Bundespräsidenten – in der Lage dazu, im Reichstag eine große Rede zum Thema “30 Jahre Mauerfall“ zu halten.

Dies verärgert Harald Wischnewsky (Thorsten Merten), der als Dissident in DDR-Haft saß, sich durch Vorträge in Schulen finanziell über Wasser gehalten hatte und eigentlich für die große Ansprache vorgesehen war. Auch Wessis, die meinen ganz genau zu wissen, wie es in der DDR zuging, und ehemalige Stasi-Leute mischen sich ein. Doch richtig ernst wird es für Michael Hartung erst, als er sich in Paula (Christiane Paul) verliebt. Diese gehört zu den 127 Menschen aus der S-Bahn und für sie ist Michael tatsächlich ein Held…

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Maxim Leo und unterstützt durch ein großartiges Ensemble gelang Wolfgang Becker mit seinem letzten Film ein weiteres Meisterwerk. Wenn es darin traurig oder tragisch zugeht, wird dies nicht durch Komik neutralisiert. Wenn es – wie sehr häufig – komisch wird, dann ist es auch wirklich lustig, aber niemals nur lustig…     

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Machandeltal

“Konspirativ auf einer großen Lichtung im Grünauer Forst“ feierte Dirk Zöllner im Frühsommer 2020 mitten im ersten Corona-Lockdown seinen 58. Geburtstag. Er bemerkte, dass ein ihm unbekannter Mann mit Coronamaske einen hellgrünen Pappkoffer zwischen seinen Geschenken platzierte und sich rasch wieder entfernte.

Darin befand sich Material über die geheimnisvolle Band SB62, die Zöllners musikalisches Schaffen in der DDR entscheidend geprägt hatte. Neben Berichten, die an Stasi-Dokumente denken ließen, waren auch drei Musikkassetten der Marke ORWO mit Aufnahmen von “Wohnzimmerkonzerten in übelster technischer Qualität“ enthalten.

Dirk Zöllner und Jörg Menge

Dirk Zöllner war so geflashed, dass er daraus zusammen mit seinem Freund, dem Maler Jörg Menge, eine Graphic Novel machte. Auf eine ebenso faszinierende Art, wie in seiner Vorwort-Geschichte vom angeblichen Auftauchen des mysteriösen hellgrünen Koffers, vermischt Zöllner auch in seinem Comic autobiographische Momente mit Spekulationen über die von 1976 bis etwa 1984 in der DDR aktiven Band SB62.

Auf 150 von Menge sehr lässig zu Papier zu Papier gebrachten Seiten ist zu erfahren, wie Sven Hermann, dessen genuschelte Kurzversion seines Namens ihn zu “Sherman“ machte, und der impulsive Taifun alias Robert Zimmermann, sowie die als Boris Wenzke geborene Bärbel zu einer musikalischen Einheit wurden.

Zugleich erzählen Zöllner und Menge von einer DDR-Jugend in den Siebzigern. Dort waren Lehrer und politische Führung zwar eher zweifelhafte Gestalten, dennoch waren mit dem DEFA-Chefindianer Gojko Mitić, Ritter Runkel aus den Mosaik-Comics oder der von der SED hofierten US-Protestsängerin Angela Dais durchaus mehr oder weniger „real existierende sozialistische“ Vorbilder für ein Leben als Rock ’n‘ Roller im Angebot.

Der mitreißend in Szene gesetzte und interessant verschachtelt erzählte Comic Machandeltal versteht sich als Pilotfolge einer Musiker-Biografie, die hoffentlich fortgeführt wird.

Dirk Zöllner und Jörg Menge werden vom 19. bis 22. Juni 2025 auf dem Comicfestival München zu Gast sein. Dort wird sich Dirk Zöllner auch musikalisch zu Wort melden.

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Über sieben Brücken musst Du gehen

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass Peter Maffay nicht der Erste war der Über sieben Brücken musst Du gehen gesungen hat. Es handelt sich um einen Song der DDR-Rockband Karat, deren Keyboarder Ed Swillms die eingängige Melodie komponierte.

Den Text stammt von Helmut Richter, der zuvor bereits eine Erzählung namens Über sieben Brücken musst Du gehen geschrieben hat. Die deutsch-polnische Liebesgeschichte wurde für das DDR-Fernsehen adaptiert und in dem Film war der Karat-Song erstmals zu hören. Nach der Ausstrahlung am 30. April 1978 wurde das Lied zu einem Hit in ganz Deutschland.

Dass der Erfolg des Songs den gleichnamigen TV-Film überstrahlte, liegt sicher auch daran, dass die DDR-Führung weitere Ausstrahlungen verboten hatte. Grund dafür war, dass eine Geschichte mit sympathischen polnischen Charakteren angesichts der Streiks der Gewerkschaft Solidarność nicht mehr ins ostdeutsche System passte. Doch mittlerweile wurde Hans Werners Film aus dem Giftschrank geholt und lag u. a. als DVD der Zeitschrift SUPERIllu („Die Nummer 1 des Osten“) bei.

Erzählt wird davon, wie eine Brigade aus Polen in einem grenznahen DDR-Dorf Zaspenhain (gedreht wurde in Pößneck) beim Bau von neuen Kühltürme für ein Kraftwerk helfen soll. Die Arbeiter aus dem Nachbarland werden zwar vom Bürgermeister feierlich und mit großen Worten begrüßt, doch hinter vorgehaltener Hand und vor allem in der Kneipe wird sich darüber aufgeregt, dass polnische Hilfskräfte geholt werden mussten.

Es ist die großartig und charismatisch von Viola Schweizer verkörperte Gitta, die engagiert für Völkerverständigung sorgt. Trotz Widerstand tritt die ständig den Lebensabschnittspartner wechselnde junge Frau in die FDJ ein und organisiert erfolgreich einen deutsch-polnischen Begegnungsabend. Sie macht dies jedoch nicht völlig uneigennützig, denn der polnische Facharbeiter Jerzy (Krzysztof Jendrysek) hat es der jungen Frau angetan.

Das Zustandekommen dieser von den ostdeutschen Bürgern mit Widerwillen beäugten Beziehung wird mit einer sympathischen Leichtigkeit erzählt. Doch der Film gerät auch nicht aus dem Gleichgewicht, als die Schrecken der Nazizeit ins Spiel kommen und klar wird, dass (Vorsicht, Spoiler) Gittas in den Westen geflüchteter Vater einst jenes Lager bewachte, in dem der Vater von Jerzy zu Tode kam…    

Eine Sichtung des 80-minütigen Films lohnt sich, denn die Darsteller sind großartig und es wird ein vielschichtiger Einblick in die Welt des “real existierenden Sozialismus“ geboten.

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Johnny & Me – eine Zeitreise mit John Heartfield

Katrin Rothe bezeichnet ihr neues Werk als “dokumentarischen Animationsspielfilm“, das klingt widersprüchlich, das Resultat kann sich jedoch sehen lassen. Rothe arbeitete bereits 2003 in ihrem Erstlingswerk Dunkler Lippenstift macht seriöser Zeichentricksequenzen ein.

Auch in Betongold – wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam setzte sie Animationen ein. Bei Momenten, in denen sich Vermieter äußerst zweifelhaft verhalten haben, durfte Rothe nicht mitfilmen und stattdessen wurden diese Szenen per Animation nachgestellt. Mit 1917 – Der wahre Oktober drehte sie basierend auf den Tagebüchern und Memoiren von Künstlern wie Maxim Gorki einen Animationsfilm über die Russische Revolution, trat zwischendrin aber auch in Realfilm-Sequenzen als Regisseurin in Erscheinung.

Katrin Rothes neuer Film beschäftigt sich mit dem dadaistischen Künstler John Heartfield, der als Kommunist in den Dreißigern mit seinen politischen Fotomontagen gegen den Nationalsozialismus kämpfte. Kollage und Karikatur gegen Nazis ist ein ergiebiges und leider zeitloses Thema für einen abendfüllenden Film. Rothe erzählt zusätzlich noch in einer Rahmenhandlung davon, wie es dem nach England emigrierten Heartfield, schwergemacht wurde, seine Arbeit in der DDR fortzusetzen.

Doch damit nicht genug, Rothe baut in Johnny & Me noch eine als Realfilm realisierte weitere Handlungsebene ein. Hierin geht es um die von Selbstzweifeln gequälte Grafikerin Stephanie (Stephanie Stremler), die in einer Heartfield-Ausstellung anscheinend so stark von dessen Werken fasziniert ist, dass sie plötzlich in einem Atelier landet, wo sie auf einen 30 cm großen Papp-Heartfield trifft. Mit diesem diskutiert sie über dessen Leben und ihre Zukunft.

Wenn Stephanie dann auch noch zu Stabpuppen greift und mit diesen darstellt, wie zwei SED-Apparatschiks beschließen, Heartfield Berufsverbot zu erteilen, wird es etwas albern. Die Tatsache, dass der liebevoll durch Pappflächen animierte Kopf von Heartfield nachvollziehbarer agiert als (die allerdings auch eine undankbare Rolle spielende) Stephanie Stremler, spricht jedoch durchaus für den Film und vor allem für die ebenso engagierten wie fantasievollen Animatorinnen und Tricktechniker.

Durch seine oft etwas verrätselte Erzählweise fordert Johnny & Me beim Publikum volle Aufmerksamkeit ein. Doch wer sich nicht verwirren lässt und dranbleibt, bekommt als Belohnung einen faszinierenden Einblick in ein konsequentes Künstlerleben.

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MOSAIK-Handbuch

Ein Handbuch ist dieses nicht eben kleine und auch nicht gerade dünne Werk nur bedingt, doch warum MOSAIK mit Großbuchstaben geschrieben wird, dürfte dem Insider sofort klar sein. Das Buch beschäftigt sich ausschließlich mit jener Ära des DDR-Comicmagazins von 1955 bis 1975 als dort die Abenteuer von Dig, Dag und Digedag erzählt wurden. Die Zeit danach – als aus MOSAIK Mosaik wurde und die Abrafaxe die Digedags ersetzten – ist eine völlig andere Geschichte.

Das MOSAIK-Handbuch widmet sich MOSAIK von Hannes Hegen, jenem Manne, der es in der DDR mindestens so weit gebracht hatte wie Rolf Kauka in der BRD. Streng genommen sind die Figuren aus Kaukas Fix & Foxi-Universums (und sogar einige ihrer Storys) nur schwach kaschierte Varianten von Disney-Charakteren (Lupo = Goofy, Knox = Daniel Düsentrieb etc.) und den oftmals in den gleichen Heften erschienenen frankobelgischen Comic-Importen hoffnungslos unterlegen. Hannes Hegens Beitrag zur deutschen Comicgeschichte ist sehr viel eigenständiger aber auch regionaler, wie die selten mit Erfolg gekrönten MOSAIK-Auslandsveröffentlichungen beweisen.

2. Edition

Ein großer Teil des MOSAIK-Handbuch besteht aus farbigen streichholzschachtelgroßen Cover-Abbildungen der verschiedenen auch international veröffentlichten Hefte und Sammelbände. Hier wären vielleicht noch Hinweise bezüglich der Seltenheit einzelner Ausgaben hilfreich, damit das Buch auch als Katalog für Sammler verwendet werden kann. Doch ansonsten ist dies eine umfangreiche Materialsammlung, die zudem noch die “einzige umfassende Selbstaussage“ von Hegen, sowie die interessant bebilderte Kurzbiographie “Von Johann Hegenbarth zu Hannes Hegen“ und Porträts von MOSAIK-Mitarbeitern wie Lothar Dräger oder Lona Rietschel enthält.

Insgesamt wird hier das beeindruckende Lebenswerk eines Mannes dokumentiert dem schier Unmögliches gelang: Ein weitestgehend unideologisches (und daher auch sehr erfolgreiches) DDR-Comicmagazin. Die 2012 erschienene Erstauflage dieses Buchs wird bereits hoch gehandelt.

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Stasikomödie

1999 drehte der renommierte Theaterregisseur Leander Haußmann seinen ersten Spielfilm Sonnenallee. In dem gemeinsam mit Detlev Buck und Thomas Brussig verfassten Drehbuch flossen auch eigene Erlebnisse aus seiner Jugend in der DDR ein. Der Schlusssatz des Filmes lautet: “Es war die schönste Zeit meines Lebens, denn ich war jung und verliebt!“

2022 kommt eine Art Fortsetzung in die Kinos, die zugleich der Abschluss von Haußmanns DDR-Trilogie ist. Nachdem der 2005 entstandene Mittelteil, die Militär-Klamotte NVA, ziemlich in die Hose ging, ist Haußmann bei Stasikomödie wieder in Höchstform. Sonnenallee endete damit, dass der beste Freund der Hauptfigur sich von der Stasi anmustern lässt, um seine junge Familie ernähren zu können. Haußmann verdammt diese Entscheidung nicht, sondern lässt den frisch gebackenen Staatssicherheits-Mitarbeiten, beim großen Finale fröhlich mittanzen.

Auch Stasikomödie handelt von einen jungen DDR-Bürger, der von der Obrigkeit als Spitzel rekrutiert wird. Doch Haußmann macht aus diesem Vorgang eine sehr skurrile Szene. David Kross (Trautmann) bleibt als Ludger Fuchs sehr lange brav vor einer Ampel stehen und rettet ein Kätzchen erst vor einem heranfahrenden LKW, nachdem das rote Ampelmännchen grün geworden ist. An der Fernsteuerung der Ampel sitzt kein Geringerer als Stasioffizier Siemens (Henry Hübchen), der den scheinbar linientreuen Ludger sofort auf subversive Elemente ansetzt, die sich in leerstehenden miteinander verästelten Wohnung am Prenzlauer Berg eingenistet haben.

Nachdem er anfangs etwas gefremdelt hat, beginnt Ludger sein neuer Job richtig Spaß zu machen. Er lernt zwei tolle von Antonia Bill und Deleila Piasko dargestellte Frauen kennen, wird auf Erich Mielkes pompöse Kostümparty eingeladen und schwingt sich sogar zum im Westen verlegten oppositionellen Starschriftsteller auf.

In einer Rahmenhandlung spielt Jörg Schüttauf, der zuletzt in Lieber Thomas in einer ähnlichen Rolle zu sehen war, den gealterten Ludger Fuchs, der mit seiner Vergangenheit alles andere als im Reinen ist. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Detlef Buck als Vopo-Tölpel. Leander Haußmann gelang mit dieser großartig in Szene gesetzten Tragikomödie eine würdige Fortsetzung zu Sonnenallee.

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Edgar Wallace: Der Hexer

Seinem Theaterstück The Gaunt Stranger von 1925 gab Edgar Wallace kurz danach den neuen Titel The Ringer. Der zugehörige Roman hieß bei uns Der Hexer. Der vielleicht bekannteste Krimi des britischen Autors wurde immer ab 1928 immer wieder gerne verfilmt. Für das westdeutsche TV entstanden 1956 und 1963 zwei Adaptionen und auch das DDR-Fernsehen produzierte 1962 eine Verfilmung.

Edgar Walace: Der Hexer

Kurz darauf geriet die 1959 mit Der Frosch mit der Maske gestartete Serie der Edgar-Wallace-Verfilmungen von Horst Wendlandts Produktionsfirma Rialto ein wenig ins Stocken. Die letzten Filme brachten nicht mehr den gewohnten Kassenerfolg. Daher wurden 1964 für den siebzehnten Film der Reihe mit Heinz Drache und Joachim Fuchsberger gleich beide Chef-Kriminalisten der Serie in einer Produktion eingesetzt.

Edgar Walace: Der Hexer

Der Humor lag in den bewährten Händen von Eddie Arent und Siegfried Schürenberg als Sir John. So entstand ein temporeicher Schwarzweiß-Film im Breitwandformat und mit deutlichen Anleihen bei James Bond, dessen Erfolg die Serie wiederbelebte. Es geht um den mysteriösen Hexer, der aus Australien nach England zurückkehrt, obwohl er dort steckbrieflich gesucht wird. Er will seine Schwester rächen, die von Mädchenhändlern getötet wurde…

Der Hexer

Wie immer innerhalb der Serie bleiben auch bei dieser Wallace-Verfilmung eher einzelne Situationen und Typen in Erinnerung, während die eigentliche Story eher nebensächlich ist und schnell wieder in Vergessenheit gerät. Daher kann bei jeder Wiederholung erneut geraten (aber kaum kombiniert) werden, wer der Täter ist. Kleiner Spoiler: Der Name des Hexer-Darstellers ist nicht im Vorspann des Films zu lesen.

Edgar Walace: Der Hexer

Bereits ein Jahr folgte mit Neues vom Hexer eine Fortsetzung, in der die Titelfigur wieder von Scotland Yard gejagt wird, gleichzeitig aber bei der Aufklärung eines verzwickten Kriminalfalls hilft. Diesmal ist allerdings nur der von Heinz Drache gespielte australischen Inspector Wesby dabei, weil sich Inspector Higgins alias Joachim Fuchsberger gerade in den Flitterwochen befindet.

Der Hexer

Der Hexer ist auf mittlerweile auch auf Blu-ray erschienen und wurde 2015 gemeinsam mit Der Frosch mit der Maske  und Der Hund von Blackwood Castle als Edgar Wallace Edition 1 veröffentlicht. Zu allen drei Filmen gibt es als Bonus Trailer und alternative Vorspänne. Für Der Frosch mit der Maske hat Joachim Kramp, der Autor des Edgar Wallace Lexikons einen Audiokommentar eingesprochen.

Der Frosch mit der Maske

Die Blu-ray zu Der Hund von Blackwood Castle enthält noch Interviews mit Karin Baal (9:04 min) und Rainer Brandt (4:31 min), der eine Nebenrolle spielte und später durch seine amüsante  Synchronisation  von Die Zwei bekannt wurde.

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„Edgar Wallace Edition 4:  Die Bande des Schreckens + Das Rätsel der roten Orchidee + Das indische Tuch“ als Blu-ray-Box bei AMAZON bestellen, hier anklicken

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Robinson jr.

Widerwillig willigt der Mailänder Modemanager Roberto Minghelli ein, als seine Frau mit ihm unbedingt zu einer Kreuzfahrt aufbrechen möchte. Es kommt noch schlimmer als erwartet, denn Roberto strandet auf einer einsamen Insel. Dort findet er zwar Robinson Crusoes Hütte vor, doch er trauert um sein Luxusleben. Seine Lage verbessert sich merklich, als nach etlichen Monaten plötzlich eine attraktive dunkelhäutige Frau auftaucht, die Roberto natürlich Freitag nennt…

Robinson jr.

In Westdeutschland dürfte diese 1976 vom Django-Regisseur Sergio Corbucci gedrehte italienische Komödie kaum bekannt sein. Doch in den Kinos und im Fernsehprogramm der DDR war Robinson jr. – auch dank der amüsanten DEFA-Synchronisation – ein gewaltiger Hit. Nachdem zuvor einige Heimkino-Veröffentlichungen mit eher unbeholfenen Covern die Ostalgie-Schiene zu bedienen versuchten, ziert die neue Blu-ray-Veröffentlichung von Capelight Pictures ein prachtvoll gemaltes Motiv des großartigen Plakat-Künstlers Renato Casaro. Dies könnte dem Film neue Fans zutreiben.

Robinson jr.

Der Auftakt von Il signor Robinson ist etwas unbeholfen und albern. Doch wenn Paolo Villaggio als Roberto einsam über die Insel kaspert, dann ist das sehr viel erträglicher und amüsanter als Tom Hanks Konversation mit einem Volleyball in Cast Away. Besonders gelungen ist ein überraschend surrealer Gag mit Villaggio und einem tückischen (aber höflichen)  Bumerang.

Robinson jr.

Am Drehbuch beteiligt war, neben Corbucci und Villaggio, auch das Duo Castellano & Pipolo, das kurz danach u. a. mit Der gezähmte Widerspenstige einige der besten Komödie mit Adriano Celentano in Szene setzte. Nicht unerwähnt bleiben soll auch noch der eingängige Soundtrack der Bud-Spencer-Hauskomponisten Guido und Maurizio De Angelis, die für karibisches Flair sorgen. Wenn dann auch noch Zeudi Araya als Freitag die Leinwand betritt, ist sehr schnell vergessen, dass der Drehort keine tropische Insel war, sondern ein Strand auf Sardinien…Robinson jr.

Die Blu-ray von Capelight Pictures enthält neben dem 108-minütigen Hauptfilm noch ein interessantes Interview mit Zeudi Araya (13:14 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln)

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Adolars phantastische Abenteuer

In der ab 1968 in Ungarn entstandenen 13-teiligen Zeichentrickserie Heißer Draht ins Jenseits wurde die in einem Hochhaus in Budapest wohnende Familie Mézga immer wieder mit Erfindungen aus der Zukunft „beglückt“, die großes Chaos auslösten. Die noch vor der Einführung des Farbfernsehens in Ungarn in Farbe gedrehte Serie wurde ein großer Erfolg.

Adolars phantastische Abenteuer

Daher folgten unter dem Titel Adolars phantastische Abenteuer 13 weitere Episoden. Der kleine Adolar Mézga ist jetzt stolzer Besitzer der aufblasbaren Rakete Gulliverkli, die er in einem Geigenkasten unter seinem Bett versteckt. Damit kann er immer mal wieder seiner etwas spießigen Familie entkommen. Der Hund Schnuffi muss dann allerdings gelegentlich zur Tarnung Geige spielen.

So landet Adolar zunächst auf einem flachen Scheibenplaneten, der von zweidimensionalen Wesen bevölkert werden, denen es nicht nur an Plastizität fehlt, sondern deren Sprache sogar einige Vokale fehlen. In einem weiteren Abenteuer landet Adolar auf einem von Märchenwesen bewohnten Planeten. Wie man sehen wird, ist Adobar kein Vertreter von Star Treks „Prime Direktive“ und greift ganz massiv ein.

Adolars phantastische Abenteuer

Die Serie lief erfolgreich im DDR-Fernsehen und wurde dort auch von vielen Westbürgern gesehen. Dies lag neben den sympathischen Figuren und der auch für Anime-Freunde recht interessanten Animation auch an der liebevollen und wortspielfreudigen DEFA-Synchronisation.

Adolars phantastische Abenteuer

1998 brachte RTL II eine weit weniger gelungene Eindeutschung unter dem Titel Archibald der Weltraumtrotter, innerhalb der allerdings auch unter dem Titel Der Superkampfplanet eine nicht im DDR-Fernsehen gezeigte 13. Folge zu sehen war.

Adolars phantastischen Abenteuer

Die Serie ist als dreiteilige DVD-Veröffentlichung erschienen. Es fehlen leider die RTL II – Synchronisation, die ungarische Originalfassung, sowie die 13. Episode. Mittlerweile gibt es auch eine DVD-Box mit Heißer Draht ins Jenseits und Adolars phantastische Abenteuer. Auf alle Fälle haben diese fantasievollen Trickfilme nichts von ihrem Charme und der gelegentlich aufblitzenden satirischen Schärfe eingebüßt.

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