Madeleine, die Widerständige

Die Französin Madeleine Riffaud war während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich am Widerstand gegen die deutschen Besatzer beteiligt. Die heute 94-jährige Journalistin und Dichterin war zunächst nicht sonderlich begeistert, als der Autor Jean David Morvan (Spirou in Tokyo, Zyklotrop) sie anrief und ihr mitteilte, dass er gerne einen Comic über sie machen würde.

Madame Riffaud war der Meinung, dass Comics nur etwas für Kinder wären, bat sich aber dennoch Bedenkzeit aus und Morvan um einen Rückruf “aber nicht vor 18 Uhr“ schließlich ist sie keine Frühaufsteherin. Als Morvan ohne viel Hoffnung erneut anrief, hatte sich Madeleine Riffaud etwas umgehört. Sie war nun der Meinung, dass sich durch einen Comic auch junge Leser für ihre Lebensgeschichte interessieren könnten.

Gemeinsam mit dem Zeichner Dominique Bertail (Paris 2119) formierten sich Morvan und Riffaud zu einer Komplizenschaft. Das Trio setzte alles dran, um so wahrheitsgetreu wie möglich von der jungen Madeleine zu erzählen, die unter dem Decknamen “Rainer“ (basierend auf den ersten Vornamen ihres Lieblingsdichter Rilke) Mitglied der Résistance wurde und in die Fänge der Gestapo geriet.

In detailreich in Szene gesetzten Bildern, denen die einzige Schmuckfarbe Blau eine eisige Atmosphäre verleiht, schildert der Comic, wie Madeleine Riffaud auf der Flucht vor den deutschen Besatzern zusammen mit weiteren unbewaffneten Franzosen von Stukas beschossen wird und wie sie – als sie  für ihren hüftkranken Großvater beim Roten Kreuz eine Trage organisieren wollte- von einem deutschen Offizier einen Tritt in den Hintern erhielt.

Doch es waren nicht nur die Besatzer, die ihr Übles antaten. Das finsterste Kapitel dieses Comics erzählt davon, wie die erkrankte Madeleine allein per Zug zu einem Sanatorium reist , Der Sohn einer Nachbarin nimmt sie am Bahnhof in Empfang, geht fein mit ihr essen und vergewaltig das minderjährige Mädchen anschließend brutal.

Am nächsten Morgen muss Madeleine erfahren, dass der junge Mann zudem auch noch im Dienste einer für die Besatzer tätigen paramilitärischen Organisation steht. In der Rückschau meint Riffaud zu der Vergewaltigung; “Ich war so traumatisiert, dass ich über 50 Jahre nicht darüber sprechen konnte und meine späteren Liebhaber bekamen die Folgen zu spüren.“

Morvan und Bertail geling es, das Leid aber auch den Mut von Madeleine so nachfühlbar einzufangen, dass die beiden weiteren Bände dieser Lebensgeschichte ebenfalls Pflichtlektüre für politisch interessierte Leser sind.    

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Alan Moore: Abschied von Swamp Thing

Bei Alan Moores Swamp Thing handelt es sich um die erste US-Veröffentlichung des britischen Starautors und die von ihm geschriebenen Hefte wurden bei uns bereits zweimal veröffentlicht. Doch weder bei Carlsen noch bei Panini sind seinerzeit alle von Moore getexteten Hefte mit dem Ding aus dem Sumpf erschienen. Erst beim zweiten Versuch hat es Panini mit einer dreibändigen DeLuxe-Gesamtausgabe endlich geschafft und das Warten hat sich gelohnt.

Dem neuen Koloristen Steve Oliff standen im Gegensatz zu Tatjana Wood, von der die ursprüngliche Farbgebung stammt, statt 64 etliche Millionen verschiedene Farbtöne zur Verfügung, wodurch die Zeichnungen von Stephen R. Bissette, Rick Veitch und John Totleben im neuen Glanz erstrahlen.

Dieser dritte Band der Gesamtausgabe enthält als deutsche Erstausgabe die letzten Swamp-Thing-Hefte von Alan Moore. Der Auftakt ist hochemotional und der Autor schmuggelt einmal mehr Thematiken in die US-Serie ein, die in einem sich scheinbar hauptsächlich an junge Leser richtenden Comicheften nicht zu erwarten waren.

In schwer zu Herzen gehenden Geschichten hat Moore davon erzählt, wie sich Swamp Thing und die weißhaarige Abigail Arcane immer näherkommen. Doch Abigail wird von den Behörden “Unzucht mit Gemüse“ vorgeworfen und sie flüchtet aus dem ländlichen Louisiana in die Großstadt Gotham.

Doch dort landet sie im Knast und Swamp Thing muss erst ganz Gotham in eine Grünanlage verwandeln, bevor er seine geliebte Abigail wieder in seine Äste und Zweige schließen kann. Diese Storyline, in der sich Batman überraschenderweise als Fürsprecher des Pfanzenwesens engagiert, gehört zu Alan Moores beeindruckendsten Swamp-Thing-Geschichten.

Seine restlichen Hefte erzählen von einer galaktischen Odyssee und hinterlassen einen eher wirren Eindruck. In Swamp Thing # 64 im September 1985 beendet Alan Moore dann mit einer wirklich wunderschönen Geschichte seine erste US-Serie und nahezu zeitgleich erschien auch das letzte Heft seinen Megaerfolges Watchmen.

Rick Veitchs von DC abgelehntes Cover für Swamp Thing # 88

Danach erschienen vierundzwanzig weitere Ausgaben, in den Texte und Zeichnungen von Rick Veitch stammen. Als dieser auch im Underground tätige Zeichner in Swamp Thing # 88 Jesus Christus als Comicfigur auftreten ließ, lehnte es DC ab, das Heft zu veröffentlichen. Andere Autoren wie Grant Morrison übernahmen die Serie. Das letzte Heft schrieb Mark Millar und 1996 wurde die zweite Swamp-Thing– Serie mit Heft 171 eingestellt.

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Pardon

Unter dem durchaus passenden Titel Teuflische Jahre wird noch bis zum 19. März im Caricatura Museum Frankfurt der 60. Geburtstag des Satiremagazins Pardon gefeiert. Wer es nicht in die Ausstellung schafft, enthält durch einen sehr schön zusammengestellten Katalog ebenfalls einen äußerst lebendigen Einblick in den Auf- und Abstieg der Monatsschrift, die zeitweilig mit einer Auflage von über 300.000 Exemplaren ein Millionenpublikum zum Lachen aber auch ins Grübeln brachte.

Die Pardon-Ausstellung erfreut durch eine erstaunlich hohe Anzahl von großartigen Originalzeichnungen. Kuratoren waren der ehemalige stellvertretende Pardon-Chefredakteur Gerhard Kromschröder und der Grafiker Till Kaposty-Bliss, der die Ausstellung auch durch Sperrmüllfunde bereichert hat. Die Vielzahl der wohlüberlegt angeordneten Exponate lassen darüber staunen, wer alles – von Volker Ernsting über Kurt Halbritter, Brösel, Volker Reiche, Tom Bunk, Gerhard Seyfried, Bernd Pfarr, Peter Butschkow, Tetsche bis hin zu Erich Rauschenbach für das Satiremagazin tätig war.

Im September 1962 erschien die erste Ausgabe von Pardon. Enthaltenwaren Texte von Hans Magnus Enzensberger, Ephraim Kishon und Erich Kästner, der wortgewaltig davon erzählt, wie schwierig es war, im harmoniesüchtigen Nachkriegsdeutschland eine satirische Zeitschrift zu etablieren und Pardon viel Erfolg wünschte. Das Cover der Ausgabe wurde bereits für eine nicht für den Verkauf bestimmte Nullnummer verwendet. Es stammt von Loriot und zeigt dessen berühmtes Knollennasenmännchen, das – versteckt in einem prächtigen Blumenstrauß – dem Betrachter eine Bombe mit brennender Lunte entgegen hält. Dieses Bild ist genau wie Loriots Entwürfe zum Cover der Pardon-Ausgabe vom März 1977 im Caricatura Museum als Original zu sehen.

Das Cover der Nullnummer stammt von Loriot und zeigt dessen berühmtes Knollennasenmännchen, das versteckt in einem prächtigen Blumenstrauß dem Betrachter eine Bombe mit brennender Lunte entgegenhält. Pardon zeigte den Mächtigen im Lande immer wieder kunstvoll den Stinkefinger. Franz Josef Strauß, den 1972 ein Pardon-Titelbild lächelnd neben der eine Bombe haltenden Ulrike Meinhof zeigt, hatte das Satiremagazin achtzehnmal erfolglos verklagte.  

Pardon-Cover von Horst B. Baerenz

Doch leider fühlte sich Herausgeber Nikel nicht nur für Satire, sondern auch für Literatur, Philosophie und – schlimmer noch! – für Bewusstseinserweiterung zuständig. Spätestens als 1977 ein Cover einen schwebenden Mann im Lotussitz vor blauem Himmel zeigte und einen “unsatirischen Bericht zum Thema “Kein Witz: Ich kann fliegen!“ hatten viele Mitarbeiter die New-Agen-Faxen dick.

Für Peter Knorr war Pardon “aus den lichten Höhen rational aufklärerischer Satire in die Schleimgruben esoterischer Weltsicht“ geraten. Daher hatten sich im Laufe der Jahre viele PARDON-Mitarbeiter, wie die Urgesteine der Neuen Frankfurter Schule Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und F. K. Waechter, oder Clodwig Poth verabschiedet und nach einer Alternative gesucht. Im November 1979 tauchte dann erstmals das “endgültige Satiremagazin“ Titanic auf.

Ein knappes Jahr später legte Nikel sein Amt als Chefredakteur nieder und Henning Venske übernahm den Posten. Der auch aus der Sesamstraße bekannte Kabarettist konnte noch kurz punkten, indem er die seinerzeit omnipräsente Werbekampagne eines Kräuterlikör-Fabrikanten mit dem von einem zehnjährigen Jungen aufgesagten Slogan “Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zurzeit im Knast sitzt“ veralberte.

Vor Gericht wurde Pardon auf Schadenersatz verklagt und musste eine Gegendarstellung der Schnapsfirma veröffentlichen. Dies geschah dann in einer Ausgabe, auf deren Cover ein Säugling an der Mutterbrust zu sehen ist und der zugehörige Text lautet “Ich trinke Jägermeister, weil meine Mami voll davon ist.“ Als Pardon in Berufung ging, zog Jägermeister den Schwanz ein und alle Forderungen zurück. Danach hielt das Satiremagazin noch bis Juli 1982 durch, wurde dann eingestellt und zwei Wiederbelebungsversuche scheiterten.

Der schöne Katalog zur Ausstellung präsentiert neben den Covern sehr interessante Texte von Pardon-Veteranen wie Herbert Feuerstein, Otto Waalkes, Alice Schwarzer, Hannes Wader oder Günter Wallraff. Leider ist genau wie in der Ausstellung nur wenig über Pardons bahnbrechendes Patenkind, das Comicmagazin Slapstick, doch sonst ist alles prima.   

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Slapstick – Das Comicmagazin von Pardon

Durch eine Auflage von über 300.000 Exemplaren brachte Pardon von 1962 bis 1982 zeitweilig ein Millionenpublikum zum Lachen aber auch ins Grübeln. Das Satiremagazin blieb aber auch unvergessen, weil es maßgeblich zur Etablierung der Comickultur in Deutschland beigetragen hat.

So war bereits ab 1964 Robert Gernhardts Strip Schnuffis Abenteuer fester Bestandteil der als Provinz-Zeitung getarnten Rubrik Welt im Spiegel – WimS. Ab 1972 enthielt Pardon zudem noch die separat geheftete Beilage Die Wahrheit — und nichts als sie, die ebenfalls Comicbeiträge präsentierte. Nach nur wenigen Nummern wurde Die Wahrheit in Slapstick umgetauft, nahm an Umfang zu, wurde immer farbiger und verließ schließlich die Pardon. Ab April 1978 erschien Slapstick mit einer Startauflage von 150.000 Exemplaren als eigenständiges Heft.

Cover von Tom Wenner

Slapstick präsentierte neben einheimischen Künstlern wie Brösel, Volker Reiche, Tom Bunk, Gerhard Seyfried, Bernd Pfarr, Peter Butschkow, Stano Kochan, Tetsche oder Jan Tomaschoff auch international etablierte Serien wie Popeye, Li’l Abner, Blondie, Sturmtruppen, Beetle Bailey, Barney Google and Snuffy Smith, Mafalda oder Pogo zum Teil erstmals in deutscher Sprache, sowie Comics von internationalen Starzeichnern wie Moebius, Wolinski, Reiser, Georges Picard, Jules Pfeiffer, Lauzier, Cabu, Solé und Caza.

Nach fünfzehn Ausgaben war leider Schluss, doch die zuvor in Pardon abgedruckten Slapstick-Beilagen wurden in sieben Sammelbänden nachgedruckt. Wer sich seinerzeit für Comics interessierte, dem ermöglichte Slapstick einen Blick in die große weite Welt, jenseits von Donald, Asterix und Superman!  

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Marvel Comics Library – Fantastic Four

Es ist schon erstaunlich, was da Ende 1961 für ein Comicheft an die US-Zeitungskioske geliefert wurde. Das Cover zeigte die vier Titelhelden im Einsatz gegen ein grünes Riesenwesen, das sich durch die Asphaltdecke einer New Yorker Straße gebohrt hatte.

Erzählt wurde davon, wie es Dr. Reed Richards gelungen ist, mit eine qualmenden Signalpistole von einem Hochhaus aus The Fantastic Four mit drei riesigen Lettern in den Himmel zu schreiben. Prompt wird Susan Storm unsichtbar, Ben Grimm kommt als orangenes Steinwesen unter seinem Mantel hervor und Susans Bruder Johnny fackelt auch nicht lange.

Als sich die fantastischen Vier nach acht Comicseiten endlich formiert haben, gibt es erst einmal eine Rückblende. Diese erzählt davon, wie das quirlige Quartett wagemutig in eine Rakete stürmt und sich ins All befördern lässt, bevor “die Russen die ersten“ sind. Doch tückische kosmische Strahlung verwandelt die Truppe quasi in Feuer, Luft, Erde und – naja – Wasser, man bedenke die fließenden Bewegungen von Reed Richards als elastischer Mr. Fantastic.

Nachdem nun also die Entstehungsgeschichte klargestellt wurde, geht es mit vereinten Kräften gegen ein riesiges aus der Tiefe kommendes Monstrum, das Moleman – bei dem es, wie wir später erfahren, um den frustrierten Nukleartechniker Harvey Rupert Elder handelt – zusammen mit weiteren Ungetümen auf die Menschheit gehetzt hat…

Die Story dieser Wundertüte von einem Comic hat Stan Lee mit einer immer noch völlig geklärten Methode dem Zeichner Jack Kirby übermittelt und diesen dadurch zu fünfundzwanzig ebenso wild wie wuchtig in Szene gesetzte Comicseiten angestiftet. Fortan war nicht mehr DC mit Superman und Batman der Platzhirsch in der Superhelden-Wildnis, sondern Kirby und Lee produzierten in dichter Folge weitere Knaller wie den Hulk, Thor, den Silver Surver oder die X-Men.

Nachdem Taschen bereits die ersten Comicauftritte von Spider-Man und den Avengers mit überformatigen Büchern abgefeiert hat, folgt jetzt eine nah an den Originalheften orientierte Veröffentlichung jener Comics, die das Fundament von Marvel bilden. Ein 700-seitiger Band enthält Reproduktionen von sehr gut erhaltenen Exemplaren der ersten zwanzig Fantastic-Four-Ausgaben. Dabei wurde wieder alles drangesetzt, um die Rasterpunkte der alten Farbgebung originalgetreu wiederzugeben.

Dieses Bestreben ging sogar so weit, dass für den Abdruck der Titelbilder und Backcover Hochglanzpapier und für die Innenseiten Offsetpapier mit matter Oberfläche verwendet wurde. Die Comics, inklusive der ebenfalls recht amüsanten Leserbriefseiten und Werbeanzeigen, kommen in englischer Sprache im Format von 28 x 39,5 cm zum Abdruck, also doppelt so groß wie einst die Originale.

Deutscher Reprint von 1999

Beim Betrachten dieser Seiten wird klar, wie nachlässig diese Comic-Meilensteine bisher in Neuauflagen präsentiert wurden. So ist auf dem Cover eines bei uns 1999 von Marvel Deutschland herausgegebenen Reprints von Fantastic Four # 1 der Schriftzug des Titels schwarz statt knallrot, ein Polizist wurde einfach weggelassen und die neue Farbgebung ist im Vergleich zum Original eine Frechheit. Erst diese liebevoll aufgemachte Edition ermöglicht es, nachzuvollziehen, warum es ohne diese knallbunten Seiten kein Marvel Cinematic Universe gegeben hätte. 

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Garth Ennis: Punisher Collection 1

Es ist immer noch großartig, was das Dreamteam Garth Ennis und Steve Dillon nach dem Abschluss ihrer Vertigo-Erfolgsserie Preacher mit Marvels Punisher anstellte. Die 2001 gestartete aus zwölf Heften bestehende Mini-Serie Welcome Back, Frank hat nichts von ihrem ruppigen Charme eingebüßt und den drei Jahre später entstandenen Kinofilm mit Thomas Jane maßgeblich beeinflusst.   

Nach einigen Comicserien, die seltsame Dinge mit dem Punisher anstellten, war Frank Castle bei Ennis wieder der gnadenlose Rächer. Der Punisher kehrt nach New York zurück und legt sich mit diversen Gangsterbanden an. Dadurch verliert die Patin Ma Gnucci nicht nur etliche Mitarbeiter, sondern – bei einem Zoobesuch mit Frank – auch noch sämtliche Gliedmaßen.

Garth Ennis versammelt rund um den Punisher ein unvergessliches Ensemble. Für tragikomische Einlagen sorgen der glücklose Detective Soap, sowie Frank Castles ebenfalls nicht gerade vom Glück verfolgte Nachbarn Joan the Mouse, Mr. Bumpo und Spacker Dave. Fast schon Slapstick-Action bieten die Kämpfe mit dem Russen, einen massigen Auftragskiller, wobei der Punisher den ohnmächtigen Spider-Man als Schutzschild einsetzt.

Ennis, der mit britischen Kriegscomics großgeworden ist und mit seinen War Stories auch im selben Genre arbeitete, mag Superhelden nicht sonderlich. Daher war er der richtige Mann, um 1995 den Comic Punisher kills the Marvel Universe schrieb, der den Abschluss dieses großartigen Sammelbands bildet.   

Es ist erfreulich, dass Panini seine Leser mit einer optimal aufgemachten Gesamtausgabe aller von Ennis geschriebenen Punisher-Comics erfreut. Zwei Kritikpunkte seien aber angemerkt. In der deutschen Ausgabe fehlt neben etlichen Seiten des Bonusmaterials, auch die in der US-Edition enthaltene Story Double Shot, die von Joe Quesada gezeichnet wurde.

Obwohl der deutsche Band von 1136 auf 1092 Seiten abgespeckt wurde, benötigt das Teil einen fast zwei cm breiteren Stellplatz in meinem Bücherregal, das ja auch noch die weiteren Ausgaben dieser sehr empfehlenswerten Edition beherbergen soll.

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Annie Leibovitz

2014 produzierte der Taschen Verlag einen gewaltigen Bildband im “Sumo-Format“ von 50 x 56 cm, der es zusammen mit einem dreibeinigen Buchständer auf ein Gewicht von 26 Kilo brachte. Es wurden 9.000 signierte Exemplare produziert und für 6.000 € angeboten.

Obwohl diese limitierte Erstausgabe noch nicht ganz abverkauft ist, veröffentlicht Taschen rechtzeitig zum Weihnachtsfest 2022 eine Neuauflage, die mit 29 x 39 cm deutlich kleinformatiger, aber dafür aber mit 556 Seiten etwas umfangreicher und mit 125 € sehr viel günstiger ausgefallen ist.

Doch vielleicht auch noch ein paar Worte zum Inhalt: Grundidee von Benedikt Taschen war es, die Fotografin Annie Leibovitz, die mittlerweile fast ebenso bekannt ist, wie die zahllosen von ihr abgelichteten Promis, darum zu bitten, Bilder auszuwählen, die sich besonders gut für eine großformatige sich gerne auch über eine Doppelseite ersteckende Veröffentlichung eignen.

Zu ihrer Auswahl meinte Leibovitz: “Es ist nicht chronologisch geordnet, und es ist keine Retrospektive. Es ist eher so etwas wie eine Achterbahnfahrt.“ Dem kann nur zugestimmt werden und wer einfach mal drauflos blättert, wird reich belohnt. Auf ein Foto von Queen Elisabeth folgt R2-D2 und Whoopie Goldberg badet auf dem Backcover in einer Wanne voller Milch.

Andy Warhol wird dabei gezeigt, wie er zurückfotografiert, Donald Trump kommt an der Seite seiner barbäuchigen hochschwangeren Gatte Melania leider ebenfalls vor. Wer Mick Jagger mal mit Vollbart sehen möchte, wird ebenfalls bestens bedient. Es gibt Foldouts mit atemberaubende Gruppenporträts von weiblichen oder männlichen Hollywoodstars und so vieles mehr, was ich mir gleich in aller Ruhe ansehen werde.

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Das Mörderschiff

Knapp zwanzig Thriller des schottischen Autors für dienten als Vorlage für Kino- oder TV-Filme. Große Hits wurden Die Kanonen von Navarone und Agenten sterben einsam. Sehr viel weniger erfolgreich war 1971 – Sean Connery verabschiedete sich damals mit Diamantenfieber gerade zum ersten Mal als 007 – der Versuch Anthony Hopkins in seiner ersten Hauptrolle zum Konkurrenten von James Bond aufzubauen.

Das ging gnadenlos schief, denn die bei Das Mörderschiff (When Eight Bells Toll) durch knallige Filmposter, die Nonstop-Action versprachen, geweckten Erwartungen wurden nicht einmal ansatzweise erfüllt. Recht gemächlich wird von Philip Calvert (Hopkins) und Roy Hunslett (Corin Redgrave) erzählt, die als Geheimagenten der britischen Marine an der schottischen Küste unterwegs sind, um vermisste Schiffe zu suchen.

Für thematisch nur bedingt passenden Humor sorgt der für schrullige Rollen bekannte Robert Morley (Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten) als Geheimdienstchef Onkel Arthur, der in der zweiten Hälfte des Films aktiv in die Handlung eingreift. Das Resultat ist kein Klassiker, aber eine hübsche Fußnote der britischen Filmgeschichte, die durch beeindruckende Landschaftsaufnahmen, eine angenehme Atmosphäre und gute Darsteller punkten kann.  

Cover A

Koch Media hat dem „Mörderschiff“ ein schönes Mediabook spendiert. Highlights des Bonusmaterials sind die restaurierte erste Synchronfassung, bei der Morleys Stammsprecher Erich Fiedler zum Einsatz kommt, sowie der sehr informative und kurzweilige deutsche Audiokommentar von Leonhard Elias Lemke und Benedikt Wilken.     

Cover B

Hinzu kommen noch der britische Trailer (2:46 min), eine Bildergalerie (2:06 min), sowie ein 32-seitiges sehr ansprechend bebildertes Booklet mit Texten von Leonhard Elias Lemke und Benedikt Wilken.   

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The Doors – Das Comic!

Bei bahoe books sind bereits großartige Comicbiografien über die Beatles und die Rolling Stones erschienen. Verschiedene Zeichner haben Kapitel über wichtige Ereignissen oder die Marotten der Musiker in Szene gesetzt.

Hinzu kommen verbindende Prosatexte und Zitate, die weitere Informationen zur Geschichte der jeweiligen Band liefern. Ich habe beide Comics mit großem Vergnügen gelesen und mich sehr auf die Biografie von The Doors gefreut. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Pierre Mauger

Das eindrucksvolle Cover des Bandes stammt von Bast, der in diesem Buch nicht mit einem im Comic vertreten ist. Zu sehen ist natürlich Jim Morrison, doch Szenarist Gaet´s (Gaëtan Petit), der auch den Stones-Comic schrieb, gelingt es dem Leser die höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten des auch den Part des Bassisten abdeckenden Keyboarders Ray Manzarek, des den Jazz liebenden Gitarristen Robby Krieger und des ein wenig mit den Doors-Texten fremdelnden Drummers John Densmore ebenfalls näher zu bringen.   

Marion Duclos

Eine der vielen Höhepunkte dieser Anthologie, ist Pierre Maugers zwölfseitiger Comic, der davon erzählt, wie der 30-jährige Orgelbauer Vince Treanor zum Tour-Manager der Doors wurde, bis zum bitteren Ende dabei blieb und es nie bereut hat. Nicht ohne ist auch der nur mit Rot kolorierte und von Marion Duclos recht wild in Szene gesetzte Comic über ein völlig aus den Fugen geratenes Konzert in Miami.

Vincent Partels

Den durchaus krönenden Abschluss bildet schließlich Vincent Partels kompakte fünfseitige Darstellung der Zeit nach dem Tod von Jim Morrison.    

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Die Götter aus dem All – Gesamtausgabe

Durch seine blödsinnigen Spekulationen darüber, ob unsere Götter Astronauten waren, wurde Erich von Däniken zum Bestsellerautor. Da der Winnetou-Regisseur Harald Reinl die steilen Thesen des Schweizer Phantasten zu zwei Kinofilmen verarbeitete und mit dem Mystery Park sogar eine Art Dänikenland entstanden ist, verwundert es nicht weiter, dass auch eine Comicserie namens Die Götter aus dem All existiert.

Bastei veröffentlichte zwischen 1978 und 1983 acht Alben, die von einem polnischen Team gestaltet wurden und mehr oder weniger erfolgreich versuchten, aus Dänikens Spinnereien eine spannende Science-Fiction-Geschichte zu machen.

Im Zentrum des Comics stehen Bewohner des vom Untergang bedrohten Planeten Delos, die neuen Lebensraum im All suchen. Sie landen auf der prähistorischen Erde und beeinflussen die Geschichte der Menschheit.

Co-Autor der in zwölf Sprachen übersetzten Serie war der polnische von-Däniken-Herausgeber Alfred Górny. Die zwischen steif und solide schwankenden poppig kolorierten Zeichnungen stammen von Boguslaw Polch. Nach dem Erfolg von Die Götter aus den All wurde Polch zu einem der bedeutendsten Comickünstler Polens. Er feierte große Erfolge mit der Science-Fiction-Serie Funky Koval und beteiligte sich neben Enki Bilal Neil Gaiman und Moebius auch an der Anthologie Durchbruch. Außerdem schuf er die Cover zu Andrzej Sapkowskis Gerald-Saga, der Romanvorlage zur Netflix-Serie The Witcher.

In zwei Hardcoverausgaben präsentiert der Münchner Stefan Riedl Verlags alle acht Comicbände von Die Götter aus dem All. Die Titelbilder der Bastei-Ausgaben, die von Sebastia Boada und von Ertugrul Edirne stammen, fehlen in dieser Edition. Doch stattdessen kommen Polchs sehr viel schönere Covergemälde der polnischen Ausgaben zum Abdruck.

Band 1 enthält als Bonusmaterial lediglich eine skizzierte Comicseite zu jedem der vier enthaltenen Alben. Hoffen wir beim zweiten Band auf etwas mehr Infos zu dieser für Comic-Nostalgiker nicht uninteressanten Serie.    

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