Simon Schwartz: Life Bizarre

Simon Schwartz (Packeis) setze seine zunächst in der Wochenzeitung Der Freitag veröffentlichte Comic-Reihe Vita Obscura ab 2019 im FAZ-Magazin fort. Hier suchte man seinerzeit einen Ersatz für die lässig hingehauenen Karikaturen des verstorbenen Modeschöpfers Karl Lagerfeld.

Schwartz zeichnete für die FAZ weitere unglaubliche Biografien im Stile jener knallbunten Sonntagsseiten, die Anfang des letzten Jahrhunderts das Medium Comic in den USA populär machten. Dass bereits mehr als 50 neue Folgen von Vita Obscura erschienen sind, war für den avant-verlag Anlass unter dem Titel Life Bizarre einen zweiten Sammelband zu veröffentlichen.

Enthalten sind wieder skurrile Lebensläufen von großen Unbekannten, die Simon Schwartz in ständig wechselnden Stilen zu Papier gebracht hat. Die Ausnahme dabei sind halbwegs bekannte Personen der Zeitgeschichte, wie Ub Iwerks, der Erfinder der Micky Maus, oder der große Hoffnungsträger der Ost-SPD Ibraim Böhme, dessen wirklicher Vorname Manfred Otto lautete und der seit 1968 für die Stasi tätig war.

Die meisten der Frauen und Männer, die im Zentrum der Comics von Schwartz stehen, sind völlig unbekannt geblieben, obwohl sie beachtliche Dinge geleistet haben. So radelte der indische Maler P. K. Mahanandia mehr als 7.000 Kilometer, um in Schweden seiner großen Liebe einen Antrag zu machen. Das Paar lebt noch heute glücklich zusammen.

Doch Happy Ends sind in den Comics von Schwartz eher Mangelware. Victoria Woodhull wurde 1872 nicht US-Präsidentin, sondern landete im Knast. Die Lehrerin Annie Taylor brachte es nicht zu Wohlstand, obwohl sie sich mit 63 Jahren in einem Fass die Niagarafälle herunterstürzte. Tragisch ist auch das Schicksal der Schaufensterpuppe Cynthia, die zu einem Star im Radio, im Film und im öffentlichen Leben wurde, nachdem sie 1937 auf dem Cover des Magazins Life zu sehen war, doch in einem Schönheitssalon zu Bruch ging…        

ber auch beachtliche Leistungen in Sachen Unfähigkeit werden von Schwartz gewürdigt. So überlebte der Sonnenkönig Ludwig XIV. seine drei Leibärzte, obwohl diese ihm das Leben durch Aderlässe, das Ziehen aller Zähne sowie dem Verabreichen einer Bouillon aus Schlangenpulver, Pferdemist und Weihrauch nicht gerade versüßten.

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Paco Roca: Der Mann im Pyjama

Bei uns ist Paco Roca bisher vor allem durch seine bei Reprodukt veröffentlichten Graphic Novels Der Winter des Zeichners, Die Heimatlosen, La Casa, Rückkehr nach Eden und Der Schatz der Black Swan bekannt. Dass er auch mit kürzeren Comics überzeugen kann, bewies hierzulande bisher lediglich sein äußerst gut gelungener Beitrag zur Anthologie Batman: The World, in dem Roca sich darüber Gedanken macht, wie lange es Bruce Wayne unkostümiert in angenehmer mediterraner Umgebung aushalten kann.

In seiner spanischen Heimat ist Roca einem großen Publikum auch als Der Mann im Pyjama bekannt. Ab 2010 erschienen unter diesem Titel in der valencianischen Zeitung Las Provincias wöchentlich Onepager, in deren Zentrum Roca selber stand. Seine Berufswahl als Comiczeichner machte es Roca möglich, seinen Kindheitstraum zu verwirklichen und den ganzen Tag einen Schlafanzug herumzulaufen: “Am Abend startete ich einen Rundruf bei meinen Homeoffice-Freunden. Wir wetteiferten, wer die meisten Tage im Pyjama verbringt.“

Durch seinen Hang zur Häuslichkeit hat Roca ein etwas distanziertes Verhältnis zu seinen sich hyperaktiv ins Nachtleben stürzenden Freunden und in seinen Comics amüsiert er sich über deren Versuche, auch außerhalb der eigenen vier Wände etwas aus ihrem Leben zu machen. Doch allzu große Arroganz kommt in den Comics nicht auf, dafür sorgt schon Rocas Freundin, die er “meine Nachtigall“ nennt und die die selbstzufriedene Weltsicht des Zeichners immer wieder mit guten Argumenten und Ironie in Frage stellt.   

Ab 2014 wechselte Paco Roca mit seiner Serie zur wichtigsten spanischen Zeitung El Pais und zeichnete etwas umfangreichere Short Stories für die Sonntagsbeilage. Der Titel blieb gleich, doch Roca zeichnete sich nur noch sehr selten als Mann im Pyjama. Mittlerweile war er fest liiert und hatte mit seiner Nachtigall einen Sohn. Dadurch war er häufiger gezwungen die Wohnung zu verlassen und seine Comics kreisten jetzt nicht mehr ausschließlich um private zwischenmenschliche Beobachtungen.

2018 entstand eine Verfilmung

Die Comics tragen jetzt Titel wie “Das Rätsel der politischen Klasse“ oder “Die Schöpfungspflicht“ und sind nicht minder amüsanten Reflexionen über Politik, Wirtschaft oder Geschichte. Reprodukt veröffentlich den kompletten Mann im Pyjama und die Ausgabe enthält auch einige längere Comics, die Roca für die spanischen Sammelbände veröffentlich hat. Die Edition bietet ebenso kurzweilige wie anregende Lektüre, zeigt aber auch, wie sich Paco Roca als Zeichner und Erzähler ständig weiterentwickelt hat.    

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Walt Disney: Oswald the Lucky Rabbit

Im Tausch gegen den Sportreporter Al Michaels erwarb die Walt Disney Company 2006 die Rechte am Charakter Oswald the Lucky Rabbit von Universal. Dadurch kehrte eine vom Gründervater produzierte Cartoonreihe in den Schoß der Firma zurück.

Ab 1927 entstanden unter der Leitung von Walt Disney und Ub Iwerks 26 Cartoons mit dem glücklichen Hasen, wobei die Qualität der Animation – und damit auch die Produktionskosten – beständig zunahmen. Als Disney daher vom Produzenten Charles Mintz ein höheres Budget forderte, lehnte dieser nicht nur ab, sondern wollte sogar noch weniger pro Cartoon zahlen als zuvor. Disney geriet mächtig unter Druck und entwarf in Windeseile mit Micky Mouse eine neue Figur an der er alleine die Rechte hatte. Der Rest ist Geschichte…

Im Game EPIC MICKEY trat Oswald zusammen mit der Maus auf

Die Reihe Walt Disney Treasures erscheint in den USA in Form von aufwändig produzierten Blechboxen und richtet sich in erster Linie an erwachsene Trickfilm-Fans. Unter dem Titel Walt Disneys Kostbarkeiten sind bei uns bereits in etwas schlichterer Aufmachung chronologisch geordnete Cartoon-Zusammenstellungen mit Micky, Donald, Pluto, Goofy und den Silly Symphonies erschienen. 

2022 entstand ein neuer Cartoon mit Oswald

2009 erschien in dieser Reihe die Doppel-DVD Die Abenteuer von Oswald, dem glücklichen Hasen und enthält jene 13 der insgesamt 26 von Disney produzierten Oswald-Cartoons, die noch verfügbar sind. Das Bild wurde restauriert und der Komponist Robert Israel, der auch schon Musik zu Stummfilmklassikern wie Buster Keatons The General schrieb, sorgte für passende Soundtracks.

Die Box enthält diese Extras: Einführungen von Leonard Maltin (3:30 min + 2:03 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln, Die hochinteressante Doku „The Works of Ub Iwerks“ (91:38 min), „Oswald Comes Home“ (13:52 min), Audiokommentar zu sechs Cartoons,  Fragmente aus dem Cartoon „Sagebush Sadie“ (1:01 min), Galerie mit Entwürfen, Fotos und Plakaten, Bonus-Cartoons: Alice Comedies: „Alice Gets Stung“, „Alice In The Wooley West“, „Alice’s Baloon Race“ usowie „Plane Crazy“ (Mickey Mouse), „Steamboat Willie“ (Mickey Mouse), „Skeleton Dance“ (Silly Symphony). Hier die Originaltitel der enthaltenen Oswald-Cartoons: „Trolley Troubles“, „Oh, Teacher“ (Audiokommentar von Mark Kausler) „The Mechanical Cow“, „Great Guns!“, „All Wet“, „The Ocean Hop“ (Audiokommentar von Mark Kausler), „Rival Romeos“, „Bright Lights“ (Audiokommentar von Leonard Maltin und Jerry Beck), „Ozzie of the Mounted“ (Audiokommentar von by Jerry Beck), „Oh What A Knight“ (Audiokommentar von Leonard Maltin und Mark Kausler) „Sky Scrapers“, „The Fox Chase“ (Audiokommentar von Jerry Beck), „Tall Timber“.

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Garth Ennis: Fury

Nick Fury ist ein recht langlebiger Marvel-Charakter, der bereits 1963 als II. Weltkriegsheld in Sgt. Fury and his Howling Comandos seinen ersten Auftritt hatte. Schon zwei Jahre später wurde er von Stan Lee und Jack Kirby zum Colonel befördert und als Konkurrent zu James Bond aufgebaut. Er leitete nun eine Geheimdienstorganisation namens S.H.I.E.L.D. (= Supreme Headquarters International Law-Enforcement Devision). Nick Fury hatte seine größten Erfolge Ende der sechziger Jahre als Jim Steranko der Serie ein atemberaubendes Outfit verpasste. In den siebziger und achtziger Jahren tat er sich etwas schwer und wurde schließlich 1995 von einem gehirngewaschenen Punisher getötet.

Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn durch die Miniserie Welcome Back, Frank von Garth Ennis und Steve Dillon erlebte der Punisher in furioses Comeback. Gleiches wurde anschließend mit Nick Fury versucht. Die Miniserie Fury war 2001 gleichzeitig der Versuch ein Label namens MAX mit Comics für erwachsenere Leser zu installieren, wie es dem Konkurrenten DC erfolgreich mit Vertigo gelang. Innerhalb dieses Labels feierten Ennis und Dillon große Erfolge mit ihrer Serie Preacher. Fury-Zeichner war Darick Robertson mit dem Ennis später die Serie The Boys schaffen sollte. Auch durch Jimmy Palmiotti, der als Inker schon Erstaunliches aus Steve Dillons Punisher– Zeichnungen herausgeholt hatte, kann die Serie optisch voll überzeugen.

Garth Ennis ist der umgeschlagene Meister des „Harte Männer knallen durch“-Genres. Seine Spezialität sind kranke und krasse Nebencharaktere. Ihm gelingt es auf bewährte Weise der Figur des Nick Furys neues Leben einzuhauchen. Er schildert ihn als harten Knochen, der von seinem Geheimdienst in den Ruhestand geschickt wird. Hier kann Fury wenig mit sich anfangen und er trifft sich sogar mit Rudi Gagarin, seinem ehemaligen Gegner aus Kalten-Kriegs-Tagen, der ihm vorschlägt doch zur Bekämpfung der Langeweile einen „kleinen Krieg“ anzuzetteln. Fury lehnt zwar ab, ist aber nicht allzu unglücklich als Gagarin seinen Vorschlag trotzdem in die Tat umsetzt…

2006 folgte mit Fury: Peacemaker ein Prequel und 2012 mit Fury: My War Gone By (deutscher Titel: Fury: Kriegsgeschichten) eine Fortsetzung.

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Garth Ennis: Punisher Collection 2

Ich schrieb etwa fünfzig Punisher-Ausgaben für Marvel Knights. Ein paar sind nicht schlecht. Es ging zu lange, jedenfalls viel länger als ursprünglich von mir geplant. Die Serie hat einen leicht albernen Touch, was meine damalige Einstellung zu der Serie ganz gut widerspiegelt.

Den Punisher selbst betrachtete ich zwar schon als ernsthafte Figur, aber ich bevölkerte die Welt um ihn herum mit Freaks und grotesken Gestalten, manchmal sogar mit Superhelden. Die meisten Geschichten waren höchst unwahrscheinlich und wurden mit einem Augenzwinkern serviert. Manchmal hörte man direkt die Looney Tunes-Melodie im Hintergrund.

Dies schrieb der Autor Garth Ennis Anfang 2018 im Vorwort zu diesem zweiten Band der Gesamtausgabe über seine meist von Steve Dillon (Preacher) gezeichneten Punisher-Comics. Ab 2003 beschritt er dann tatsächlich neue Wege und seine künftigen Geschichten über Frank Castle haben einen deutlich realistischeren und ziemlich grimmigen Grundton.

Zum Auftakt erzählte Ennis in der vierteiligen Miniserie Born davon, dass Castle bereits bevor seine Frau und Kinder von Gangstern ermordet wurden, Tendenzen zur Selbstjustiz hatte. So sorgte er als Soldat in Vietnam dafür, dass ein arroganter General von gegnerischen Heckenschützen getötet wurde und ertränkte einen zu seiner Truppe gehörenden Vergewaltiger.    

Dabei fiel die Schilderung des Kriegs erschreckend realistisch aus (man beachte auch die Ennis-Serie War Stories). Das lag auch daran, dass Ennis mit dem Zeichner Darick Robertson, der mit ihm auch bei The Boys zusammenarbeitete, einen mehr als fähigen Komplizen hatte. Der Anhang dieses Bandes enthält Privatfotos eines in Vietnam stationierten Soldaten, an denen sich Robertson bei seinen Zeichnungen für Born orientierte. Das Tüpfelchen auf dem i sind bei dieser Miniserie die kunstvoll drastischen Titelbilder von Wieslaw Walkusi.

Nach Born ging Ennis dazu über, aus sechs Heften bestehende Miniserien mit dem Punisher zu schreiben, die zwar aufeinander aufbauen, jedoch in sich abgeschlossen sind. Dieser Band enthält neben Born noch fünf dieser Stories, die zwischen 2004 und 2006 entstanden sind. In the Beginning wurde von Lewis LaRosa gezeichnet. Ennis konfrontiert den Punisher noch einmal mit seinem ehemaligen Komplizen Micro, der Castle überreden will, seine Tätigkeit weltweit im Auftrag einer Regierungsstelle fortzuführen.

Doch der Punisher hat kein Interesse daran, die Kriege der Mächtigen zu führen. Eine Episode aus In the Beginning zeigt, wie persönlich die Rache-Motivation von Frank Castle ist. Kurz nach dem Mord an seiner Familie freundet sich Castle mit seinem Nachbarn Bob an. Doch nachdem dieser ihn besucht und erzählt, dass er seine Ehefrau wegen einer anderen verlassen hat, dreht Castle durch. “Ich verlor meine Frau und Du behandelst Deine Frau wie Dreck!“ verwirft er Bob vor und ihn dann durch die Fensterscheibe hinaus.  

Es folgt die Storyline Kichen Irish, die von Leandro Fernandez gezeichnet wurde. Mitten in New York explodiert in einer gut besuchten irischen Kneipe in Hells Kitchen eine Bombe. Dies ist der Auftakt von Machtkämpfen zwischen zwei Banden. Mittendrin tummeln sich auch noch IRA-Mitglieder, zwei britische MI6-Agenten, ein Serialkiller im Vorruhestand, ein Bombenleger mit weggesprengten Gesichtszügen und natürlich Frank Castle.

Das klingt nach einer weiteren großen (ironisch abgefederten) Gewaltparty im Stile seiner unvergesslichen Punisher-Serie Welcome back, Frank, zumal Ennis diesmal mit dem stark auf Schwarzweißkontraste setzenden Fernandez einen würdigen Nachfolger für Steve Dillon gefunden hat. Doch am Rande der hauptsächlich aus Gewaltakten bestehenden Geschichte ist es dem aus Belfast stammenden Ennis auch wichtig davon zu erzählen, wie sinnlos Racheaktionen sind. Das Schlussbild mit dem ewigen Rächer Frank Castle, der sich nach all seinen Untaten kein bisschen besser fühlt, wirkt noch lange nach.

Es folgt die von Doug Brauthwaite teilweise etwas unbeholfen gezeichnete Story Mother Russia. Diesmal hat Nick Fury, mit dem sich Ennis auch in einigen Miniserien beschäftigte, einen Spezialauftrag für den Punisher, denn dieser ist der einzige Mann, der in ein streng bewachtes Atomraketen-Silo “rein- und wieder rauskommt, aber nicht einmal im Traum ein Kind töten würde.“ Dieses Kind, das Castle an seine ermordete Tochter erinnert, befindet sich auf einer geheimen russischen Militärbasis und wurde mit einem tödlichen Supervirus infiziert, das Menschen in Sekundenschnelle tötet.

Gemeinsam mit einem Delta-Force-Spezialisten soll Castle das Mädchen befreien, um die gefährliche Waffe für die US-Army zu erbeuten. Weder Fury noch Castle wissen, dass gleichzeitig zur Ablenkung eine von skrupellosen amerikanischen Militärs aufgebaute muslemische Extremistengruppe ein Passagierflugzeug entführt hat und dieses mitten in Moskau zum Absturz bringen soll. Ennis zeigt eine realitätsnahe Welt voller machtgieriger Intriganten, innerhalb derer selbst zwei so extreme (und eigentlich reaktionäre) Charaktere wie Frank Castle und Nick Fury wie liberale Menschenfreunde wirken.

Die beiden letzten Geschichten dieses Sammelbands hat der Argentinier Leandro Fernández recht dynamisch zu Papier gebracht. Up Is Down and Black ist White ist ein wild zusammen fantasiertes Garn um den psychopathischen New Yorker Mafiapaten Nicky Cavella, der das Grab von Castles Familie schändet und dies nach allerlei ganz schön krank in Szene gesetzten Konfrontationen bitter bereuen wird. Das alles ist zwar nur bedingt realitätsnah, doch deutlich besser geerdet als die meisten Marvel-Comics und gutes Lesefutter für Freunde der etwas härteren Gangart.

In einer ganz anderen Klasse spielt The Slavers. Die mit zahlreichen äußerst interessanten Nebenfiguren bevölkerte Geschichte beginnt damit, dass der Punisher ein Mädchen vor vier Angreifern rettet. Er erfährt, dass es sich um eine zur Prostitution gezwungene junge Moldawierin handelt, die illegal von einem Zuhälter-Ring nach New York eingeschleust wurde.

Entgegen seines Kodex tritt Castle diesmal nicht nur als “Bestrafer“ auf, sondern versucht auch den Opfern der Verbrecher zu helfen. Der Punisher schaltet hierzu eine Sozialarbeiterin ein, die gerade dabei ist angesichts der Brutalitäten von international operierenden Mädchenhändler-Ringen den Verstand zu verlieren. Doch Castles weiteres Vorgehen trägt auch nicht gerade zu ihrer geistigen Gesundung bei.

Wie der Punisher die aus moldawischen Ex-Söldnern und einer eiskalt berechnenden Frau bestehenden Mädchenhändlerbande schließlich zerschlägt, erzählt Ennis in seinem mit detailfreudig in Szene gesetzten Sadismen nicht geizenden Stil. Doch stärker als sonst kommt hier das Gefühl auf, dass “die Richtigen“ bestraft werden. Zugleich stellt Ennis aber auch mehr als deutlich klar, dass sich das Problem Zwangsprostitution nicht mit einem Waffenarsenal lösen lässt, sei es auch noch so riesig!

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Wednesday

1991 drehte Regisseur Barry Sonnenfeld (Men in Black) mit The Addams Family einen Film, der auf den gleichnamigen Cartoons von Charles Addams basierte, die in den 30er-Jahren im New Yorker veröffentlicht wurden und bereits kongenial als makabre TV-Serie umgesetzt wurden.

Im Kinofilm stahl die elfjährige Christina Ricci als Grufti-Tochter Wednesday spielend Stars wie Anjelica Huston, Raul Julia oder Christopher Lloyd die Show und übernahm daher in der Fortsetzung Die Addams Family in verrückter Tradition eine sehr viel größere Rolle.

Barry Sonnenbergs Inszenierung erinnerte seinerzeit an die Filme von Tim Burton, der Christina Ricci die weibliche Hauptrolle in seinem vielleicht schönsten Film Sleepy Hollow spielen ließ. Jetzt ist es Burton der für Netflix eine Serie über Wednesday Addams produziert hat und auch noch bei den ersten vier Episoden Regie führte. Für eine wichtige Nebenrolle konnte Christina Ricci verpflichtet werden und der Soundtrack stammt von Burtons Hauskomponist Danny Elfman.

Die Titelrolle übernahm Jenny Ortega, die bereits in der Neuauflage von Scream Grusel-Erfahrungen sammeln konnte und ebenfalls über genügt Charisma verfügt, um sich nicht von prominenten Filmeltern – diesmal handelt es sich immerhin um Catherine Zeta-Jones und Luis Guzmán als Morticia und Gomez Addams.

Konzipiert wurde die Serie von den Smalville-Schöpfern Alfred Gough und Miles Millar, die Wednesday zusammen mit dem eiskalten Händchen Abenteuer als unfreiwillige Insassin der Nevermore Academy, einem Internat für monströse Außenseiter, erleben lassen.

Schrullig sympathische Figuren machen Wednesday zu einer amüsanten Halloween-Version von Harry Potter.      

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Madeleine, die Widerständige

Die Französin Madeleine Riffaud war während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich am Widerstand gegen die deutschen Besatzer beteiligt. Die heute 94-jährige Journalistin und Dichterin war zunächst nicht sonderlich begeistert, als der Autor Jean David Morvan (Spirou in Tokyo, Zyklotrop) sie anrief und ihr mitteilte, dass er gerne einen Comic über sie machen würde.

Madame Riffaud war der Meinung, dass Comics nur etwas für Kinder wären, bat sich aber dennoch Bedenkzeit aus und Morvan um einen Rückruf, “aber nicht vor 18 Uhr“ schließlich ist sie keine Frühaufsteherin. Als Morvan ohne viel Hoffnung erneut anrief, hatte sich Madeleine Riffaud etwas umgehört. Sie war nun der Meinung, dass sich durch einen Comic auch junge Leser für ihre Lebensgeschichte interessieren könnten.

Gemeinsam mit dem Zeichner Dominique Bertail (Paris 2119) formierten sich Morvan und Riffaud zu einer Komplizenschaft. Das Trio setzte alles dran, um so wahrheitsgetreu wie möglich von der jungen Madeleine zu erzählen, die unter dem Decknamen “Rainer“ (basierend auf den ersten Vornamen ihres Lieblingsdichter Rilke) Mitglied der Résistance wurde und in die Fänge der Gestapo geriet.

In detailreich in Szene gesetzten Bildern, denen die einzige Schmuckfarbe Blau eine eisige Atmosphäre verleiht, schildert der Comic, wie Madeleine Riffaud auf der Flucht vor den deutschen Besatzern zusammen mit weiteren unbewaffneten Franzosen von Stukas beschossen wird und wie sie – als sie  für ihren hüftkranken Großvater beim Roten Kreuz eine Trage organisieren wollte- von einem deutschen Offizier einen Tritt in den Hintern erhielt.

Doch es waren nicht nur die Besatzer, die ihr Übles antaten. Das finsterste Kapitel dieses Comics erzählt davon, wie die erkrankte Madeleine allein per Zug zu einem Sanatorium reist. Der Sohn einer Nachbarin nimmt sie am Bahnhof in Empfang, geht fein mit ihr essen und vergewaltig das minderjährige Mädchen anschließend brutal.

Am nächsten Morgen muss Madeleine erfahren, dass der junge Mann zudem auch noch im Dienste einer für die Besatzer tätigen paramilitärischen Organisation steht. In der Rückschau meint Riffaud zu der Vergewaltigung; “Ich war so traumatisiert, dass ich über 50 Jahre nicht darüber sprechen konnte und meine späteren Liebhaber bekamen die Folgen zu spüren.“

Morvan und Bertail geling es, das Leid aber auch den Mut von Madeleine so nachfühlbar einzufangen, dass die beiden weiteren Bände dieser Lebensgeschichte ebenfalls Pflichtlektüre für politisch interessierte Leser sind.    

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Alan Moore: Abschied von Swamp Thing

Bei Alan Moores Swamp Thing handelt es sich um die erste US-Veröffentlichung des britischen Starautors und die von ihm geschriebenen Hefte wurden bei uns bereits zweimal veröffentlicht. Doch weder bei Carlsen noch bei Panini sind seinerzeit alle von Moore getexteten Hefte mit dem Ding aus dem Sumpf erschienen. Erst beim zweiten Versuch hat es Panini mit einer dreibändigen DeLuxe-Gesamtausgabe endlich geschafft und das Warten hat sich gelohnt.

Dem neuen Koloristen Steve Oliff standen im Gegensatz zu Tatjana Wood, von der die ursprüngliche Farbgebung stammt, statt 64 etliche Millionen verschiedene Farbtöne zur Verfügung, wodurch die Zeichnungen von Stephen R. Bissette, Rick Veitch und John Totleben im neuen Glanz erstrahlen.

Dieser dritte Band der Gesamtausgabe enthält als deutsche Erstausgabe die letzten Swamp-Thing-Hefte von Alan Moore. Der Auftakt ist hochemotional und der Autor schmuggelt einmal mehr Thematiken in die US-Serie ein, die in einem sich scheinbar hauptsächlich an junge Leser richtenden Comicheften nicht zu erwarten waren.

In schwer zu Herzen gehenden Geschichten hat Moore davon erzählt, wie sich Swamp Thing und die weißhaarige Abigail Arcane immer näherkommen. Doch Abigail wird von den Behörden “Unzucht mit Gemüse“ vorgeworfen und sie flüchtet aus dem ländlichen Louisiana in die Großstadt Gotham.

Doch dort landet sie im Knast und Swamp Thing muss erst ganz Gotham in eine Grünanlage verwandeln, bevor er seine geliebte Abigail wieder in seine Äste und Zweige schließen kann. Diese Storyline, in der sich Batman überraschenderweise als Fürsprecher des Pfanzenwesens engagiert, gehört zu Alan Moores beeindruckendsten Swamp-Thing-Geschichten.

Seine restlichen Hefte erzählen von einer galaktischen Odyssee und hinterlassen einen eher wirren Eindruck. In Swamp Thing # 64 im September 1985 beendet Alan Moore dann mit einer wirklich wunderschönen Geschichte seine erste US-Serie und nahezu zeitgleich erschien auch das letzte Heft seinen Megaerfolges Watchmen.

Rick Veitchs von DC abgelehntes Cover für Swamp Thing # 88

Danach erschienen vierundzwanzig weitere Ausgaben, in den Texte und Zeichnungen von Rick Veitch stammen. Als dieser auch im Underground tätige Zeichner in Swamp Thing # 88 Jesus Christus als Comicfigur auftreten ließ, lehnte es DC ab, das Heft zu veröffentlichen. Andere Autoren wie Grant Morrison übernahmen die Serie. Das letzte Heft schrieb Mark Millar und 1996 wurde die zweite Swamp-Thing– Serie mit Heft 171 eingestellt.

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Pardon

Unter dem durchaus passenden Titel Teuflische Jahre wird noch bis zum 19. März im Caricatura Museum Frankfurt der 60. Geburtstag des Satiremagazins Pardon gefeiert. Wer es nicht in die Ausstellung schafft, enthält durch einen sehr schön zusammengestellten Katalog ebenfalls einen äußerst lebendigen Einblick in den Auf- und Abstieg der Monatsschrift, die zeitweilig mit einer Auflage von über 300.000 Exemplaren ein Millionenpublikum zum Lachen aber auch ins Grübeln brachte.

Die Pardon-Ausstellung erfreut durch eine erstaunlich hohe Anzahl von großartigen Originalzeichnungen. Kuratoren waren der ehemalige stellvertretende Pardon-Chefredakteur Gerhard Kromschröder und der Grafiker Till Kaposty-Bliss, der die Ausstellung auch durch Sperrmüllfunde bereichert hat. Die Vielzahl der wohlüberlegt angeordneten Exponate lassen darüber staunen, wer alles – von Volker Ernsting über Kurt Halbritter, Brösel, Volker Reiche, Tom Bunk, Gerhard Seyfried, Bernd Pfarr, Peter Butschkow, Tetsche bis hin zu Erich Rauschenbach für das Satiremagazin tätig war.

Im September 1962 erschien die erste Ausgabe von Pardon. Enthaltenwaren Texte von Hans Magnus Enzensberger, Ephraim Kishon und Erich Kästner, der wortgewaltig davon erzählt, wie schwierig es war, im harmoniesüchtigen Nachkriegsdeutschland eine satirische Zeitschrift zu etablieren und Pardon viel Erfolg wünschte. Das Cover der Ausgabe wurde bereits für eine nicht für den Verkauf bestimmte Nullnummer verwendet. Es stammt von Loriot und zeigt dessen berühmtes Knollennasenmännchen, das – versteckt in einem prächtigen Blumenstrauß – dem Betrachter eine Bombe mit brennender Lunte entgegen hält. Dieses Bild ist genau wie Loriots Entwürfe zum Cover der Pardon-Ausgabe vom März 1977 im Caricatura Museum als Original zu sehen.

Das Cover der Nullnummer stammt von Loriot und zeigt dessen berühmtes Knollennasenmännchen, das versteckt in einem prächtigen Blumenstrauß dem Betrachter eine Bombe mit brennender Lunte entgegenhält. Pardon zeigte den Mächtigen im Lande immer wieder kunstvoll den Stinkefinger. Franz Josef Strauß, den 1972 ein Pardon-Titelbild lächelnd neben der eine Bombe haltenden Ulrike Meinhof zeigt, hatte das Satiremagazin achtzehnmal erfolglos verklagte.  

Pardon-Cover von Horst B. Baerenz

Doch leider fühlte sich Herausgeber Nikel nicht nur für Satire, sondern auch für Literatur, Philosophie und – schlimmer noch! – für Bewusstseinserweiterung zuständig. Spätestens als 1977 ein Cover einen schwebenden Mann im Lotussitz vor blauem Himmel zeigte und einen “unsatirischen Bericht zum Thema “Kein Witz: Ich kann fliegen!“ hatten viele Mitarbeiter die New-Agen-Faxen dick.

Für Peter Knorr war Pardon “aus den lichten Höhen rational aufklärerischer Satire in die Schleimgruben esoterischer Weltsicht“ geraten. Daher hatten sich im Laufe der Jahre viele PARDON-Mitarbeiter, wie die Urgesteine der Neuen Frankfurter Schule Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und F. K. Waechter, oder Clodwig Poth verabschiedet und nach einer Alternative gesucht. Im November 1979 tauchte dann erstmals das “endgültige Satiremagazin“ Titanic auf.

Ein knappes Jahr später legte Nikel sein Amt als Chefredakteur nieder und Henning Venske übernahm den Posten. Der auch aus der Sesamstraße bekannte Kabarettist konnte noch kurz punkten, indem er die seinerzeit omnipräsente Werbekampagne eines Kräuterlikör-Fabrikanten mit dem von einem zehnjährigen Jungen aufgesagten Slogan “Ich trinke Jägermeister, weil mein Dealer zurzeit im Knast sitzt“ veralberte.

Vor Gericht wurde Pardon auf Schadenersatz verklagt und musste eine Gegendarstellung der Schnapsfirma veröffentlichen. Dies geschah dann in einer Ausgabe, auf deren Cover ein Säugling an der Mutterbrust zu sehen ist und der zugehörige Text lautet “Ich trinke Jägermeister, weil meine Mami voll davon ist.“ Als Pardon in Berufung ging, zog Jägermeister den Schwanz ein und alle Forderungen zurück. Danach hielt das Satiremagazin noch bis Juli 1982 durch, wurde dann eingestellt und zwei Wiederbelebungsversuche scheiterten.

Der schöne Katalog zur Ausstellung präsentiert neben den Covern sehr interessante Texte von Pardon-Veteranen wie Herbert Feuerstein, Otto Waalkes, Alice Schwarzer, Hannes Wader oder Günter Wallraff. Leider ist genau wie in der Ausstellung nur wenig über Pardons bahnbrechendes Patenkind, das Comicmagazin Slapstick, doch sonst ist alles prima.   

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Slapstick – Das Comicmagazin von Pardon

Durch eine Auflage von über 300.000 Exemplaren brachte Pardon von 1962 bis 1982 zeitweilig ein Millionenpublikum zum Lachen aber auch ins Grübeln. Das Satiremagazin blieb aber auch unvergessen, weil es maßgeblich zur Etablierung der Comickultur in Deutschland beigetragen hat.

So war bereits ab 1964 Robert Gernhardts Strip Schnuffis Abenteuer fester Bestandteil der als Provinz-Zeitung getarnten Rubrik Welt im Spiegel – WimS. Ab 1972 enthielt Pardon zudem noch die separat geheftete Beilage Die Wahrheit — und nichts als sie, die ebenfalls Comicbeiträge präsentierte. Nach nur wenigen Nummern wurde Die Wahrheit in Slapstick umgetauft, nahm an Umfang zu, wurde immer farbiger und verließ schließlich die Pardon. Ab April 1978 erschien Slapstick mit einer Startauflage von 150.000 Exemplaren als eigenständiges Heft.

Cover von Tom Wenner

Slapstick präsentierte neben einheimischen Künstlern wie Brösel, Volker Reiche, Tom Bunk, Gerhard Seyfried, Bernd Pfarr, Peter Butschkow, Stano Kochan, Tetsche oder Jan Tomaschoff auch international etablierte Serien wie Popeye, Li’l Abner, Blondie, Sturmtruppen, Beetle Bailey, Barney Google and Snuffy Smith, Mafalda oder Pogo zum Teil erstmals in deutscher Sprache, sowie Comics von internationalen Starzeichnern wie Moebius, Wolinski, Reiser, Georges Picard, Jules Pfeiffer, Lauzier, Cabu, Solé und Caza.

Nach fünfzehn Ausgaben war leider Schluss, doch die zuvor in Pardon abgedruckten Slapstick-Beilagen wurden in sieben Sammelbänden nachgedruckt. Wer sich seinerzeit für Comics interessierte, dem ermöglichte Slapstick einen Blick in die große weite Welt, jenseits von Donald, Asterix und Superman!  

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