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Amazing Améziane: Martin Scorsese

Mit diesem Buch erscheint bei Splitter Amazing Amézianes dritte Comic-Biografie über einen Hollywood-Regisseur. Auch diesmal ist die Rückseite des Comics wie das Backcover einer Videocassette gestaltet. Neben Sprache (Deutsch) und Format (20 x 28 cm Doppelseiten) sind hier auch Angaben zur Lesedauer zu finden.

Während für die Lektüre von Amazing Amézianes Comic zum noch immer über seinen zehnten Kinofilm nachdenkenden Quentin Tarantino 110 Minuten benötigt werden, sind es bei dessen Biografie zum fleißigen Steven Spielberg immerhin 140 Minuten. Amézianes Comic über Martin Scorsese ist mit 190 Minuten bzw. 384 Seiten noch länger bzw. umfangreicher ausgefallen.

Nach einem während der Dreharbeiten zu Departed spielenden Prolog, holt Améziane sehr weit aus, da viele Scorsese-Filme autobiografische Einlagen enthalten. beginnt der Comic mit dessen Großeltern, um dadurch Scorseses italienischen Wurzeln und die Begeisterung für die neorealistischen Filme von Roberto Rosselini oder Luchino Visconti zu erklären.

Ein großes Thema ist die Kindheit, die der kränkliche Scorsese zu einem Großteil zusammen mit seinem schweigsamen Vater im Kino verbrachte. Dies schlug sich nieder in mit Buntstiften produzierten Comic-Drehbüchern zu Sandalenfilmen und im Sohn armer italienischer mitten in New York lebender Einwanderer reifte der sehr unrealistische Wunsch Regisseur zu werden.

Doch Martin Scorseses war sehr viel hartnäckiger als er auf den ersten Blick wirkte. Im Laufe der Jahrzehnte realisierte er alle seine Wunschprojekte, auch wenn er sich nach Racing Bull oder Die letzte Versuchung Christi geschworen hatte, keine weiteren Filme zu drehen.

Im Comic ist zu erfahren, dass Scorseses immer wieder darüber nachdenkt, einen Film über das Rat Pack zu drehen und ständig wechselnde Darsteller für die Rollen von Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. in Erwägung zieht. Höchstwahrscheinlich wird er auch dieses Wunschprojekt eines Tages drehen.

Genau wie in Amézianes Biografie zu Spielberg ist auch in diesem Buch eine Zeichnung enthalten, auf der Scorsese zusammen mit George Lucas, Francis Ford Coppola, Brian De Palma und natürlich Steven Spielberg zu sehen ist. Der Comickünstler drückt dadurch seine Verwunderung und Freude darüber aus, dass diese fünf Kinogötter befreundet waren und sich gegenseitig geholfen haben.

Als Kontrast zeigt Améziane ein ähnliches Bild mit Alfred Hitchcock, Howard Hawks, John Ford, Fritz Lang und Orson Welles, die sich zwar gelegentlich über den Weg gelaufen sind, ihre künstlerischen Visionen jedoch im Alleingang verwirklicht haben und daher keine Change hatten um sich gemeinsam gegen die Studiobosse zu behaupten.

Auch bei diesem faktenreich und opulent in Szene gesetzten Buch von Amazing Améziane ist Vorsicht geboten, denn auf der letzten Seite ist zu erfahren, dass “um der Dramatisierung willen (…) einige Aussagen und manchmal die Art, wie Personen sich verhalten, erfunden“ wurden. Améziane hat also gelegentlich als Regisseur und Drehbuchautor eingegriffen.

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Amazing Améziane: Steven Spielberg

In den Sechzigern besichtigte der 18-jährige Steven Spielberg einige Male als Tourist die Universal Studios. Er fuhr zunächst zusammen mit einer Besuchergruppe per Bus entlang der Drehorte und Ateliers. Anschließend versteckte er sich auf einer Toilette bis sein Bus weitergefahren war und erkundete das Studiogelände auf eigene Faust.

In diesem Buch ist zu erfahren, dass Spielberg in den Universal Studios eines Tages Alfred Hitchcock bei laufenden Dreharbeiten beobachtete und sich heranschlich, um etwas zu lernen. Doch der britische Meisterregisseur “mit seinem wachen Blick für Details“ erkannte sehr schnell, dass Spielberg dort nicht zu suchen hatte und ließ ihn entfernen. Der spätere Erfolgsregisseur erkannte: “Wenn ich jemals wieder die Studios besuchen wollte, blieb mir nur der offizielle Weg.“

1971 sollte Steven Spielberg die Pilotfolge zur ersten Staffel von Columbo drehen. Doch angeblich weigerte sich Peter Falk zwei Monate lang einen 24-jährigen Frischling als Regisseur zu akzeptieren. “Doch nachdem er sich meine anderen TV-Arbeiten angesehen und erkannt hatte, wozu ich fähig war, gab er seinen Widerstand auf.“

Peter Falk sollte dies nicht bereuen, denn Spielberg gab sich große Mühe. Angeblich ztug es sich so zu: “Ich stand auf der anderen Straßenseite und filmte mit Zoom, um alle Autos im Bild zu haben und gab dem Ganzen etwas Kino-mäßiges, was Peter überaus gefiel, er erzählte es überall herum.“  

Die hier genannten Zitate stammen nicht wirklich von Steven Spielberg, sondern von Améziane Hammouch, der zu Beginn der Siebziger in Frankreich geborenen wurde. Nachdem er einige von Sybille Titeux geschriebene Comics, wie eine Biografie zu Muhammad Ali oder eine Adaption von George Orwells 1984 als Amazing Améziane gezeichnet hatte, realisierte er im Alleingang Graphic Novels über die Regisseure Quentin Tarantino, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Sergio Leone und Steven Spielberg.  

Hierfür hat er intensiv recherchiert und findet immer wieder interessante Ideen, um auf originell layouteten Doppelseiten zu erzählen. Bei der Lektüre von Amézianes Biografie zu Spielberg hatte ich den Eindruck, der Schöpfer von E. T. und Indiana Jones würde seine Erinnerungen direkt mit mir teilen und dabei einige Geheimnisse – wie seine kurze Begegnung mit Hitchcock oder Peter Falks zwei Monate lang anhaltenen Bedenken – erstmals ausplaudern.

Zwar ließ Spielberg die Columbo-Episode Murder by the Book (Tödliche Trennung) 1971 zum Ärger des für Spartacus mit dem Oscar prämierten Kameramanns Russell Metty sehr ideenreich und aufwändigig in Szene setzen. Die von Amazing Améziane im Comic beschriebene Zoom-Szene mit unscharfen Autos ist nicht enthalten. Außerdem sind sich Spielberg und Hitchcock nie begegnet.  

Erst auf der letzten Seite dieses Buchs ist zu erfahren, dass “um der Dramatisierung willen (…) einige Aussagen und manchmal die Art, wie Personen sich verhalten, erfunden“ wurden. Anscheinend kann auch Amazing Améziane sehr gut inszenieren.    

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Ein Mann wie Dynamit

In meiner Jugend wohnte in unserer Nachbarschaft ein behinderter Junge, dem es seine alleinerziehende Mutter durch die Anschaffung von zwei VHS-Recordern ermöglicht hatte, sich die aus der Videothek entliehenen Filme zu kopieren. Ich besuchte den Jungen regelmäßig, denn er bot mir die Möglichkeit Filme zu sehen, für die ich nicht bereit war Ausleihgebühr zu zahlen.

Nahezu ausschließlich handelte es sich dabei um Filme für die das leider schon lange eingestellte Magazin Splatting Image den Begriff “Action Gülle“ erfunden hatte. Die meisten B-Pictures mit Chuck Norris, Steven Seagal oder Darstellern mit noch weniger Charisma, die ich damals sah, waren zwar fast immer halbwegs unterhaltsam, aber auch schnell wieder vergessen.

Charles Bronson (Die glorreichen Sieben, Spiel mir das Lied vom Tod), der auch noch die dümmsten Rächerfilme durch seine stille Würde veredelte, habe ich hingegen auch gerne durch die blödsinnigsten Filme begleitet. Wirklich gut blieb mir der Bronson-Film Ein Mann wie Dynamit (10 to Midnight) in Erinnerung. Inszeniert wurde der Thriller von dem 1914 in England geborenen J. Lee Thompson, der 1961 mit Die Kanonen von Navarone einen echten Hit landete und Anfang der 70er-Jahre die letzten beiden Planet-der-Affen-Filme drehte.

Zudem inszenierte J. Lee Thompson den Thriller Cape Fear so mitreißend, dass Martin Scorsese ein Remake drehte. Auch Ein Mann wie Dynamit ist äußerst spannend in Szene gesetzt. Bronson spielt Detective Leo Kessler, dem es angesichts einer an jungen Frauen verübten Mordserie schwer fällt, seine stoische Ruhe aufrecht zu erhalten. Das wird nicht besser als eine Freundin seiner Tochter Laurie (Lisa Eilbacher) ermordet wird.

Recht schnell ist mit dem Büroangestellten Warren Stacey (Gene Davis) ein Verdächtiger gefunden, der jedoch so clever agiert, dass Kessler sich gezwungen sieht, zu versuchen Stacey durch gefälschte Beweisstücke in den Knast zu bringen. Das geht jedoch aufgrund moralischer Bedenken von Kesslers neuem Partner Paul McAnn (Andrew Stevens) schief. Stacey wird wieder auf freien Fuss gesetzt und hat Laurie als sein nächstes Opfer ins Visier genommen.

Diese solide Thriller Handlung wurde garniert durch einen glaubhaft in Szene gesetzten Vater-Tochter-Konflikt, sowie eine sich zögerlich entwickelnde Lovestory zwischen Lisa und McAnn, die durchaus zu Herzen geht. Das blutige Finale im Schwesternheim hingegen würde jedem Horrorfilm zur Ehre gereichen und als ein Mann der schließlich rot sieht, hat Charles Bronson diesmal deutlich mehr Argumente zum Abdrücken als in seinem gleichnamigen Filmhit.

Im Laufe der Jahrzehnte habe ich mir Ein Mann wie Dynamit immer wieder angesehen und auch auf DVD zugelegt. Daher freute ich mich sehr darüber, dass bei Wicked Vision ein Mediabook mit einer Blu-ray-Version des Films erschienen ist. In verbesserter Bildqualität gefiel mir der Film besser denn je. Etwas überrascht war ich allerdings vom Bonusmaterial des Mediabooks. In David Renskes Textbeitrag wird Ein Mann wie Dynamit als “Schmierlappen von einem Selbstjustiz-Seminar“ bezeichnet. Auch die ansonsten sehr von mir geschätzten Audiokommentatoren Rolf Giesen und Gerd Naumann ließen kaum ein gutes Haar am Film.    

In seinem Sachbuch Cinema Speculation beschreibt Quentin Tarantino scharfsinnig und autobiografisch das Kino der 70er-Jahre. In einem Kapitel über Dirty Harry äußert er sich abfällig über fast alle Filme, die sich seinerzeit an den Erfolg des Clint-Eastwood-Films von Don Siegel ranhängen wollten. Auch von den offiziellen Dirty-Harry-Fortsetzungen hält Tarantino nichts. Ein Mann wie Dynamit ist für ihn „die einzige namhafte Ausnahme“, denn im Zentrum steht “wie bei Dirty Harry ein an die Realität angelehnter Serienmörder. Der von Gene Davis gespielte Mörder ist ein Stellvertreter für Richard Speck, der Krankenschwesterschülerinnen ermordete, und die äußerst brutale und abscheuliche Reinszenierung dieser Morde ist ziemlich harter Stoff.“

Ähnlich interessante Betrachtungen hätte ich mir auch von den Machern dieses nicht ganz billigen Mediabooks gewünscht. Doch zum Glück gibt es Ein Mann wie Dynamit mittlerweile auch als sehr viel preiswertere Blu-ray ohne Booklet.

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Death Proof – Original Motion Picture Soundtrack

Death Proof wurde 2007 von Quentin Tarantino locker bis entspannt rausgerotzt, ist längst nicht so ambitioniert wie Pulp Fiction oder Kill Bill, macht aber genauso viel Spaß. Tarantino zitiert bzw. recycelt dabei nicht nur Highlights aus Filmen,  wie die ohne Spezialeffekte gedrehten Auto-Action-Szenen aus Bullitt und French Connection, sondern auch Musik.

Death Proof - Original Motion Picture Soundtrack

Die Soundtracks zu Tarantinos Filmen sind zugleich auch Sampler mit seinen persönlichen Favoriten. Neben T. Rex, The Coasters oder Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich (und einigen markanten Dialogfetzen) kommen auch diesmal wieder Soundtrack-Kompositionen aus Filmen zum Einsatz, die Tarantino ganz besonders schätzt.

Death Proof

So erklingt Ennio Morricones Musik aus Dario Argentos Die neunschwänzige Katze oder Pino Donaggios Komposition aus Brian De Palmas unterschätzten Blow Out, der Tarantino zeigte das John Travolta sehr viel mehr ist als nur ein Teenager-Schwarm. Somit ist auch der Soundtrack zu Death Proof ein sehr bunter Kramsladen, der gefüllt ist mit allerlei verrückten musikalischen Antiquitäten.

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Planet Terror – Original Motion Picture Soundtrack

Planet Terror zeigt eine durch eine Zombie-Armee bedrohte Erde, deren letzte Rettung die Go-Go-Tänzerin Cherry (Rose McDowan) ist, weil diese über eine Maschinengewehr-Beinprothese verfügt. Ziemlich wilder Stoff also, zu dem Regisseur Robert Rodriguez, gemeinsam mit seinen Kumpels Graeme Revell, Carl Thiel, George Oldziey und Rick Del Castillo einen entsprechenden Soundtrack einspielte.

Planet Terror - Original Motion Picture Soundtrack

Angeblich hat der totale Filmemacher Rodriguez mittlerweile am Komponieren genauso viel Spaß wie beim Drehen seiner Filme. Sein Soundtrack zu Planet Horror mischt Tex-Mex-Gitarren-Rock mit Synthesizer-Kompositionen im Stile von John Carpenter, dessen Filme Planet Terror ohnehin maßgeblich inspirierten. Drei der auf dem Soundtrack zenthaltenen Songs werden von der Hauptdarstellerin Rose McDowan interpretiert.

Planet Terror
Quentin Tarantino

Doch so richtig ab geht es erst, wenn Camille Dalmais – begleitet von Nouvelle Vague – den Dead Kennedy’s-Song To Drunk to Fuck hinhaucht. Dieses Lied wird im Film allerdings eher beiläufig präsentiert und sogar mit Waffengewalt beendet. Nachdem zuvor bei Irgendwann in Mexiko Film und Musik maßlos enttäuschten, gelang Robert Rodriguez seit langer Zeit endlich wieder ein lässig-fetziger Soundtrack, der jede Einzimmerwohnung sofort in den Titty Twister-Club verwandelt.

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Ein Haufen verwegener Hunde

Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkrieges: Fünf US-Deserteuren gelingt die Flucht vor der US-Militärpolizei. Auf ihrem Weg in die neutrale Schweiz geraten die Fahnenflüchtigen in die Fänge französischer Partisanen. Auf deren Befehl soll das Quintett den Sprengkopf einer deutschen V-2-Rakete entwenden. Die Mission ist ein Todeskommando.

Ein Haufen verwegener Hunde

Der Kriegsfilm Quel maledetto treno blindato, eine Italo-Version von Das dreckige Dutzend, lief in den US-Kinos unter dem Titel The Inglorious Bastards. Pünktlich zum Start von  Inglourious Basterds erschien der Film 2009 als Inglourious BastArds auf einer DVD, deren Cover an die Plakatmotive des  Films von Quentin Tarantino erinnert.

Ein Haufen verwegener Hunde

Auch wenn er sich im auf der DVD enthaltenen Gespräch mit dem Regisseur Enzo G. Castellari (Die Rückkehr des Sandokan) begeistert über Quel maledetto treno blindato, hat  der ansonsten sehr zitierwütige Tarantino erstaunlich wenig Elemente aus diesen Film übernommen.

Ein Haufen verwegener Hunde

Das ist etwas schade, denn Castellaris Werk ist eine interessante Variante jener Filme über knallharte Kerle im unfreiwilligen Einsatz für die halbwegs gute Sache. So sind die Hauptfiguren, zu denen auch ein von Raimund Harmstorf verkörperter deutschen Soldat gehört, unangepasste Individualisten.

Ein Haufen verwegener Hunde

Dadurch, dass seinerzeit aus Angst vor Terroristen bei den Dreharbeiten in Italien die für die Filmproduktion dringend benötigten Schusswaffen von der Polizei beschlagnahmt wurden, war Castellari gezwungen sich “kreativere“ Actionsequenzen auszudenken und das in Kriegsfilmen übliche Geballere zurückzuschrauben.

Ein Haufen verwegener Hunde

Bonusmaterial der DVD: Neu produziertes Making Of (46:32 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln, Regisseur Enzo G. Castellari in einem sehr interessanten Gespräch mit Quentin Tarantino (36:51 min), Italienischer Kinotrailer (3:43 min), Galerie mit 6 Plakaten und Aushangfotos

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Kill Bill Vol. 1 – Original Soundtrack

Das kann ja eigentlich kein Zufall sein: Erst ehrten Die Ärzte (freilich nicht völlig ironiefrei) 2003 auf ihrer Maxi-Single Unrockbar den Panflöten-Gott Gheorghe Zamfir mit einer quälend langen Version der Dolannes Melodie. Dann erklangen auch noch als Track 14 des von Quentin Tarantino zusammengestellten Soundtrack zu Kill Bill Vol. 1 Zamfirs unverwechselbare (und in den 70er-Jahren auch unvermeidbare) Flötentöne.

Kill Bill Vol. 1 - Original Soundtrack

Als ob das noch nicht reicht, verwundert auch noch der Name des Komponisten des von Zamfir dargebotenen Stücks namens Der einsame Hirte : James Last. Das Bindeglied zwischen Tarantino und Zamfir dürfte ohne Zweifel des Kultregisseurs Bewunderung für Sergio Leones Film Es war einmal in Amerika sein. Hier ist Zamfirs Flötenspiel unentbehrlicher Bestandteil von Ennio Morricones wohl bestem Soundtrack.

Kill Bill Vol. 1 - Original Soundtrack

Auch ansonsten wimmelt es auf dieser CD nur so von filmischen Zitaten. Neben einem gepfiffenen Stück von Hitchcocks Stammkomponisten Bernard Herrmann ist die Titelmelodie der TV-Serie The Green Hornet zu hören, durch die Bruce Lee auch in den USA bekannt wurde. Lees wohl bekannteste Outfit, der gelbe Kampfanzug mit schwarzen Streifen, ist dann auch ein zentrales Motiv von Kill Bill und ziert auch das Cover dieser CD.

Kill Bill Vol. 1 - Original Soundtrack

Erwähnenswer ist auch der markante Einsatz eines Häppchens aus der von Quincy Jones komponierten Titelmelodie von Der Chef.  Wie immer bei Tarantino Soundtracks erklingen  zwischen den Songs Dialoghäppchen aus dem Film. Insgesamt ist dieser Sampler, der vom zur Filmstory passenden Nancy Sinatra-Stück Bang Bang (My Baby Shot Me Down) eröffnet wird, genauso abwechslungsreich und überraschend wie Tarantinos vierter Film.

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Django Unchained – Motion Picture Soundtrack

Bereits für Inglourious Basterds hätte Quentin Tarantino gerne einen Soundtrack von Ennio Morricone, dem Meister des Italo-Westerns gehabt. Wenn er sich mit seinem lange geplanten Django Unchained schließlich selbst im Genre versucht und dies noch mit Elementen des Blaxploitation-Films kreuzt, kommt er natürlich um Musik von Morricone nicht herum.

Django Unchained - Motion Picture Soundtrack

So schrieb der italienische Komponist mit dem herrlich schnulzigen Stück Ancora Qui sogar einen neuen Song für den Film und ist auch mit Tracks aus Die Grausamen sowie aus dem Clint Eastwood Film Ein Fressen für die Geier auf dem Soundtrack vertreten. Den Titelsong übernahm Tarantino jedoch aus Sergio Corbuccis Django von 1966. Doch nicht nur Western-Musik findet Verwendung, wunderschön ist auch Jerry Goldsmiths Theme aus Under Fire. Außerdem sind James Brown & 2Pac zu hören und der Hauptdarsteller Jamie Foxx darf zusammen mit Rick Ross rappen.

Django Unchained

Einen zusätzlichen Reiz erhält auch dieser Tarantino-Soundtrack wieder dadurch, dass den Musikstücken kurze Dialoghäppchen aus dem Film u. a. von Christoph Waltz oder Samuel L. Jackson vorangestellt werden. Auch mit diesem Soundtrack gelingt es Quentin Tarantino Vorfreude auf den Kinobesuch und danach angenehme Erinnerungen an unvergessliche Filmmomente zu wecken.

Django Unchained

Mittlerweile liegt übrigens auch eine sehr schöne Comic-Adaption von Django Unchained vor.

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Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Zwei Jahre nach der Premiere von Es war einmal in Hollywood erschien Quentin Tarantinos Romanfassung seines neunten Kinofilms.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Herausgekommen ist sehr viel mehr als ein “Buch zum Film“, sondern Tarantino liefert zahlreiche Details über seine Protagonisten und über das Hollywood der späten 60er-Jahre nach. Hier einige Anmerkungen zu den 24 Kapiteln des Buchs.

KAPITEL EINS: “Nennen Sie mich Marvin“

Es war einmal in Hollywood – Film und Roman

Der Roman beginnt mit dem Treffen zwischen dem Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und Marvin Schwarz (Al Pacino), das im Gegensatz zum Film im Büro des Agenten und nicht in einem Restaurant stattfinden. Beim Gespräch geht es weniger darum, wie sich Dalton sich für eine Filmrolle mit einem Flammenwerfer vertraut machte. Stattdessen wuchert Tarantino hier mit Anekdoten aus der Filmwelt. So ist zu erfahren, dass es Marvin Schwarz gelungen war, Sergio Leone davon zu überzeugen in Für ein paar Dollar mehr, anstelle eines betrunkenen Lee Marvins, einen “zwischenzeitlich mal trockenen Lee Van Cleef“ zu verpflichten. Im Roman beschreibt Schwarz noch gnadenloser den künftigen Verlauf von Rick Daltons Karriere, der in den USA nur noch jämmerliche Schurkenrollen spielen wird. Als einziger Ausweg bleiben ihm nur noch Auftritte in Italo Western. Angesichts dieser düsteren Aussicht beginnt Dalton vor Schwarz (nicht wie im Film erst nach dem Gespräch in Gegenwart von Cliff Booth) zu weinen und sich seiner Tränen zu schämen. Dies entlockt Schwarz die schöne Bemerkung: “Gar nichts muss Ihnen leidtun. Sie sind Schauspieler. Schauspieler müssen einen Zugang zu ihren Gefühlen haben.“

KAPITEL ZWEI: “Ich bin neugierig (Cliff)“

Die hier geschilderten Dinge kommen im Film gar nicht vor und liefern viele interessante Details zu Cliff Booth, dem Kumpel, Stuntdouble und Hausmeister von Rick Dalton. Während Cliff auf seinen Boss wartete, bändelt er im Vorzimmer des Büros von Marvin Schwarz mit dessen Sekretärin Fräulein Himmelsteen an. Zugleich wird geschildert, wie Cliff, der im Zweiten Weltkrieg “Zeuge der krassen Extreme der Menschheit geworden war“, Hollywood-Filme danach nichts mehr abgewinnen konnte. Stattdessen fand er Gefallen an fremdsprachigen Filmen, die er für sehr viel interessanter und überraschender hält. Hier scheint Tarantino Cliff dazu zu benutzen, um mit seinen umfassenden Filmwissen zu wuchern. So lobt er etwa die Filme von Akira Kurosawa, den Darsteller Jean-Paul Belmondo, aber auch Bernhard Wickis Die Brücke, während er über die Werke von Francois Truffaut durchaus fundiert ablästert…

KAPITEL DREI: “Gielo Drive“

Der film- und welterfahrene Cliff kann nicht verstehen, dass für Rick eine Welt untergeht, wenn er in Italien dreht. Dort gibt es die „beste Pasta und Pizza der Welt“, außerdem kann Rick „italienische Ladys knallen“,

Kapitel Vier: Brandy, Du bist ein feines Mädchen

Ein ganzes Kapitel mit 15 Seiten hat Tarantino Brand, dem Hund von Cliff gewidmet.

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Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Quentin Tarantinos neunter und maßgeblich vorletzter Film Once Upon a Time … in Hollywood war ein Geniestreich. Nun hat das Filmwunderkind die Romanfassung dazu nachgelegt- ergänzt diese um einige wertvolle Informationen und Innenansichten der Hauptfiguren- und debütiert damit als Autor. In einem Interview bekannte sich Tarantino dazu, ein Fan nachträglich verfasster „Bücher zum Film“ zu sein, da er noch die Zeit vor der VHS-Videokassette erlebt hat, in der Filmfans gezwungen waren, auf dieses Medium zurückzugreifen.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Um es vorwegzunehmen: Vor der Lektüre des Buchs sollte der Film gesehen werden. Tarantino setzt voraus, dass der Leser Figuren und Ereignisse kennt. Im Film ist so gut wie nichts über Charles Manson zu erfahren, obwohl dieser der Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte ist. Im Buch gibt es zumindest ein Kapitel über den Sektenführer und späteren Massenmörder, dies beschäftigt sich mit dessen Freundschaft zum Beach-Boy-Mitglied Dennis Wilson und seinen verzweifelten Bemühungen beschäftigt, als Rockmusiker Erfolg zu haben.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Auch die Innenwelt der anderen Hauptfiguren nimmt Tarantino genauer unter die Lupe. Es ist mehr zu erfahren über den abgehalfterten, ehemaligen Westernserienstar Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) mit Alkoholproblemen, über sein Stuntdouble und Saufkumpanen Cliff Booth (Brad Pitt) sowie über Roman Polanskis Gattin Sharon Tate (Margot Robbie). Hierbei bedient Tarantino sich der Sicht des allwissenden Erzählers, der jeden Standpunkt einnehmen und in jede Person hineinsehen kann (zumindest letzteres ist eine Qualität, die dem Medium Film naturgegeben abgeht).

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Tarantinos Romandebüt liest sich wie ein Drehbuch und ist stets im Präsenz geschrieben. Es gibt teilweise überflüssige Anmerkungen zum Verhalten der Protagonisten, sowie natürlich geniale Dialogen. Ein Schwachpunkt ist, dass einige Charaktere und Handlungsstränge buchstäblich ins Leere aufen und nicht wieder aufgegriffen werden. So verwundert es, dass der Werdegang von Cliff Booths Kampfhündin Brandy und deren Verbindung mit Cliff Booth im Buch ausführlich geschildert wird, ansonsten jedoch keine Funktion hat.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Um nicht zu spoilern, werde ich zumindest über die Funktion der Manson-Morde (die ja im Film durch eine simple Hausverwechslung und der Wehrhaftigkeit derer Besitzer vereitelt werden) an dieser Stelle schweigen. Trotz einiger Schwächen muss hervorgehoben werden, dass Tarantinos erster Roman beste Unterhaltung liefert. Seine Beobachtungsgabe und sein Händchen für eindringliche Sequenzen ist auch in Buchform großes Kino und dürfte nicht nur für Fans erfreuen.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood

Vielleicht der größte Pluspunkt des Buches ist Tarantinos persönlicher Einblick in die Filmwelt und das Hollywood des Jahres 1969. Jede Seite pulsiert nur so von Informationen über echte und hinzugedichtete Filme, Anekdoten und Skandale. Wie immer schreibt Tarantino die Geschichte ein wenig um. Man spürt seine Liebe zum Kino und zum Filmemachen. Es darf sich auch auf Tarantinos Sachbuch über den Film der 70er-Jahre mit dem Titel Cinema Speculation gefreut werden.

Matthias Schäfer

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