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Cape Fear

Unter diesem Titel entstand 1962 ein Psychothriller, der bei uns als Ein Köder für die Bestie gezeigt wurde und den Filmen von Alfred Hitchcock einiges verdankte. Genau wie zwei Jahre zuvor in Psycho spielte ebenfalls Martin Balsam mit und – was noch wichtiger war – der Soundtrack zu Cape Fear stammte von Hitchcocks Hauskomponisten Bernard Herrmann, dessen ikonischen Klänge auch ein zentrales Element der beiden Neuverfilmung von Cape Fear sind.

Der britische Regisseur J. Lee Thompson erzählte 1962 vom aufrechten Anwalt Sam Bowden (Gregory Peck), der verhindert hatte, dass Max Cady (Robert Mitchum) eine Frau vergewaltigte und durch seine Aussage vor Gericht dafür sorgte, dass dieser für acht Jahre ins Gefängnis kam.

Nach seiner Entlassung lässt Cady sich in jener Südstaaten-Kleinstadt nieder, in der Bowden mit seiner Frau Peggy (Polly Bergen) und seiner vierzehnjährigen Tochter Nancy lebt. Er vergiftet den Familienhund und macht auch ansonsten den Gradys das Leben durch subtile Bedrohungen zur Hölle. Dadurch zwingt er den friedlichen Kleinstädter Sam Bowden dazu, drastische Maßnahmen zu ergreifen.

Der Film war zwar kein gewaltiger Erfolg, wurde jedoch zum Klassiker, sowie zu einem der Lieblingsfilme von Martin Scorsese und Steven Spielberg. Letzterer wollte 1990 eine Neuverfilmung inszenieren, tauschte jedoch mit Scorsese, der ursprünglich als Regisseur von Schindlers Liste vorgesehen war und Robert De Niro als Max Cady besetzte.

Mitchum und Peck sowie Martin Balsam waren bei Scorseses Cape Fear in Nebenrollen als Polizist, Anwalt und Richter zu sehen. Der von Nick Nolte verkörperte Sam Bowden war diesmal der Pflichtverteidiger des brutalen Vergewaltigers Cady. Da er von dessen Schuld überzeugt war, unterschlug Bowden entlastendes Beweismaterial und sorgte dadurch dafür, dass Cady verurteilt wurde.

Doch Bowden ist diesmal kein hochmoralischer Saubermann, wie zuvor Gregory Peck, denn er betrügt seine Frau Leigh (Jessica Lange) mit einer Kollegin, die dem Vergewaltiger Cady zum Opfer fällt und die Kleinstadt verlässt. Scorsese zeigt zudem sehr ausführlich, wie Cady versucht Danielle (Juliette Lewis), die 15-jährige Tochter der Bowdens, zu verführen.

Da Scorsese neben einer sich langsam aufbauenden Spannung im großen Finale auch handfeste Action mit einem ungebremst aufspielenden De Niro bot, wurde seine Version von Cape Fear 1991 zu einem Blockbuster. Gemeinsam mit Spielberg fungierte Scorsese als Produzent einer 2026 auf Apple TV ausgestrahlten Serie. Viele Kritiker lobten zwar die Leistungen des “neuen“ Max Cady Javier Bardem, und die ebenfalls großartig aufspielende Amy Adams, mokierten sich aber darüber, dass die Handlung unnötig in die Länge gezogen wurde.

Doch dem Team vom Serie-Schöpfer Nick Antosca ist es gelungen den Kosmos von Cape Fear erheblich zu erweitern, so dass die Hochspannung bis zur zehnten und letzten Episode anhält. Tom Bowden (Patrick Wilson) ist jetzt jener Staatsanwalt, der Max Cady in den Knast brachte. Während der Verhandlung begann er eine Affäre mit Bowdens Verteidigerin Anna (Amy Adams), die mittlerweile Toms Ehefrau ist.

Beide haben zwei etwas labile Kinder, und es ist nicht ausgeschlossen, dass Cady bei einem davon der Vater ist. Anna engagiert sich erfolgreich bei der Organisation SJLP, die sich für zu Unrecht inhaftierte Menschen einsetzt. Als sie dafür ausgezeichnet werden soll, taucht auf der Preisverleihung der nach 17 Jahren freigesprochene Max Cady auf, und das Unheil nimmt seinen Lauf…         

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Ein Mann wie Dynamit

In meiner Jugend wohnte in unserer Nachbarschaft ein behinderter Junge, dem es seine alleinerziehende Mutter durch die Anschaffung von zwei VHS-Recordern ermöglicht hatte, sich die aus der Videothek entliehenen Filme zu kopieren. Ich besuchte den Jungen regelmäßig, denn er bot mir die Möglichkeit Filme zu sehen, für die ich nicht bereit war Ausleihgebühr zu zahlen.

Nahezu ausschließlich handelte es sich dabei um Filme für die das leider schon lange eingestellte Magazin Splatting Image den Begriff “Action Gülle“ erfunden hatte. Die meisten B-Pictures mit Chuck Norris, Steven Seagal oder Darstellern mit noch weniger Charisma, die ich damals sah, waren zwar fast immer halbwegs unterhaltsam, aber auch schnell wieder vergessen.

Charles Bronson (Die glorreichen Sieben, Spiel mir das Lied vom Tod), der auch noch die dümmsten Rächerfilme durch seine stille Würde veredelte, habe ich hingegen auch gerne durch die blödsinnigsten Filme begleitet. Wirklich gut blieb mir der Bronson-Film Ein Mann wie Dynamit (10 to Midnight) in Erinnerung. Inszeniert wurde der Thriller von dem 1914 in England geborenen J. Lee Thompson, der 1961 mit Die Kanonen von Navarone einen echten Hit landete und Anfang der 70er-Jahre die letzten beiden Planet-der-Affen-Filme drehte.

Zudem inszenierte J. Lee Thompson den Thriller Cape Fear so mitreißend, dass Martin Scorsese ein Remake drehte. Auch Ein Mann wie Dynamit ist äußerst spannend in Szene gesetzt. Bronson spielt Detective Leo Kessler, dem es angesichts einer an jungen Frauen verübten Mordserie schwer fällt, seine stoische Ruhe aufrecht zu erhalten. Das wird nicht besser als eine Freundin seiner Tochter Laurie (Lisa Eilbacher) ermordet wird.

Recht schnell ist mit dem Büroangestellten Warren Stacey (Gene Davis) ein Verdächtiger gefunden, der jedoch so clever agiert, dass Kessler sich gezwungen sieht, zu versuchen Stacey durch gefälschte Beweisstücke in den Knast zu bringen. Das geht jedoch aufgrund moralischer Bedenken von Kesslers neuem Partner Paul McAnn (Andrew Stevens) schief. Stacey wird wieder auf freien Fuss gesetzt und hat Laurie als sein nächstes Opfer ins Visier genommen.

Diese solide Thriller Handlung wurde garniert durch einen glaubhaft in Szene gesetzten Vater-Tochter-Konflikt, sowie eine sich zögerlich entwickelnde Lovestory zwischen Lisa und McAnn, die durchaus zu Herzen geht. Das blutige Finale im Schwesternheim hingegen würde jedem Horrorfilm zur Ehre gereichen und als ein Mann der schließlich rot sieht, hat Charles Bronson diesmal deutlich mehr Argumente zum Abdrücken als in seinem gleichnamigen Filmhit.

Im Laufe der Jahrzehnte habe ich mir Ein Mann wie Dynamit immer wieder angesehen und auch auf DVD zugelegt. Daher freute ich mich sehr darüber, dass bei Wicked Vision ein Mediabook mit einer Blu-ray-Version des Films erschienen ist. In verbesserter Bildqualität gefiel mir der Film besser denn je. Etwas überrascht war ich allerdings vom Bonusmaterial des Mediabooks. In David Renskes Textbeitrag wird Ein Mann wie Dynamit als “Schmierlappen von einem Selbstjustiz-Seminar“ bezeichnet. Auch die ansonsten sehr von mir geschätzten Audiokommentatoren Rolf Giesen und Gerd Naumann ließen kaum ein gutes Haar am Film.    

In seinem Sachbuch Cinema Speculation beschreibt Quentin Tarantino scharfsinnig und autobiografisch das Kino der 70er-Jahre. In einem Kapitel über Dirty Harry äußert er sich abfällig über fast alle Filme, die sich seinerzeit an den Erfolg des Clint-Eastwood-Films von Don Siegel ranhängen wollten. Auch von den offiziellen Dirty-Harry-Fortsetzungen hält Tarantino nichts. Ein Mann wie Dynamit ist für ihn „die einzige namhafte Ausnahme“, denn im Zentrum steht “wie bei Dirty Harry ein an die Realität angelehnter Serienmörder. Der von Gene Davis gespielte Mörder ist ein Stellvertreter für Richard Speck, der Krankenschwesterschülerinnen ermordete, und die äußerst brutale und abscheuliche Reinszenierung dieser Morde ist ziemlich harter Stoff.“

Ähnlich interessante Betrachtungen hätte ich mir auch von den Machern dieses nicht ganz billigen Mediabooks gewünscht. Doch zum Glück gibt es Ein Mann wie Dynamit mittlerweile auch als sehr viel preiswertere Blu-ray ohne Booklet.

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