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Der Augenjäger

Vor einigen Jahren war es eine gar nicht so kleine Überraschung, dass ein Comickünstler wie Frank Schmolke, dessen auf eigenen Erlebnissen basierende Graphic Novels Trabanten und Nachts im Paradies viel positive Resonanz ernteten, scheinbar aus heiterem Himmel kommerziellere Wege beschritten hatte.

Doch bei den Adaptionen des Netflix-Films Freaks und des Sebastian-Fitzek-Bestsellers Der Augensammler handelte es sich um Auftragsarbeiten, die Schmolke unverkennbar in seinem eigenen Stil und mit eigenen Ideen realisiert hatte. Daher verwundert es jetzt sehr viel weniger, dass Schmolke auch aus der Fortsetzung “seines“ Fitzek-Thrillers einen großartigen Comic gemacht hat.

Man kann über den Sinn oder Unsinn von Comic- (oder auch Film-) Adaptionen ewig streiten, doch dadurch wird die Zielgruppe größer. So habe ich bisher kein einziges der zahlreichen Bücher von Sebastian Fitzek gelesen, mich aber sofort auf Frank Schmolkes Version von Der Augensammler gestürzt und es nicht bereut. Genauso ging es mir beim Augenjäger-Comic.

In beiden Fällen ist in Schmolkes Comicversionen zu spüren, dass Fitzek ein sehr guter Autor von rastlos erzählten Thriller-Geschichten voller überraschender, aber auch sehr blutiger Momente ist. Der Augenjäger erschien 2011, ist Fitzeks achtes Buch und sein zweiter Roman mit dem ehemaligen Polizisten Alexander Zorbach und der blinden Physiotherapeutin Alina Gregoriev. Eine Inhaltsangabe würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.

Bei Der Augenjäger verwandelte Schmolke einen 420-seitigen sehr handlungsreichen Roman in einen nur halb so umfangreichen Comic. Trotz der jetzt noch rastloser erzählten Geschichte, habe ich mir bei der Lektüre der Adaption immer wieder Zeit genommen, um die großartigen Zeichnungen und Seitenlayouts von Schmolke zu bestaunen.

Die auf 1.000 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit 16 Seiten Bonusmaterial und einem von Frank Schmolke signierten Kunstdruck ist bereits verlagsvergriffen. 

Dank der zahlreichen Schwarzflächen beeindrucken die Bilder bereits ohne Kolorierung. Doch durch Schmolkes oftmals nur bedingt an der Realität orientierten Farbgebung wird der Comic zu etwas ganz Besonderen. Ohne den Roman gelesen zu haben, wage ich zu behaupten, dass Frank Schmolke die bestmögliche Comic-Adaption von Der Augenjäger gelungen ist.  

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Der Augensammler

Der Bestsellerautor Sebastian Fitzek ist bekennender Comic-Freund und eine der Hauptfiguren seines sehr spannend mit Moritz Bleibtreu verfilmten Thrillers Abgeschnitten ist Comiczeichnerin.

Der Augensammler
Cover der Normalausgabe

Im Vorwort zu diesem Band schreibt Fitzek, dass Comics ihn in der Grundschule “zum Lesen animiert haben“ und dass er ohne „Abenteuer von Superhelden, Galliern, Enten oder einem sympathischen Hundebesitzer“ kein Autor geworden wäre. Von daher war er sehr aufgeschlossen, als Dirk Schulz vom Splitter Verlag vorschlug, einen seiner Thriller zur Vorlage eines Comics zu machen.

Der Augensammler

Ausgewählt wurde Der Augensammler, sicher auch weil in dem 2010 erschienen Psychothriller erstmals der ausgebrannte ehemalige Polizist Alexander Zorbach auf die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev traf.

Der Augensammler

Diese beiden markanten Figuren stehen auch im Zentrum von Fitzeks neuen Psychothriller Playlist. Die Geschichte handelt von einem besonders perversen Serialkiller, der nicht nur Mütter tötet, sondern auch noch deren Kinder verschleppt und den Vätern 45 Stunden gibt, um sie zu finden, bevor der „Augensammler“ sie umbringt…

Der Augensammler

Als Zeichner wurde mit Frank Schmolke die optimale Wahl getroffen, denn dessen bisherige Werke Trabanten, Nachts im Paradies und Freaks sind zwar keine Psychothriller, doch äußerst spannend erzählt und mit interessanten Charakteren bevölkert.

Der Augensammler

Schmolke hat seine Comics meist in einem skizzenhaft wirkenden schwarzweißen Stil zu Papier gebracht. Dabei wirkt es fast so, als wenn seine Zeichengeschwindigkeit ähnlich hoch war, wie das Umblätter-Tempo, das er den Lesern durch seine spannenden Geschichten aufzwingt.

Der Augensammler

Seinen Augensammler kolorierte Schmolke, wodurch seine Bilder etwas weniger spontan wirken. Doch auch dieser Stil funktioniert bestens, weil die Farbgebung nur sehr selten “realistisch“ wirkt, sondern dazu beiträgt, die für die jeweilige Szene passende Stimmung zu erzeugen. Auch Schmolkes Adaption der Geschichte überzeugt, denn ihm gelingt es aus Fitzeks 460-seitigen Roman einen nicht einmal halb so umfangreichen äußerst spannend erzählten Comic zu machen.

Der Augensammler
Cover der limitierten Vorzugsausgabe

Dass die Kombination Schmolke-Fitzek einen großen Erwartungsdruck erzeugte, belegt die Tatsache, dass die auf 1000 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe bereits verlagsvergriffen ist.

Der AugensammlerDie Edition enthält 16 Extraseiten, die recht anschaulich darstellen, wie der Comic zustande kam, sowie einen signierten Druck mit einem Motiv, das ursprünglich als Cover vorgesehen war. Der Comic hat Splitters auch in der Normalausgabe sehr liebevolle Aufmachung (mit blutrotem Leseband!) mehr als verdient! 2025 erschien Schmolkes Comicadapion der Fitzek-Fortsetzung Der Augenjäger.

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Frank Schmolke: Freaks

“Eine kleinlaute Restaurantangestellte entdeckt dank eines kuriosen Landstreichers, dass sie Superkräfte und Seelenverwandte hat, und enthüllt eine gewaltige Verschwörung.“ Mit diesen kargen Worten versucht Netflix seinen Film Freaks – Du bist einen von uns anzupreisen.

Frank Schmolke: Freaks

Der vom TV-Regisseur Felix Binder inszenierte deutsche Superhelden-Film hatte am 2. September 2020 wohl ganz passable Abrufzahlen, verschwand jedoch recht schnell im Archiv von Netflix.

Frank Schmolke: Freaks

Doch zum Glück hatte der Freaks-Drehbuchautor Mark O. Seng, der immerhin auch am Netflix-Erfolgsserie Dark beteiligt war, die Idee seine Geschichte auch in Comicform zu erzählen. Nachdem er Frank Schmolkes Nachts im Paradies entdeckt hatte, stand sein Wunschzeichner fest.

Frank Schmolke: Freaks

Ohne den Netflix-Film gesehen zu haben, gelang Schmolke auf der Grundlage von Sengs Drehbuch eine finstere Geschichte. Diese erschien einen Monat nach der Filmpremiere bei der Edition Moderne und zeigt wieviel Potential in der Geschichte steckt.

Frank Schmolke: Freaks

Die ab 12 Jahre freigegebene Netflix-Produktion hat so gar nichts von der vielgepriesenen Freizügigkeit des nicht öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sondern erinnert – trotz guter Nebendarsteller wie Wotan Wilke Möhring, Ralph Herforth oder Nina Kunzendorf – eher an harmlose ZDF-Filmchen und wurde 2022 auch vom Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Schmolke hingegen erzählt eine finstere Geschichte vor dem Hintergrund einer finsteren Welt.

Frank Schmolke: Freaks

Bei ihm lebt die “kleinlaute Restaurantangestellte“ Wendy mit Mann und Sohn in einer abgerockten Etagenwohnung. Vor diesem Hintergrund ist der drohende soziale Abstieg der am Rande des Existenzminimums lebenden Kleinfamilie glaubhafter, als bei der Netflix-Wendy, die in einer Villa mit Pool lebt. Auch ansonsten ist Schmolkes Version von Freaks finsterer. Der Comic erzählt eine größere Geschichte mit interessanter charakterisierten Figuren und hat ein sehr viel knalligeres Finale zu bieten.

Frank Schmolke: Freaks

Wer zuerst den von Frank Schmolke in beeindruckenden Schwarz-Weiß-Zeichnungen in Szene gesetzten Comic gelesen hat und sich dann auf den Film einlässt, wird diesen als eine Aneinanderreihung vertaner Chancen empfinden.

Sebastian Fitzek

Aktuell hat Frank Schmolke den Psychothriller Der Augensammler von Sebastian Fitzek bravourös in Farbe adaptiert.

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Frank Schmolke: Nachts im Paradies

In seinem ersten Comic-Album Trabanten erzählte Frank Schmolke von Menschen, die sich im Abseits der Gesellschaft befinden. Auch in seinem neusten Werk zeigt Schmolke seine Heimatstadt München nicht gerade von ihrer besten Seite. Basierend auf eigenen Erlebnissen schildert er, was der Taxifahrer Vincent während des ja eigentlich für hohe Umsätze sorgenden Oktoberfests erlebt.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Frank Schmolke hat selbst eine Weile als Taxifahrer gearbeitet und tat es immer wieder, wenn “Auftragsflauten oder finanzielle Krisen“ herrschten. Die ersten Skizzen zu Nachts im Paradies sind im Taxi entstanden. Schmolke sieht Ähnlichkeiten zwischen Taxifahren und Zeichnen: “Das Suchen einer Fahrtroute ist ähnlich dem Ziehen einer Linie mit dem Stift. Der Fahrgast ist wie ein weißes Stück Papier. Vorerst neutral. Während der Fahrt füllt sich das Blatt mehr und mehr. Bis zum Ende der Fahrt entsteht so ein Bild des Fahrgastes.“

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Schmolkes Comic-Erzählung ist zwar mit klaren schwarzen Linien gezeichnet, doch sind die Bilder wie skizzenhaft geblieben. Es wirkt fast so, als wenn Schmolkes Zeichengeschwindigkeit ähnlich hoch war, wie das Umblätter-Tempo, das er seinen Lesern durch die spannende Erzählung aufzwingt. Die Bilder scheinen sich schmuck- und schnörkellos auf das Wesentliche zu beschränken, entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst durch das Großformat, das die Edition Moderne der Veröffentlichung dankenswerterweise spendiert hat.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Bemerkenswert ist auch, dass Nachts im Paradies, obwohl Schmolke einige selbsterlebte Sequenzen in die 350-seitige Geschichte eingebaut hat, kein Episoden-Comic geworden ist. Die Story vom Taxifahrer Vincent, der sich um seine 16-jährige Tochter sorgt, aber auch nicht gerade als Vorbild taugt, hat Schmolke mitreißend und emotional aufwühlend zu Papier gebracht. Es gibt wenige Comics, die einen so stark mitten ins Geschehen hineinziehen wie dieser!

Aktuell wird Nachts in Paradies von Starzplay mit Jürgen Vogel verfilmt.

Sebastian Fitzek

Es sei auch noch angemerkt, dass Frank Schmolke den Psychothriller Der Augensammler von Sebastian Fitzek bravourös in Farbe adaptiert hat.

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Frank Schmolke: Trabanten

In seinem ersten Comic-Album Trabanten erzählt Frank Schmolke von Franz Huber, der aus dem Gefängnis entlassen wird und versucht mit seiner kriminellen Vergangenheit abzuschließen. Zwar findet er einen Job als Anstreicher und mit Gina eine nette Frau, die sich zu ihm hingezogen fühlt. Doch die alten Bekannten lassen ihn nicht in Ruhe, was nicht besser wird, nachdem ein alter Kumpel von Franz zu Tode kommt…

Frank Schmolke: Trabanten

Geschichten unter dem Motto “Du bekommst den Mann aus dem Gefängnis heraus, aber nicht das Gefängnis aus dem Mann“ werden immer wieder in Kriminal-Romanen und im Film noir erzählt. Doch Schmolke hat seine Geschichte in das München der Achtziger Jahre verlegt und ließ zudem auch eigene Erlebnisse in die Handlung mit einfließen.

Frank Schmolke: Trabanten

In Szene gesetzt hat er Trabanten in grau kolorierten schwarzweißen Bildern, von denen er maximal vier Stück auf einer Seite platziert hat. Dadurch ist Trabanten schnell verschlungen – auch weil die spannende Erzählung zum raschen Umblättern animiert – , doch die Geschichte wirkt noch lange nach.

Frank Schmolke: Trabanten

Dies liegt auch daran, dass Schmolke die Story immer wieder durch surreale Einschübe aufbricht. So verpasst er den unbeteiligten Zuschauern einer Schlägerei schwarze Balken vor die Augen oder lässt Franz auf die halbe Körpergröße zusammenschrumpfen, wenn dieser Minderwertigkeitskomplexe hat. Hinzu kommen noch Anspielungen auf das Werk von Jackson Pollock.

Frank Schmolke: Trabanten

Trabanten macht gespannt auf das nächste Werk von Frank Schmolke, der 2017 den Finalisten-Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung für seine Graphic Novel Nachts im Paradies gewann.

Sebastian Fitzek

Aktuell hat Frank Schmolke den Psychothriller Der Augensammler von Sebastian Fitzek bravourös in Farbe adaptiert.

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