Schlagwort-Archiv: Friedrich Mücke

Extrawurst

Heribert Bräsemann (Hape Kerkeling) scheint beim Tennisclub Lengenheide alles im Griff zu haben. In Rekordzeit hat der Erste Vorsitzende die Vereinssitzung in seinem Sinne durchgeführt. Doch dann muss sein Vize Matthias (Friedrich Mücke) unter dem Tagungspunkt “Verschiedenes“ noch unbedingt von der Anschaffung des neuen Hightech-Grills XQ 3010 erzählen.

Dies ruft Melanie (Anja Knauer) auf den Plan, die für ihren muslimischen Doppelpartner Erol Oturan (Fahri Yardim) einen zweiten Grill fordert, damit dieser seine Würstchen halal rösten kann. Dies wiederum macht Melanies Ehemann Torsten (Christoph Maria Herbst) eifersüchtig und der Erste Vorsitzende unterbricht die Sitzung, um den Streit im kleinen Kreis zu schlichten, was voll nach hinten losgeht…

Basierend auf einem erfolgreichen Theaterstück des auch für die Serie Stromberg tätigen Autorenduos Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob gelang Marcus H. Rosenmüller (Beste Gegend, Schwere Jungs, Trautmann) eine turbulent inszenierte Komödie mit messerscharfen Dialogen. Hape Kerkeling brilliert als nur scheinbar gemütlicher Machtmensch, während Fahri Yardim überzeugend einen sich für tiefenentspannt haltenden Mann mit türkischen Wurzeln verkörpert, der immer mehr daran zweifeln muss, ob er in seinem Heimatort wirklich voll integriert wurde.

Extrawurst begeisterte im Kino 1,5 Millionen Menschen, was auch daran liegt, dass alle fünf Hauptfiguren keine auf eine Charaktereigenschaft reduzierten Karikaturen sind. Das sehr gute Ensemble porträtiert Menschen, die sich trotz aller verbaler Vorsicht und zum eigenen Entsetzen reihum als doch nicht völlig unverkrampft und vorurteilsfrei outen. Rosenmüller würzt Extrawurst mit kleinen in die Tiefe gehenden tragischen Momenten, verhindert zugleich aber durch bestens getimten Slapstick, dass sein Film zur pechschwarzen Komödie wird.

Extras der Blu-ray von Studiocanal: Kurzes aber sehr aussagekräftiges Making Of (2:53 min)und der Trailer (1:55 min)

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Friendship!

1989 flog der 24-jährige DDR-Bürger und spätere Filmproduzent Tom Zickler (Keinohrhasen) gemeinsam mit seinem besten Freund Veit nach New York. Sie hatten einen Super-8-Projektor sowie einige selbst gedrehte Filme im Gepäck und 55 Dollar in der Tasche. Trotzdem gelang es ihnen from coast to coast bis nach San Francisco zu kommen. Für Zickler war es die “schönste Reise, die ich je gemacht hatte“.

Friendship!

Zwanzig Jahre später flossen Zicklers USA-Erlebnisse zu fünfzig Prozent in dem von ihm produzierten Film Friendship! ein, allerdings verrät er nicht welche Hälfte des Films auf Tatsachen beruht. Wahrscheinlich stimmt diese Sache mit dem Vater, der als Veit noch ein kleiner Junge war, angeblich aus der DDR in den Westen geflüchtet ist und alljährlich seinem Sohn vom selben Postamt in San Francisco eine Postkarte schickt nicht so richtig (und die noch dramatischere Auflösung dieser Geschichte wohl erst recht nicht). Doch ein guter Aufhänger für ein Roadmovie ist die Suche nach dem verschollenen Vater auf alle Fälle.

Friendship!

Friendship! funktioniert bestens als ein Film, der zwar von der DDR handelt, diese jedoch nur in Form von einigen wenigen verwackelten Dokumentaraufnahmen zeigt. Matthias Schweighöfer und Newcomer Friedrich Mücke überzeugen als glaubhaft naive Ossies, die den Traum vom Wilden Westen (er)leben. Der munter drauflos fabulierte und vor Ort in den USA gedrehte Film ist meilenweit von klamaukigen Ostalgie-Blödsinn wie NVA oder Kleinruppin Forever entfernt. Friendship! macht Bock darauf alles liegen zu lassen und in den nächsten Flieger zu hüpfen.

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Ballon

1979 gelang es den beiden Familien Strelzyk und Wetzel mit einem selbstgebauten Heißluftballon die Flucht aus der DDR. Bereits zwei Jahre später machte die Walt Disney Productions aus der Geschichte den Spielfilm Mit dem Wind nach Westen.

Ballon

Als relativ eleganter Stasi-Mann war damals Sky du Mont zu sehen, der seine bekanntesten Rollen bei Stanley Kubrick (Eyes Wide Shut) und Michael Bully Herbig (Der Schuh des Manitu, (T)Raumschiff Surprise – Periode 1) hatte. Kurioserweise war es Herbig, der 2018 mit Ballon eine weitere Verfilmung der DDR-Flucht der Familien Strelzyk und Wetzel in Szene setzte.

Ballon

Sechs Jahre lang hat sich Herbig auf den Film vorbereitet, auch weil er sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollte, dass er als “Münchner Komiker“ ja ohnehin keine Ahnung hat, wie das Leben in der DDR aussah. In Bullys akribisch rekonstruierten Ostdeutschland ist es – ganz anders als 1981 bei Disney – nicht grau in grau. Der Film zeigt viele Menschen, die sich besonders bunt bekleiden, sicher auch um etwas Farbe in den tristen Alltag zu bringen.

Ballon

Mit Karoline Schuch (Ich bin dann mal weg), Friedrich Mücke (SMS für Dich), und Thomas Kretschmann (Wanted, King Kong) hatte Bully Darsteller mit DDR-Vergangenheit an Bord. So überzeugt Kretschmann, der 1983 aus der DDR geflohen war, als besonders hartnäckiger Stasi-Verfolger. Bully gelang das Kunstwerk eine Geschichte, deren Ausgang den meisten Zuschauern bekannt sein dürfte, so mitreißend zu erzählen, dass trotzdem von Anfang bis Ende Hochspannung herrscht.

Ballon

Die Blu-ray von Studiocanal enthält neben dem 125-minütigen Hauptfilm noch diese Extras: „Was für ein Aufwand: Ein Hintergrundbericht von den Dreharbeiten und den Zeitzeugen“ (18:36 min); „Die Requisiten“ (2:09 min); Die Nachbildung des Ballons“ (2:16 min); „Über die Geschichte“ (1:57 min); „Über die Einbindung der Zeitzeugen“ (2:25 min); Making of (4:35 min); B-Roll (7:59 min); Trailer (2:20 min); Wendecover

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