Schlagwort-Archiv: The Zone of Interest

Filmjahr 2024/2025

Diesmal schaffte es ein Motiv aus dem französischen Film Zwischen uns das Leben von Stéphane Brizé aufs Titelbild, des seit 2002 alljährlich beim Schüren Verlag veröffentlichten lexikalisch geordneten Rückblick zum vergangenen Filmjahr. Kernstück sind Kurzbesprechungen zu allen Filmen, die 2024 in deutschen Kinos gezeigten wurden. Hinzu kommen ausgewählte TV-Produktionen, wie etwa alle Beiträge zu den Tatort– und Polizeiruf 110-Reihen.

Doch das ist auch diesmal längst nicht alles, denn erst auf Seite 209 beginnt der alphabethische geordnete Teil des Buchs. Zuvor wird ein abwechslungsreiches Menü serviert, bestehend aus Kurztexten, Rückblicken und ausführlichen Rezensionen zu bemerkenswerten Filmen wie The Zone of Interest, Poor Things, Der Junge und der Reiher, Morgen ist auch noch ein Tag oder auch Furiosa: A Mad Max Saga, die 2024 ins Kino oder zu sehenswerten Serien, die auf die heimischen Bildschirme kamen.

Besonders interessant, weil alles andere als unkritisch sind die Porträts zu herausragenden Kino-Persönlichkeiten wie Marlon Brando, Margaret Qualley, Kevin Coster, Sofia Coppola oder dem mittlerweile achtzigjährigen George Lucas, sowie die Nachrufe auf Maggie Smith, James Earl Jones oder Donald Sutherland.

Bemerkenswert ist auch der Artikel Die Welt als Scheibe, der sich mit dem “Überleben von DVD/Blu-ray im Streaming-Zeitalter“ beschäftigt und bereits das im hinteren Teil des Buchs enthaltene Kapitel über “Das Silberling-Jahr 2024“ einläutet. Fazit des Textes ist, dass Anbieter, die in gute Heimkino-Veröffentlichungen investieren “nach wie vor beträchtliche Verkaufszahlen generieren und Fans und Sammler glücklich machen“ können.

Bei den Kurzrezis habe ich mich ein wenig darüber geärgert, dass Miss Merkel – Mord auf dem Friedhof mit der göttlichen Katharina Thalbach als „ärgerlich, anstössig, eine Zumutung“abgewatscht wurde und sehr gefreut, dass hier zu erfahren ist, dass Kevin Smith mit dem nostalgischen The 4:30 Movie endlich wieder ein rundum erfreulicher Film gelang. Wollen wir hoffen, dass uns diese bemerkenswerte Reihe noch viele Filmjahre lang erhalten bleibt.

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Aus einem deutschen Leben

Im Januar 1979 wurde die US-Serie Holocaust Die Geschichte der Familie Weiss, die in den dritten Programmen der ARD in einer gekürzten Version gezeigt wurde, zu einem großen Erfolg. Danach kam die Frage auf, warum in Deutschland keine ähnlich aufrüttelnde filmische Auseinandersetzung mit der Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten entstanden ist.

Doch tatsächlich kam bereits ein Jahr vor Holocaust (und nahezu ein halbes Jahrhundert vor The Zone of Interest) ein deutscher Film in die Kinos, der das Thema nicht minder eindringlich behandelte, allerdings ausschließlich aus der Täterperspektive erzählt wurde. Basierend auf dem Roman Der Tod ist mein Beruf von Robert Merle setzte Theo Kotulla in Aus einem deutschen Leben wichtige Stationen aus dem Leben des KZ-Kommandanten Rudolf Höß in Szene.

Im Gegensatz zu Guido Knopps ZDF-Dokus wie Hitlers Helfer beschäftigt sich Kotullas Film sehr damit, wie aus einem jungen Mann nicht nur ein überzeugter Nazi, sondern ein skrupellos alles Menschliche beiseiteschiebender Verbrecher werden konnte. In der ersten Hälfte folgt der Film nur bedingt der lückenhaft überlieferten Biografie von Rudolf Höß. Daher trägt die Hauptfigur den Namen Franz Lang, den Rudolf Höß benutzte, als dieser vergeblich versuchte nach dem Krieg unterzutauchen. Losgelöst vom „tatsächlichen Höß“ versucht Theo Kotulla jenes Lebensgefühl voller Selbstzweifeln zu vermitteln, das etliche junge Deutsche in die Fänge der Nazis getrieben hat.

Der Film beginnt 1914 und zeigt den jungen Franz Lang, der zunächst vergeblich versucht Soldat zu werden. Nachdem ihm dies gelingt, wird er für seine Tapferkeit ausgezeichnet, lebt jedoch nach dem Ersten Weltkrieg in Armut. Recht eindringlich zeigt Kotulla, wie der eigenbrötlerische Lang daran scheitert, sich kollegial in die Arbeitswelt einzufügen und schließlich bei der SA landet, wo er Karriere macht.

Den jungen Lang spielt Kai Taschner, der jedoch vom Hauptdarsteller Götz George synchronisiert wird. Dies wirkt etwas befremdlich, ist aber auch schon mein einziger Kritikpunkt an diesem Film, in dem Götz George eine der besten darstellerischen Leistungen seiner bemerkenswerten Karriere erbringt. Obwohl George als Lang häufig rücksichtslos vorgeht, wird jederzeit klar, dass in seinem (wie es heute wohl heißt) “Mindset“ kein anderes Handeln im Angebot ist.

Wenn in Aus einem deutschen Leben gezeigt wird, wie Lang bzw. Höß schließlich 1941 die Leitung des KZ Ausschwitz übernimmt, orientiert sich der Film sehr nah an den tatsächlichen Ereignissen. Kotulla konnte hierzu an Originalschauplätzen im Stammlager Ausschwitz und im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau drehen.

Dennoch wurde der Film “ab 12 Jahren“ freigegeben, denn es wird nicht das Unmögliche versucht und Bilder für das unvorstellbare Grauen gesucht, dem die KZ-Häftlinge täglich ausgesetzt waren. Im Zentrum der Handlung steht Götz George, der einen erstaunlicherweise niemals unsympathisch wirkenden Karrieristen verkörpert, der ein wichtiges Rädchen im Getriebe des Holocausts war.

Bei Filmjuwelen ist eine vorbildlich aufgemachte Blu-ray-Edition erschienen, die als Bonus noch den 1968 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichneten Kurzfilm “Vor dem Feind“ von Theo Kotulla (18:09 min), den deutscher Trailer (4:08 min) und ein 28-seitige Booklet mit Texten von Oliver Bayan enthält.

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