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Dolores

1992 veröffentlichte Stephen King den Roman Dolores Claiborne, der bei uns den schlichten Titel Dolores erhielt. Hierin erzählt die Titel-“Heldin“, wie sie einst von der Polizei verdächtigt wurde, ihren gewalttätigen Ehemann Joe getötet zu haben und knapp 30 Jahre später erneut unter Mordverdacht steht.

Das Buch fesselt als ohne Kapitelstruktur erzählte Lebensbeichte der Hauptfigur. Die 1995 entstandene Verfilmung hingegen setzt andere Akzente. Es geht darin auch um Mord und Todschlag, doch im Zentrum steht das komplizierte Verhältnis zwischen Dolores (Kathy Bates) und ihrer Tochter Selena (Jennifer Jason Leigh), die nach mehr als 10 Jahren wieder aufeinandertreffen.

Kathy Bates erhielt fünf Jahre zuvor einen Oscar, für die Hauptrolle in dem ebenfalls auf einem Roman von Stephen King basierenden Film Misery. Zwar neigt auch die von Bates verkörperte Dolores zu Gewaltausbrüchen, hat aber sehr gute Gründe dafür. Diese behält sie jedoch für sich und lässt durch gelegentliche heftige Wutausbrüche Dampf ab.

Auch Christopher Plummer brilliert als verbissener Polizist, der bereits ein zweites Mal gegen Dolores ermittelt und alles dransetzt, um sie diesmal ins Gefängnis zu bringen. Taylor Hackford (Ein Offizier und Gentleman) gelang – auch dank der geschickt eingebauten Rückblenden – ein ebenso spannender wie feministischer Thriller, der gut gereift ist und endlich auf Blu-ray vorliegt.

Plaion präsentiert Dolores als Mediabook mit Blu-ray, DVD und interessantem Bonusmaterial; Interviews mit Taylor Hackford (6:21 min, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), Kathy Bates (5:31 min) und Jennifer Jason Leigh (4:04 min), sowie der deutsche Trailer (2:02 min), der US-Trailer (2:18 min) und eine Galerie mit 48 Fotos und Plakaten.

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Zeiten des Aufruhrs

Mehr als ein Jahrzehnt nach Titanic traten Kate Winslet und Leonardo DiCaprio gemeinsam in einem weiteren Film auf. Zwar lösen sie auch 2008 Schiffstickets für eine Atlantik-Überquerung, doch damit haben sich auch schon die Gemeinsamkeiten, denn der Regisseur heißt diesmal nicht James Cameron sondern Sam Mendes. Der Brite hatte bereits in seinem oscar-prämierten Kinoerfolg American Beauty die US-Vorstadt alles andere als vorteilhaft dargestellt und haut diesmal – zwar etwas behutsamer aber mindestens genauso treffsicher – in die selbe Kerbe.

In den Fünfzigern führen Frank und April Wheeler mit ihren beiden Kindern ein übersichtliches Leben in der Revolutionary Road eines Vorortes von Connecticut. Während Frank alltäglich für einen öden Bürojob in die City fährt, versucht sich April damit abzufinden, dass sie Hausfrau und keine Schauspielerin ist. An Franks dreißigsten Geburtstag schlägt April vor, noch einmal völlig neu zu beginnen und alle Zelte abzubrechen. Nach anfänglichen Zweifeln ist auch Frank von der Idee angetan nach Paris zu gehen und dort einen Neustart zu wagen. Doch die Realität ist tückisch, denn Frank droht eine Beförderung und April wird schwanger…

Während sich viele Nebenfiguren wie Karikaturen aufführen, spielen Kate und Leo ihre Parts äußerst gradlinig. Sie ist absolut glaubhaft als junge Frau, die noch nicht glauben will, dass sie ihr Leben schon fast hinter sich hat. Bei seinen Wutausbrüchen schimmert gelegentlich das immer noch vorhandene nicht so recht zur Rolle passende Babyface durch. Eine Klasse für sich ist Michael Shannon in der Rolle eines nervenkranken Bekannten, der sich als Einziger traut unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Auf hohem Niveau (und bei niedrigem Erzähltempo) gelang Sam Mendes eine packende Charakter- und Beziehungsstudie, die auch dazu einlädt über die eigene Lebensführung nachzudenken.

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Der Fall Richard Jewell

Mit seiner 39.  Regiearbeit ist Hollywood-Legende Clint Estwood etwas gelungen, was ihm in Anbetracht seines fast schon biblischen Alters (er feierte am 31. Mai 2020 seinen 90. Geburtstag) eigentlich so nicht mehr zuzutrauen war: Eine Kampfansage an den Rechtsstaat USA und die Sensationspresse.

Der Fall Richard Jewell

Der auf einem wahren Fall basierende Film schildert die Geschichte des übergewichtigen Richard Jewell (Paul Walter Hauser) der mit Mitte 30 immer noch bei seiner Mutter Bobi (Kathy Bates) lebt und davon träumt, beim FBI zu arbeiten. Seinen Posten als Hilfssheriff wird er bald wieder los, da sein übereifriges Eingreifen unerwünscht ist. Schließlich landet Jewell als Wachmann bei einer Sicherheitsfirma.

Der Fall Richard Jewell

Auch dort nimmt er seine Arbeit sehr viel ernster als seine Kollegen. So ist es kein Wunder, dass er, nachdem er am 27.Juli 1996 bei einer Massenveranstaltung während der Olympischen Spiele in Atlanta einen liegengelassenen Rucksack entdeckt und Alarm schlägt. Zunächst wird er nicht ernst genommen, doch im Rucksack befindet sich tatsächlich eine Bombe. Nur durch Jewells tatkräftiges Eingreifen bei der Evakuierung kann Schlimmeres verhindert werden, als es letztlich zur Explosion kommt.

Der Fall Richard Jewell

Richard Jewell wird von den Medien als Volksheld gefeiert. Reporter reißen sich um ihn, er erscheint im Fernsehen und auf Titelseiten von großen Zeitungen, sogar ein Buch soll über ihn geschrieben werden. Doch der Ruhm ist nur von kurzer Dauer. Die Fahndungen nach dem Attentäter laufen ins Leere und plötzlich ist Jewell der Hauptverdächtige. Der übergewichtige Loser, der es bisher zu nichts gebracht hat, und einmal im Rampenlicht stehen wollte, soll die Bombe selbst deponiert haben.

Der Fall Richard Jewell

Genauso schnell wie er hochgejubelt wurde, wird er vom Sockel gestoßen, ohne dass es handfeste Beweise gibt. Das Leben der Jewells verwandelt sich in kürzester Zeit in eine Hölle: Presseleute belagern das Haus. FBI-Agenten räumen die Wohnung aus und versuchen mit undurchschaubaren Methoden ein Geständnis aus Jewell herauszupressen. Der vermeintlich Unterbelichtete heuert den Anwalt Watson Bryant (Sam Rockwell) an, der den Kampf gegen die Staatsorgane aufnimmt, um Richards Unschuld zu beweisen.

Der Fall Richard Jewell

Der Film besticht durch eine zurückhaltende, fast sparsame Regie. Clint Eastwood, der mit jedem seiner Filme noch etwas dazuzulernen scheint, weiß, wie man Emotionen erzeugt: Er begibt sich auf Augenhöhe mit den Darstellern. Anfangs wirkt Richard Jewell mit seiner Waffensammlung unterm Bett und seinem naiv blinden Vertrauen in den Rechtsstaat noch etwas lächerlich. Doch mit dem Fortschreiten der Handlung gelingt Paul Walter Hauser das Porträts eines Mannes, dem nicht viel Glück im Leben beschieden ist, der dennoch weitermacht und versucht sich seine Ideale zu bewahren.

Der Fall Richard Jewell

Dass es dem Anwalt- im Film wie im wahren Leben- schließlich gelingt, Richards Kopf aus der Schlinge zu ziehen (ihm hätte im Falle einer Verurteilung der elektrische Stuhl gedroht), ist nur ein scheinbares Happy End. Denn einige Jahre später stirbt Richard Jewell (immerhin endlich in einer Polizeistation angestellt) im Alter von nur 44 Jahren an den gesundheitlichen Folgen seiner Fettsucht- oder an gebrochenem Herzen. Das muss jeder selbst entscheiden.

Der Fall Richard Jewell

Wie einst in seinen Dirty-Harry-Filmen schüttet Clint Eastwood auch in diesem Film seine ganze Verachtung über diejenigen aus, die es in seinem Land mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Das blieb nicht ohne Folgen: So klagen Nachfahren der 2011 verstorbenen Zeitungsreporterin Kathy Scruggs, nun gegen Eastwood, der sie (gespielt von Olivia Wilde) nicht nur als Hauptschuldige der Presse-Schlammschlacht hinstellt, sondern auch zeigt, wie sie einem FBI-Mann für geheime Informationen Sex anbietet.

Der Fall Richard Jewell

Die daraus entstandene Kontroverse sorgte für ein schlechtes Einspielergebnis. Was sehr schade ist, denn Eastwood versuchte mit seinem Film das Richard Jewell und seiner Mutter angetane Unrecht wieder gutzumachen. Es ist ihm gelungen ein Denkmal für Richard Jewell zu errichten.

Matthias Schäfer

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