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Nicolas Mahler & Heinz Wolf: Molch

Da geht ein Gebrauchtwagenhändler in einen Frisiersalon und als gerade erst der halbe Bart abgesäbelt ist, wird sein Barbier entführt. Der Herr mit dem Schaum am halben Kinn erweist sich als denkbar schlechter Zeuge und erweckt schon dadurch das Misstrauen des ermittelnden Kommissars. Noch schlimmer wird es, als ein Frauenmörder die Stadt unsicher macht und diesem auch die Exfrau des Gebrauchtwagenhändlers zum Opfer fällt.

Nicolas Mahler dürfte durch seinen Heizdeckenbewohner Flaschko hinreichend bekannt sein. Sein ebenfalls in Wien tätiger Kollege Heinz Wolf zeichnet in einem weniger minimalistischen Stil, sondern hat einen höchst eigenwilligen Mix aus karikierenden und sehr realistischen Bestandteilen gefunden.

Gemeinsam sind Mahler und Wolf unschlagbar. In ihrem Gemeinschaftswerk Molch (dieses Wort schreibt der Serial Killer mit Blut an die Zimmerwände seiner Opfer) erzählen sie nicht nur von Mord und Todschlag (genau genommen erzählen sie nur höchst selten davon), sondern eher skurrile gelegentlich auch ganz schön traurige Großstadterlebnisse, die erschreckend lebensnah rüberkommen.

Wer mehr von Heinz Wolf sehen möchte, dem sei der Sammelband Die ganze Wahrheit empfohlen, der alle seine für Die Sprechblase entstandenen Comics und Cartoons enthält.  

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Gerhard Förster + Heinz Wolf: Die ganze Wahrheit

Gerhard Förster übernahm 2008 das traditionsreiche Comicfachmagazin Die Sprechblase, das er bis zur im Mai 2025 erschienenen Nummer 250 als Chefredakteur betreute. Doch bereits zuvor war er als Comicjournalist tätig. 

Ab 1984 trat er im Sammlermagazin Comicland als Briefkastenonkel Dr. Sammler auf. Seine Lebenshilfe für (Sprech-)Blasen-Kranke setzte er 14 Jahre später im Fachblatt Hit Comics fort. Als ihm dort die Leserbriefe ausgingen, startete Förster die Comicserie Dr. Sammler bittet zur Couch, die er auch zeichnete.

Wie seine autobiografische Serie Von mir! belegt, ist Förster ein passabler Comiczeichner, dessen großes Vorbild zweifelsohne Robert Crumb ist. Doch auch Förster ist in der Lage aus allem, was ihm am Herzen liegt, einen Comic zu machen.

Doch noch besser wird es, wenn seine Gedanken vom ebenfalls in Wien lebenden Heinz Wolf (Molch) zu Papier gebracht werden. Wolf, dessen großer Durchbruch noch aussteht, ist ein begnadeter Karikaturist und Comiczeichner mit einen unverwechselbar lässigen Zeichenstil.

In seinen zusammen mit Förster entstandenen Geschichten, haust das als Comicfiguren auftretende Duo in dem die österreichische Hauptstadt überragenden Sprechblasen-Tower. Wolf nervt Förster andauernd mit Ideen zu Comic-Jubiläen, die er im Fachblatt abfeiern möchte.

Förster hingegen versucht Wolf davon zu überzeugen, dass sich inmitten von Serien wie Bessy wahre Meisterwerke, der Erzählkunst befinden und dass sie reich werden könnten, wenn es ihnen gelingen würde, den moderigen Geruch alter Hefte in Flakons zu füllen, um an die frische Luft geratene Comicsammlungen zu parfümieren.

Neben seinen Karikaturen von Politikern wie Sebastian Kurz oder dem „Volkskanzler“ Herbert Kickl überzeugt auch Wolfs intimer Einblick in die Entstehungsgeschichte des von Förster getexteten Comics Sigurd – Der Fluch von Rothenstein. Hier muss der Zeichner Martin Frei darunter leiden, dass sein Autor sich in die von ihm geschaffenen Burgfräuleins verliebt hat. Geschichten wie diese gehörten schon lange zwischen zwei Buchdeckel gepresst.

Jetzt ist es endlich geschehen und schon das Titelbild vom Die Sprechblase Sonderband Die ganze Wahrheit ist eine Pracht. Enthalten ist ein Comic, der dieses Buch ankündigt und bereits das Cover enthält. Doch Heinz Wolf hat an dem Motiv mit dem Tribunal weiter gefeilt und es noch schaurigschöner gemacht.

Außerdem sind zusätzlich noch Solocomics von Förster enthalten, sowie etliche ganz köstliche Cartoons von Wolf, an denen Förster nicht beteiligt war. Hinzu kommen Geschichten, die Förster zusammen mit Gabriel Nemeth und Gerhard Schlegel realisiert hat und die ebenfalls um den “allmächtigen“ Hansrudi Wäscher kreisen.

Zum Abschluss sei noch der Herausgeber Gerhard Förster erwähnt, der die Freunde nostalgischer Comics mit liebevoll und sachkundig zusammengestellten Editionen, wie der dreibändigen Ausgabe der Karl-May-Comics von Walter Neugebauer oder der auch aus Fix und Foxi bekannten britischen Westernserie Blut auf der Prärie, erfreut. 

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Blut auf der Prärie

Gerhard Förster übernahm 2008 das traditionsreiche Comicfachmagazin Die Sprechblase, das er bis zur im Mai 2025 erschienenen Nummer 250 als Chefredakteur betreute. Es ist gut, dass Die Sprechblase weiterhin erscheint, doch Förster fehlt, da er durch seinen Enthusiasmus und seiner Freude an der Recherche immer wieder Sachen zum Abdruck brachte, die nicht in einer Comic-Fachzeitschrift zu erwarten waren.     

So kamen in der Sprechblase 247 die ersten Seiten eines bemerkenswerter Westerncomics zum Abdruck. Basierend auf einem Sachbuch von William Wellman erzählt der 1923 in Rom geborene Zeichner Alberto Giolitti in großartigen, sehr plastisch kolorierten, Bildern die Geschichte der Indianerkriege. Anders als bei Wellman endete diese in der Comicversion nicht mit dem Massaker am Wounded Knee, sondern bereits mit der Schlacht am Little Bighorn.

Die Comicserie erschien in Großbritannien ab 1965 in 22 Episoden im Magazin Ranger, in dem Don Lawrence seine Serie Trigan startete. Zehn Jahre später folgte eine Veröffentlichung im britischen Magazin Vulcan, das bei uns in ähnlicher Form unter dem Titel Kobra veröffentlicht wurde und neben Trigan auch Serien wie Die eiserne Hand oder Die Spinne – König des Verbrechens enthielt.

In Kobra wurden allerdings nur 18 Comicseiten von Blut auf der Prärie unter dem Titel Der Grenzkrieg angedruckt. Doch dies war seltsamerweise nicht die erste deutschsprachige Veröffentlichung von Giolitti Westerncomic.

Bereits 1968 erschien die Serie unter dem Titel Die Prärie brennt in Fix und Foxi. Hierbei kamen Giolottis Zeichnungen in Sepia-Farben zum Abdruck. Vom jugoslawischen Zeichner Vjekoslav Kostanjšek wurden die Bilder zudem noch ummontiert und teilweise ergänzt. Diese Version erschien zusammen mit Prosatexten von Peter Wiechmann (Andrax) in der Fix und Foxi-Rubrik Tramp.

In einem völlig zu Recht als Bildschriften Klassiker veröffentlichten Hardcoverband des Verlags bsv präsentiert Förster nicht nur alle 44 Seiten der Originalversion von Giolottis Die Prärie brennt, sondern auch die knapp 30-seitige – laut Förster „großartig geschriebenen und fulminant gezeichneten“ – Wiechmann/Kosta-Version. Hinzu kommen jede Menge Hintergrundinfos, sowie “eine den Inhalt ergänzende Comicrarität aus den USA“.

Es sei noch erwähnt, dass Förster bei bsv eine ähnlich liebevoll editierte dreibändige Ausgabe der Karl-May-Comics von Walter Neugebauer herausgebracht hat. Die Edition von Die Prärie brennt erweckt Hoffnung auf weitere Comic-Großtaten von Gerhard Förster.

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Sigurd – Der Fluch von Rothenstein

Am 7.1.2016 verstarb in Freiburg im Alter von 87 Jahren Hansrudi Wäscher, der Pionier der deutschen Abenteuer-Comics, doch seine Helden sind unsterblich. Der ritterliche Sigurd lebt weiter und erlebt neue Abenteuer. Gerhard Förster veröffentlichte die von ihm getextete Geschichte Der Fluch von Rothenstein zunächst als Fortsetzungs-Serie in seiner Comic-Fachzeitschrift Die Sprechblase.

Sigurd - Der Fluch von Rothenstein

Das Skript entstand in direkter Absprache mit Hansrudi Wäscher, der leider die Fertigstellung der Geschichte nicht mehr erleben konnte. Gerhard Förster hat sich darum bemüht, einen Comic zu schaffen, mit dem auch Leser etwas anfangen können, die noch kein einziges Werk von Wäscher gelesen haben. Dies ist ihm gelungen, denn die Geschichte, die Sigurd zusammen mit seinen Gefährten Bodo und Cassim erlebt, ist ein gradlinig erzähltes Abenteuer mit schönen Frauen,  geflügelten Höllenhunden und einem Reiter mit Totenkopf.

Sigurd - Der Fluch von Rothenstein

In Szene gesetzt wurde Der Fluch von Rothenstein vom erfahrenen Zeichner Martin Frei, der regelmäßig im deutschen MAD vertreten ist. Mit Zweierlei Blut zeichnete er nach dem Drehbuch von Felix Huby und Fred Breinersdorfer einen Comic mit Tatort-Kommissar Schimanski. Auch durch sein bei Panini erschienenes Horror-Album Lanternjack qualifizierte sich Martin Frei . Sigurd – Der Fluch von Rothenstein überzeugt dank Freis sicherem Strich und seiner prächtigen Kolorierung , aber auch  durch die spannende Geschichte von Gerhard Förster.

Sigurd - Der Fluch von Rothenstein

Die Gesamtausgabe von Der Fluch von Rothenstein erschien in einer schönen 96-seitigen Hardcover-Ausgabe bei der neu gegründeten Edition Sprechblase. Die Geschichte wurde hierfür noch einmal etwas überarbeitet und durch einen zuvor noch nicht veröffentlichten vierseitigen Epilog ergänzt, sowie durch ein umfangreiches Making Of.

Sigurd - Der Fluch von Rothenstein

Sigurd – Der Fluch von Rothenstein liegt bereits in der zweiten Auflage vor, sowie in einer auf 111 Exemplare limitierten Sonderedition mit einem von Martin Frei signierten Druck und einem Variant-Cover, das sich an klassischen Filmplakaten orientiert.

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