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EPiC: Elvis Presley in Concert

1969 drehte Elvis Presley den letzten seiner 31 Kinofilme, die zwar erfolgreich waren, doch den King von 1961 bis 1969 davon abhielten, Konzerte zu geben. Dies änderte sich schlagartig, als er im Sommer 1969 damit begann teilweise mehrmals täglich im International Hotel in Las Vegas aufzutreten. Bis zu seinem Tode gab Elvis mehr als 1.000 Konzerte, leider nur in Nordamerika.

Als Baz Luhrmann 2022 für seinen erfolgreichen Kinofilm Elvis nach Filmmaterial von diesen Auftritten suchte, machte er reiche Beute. In den Filmarchiven von Warner, die sich in Salzminen in Kansas befinden, wurden 68 Kisten mit 35-mm- und 8-mm-Filmmaterial entdeckt. Peter Jacksons Park Road Post Production hatte zuvor schon Filmmaterial aus dem Ersten Weltkrieg für die Doku They Shall Not Grow Old und Beatles-Aufnahmen mit erstaunlichen Resultaten restauriert.

Auch die Auftritte von Elvis wirkten nach der Bearbeitung wie gestern gedreht. Gemeinsam mit dem irischen Cutter Jonathan Redmond gelang Baz Luhrmann mit EPiC: Elvis Presley in Concert ein erstaunlicher 96-minütiger Film. Dieser funktioniert durch die interessanten Bilder und die ebenfalls restaurierten O-Töne als Doku, zeigt aber auch immer wieder den begnadeten Showman.

Nach einem kurzen zehnminütigen Prolog, der durch gut gewählte Filmausschnitte belegt, was für seichte Kinokost Elvis dreizehn Jahre lang in Hollywood drehte, dokumentiert Luhrmann mit welcher Power dieser danach performte. Mitten im Song wechselt der Film immer wieder scheinbar nahtlos von der intimen Probe direkt zum umjubelten Livekonzert.

Dabei ist ein erstaunlich entspannter Elvis zu erleben, der scheinbar mühelos auch interessante Coverversionen zu Yesterday von den Beatles oder Bridge over Troubled Water von Simon & Garfunkel gesungen hat. Ob es im Nachspann auch noch das Elvis-Gedicht American David von Bono gebraucht hätte, ist Geschmackssache.     

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Australia

Epische Kino-Melodramen wie Vom Winde verweht oder Dr. Schiwago standen eindeutig Pate als Baz Luhrmanns (Moulin Rouge) 2008 sein Nationalepos Australia mit Nicole Kidman und Hugh Jackman auf die große Kinoleinwand brachte. Der fast dreistündige Film war fast überall ein großer Erfolg, nur in den USA nicht.

Als Tom Hanks bei den Dreharbeiten zu Elvis an Corona erkrankte und die Produktion brachlag, nutze Luhrmann die Zeit, um die seinerzeit nicht verwendeten Szenen zu sichten und an einer neuen Version von Australia zu arbeiten. Das Resultat ist die aus sechs unterschiedlich langen „Kapiteln“ bestehende Miniserie Faraway Downs, die bei uns auf Disney+ unter dem Originaltitel Australia läuft.

Der auffälligste Unterschied ist – abgesehen von den oft etwas abgehackt wirkenden Szenenwechseln – gleich am Anfang zu sehen, denn der neue Vorspann wurde von Aborigine-Kreativkräften gestaltet. Ansonsten ist die ganze Sache eine Stunde länger und Luhrmann hat ein anderes Ende verwendet. Auch die Serie zeigt imposante Aufnahmen von Naturkulissen, durch die Touristen nach Australien gelockt werden sollen.

Der Musical-Fan Luhrmann hat aber auch Gesang und Tanz in die Handlung geschmuggelt. So intoniert Frau Kidmann zum Troste des kleinen Aborigine-Jungen Nullah (Brandon Walters) ziemlich schräg Somewhere over the Rainbow und zum großen Ball taucht der ansonsten im Film eher das legere Raubbein gebende Jackman plötzlich frisch rasiert und im schmucken Anzug auf.

Luhrmann versucht mit Australia fast die gesamte jüngere Geschichte seiner Heimat aufzuarbeiten. Dabei glorifiziert er nicht nur die trinkfesten Einwohner, sondern erzählt auch von jenen seinerzeit aus ihren Familien verschleppten Aborigines. Die Geschichte von der steifen britischen Lady hingegen, die es wegen der Farm araway Downs nach Australien verschlagen hat und die langsam aber sicher dem rauen Charme des Naturburschens verfällt, ist zwar nicht eben neu, gibt den beiden Hauptdarstellern aber Gelegenheit zu allerlei charmanten Mätzchen.

Das Resultat war ein bombastisches Filmepos, das stilsicher Kitsch, Humor, Pathos, Action, Romantik und großartige Bilder zu einem Gesamtkunstwerk vermengte. Dennoch sehnte ich mich seinerzeit im Kino nach knapp drei Stunden langsam nach einem Ende, doch Luhrmann kleisterte weiterhin eine spektakuläre Szene an die nächste. Auf Disney+ kann Australia jetzt wohldosiert genossen werden. Möglicherweise geht es sogar weiter, denn der verlängerte Film wird als “Staffel 1“ bezeichnet.

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