William & Meriwether auf wundersamer Expedition

Zwei Gestalten verlassen durch eine große Mauer eine gewaltige Stadt. Sie durchstreifen eine dürre Wüste und betreten schließlich einen dichten Wald. Eine Großaufnahme zeigt, dass es sich bei dem Duo keineswegs um Menschen handelt, sondern um Roboter. Obwohl beide einer identischen Baureihe angehören, sind sie gut zu unterscheiden, denn Meriwether trägt den Hut eines Abenteuers und der vorsichtige William ein Regencape.

Bei ihrer Forschungsreise stoßen sie auf Artefakte, deren Bedeutung ihnen verborgen bleibt. Sowohl ein Regenwurm als auch ein In-Ear-Headset sind für den Wissenschafts-Roboter William “Drähte mit unterschiedlicher Biegsamkeit“. Menschliche Knochen hingegen katalogisiert der er als “Gebilde aus mineralisierten Strukturen“ und einen Totenschädel als “hohlen, ellipsoiden Körper mit unbekannter Funktion“.

Ganz offensichtlich sind die beiden Roboter unterwegs durch eine einst von Menschen bevölkerten USA, die sie erkunden, ähnlich wie Anfang des Neuzehnten Jahrhunderts ihre Namensvettern Captain Meriwether Lewis und William Clark. Doch der Comic verbreitet trotz seiner postapokalyptischen Szenerie keine Tristesse. Vielmehr ist es sehr ulkig und teilweise auch erstaunlich “menschlich“, wenn sich der rationale William mit dem weniger komplex programmierten Meriwether streitet aber auch immer wieder versöhnt.

Um einen Comic im eigentlichen Sinne handelt es sich bei William & Meriwether auf wundersamer Expedition nicht. Vielmehr ist es ein Bilderbuch, bei dem die Texte von Taťána Rubášová unter den Illustrationen von Jindřich Janíček angeordnet sind. Rubášová erzählt meist aus der Sicht des vorsichtig beobachteten Williams, lässt diesen aber auch gelegentlich schwächeln und Meriwether zu Wort kommen. Doch die Rollen des Duos sind nicht in Stein bzw. Metall gemeißelt, denn: „Die Werkseinstellungen sind nicht alles, jeder kann aus seinem Programm ausbrechen, wenn seine Motivation stark genug ist.“

Die sehr kontrastreich kolorierten meist großformatigen Bilder von Jindřich Janíček laden bei der Lektüre zum Entdecken ein, denn die eigentlich vertrauten Fundstücke der Roboter haben durch die grelle Farbgebung oft einen ungewohnten Look. Der avant-verlag hat bei seiner deutschen Edition gleich zwei Alben der tschechischen Serie zwischen die Buchdeckel gepackt und ermöglich dadurch eine deutlich verlängerte “wundersame Expedition“.

Nachdem in Tschechien ist bereits ein dritter Band erschienen ist, arbeiten Taťána Rubášová und Jindřich Janíček an einem weiteren Abenteuer von William & Meriwether.

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