Titus Ackermann, Jonas Greulich und Thomas Gronle-Legron sind MOGA MOBO. Unter diesem Titel erscheinen seit 1994 Gratis-Comics. Dabei handelte es sich zunächst um schwarzweiße Hefte, doch dann begannen die Macher mit Form und Inhalt zu experimentieren. Sie brachten sie z. B. ein Paperback heraus, das einseitige Comicadaptionen von 100 Meisterwerken der Weltliteratur enthielt.
Das Trio stemmt weiterhin “kulturelle Herzensprojekte“ wie “Illustrationen, Kinderbücher, Filme, Online Games, Animationen, Webseiten und Messestände“. Mittlerweile sind auch Graphic Novels hinzugekommen. So enthielt die Ausgaben 118 bis 121 von MOGA MOBO die fortlaufende, preisgekrönte Comicgeschichte Was vom Leben übrig blieb, in der Titus Ackermann auf insgesamt knapp 200 Seiten von seinem Großvater erzählt, der sich nicht entnazifizieren ließ.
Thomas Gronle-Legron brachte jetzt ebenfalls eine Graphic Novel heraus, beschritt dabei aber formal und inhaltlich andere Wege. Sein ebenfalls knapp 200-seitiger Comic Das Ritual erscheint mit dem Label von MOGA MOBO auf dem Cover für 29 Euro als Hardcover bei der Edition 52. Die Geschichte stammt nicht von Gronle-Legron, sondern basiert auf dem nicht verfilmten Drehbuch Der Nachtportier von Aron Craemer (SommerHundeSöhne).
Ob das deutsche Kino mit Craemers wild fabulierter Story klargekommen wäre, werden wir wohl leider nie erfahren. Für Thomas Gronle-Legron war die Geschichte jedoch die Steilvorlage für einen nicht nur optisch, sondern zum Glück auch erzählerisch, faszinierenden Comic. Ein internationaler Dämonenkult fordert alle 107 Jahre an ausgewählten Orten auf der Welt bei Sonnenaufgang seine Opfer ein. Zuletzt geschah dies 1912 an Bord der Titanic.
2019 ist das Zielobjekt der finsteren Gestalten jener Großstadt-Plattenbau, in der Jan seine alkoholkranke Mutter pflegt. Jan arbeitete als Nachtportier direkt gegenüber im Hotel mit dem zweifelhaften Namen “Alpenblick“. Bei Dienstantritt muss Jan feststellen, dass dort neben der Führungsriege des Kults auch zahlreiche Dämonen-Schlachtenbummler im Grufti-Look einchecken, die das blutige Ritual nicht versäumen wollen.
An seinem Arbeitsplatz wäre Jan eigentlich in Sicherheit. Doch er hat ein großes für die Sozialfälle und armen Seelen im Wohnblock, zu denen nicht nur seine Mutter gehört. Verzweifelt und meist vergeblich versucht er seinen drogensüchtigen Freund Loddel, den kleinen Trompeter Philipp, aber auch den sich großkotzig gebenden Dealer Dirk zu retten. Dabei lernt er die unglücklich verheiratete Dämonin Lacrima kennen und beide verlieben sich…
Wenn Comics auf “expressive schwarzen Linien und gezielte Zweifarbigkeit“ setzen, leidet meist die Lesbarkeit darunter. Doch Thomas Gronle-Legron gelingt es mit seiner schrägen Optik eine Geschichte zu erzählen, die an die besten Momente aus den Filmen von Edgar Wright, wie die zweite Hälfte von The World’s End denken lässt.
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