Diese 2014 gestartete BBC-Serie bekam bei uns den nicht völlig unpassenden Zusatztitel “In einer kleinen Stadt“. Im Zentrum steht die im nordenglichen knapp 100.000 Einwohner zählenden Hallyfax tätige Polizistin Catherine Cawood (Sarah Lancashire), die ein nicht eben sonniges Gemüt hat.
Doch dafür gibt es sehr gute bzw. ungute Gründe. Nachdem Catherines Tochter vergewaltigt wurde, brachte sie einen Jungen zur Welt und beging anschließend Selbstmord. Den Enkel zieht die geschiedene von ihren Sohn entfremdete Catherine wie eine Mutter groß. Nicht eben einfach gestaltet sich zudem das Zusammenleben mit ihrer ehemals alkohol- und drogenabhängigen Schwester Clare (Siobhan Finneran).
Die erste Staffel von Happy Valley schildert, wie Catherines ohnehin schon nicht gerade idyllische Welt davon bedroht wird, dass Tommy Lee Royce (James Norton), der aus dem Gefängnis entlassene Vergewaltiger ihrer Tochter, Anspruch auf seinen Sohn anmeldet. Die von Sally Wainwright konzipierte Serie erzählt aus einem finsteren Leben ohne allzu viel Hoffnung. Nahezu alle männlichen Charaktere sind negativ gezeichnet. Die Hauptfigur Catherine versucht nicht zum Opfer zu werden und zu retten, was zu retten ist. Dabei geht es teilweise (speziell in der vierten der sechs Episoden) ganz schön hart zu.
Da die Einschaltquoten und Kritiken zu Happy Valley mehr als zufriedenstellend ausgefallen sind, entstand 2016 eine zweite Staffel, die ebenfalls aus sechs Episoden besteht. Diese ist nicht minder spannend, doch insgesamt vielleicht ein wenig versöhnlicher ausgefallen. Neben einigen geschickt verzahnten Kriminalfällen wird hauptsächlich davon erzählt, wie die dysfunktionale Familie Cawood dem Druck von außen nicht nur standhält, sondern dadurch enger zusammenrückt. Es kam ein wenig menschliche Wärme ins finstere Tal in West Yorkshire und es blieb zu hoffen, dass dies so bleibt.
Doch die 2023 nachgereichte dritte Staffel konfrontiert die kurz vor ihrer Pensionierung stehende Catherine erneut mit einer Unmenge von neuen Problemen. So geht vor ihren Augen eine junge Mutter langsam daran zugrunde, dass ihr als Lehrer tätiger Ehemann sie immer wieder verprügelt. Ein Apotheker, der ebenfalls zwei kleine Töchter hat, versorgt sie gratis mit rezeptpflichtigen Betäubungsmitteln und lässt sich dafür mit Sex bezahlen.
Mit Entsetzten muss Catherine zudem feststellen, dass ihre Schwester Clare es hinter ihrem Rücken möglich gemacht hat, dass ihr sechzehnjähriger Enkel Ryan (Rhys Connah) den zu lebenslanger Haft verurteilten Tommy Lee Royce im Gefängnis besuchen darf. Die in Happy Valley gezeigten Probleme und Krisensituationen sind sehr alltagsnah. Dass die Serienschöpferin Sally Wainwright diese aufs Heftigste eskalieren lässt, macht anschaulich, was alles in unserer Gesellschaft nicht funktioniert.
Die Blu-ray-Edition der dritten Staffel von Polyband enthält neben den sechs Episoden noch die Dokumentationen „Ein weltweiter Hit“ (5:38 min) und „Wie werden unvergessliche Charaktere erschaffen“ (5:54 min).
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