In den Sechzigern besichtigte der 18-jährige Steven Spielberg einige Male als Tourist die Universal Studios. Er fuhr zunächst zusammen mit einer Besuchergruppe per Bus entlang der Drehorte und Ateliers. Anschließend versteckte er sich auf einer Toilette bis sein Bus weitergefahren war und erkundete das Studiogelände auf eigene Faust.
In diesem Buch ist zu erfahren, dass Spielberg in den Universal Studios eines Tages Alfred Hitchcock bei laufenden Dreharbeiten beobachtete und sich heranschlich, um etwas zu lernen. Doch der britische Meisterregisseur “mit seinem wachen Blick für Details“ erkannte sehr schnell, dass Spielberg dort nicht zu suchen hatte und ließ ihn entfernen. Der spätere Erfolgsregisseur erkannte: “Wenn ich jemals wieder die Studios besuchen wollte, blieb mir nur der offizielle Weg.“
1971 sollte Steven Spielberg die Pilotfolge zur ersten Staffel von Columbo drehen. Doch angeblich weigerte sich Peter Falk zwei Monate lang einen 24-jährigen Frischling als Regisseur zu akzeptieren. “Doch nachdem er sich meine anderen TV-Arbeiten angesehen und erkannt hatte, wozu ich fähig war, gab er seinen Widerstand auf.“
Peter Falk sollte dies nicht bereuen, denn Spielberg gab sich große Mühe. Angeblich ztug es sich so zu: “Ich stand auf der anderen Straßenseite und filmte mit Zoom, um alle Autos im Bild zu haben und gab dem Ganzen etwas Kino-mäßiges, was Peter überaus gefiel, er erzählte es überall herum.“
Die hier genannten Zitate stammen nicht wirklich von Steven Spielberg, sondern von Améziane Hammouch, der zu Beginn der Siebziger in Frankreich geborenen wurde. Nachdem er einige von Sybille Titeux geschriebene Comics, wie eine Biografie zu Muhammad Ali oder eine Adaption von George Orwells 1984 als Amazing Améziane gezeichnet hatte, realisierte er im Alleingang Graphic Novels über die Regisseure Quentin Tarantino, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Sergio Leone und Steven Spielberg.
Hierfür hat er intensiv recherchiert und findet immer wieder interessante Ideen, um auf originell layouteten Doppelseiten zu erzählen. Bei der Lektüre von Amézianes Biografie zu Spielberg hatte ich den Eindruck, der Schöpfer von E. T. und Indiana Jones würde seine Erinnerungen direkt mit mir teilen und dabei einige Geheimnisse – wie seine kurze Begegnung mit Hitchcock oder Peter Falks zwei Monate lang anhaltenen Bedenken – erstmals ausplaudern.
Zwar ließ Spielberg die Columbo-Episode Murder by the Book (Tödliche Trennung) 1971 zum Ärger des für Spartacus mit dem Oscar prämierten Kameramanns Russell Metty sehr ideenreich und aufwändigig in Szene setzen. Die von Amazing Améziane im Comic beschriebene Zoom-Szene mit unscharfen Autos ist nicht enthalten. Außerdem sind sich Spielberg und Hitchcock nie begegnet.
Erst auf der letzten Seite dieses Buchs ist zu erfahren, dass “um der Dramatisierung willen (…) einige Aussagen und manchmal die Art, wie Personen sich verhalten, erfunden“ wurden. Anscheinend kann auch Amazing Améziane sehr gut inszenieren.
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