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Emma und Amir: Im Schatten des Terrors

Die Zeichnungen von Bianca Schaalburg (Der Duft der Kiefern) sehen auf den ersten Blick etwas krickelkrackelig aus. Daher brauchte ich eine Weile, bis ich mich auf diesen Comic eingelassen habe. Doch die ersten Seiten zogen mich sofort in den Bann. Hier beschreibt Schaalburg, wie die Berlinerin Emma und der Deutsch-Iraker Amir sich ein Jahr lang an denselben Orten aufhalten ohne sich zu begegnen.

Während Emma in einem Badeschiff in der Spree schwimmt, sitzt Amir zusammen mit seinem Hund Hammett dumpf brütend in unmittelbarer Nähe auf dem Deck der MS Hoppetosse. Während Emma im Prinzenbad in Kreuzberg im 50-Meter-Sportbecken ihre 20 Bahnen schwimmt, geht Amir dort hinten auf die Liegewiese und genießt die friedliche Sommerstimmung.

Während Emma in der ehemaligen Männerschwimmhalle des Neuköllner Hallenbads Ganghoferstrasse ihre Runden schwimmt, sitzt Amir zur selben Zeit am selben Ort in der ehemaligen Frauenbadehalle und begibt sich nur sporadisch ins Wasser. Er macht sich sorgen um seinen kranken Hund, den er kurz darauf einschläfern lassen muss.

Diese ersten knapp zwanzig Seiten des Comics sind meisterlich erzählt und stimmungsvoll in Szene gesetzt. Wenn danach eine Bombe explodiert, die Polizei einen islamistischen Anschlag vermutet, Amir in Verdacht gerät, der Polizei entkommt und Emma als Geisel nimmt, geht es rasant und überraschend weiter.

Die junge Frau genießt die Situation und am nächsten Morgen ist es Amir, der gefesselt aufwacht, während Emma ihm einen Kaffee bringt. Mit witzigen Dialogen hält Bianca Schaalburg spielerisch die Balance zwischen Krimispannung und Romanze. Nachdem sich Amir im Laufe der weiteren Verwicklungen seinen Bart abrasiert, entdeckte Emma, dass dieser “ein Grübchen im Kinn wie Cary Grant“ hat.

Spätestens hier wird klar, dass Schaalburgs große Vorbild für Emma und Amir der Filmklassiker Charade mit Cary Grant und Audrey Hepburn ist. Daher spielt sich die Handlung der zweiten Hälfte des Comics am Charade-Schauplatz Paris ab.

Der etwas kompliziert konstruierte Plot um ein internationales, rechtspopulistisches Komplott verdrängt die so schön erzählte Romanze immer mehr. Was etwas schade ist, doch den positiven Gesamteindruck von Schaalburgs Comic kaum trübt.

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