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Alexander Braun: ICH, DAS TIER – Vom bösen Wolf bis Donald Duck

»Es ist verblüffend, wie wenig sich bislang die Literatur- oder Kunstgeschichte mit dem Motiv des vermenschlichten Tiers im Comic beschäftigt hat. Eine ganze Traditionslinie von Goethe über Jean de La Fontaine bis zurück zu Aesop in der Antike kennt die Literaturform der Fabel oder volkstümlichen Märchendichtung. Der Comic des 20. und 21. Jahrhunderts ist diesbezüglich die Quintessenz, ein gigantisches finales Feuerwerk.«

Es ist aber auch verblüffend, dass Alexander Braun, von dem dies Zitat stammt, bereits ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung von Black Comics einen weiteren voluminösen Katalog samt Ausstellung präsentiert. Diese erlebt diesmal ihre Premiere nicht im schauraum comic + cartoon in Dortmund, sondern wird zum zehnjährigen Jubiläum der GRIMMWELT in Kassel gezeigt.

Im Zentrum steht die Darstellung von vermenschlichten Tieren in Märchen und Comics. Diesem Thema widmet sich Braun in fünfzehn Kapiteln, die sich mit Themenkomplexen, aber auch mit einzelnen Künstlern beschäftigen. Zum Auftakt geht es um die im 19. Jahrhundert sehr populären Bilderbögen, die sehr oft auch Märchen in comicähnlicher Form nacherzählten.

Es folgt das Kapitel “Frankreich“, dessen Schwerpunkt Edmond-François Calvos großartig bebildertes, 1944 unter abenteuerlichen Bedingungen im von den Deutschen besetzten Land veröffentlichtes Buch “Die Bestie ist tot – Der Zweite Weltkrieg bei den Tieren“ bildet. Braun lobt zwar Calvos Artwork, hat aber einige Bedenken bezüglich der Erzählung von Viktor Dancette, die zwar das Ende des Weltkriegs prophezeite, aber nicht frei von gefährlichen Vereinfachungen ist. Bei komplexen historischen Themen gerät die Fabel an ihre Grenzen. Nicht alle Deutschen waren aggressive Wölfe und nicht alle Franzosen arme hilflose Kaninchen.     

Im nächsten Kapitel “USA“ beschäftigt sich Alexander Braun erneut mit der Geschichte der Zeitungscomics und lässt noch intensivere Betrachtungen zu George Herriman, den Schöpfer von Krazy Cat, und zu Gus Dirks folgen. Dieser war der deutschstämmige, sehr viel talentiertere Bruder von Rudolph Dirks, der mit seine Serie The Katzenjammer Kids große Erfolge feierte. Doch nicht minder populär waren die im Insektenreich angesiedelten Bildgeschichten von Gus Dirks, der 1902 – als seine Werke bereits landesweit veröffentlicht wurden – im Alter von nur 21 Jahren Selbstmord beging.

Natürlich darf in diesem Buch auch Walt Disney nicht fehlen und Braun liefert auf 24 Seiten eine opulent bebilderte Analyse von dessen frühen Zeichentrickfilmen. Nahezu denselben Umfang räumt Braun aber auch dem “Duckman“ Carl Barks ein. Über den Schöpfer von Onkel Dagobert und der Welt von Entenhausen zu schreiben ist für ihn “immer wieder aufs Neue ein ganz besonderes und sehr emotionales Vergnügen.“ Daher habe ich hier allerlei interessante Details und Abbildungen gefunden, die mir neu waren.

Zum Abschluss noch die zweite Hälfte des Buchs im Schnelldurchlauf: Hier geht es um die Cartoons und die zugehörigen Comicadaptionen von Warner Bros. (Looney Tunes) und Hanna-Barbera (Familie Feuerstein), Walt Kellys bei uns leider kaum bekannte Serie Pogo, den unglaublich populären Comic-Kater Garfield und seinen Schöpfer Jim Davis, Bryan Talbots Grandville, Fables von Bill Willingham und Mark Buckingham, um “Wölfe“ (Schwertpunkt: Disneys Drei kleine Schweinchen), Stehaufmännchen und Roy & Al von Ralf König, sowie um Josephine Marks fabelhaften Comic Trip mit Tropf.       

Ein märchenhaftes Buch!

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Ralf König: Roy & Al

Einst hieß er Fiffi von Hirschberg, wohnte bei einer netten alten Dame und hörte den ganzen Tag klassische Musik. Doch nachdem sein Frauchen das Zeitliche segnete, landete der kleine weiße Zwerchfell-Terrier bei ihrem schwulen Sohn und erhielt zu Ehren des Porno-Darstellers Al Parker seinen neuen Vornamen.

Ralf König: Roy & Al

Jetzt muss der arme Al den ganzen Tag Techno und Rosenstolz hören. Noch schlimmer wird es als sein neues Herrchen einen festen Partner findet und dieser auch noch die Promenadenmischung Roy mit in den gemeinsamen Hausstand bringt.

Ralf König: Roy & Al

Al beäugt und kommentiert sehr bissig und kritisch das (Paarungs-) Verhalten seines „Dosenöffners“. Er hat ganz schön daran zu knabbern, dass es ihm nicht gelingt zwecks Zuchterfolges die blaublütige Zwerchfell-Terrierin Dolly von Veilchental zu begatten. Noch schlimmer wird es als daraufhin der alte Bastard Roy für ihn einspringt. Auch der Verdacht die rechte unterste Rippe von Cher verspeist zu haben lastet schwer auf Al. Mit den farbig kolorierten immer sehr pointensicheren Episoden aus Als Hundeleben zeigte sich Ralf König 2004 einmal mehr auf der Höhe seiner Kunst.

Pets

Doch es sollten 16 Jahre ins Land ziehen, bis es zu einer Wiederbegegnung mit dem ungleichen Hunde-Duo kam. Zuvor bildeten bereits im Animationsfilm Pets der Jack Russel Terriers Max und der sehr viel größere zottelige Neufundländer Duke ein erstaunlich ähnliches Team.

Ralf König: Roy & Al

Doch in Roy & Al machen Männchen geht es weniger jugendfrei zu. Ralf König lässt den kleinen weiße Zwerchfell-Terrier wieder ganz schön leiden. Das Hündchen muss miterleben, wie seine Herrchen versucht mit einer lesbischen Freundin Nachwuchs zu zeugen. Dabei geht alles schief und nach einigen ähnlichen Erlebnissen bricht Al auf um ein neues Heim zu finden, doch das ist nicht so einfach.

Ralf König: Roy & Al

Eine der Höhepunkte von Als Odyssee ist eine köstliche Parodie auf Disneys Susi und Strolch. Hoffentlich dauert es nicht wieder 16 Jahre, bis es weitergeht mit Roy und Al!

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