Schlagwort-Archiv: Paul Schrader

Yakuza

Eigentlich sollte dieser Film, dessen Drehbuch von den Meistern ihres Fachs Robert Towne (Chinatown) und Paul Schrader (Taxi Driver) stammt, ein ganz anderer werden. Martin Scorsese hätte gerne inszeniert, doch den kannten 1974 fast nur Insider. Die Hauptrolle sollte Lee Marvin spielen und als Sidney Pollack die Regie übernahm, brachte der seinen Kumpel Robert Redford ins Gespräch.

Mediabook A

Doch schließlich spielte Robert Mitchum jenen Harry Kilmer, der es in Japan mit der Yakuza zu tun bekommt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Kilmer als US-Soldat der alleinerziehenden Eiko beigestanden und sich in sie verliebt. Als deren Bruder Ken aus dem Krieg zurückkehrte, war dieser entsetzt, dass sich Eiko mit dem Feind eingelassen hat.

Ken war zugleich aber auch Harry für die Unterstützung seiner Schwester und Nichte so dankbar, dass ihn dieser Konflikt in die Arme der kriminellen Yakuza trieb. Da Eiko ihn nicht heiraten wollte, kehrte Kilmer in die USA zurück. Doch als die Tochter seines Ex-Kriegskamerad George Tanner (Brian Keith) in Tokio von der Yakuza entführt wurde, sieht sich Kilmer gezwungen erneut nach Japan aufzubrechen…

Dass Robert Mitchum die Rolle des Harry Kilmer übernommen hat, tat Yakuza gut, zumindest aus heutiger Sicht. Doch seinerzeit wollte sich kaum jemand den Film anschauen, obwohl es großartig ist Mitchum dabei zuzusehen, wie er mit einer Seelenruhe zahllose Familienfehden über sich ergehen lässt.

Mitchum war dafür bekannt, dass er am Rande der Seiten seiner Drehbücher sehr häufig „NAR“ notierte. Diese Abkürzung steht für „No Acting Required“ und bedeutet, dass er in den entsprechenden Szenen nicht schauspielern, sondern einfach nur Robert Mitchum sein musste. Dennoch entsteht der Eindruck, dass sich hinter den steinernen Mienen der von ihn verkörperten Charakteren, wie dem US-Marine-Kommandeur Victor „Pug“ Henry im Miniserien-Epos Der Feuersturm, ganz große Gefühle und Leidenschaften verstecken.

So auch in Yakuza. Völlig glaubhaft vermitteln Mitchum und Sidney Pollack, dass hier mit Harry Kilmer ein Meister der Selbstbeherrschung alles im Griff. Wer jedoch meint, dass Kilmer alias Mitchum inmitten seiner japanischen Angelegenheiten nicht einmal den kleinsten Finger rührt, den überzeugen Schrader und Towne in ihrem Drehbuch vom Gegenteil, denn wer in Japan in Sachen Abbitte bzw. Yubitsume unterwegs ist (VORSICHT, SPOILER), der praktiziert gelegentlich auch Selbstamputation…

Mediabook B

Bei Plaion ist ein wie immer sehr schönes Mediabook mit Blu-ray und DVD erschienen. Es enthält dieses Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Sydney Pollack (ohne deutsche Untertitel), „Promises to Keep” -. Featurette von 1974 (19:26 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), US-Trailer (3:01 min) und eine Bildergalerie. Diese Edition gibt es mit zwei verschiedenen Covern.

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Der Mann mit der Stahlkralle

Emotional distanziert und traumatisiert kehrt Charles Rane 1973 nach sieben Jahren Kriegsgefangenschaft aus Vietnam in seine texanische Heimat zurückkehrt. Nichts ist mehr, wie es war. Seine Frau und sein Sohn haben ein neues Leben begonnen. Doch dann wird die Familie Opfer eines brutalen Raubüberfalls, den der an der Hand verstümmelte Rane als einziger überlebt. Mit Stahlkralle und abgesägter Schrotflinte begibt er sich auf einen blutigen Rachefeldzug…

Der Mann mit der Stahlkralle

Ein Jahr nachdem er das Drehbuch zu Taxi Driver schrieb, beschäftigte sich Paul Schrader in Der Mann mit der Stahlkralle (ein ziemlich blöder deutscher Titel, im Original heißt der Film Rolling Thunder) mit dem Schicksal von Vietnam-Heimkehrern. Im Gegensatz zu John Rambo kehrt Charles Rane in ein recht luxuriöses Leben zurück, denn seine Heimatstadt hat für ihn gesammelt. Er bekommt einen neuen Cadillac und 2555 Silberdollar, einen für jeden Tag, den er in vietnamesischer Gefangenschaft verbrachte. Mit der attraktiven Linda (sehenswert: Linda Haynes) ist bereits ein äußerst attraktiver Ersatz für seine Ehefrau in Sicht.

Der Mann mit der Stahlkralle

Doch auch ohne den brutalen Raubüberfall hätte Charles Rane reichlich Schwierigkeiten gehabt, sich im Alltag wieder zurechtzufinden und schottet sich gegen seine Mitmenschen ab, was der klobige William Devane (Alfred Hitchcocks Familiengrab, The Dark Knight Rises) in der Hauptrolle sehr sensibel rüberbringt. Richtig ausleben kann sich erst, als er am Ende des Films zusammen mit einem Army-Kumpel (lässt es in einer frühen Rolle richtig krachen: Tommy Lee Jones) in voller Uniform und bestens bewaffnet ein Bordell stürmt.

Der Mann mit der Stahlkralle

Es ist nicht verwunderlich, dass diese mitreißende Mischung aus Drama, Erotik und blutiger Action einer der Lieblingsfilme von Quentin Tarantino ist und dieser ihn in seinem Sachbuch Cinema Speculation ausgiebig analysiert.

Der Mann mit der Stahlkralle

Extras der Blu-ray: Audiokommentar von Paul Schrader (ohne deutsche Untertitel), Interview mit Darstellerin Linda Haynes (10:03 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), Bildergalerie mit 34 Fotos und Plakaten, US-Trailer (2:06 min), wahlweise mit Kommentar von Eli Roth, TV-Spot (0:30 min)

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