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Ully Arndt: Der goldene Handschuh

Als Heinz Strunk (Fleisch ist mein Gemüse, Ein Sommer in Niendorf) für einen Roman über Fritz Honka recherchierte, wurde ihm sehr schnell klar, dass es „des Schlechten zu viel gewesen“ wäre, wenn er sich bei seiner Geschichte ausschließlich den Hamburger Serienmörder konzentrieren würde. Ihm gelang ein erstaunliches, oft auch sehr skurriles Buch, über die sehr unterschiedlichen Besucher der St.-Pauli-Absturzkneipe Der goldene Handschuh, zu denen auch Fritz Honka gehörte.

Als Strunks Bestseller fürs Kino adaptiert wurde, erzählte Regisseur Fatih Akin seinen Film nahezu komplett aus Honkas Täter-Perspektive. Detailgenau, dreckig und blutig stellte er dessen menschenverachtende Untaten zur Schau.

Der die Comicserie Ottifanten produzierende Illustrator Ully Arndt nahm bereits 2017 Kontakt zu Heinz Strunk auf und zeigte ihm einige Entwürfen für eine Handschuh-Adaption als Graphic-Novel. Strunk war davon sehr angetan.

Neun Jahre später liegt nun ein hundertseitiger Comic vor, dem ein zweiter Teil folgen soll. Im Gegensatz zu Akin interessierte sich Arndt eher weniger für den Serial Killer. Genau wie in Strunks Roman geht es ihm bei seiner Adaption um die Siebziger, eine Zeit “zwischen Nachkriegstristesse und Moderne“, wie es so schön auf der Rückseite des Comicalbums heißt.

In einem sehr eigenständigen Stil setzt Arndt nicht nur Honkas Morde in Szene, sondern erzählt auch äußerst werkgetreu und nicht minder mitreißend von einer heruntergekommenen Pfeffersack-Familie, deren männliche Mitglieder sich ebenfalls im Goldenen Handschuh herumtreiben.

Anders als im Roman lud Arndt – zur Freude von Strunk – die Leserschaft seines Comics auch noch kurz in den Jazzclub Onkel Pö zu einem gemeinsamen Auftritt von Udo Lindenberg und Otto Waalkes ein. Strunk hatte auch nichts dagegen, dass Arndt seine Erzählung um eine 16-seitige Sequenz ergänzt hat, die von den Zuhälter-Praktiken des Handschuh-Besuchers Fanta-Rolf erzählt.

Strunk hat recht, wenn er in seinem Nachwort zu Arndts Comic schreibt: “Ich glaube, dass das Ergebnis bei einem glatten Durchmarsch gut geworden wäre, aber nicht diese Tiefe und Qualität erreicht hätte, für die es eben neun Jahre gebraucht hat.“

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Lindenberg! Mach dein Ding

Die Filmbiografie konzentriert sich auf die Zeit vor Udo Lindenbergs großen Durchbruch, was auch schon eine Menge Holz ist. Scheinbar wahllos, aber doch wohlüberlegt, wird parallel erzählt, wie Udo vor US-Truppen in Libyen auftritt, wie sein Vater Gustav (wie immer großartig: Charlie Hübner) ihm eine Zukunft als Klempner prophezeit, er sich als kleiner Junge in ein älteres Mädchen verliebt (was ihm zum Song Sie spielte Cello inspirierte) und vor allem, wie er als Jugendlicher aus der westfälischen Provinz das wilde St. Pauli der 60er-Jahre erlebte.

Lindenberg! Mach dein Ding

In der Titelrolle überzeugt Jan Bülow auch als Sänger. Die Schlüsselszene des Films zeigt, wie Udo nach einer unglücklich verlaufenden Liebschaft mit einer jungen Frau aus der DDR, in der fast leeren Hamburger Musikkneipe Onkel Pö auf der Bühne steht und zunächst A-capella den Song Mädchen aus Ost-Berlin anstimmt. Obwohl der weitere Verlauf alles andere als klischeefrei ist – langsam steigt die Band mit ein, nacheinander betreten Talentscout Mattheisen (Detlev Buck) und Udos Mutter Hermine (Julia Jentsch) die Kneipe und sind schwer gerührt – gelingt Regisseurin Hermine Huntgeburth (Die weiße Massai) hier ganz großes (deutsches) Kino.

Lindenberg! Mach dein Ding

Das trifft sicher nicht auf den kompletten Film zu, doch insgesamt stimmt die Mischung aus Realität. Legende, Zeitgeschichte, Musik und Drama. Vor auch nicht völlig fehlerfreien Biopics wie Bohemian Rhapsody oder Rocketman muss sich der Film jedenfalls nicht verstecken.

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Neben dem 134-minütigen Hauptfilm (wahlweise mit Audiokommentar mit Hermine Huntgeburth und Produzent Michael Lehmann) enthält die Blu-ray von LEONINE noch dieses Bonusmaterial: Premierenclip (2:36 min); Musikvideo “Niemals dran gezweifelt“ von Udo Lindenberg (3:47 min); Interview mit Cast & Crew (8:43 min); Featurette (3:58 min); Zwei Trailer (1:10 min + 2:03 min); Wendecover

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