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Garth Ennis: The Pro

Ein Außerirdischer ist ganz im Gegensatz zu seinen mechanischen Helferlein davon überzeugt, dass jeder Erdenbürger ein Held sein kann. Um dies zu beweisen verleiht er einer alleinerziehenden Prostituierten Superkräfte.

Dies sichert ihr zwar die Aufnahme in das Superhelden-Team Liga der Ehre, in der Kühle Ritter natürlich einen Sidekick namens Warmer Knappe hat. Die  Dame düpiert die prüden Helden durch herzhafte Flüche und unfaire Tricks beim Kampf gegen Superschurken. Außerdem denkt sie gar nicht daran, ihre alte Tätigkeit aufzugeben, sondern nutzt ihre neugewonnenen Kräfte um möglichst viele Freier superschnell zu befriedigen.

Mit dieser Geschichte, zu der die Idee am Rande der Comic Action in Essen erste Formen annahm, schuf Garth Ennis 2002 eine Art kurze Vorskizze zu seiner Erfolgsserie The Boys. Bei allem Spaß an originellen Brutali- und Vulgaritäten (es dürfte in der Tat ganz schön gefährlich für den Luftverkehr werden, wenn es bei Superman bzw. Super-Saint zur Ejakulation kommt) erzählt Ennis aber auch davon, dass unsere Welt nicht wirklich besser wäre, wenn es tatsächlich Superhelden gäbe, was Brian K. Vaughan (Saga, Y – The Last Man) wie folgt kommentierte: “Das ist der Watchmen-Comic über ungeschützten Sex mit leichten Damen.“

Auch weil Amanda Conner den Zeichenstift schwang, konnte von Frauenfeindlichkeit keine Rede sein. Doch nicht alle Comicschaffenden waren begeistert. Comiclegende Jim Steranko (Nick Fury) war – wenige Tage nach 9/11 – so entsetzt über The Pro, dass er Ennis & Co. als Terroristen bezeichnete. Dies führte immerhin dazu, dass der Comic ihm gewidmet wurde.

Die deutsche Panini-Ausgabe erschien unter dem Tite Die Super-Schlampel und ist sogar noch etwas schöner als die US-Veröffentlichung. Auch der spritzigen deutschen Übersetzung von Jörg Krismann, die aus der Erstveröffentlichung in Hit Comics # 38 und # 39 übernommen wurde, ist der Spaß an der Freude deutlich anzumerken.

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Reddition 79/80: Comic & Illustration

Ihr vierzigjähriges Bestehen feiert die Reddition, das Fachmagazin für Graphische Literatur, mit einer Doppelnummer, die es in sich hat. Passend zum Jubiläum kommen ausgewählte Illustrationen von vierzig internationalen ComickünstlerInnen zum Abdruck.

Hinzu kommen Texte, die erläutern inwieweit die beim Zeichnen von Comics gewonnenen erzählerischen Erfahrungen in die Werke eingeflossen sind und warum manche davon auch als “Einbild-Story“ funktionieren.

Ein schönes Beispiel hierfür ist die Illustration The Mirror von Joost Swarte, die auf den ersten Blick vor allem sehr dekorativ wirkt. Doch Reddition-Herausgeber Volker Hamann erläutert detektivisch akkurat, dass der Niederländer zugleich auch – quasi als Drama-Cartoon – eine Geschichte über Liebe und Eifersucht in Szene gesetzt hat.

Zum Abdruck kommen auch ikonische Illustrationen wie das erste Sandman-Cover von Dave McKean, das französische Plakat zu Fellinis Schiff der Träume von Jacques Tardi, Three Ages of Woman von Jeff Jones, ein abgelehntes Plakat zum Trento Film Festival von Milo Manara, das Filmposter zu Le Frisson Des Vampires von Philippe Druillet oder Frank Frazettas Gemälde Death Dealer, das auch Verwendung als Plattencover beim ersten Album der Band Molly Hatched fand und mehrere Comicserien nach sich zog.     

Chris Scheuer ist mit NICK NICKEL in der neuen Reddition vertreten

Außerdem sind noch Illustationen enthalten von François Avril, Enki Bilal, Charles Burns, Yves Chaland, Richard Corben, Guido Crepax, Philippe Dupuy, Charles Berbérian, Anke Feuchtenberger, Flix, Jean-Claude Floc’h, Jean-Claude Götting, André Juillard, Isabel Kreitz, Henk Kuijpers, Rutu Modan, Marc-Antoine Mathieu, Lorenzo Mattotti, Moebius, Peter Nuyten, Chris Scheuer, François Schuiten, Matthias Schultheiss, Seth, Jim Steranko, Sergio Toppi, Alex Toth, Boris Vallejo, Chris Ware, Barry Windsor-Smith und Bernie Wrightson.

Abgerundet wird die Reddition durch eine Einführung von Juliane Wenzl und Jens R. Nielsen, sowie Artikel über Werbecomics und die sehr gelungenen Titelbilder der DC-Hefte in den späten Sechzigern.

Zu bestellen unter: www.reddition.de

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Brian Azzarello & Eduardo Risso: 100 Bullets

Nachdem Garth Ennis‘ Kultserie Preacher nach 66 US-Heften planmäßig beendet wurde, erhofften sich in den USA das DC-Label Vertigo, bzw. bei uns zunächst Speed und danach  Panini von 100 Bullets einen ähnlichen Erfolg. Wenn es nach dem auf Seite 3 verteilten Vorschußlorbeeren geht, dann handelt es sich um einen massiven Knaller. Neben Ennis („100 Bullets trifft jedes Mal ins Schwarze.“) loben u. a. Alex Ross (Marvels, Kingdom Come), Paul Dini (Dark Knight: Eine wahre Batman-Geschichte) und Jim Steranko 100 Bullets über den grünen Klee und Warren Ellis (Transmetropolitan) behauptet sogar, die Serie regekmäßig im Comicshop zu kaufen!

Brian Azzarello & Eduardo Risso: 100 Bullets

Ein Blick in den ersten Sammelband kann danach nur ernüchternd sein. Im Gegensatz zu den tollen Covern von Dave Johnson ist das Artwork etwas enttäuschend. Eduardo Risso (Vampire Boy, Moonshine, Dark Knight: Eine wahre Batman-Geschichte) geht zwar sehr großzügig mit kühnen Layouts und Schwarzflächen um, kann aber nicht immer vertuschen, dass seine höchst konventionell colorierten Zeichnungen oft eher ungelenk und grob wirken.

Brian Azzarello & Eduardo Risso: 100 Bullets

Auch die Story von Brian Azzarello (The Dark Knight III: The Master Race) will (noch?) nicht restlos begeistern: Eine gewisse Dizzy wird aus dem Knast entlassen und erhält von dem Vertreter einer obskuren Regierungsorganisation nicht nur Informationen über die Mörder ihres Mannes und ihres Sohnes, sondern auch noch ein sehr verlockende Angebot.

Brian Azzarello & Eduardo Risso: 100 Bullets

Sollte sie die Mörder ihrer Familie umbringen, wird sie gänzlich straffrei ausgehen. So weit so (halbwegs) originell, doch die darauf folgenden familiären Verwickelungen der armen Dizzy und der erste Showdown sind noch nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Naja, immerhin hat der Mann von der Regierung am Ende des Comics noch einiges mit Dizzy zu besprechen, was vielleicht Anlass zu Hoffnung gibt.

Brian Azzarello & Eduardo Risso: 100 Bullets


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