1913 feierte der englische Autor Sax Rohmer mit seinem ersten Roman über den Superverbrecher Dr. Fu Man Chu große Erfolge und stand schon recht bald im Zentrum zahlreicher Kinofilme. Von 1965 bis 1968 spielte Dracula Christopher Lee fünfmal einen angemessen bösartigen Fu Man Chu. Die ersten drei Filme Ich, Dr. Fu Man Chu, Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu und Die Rache des Dr. Fu Man Chu wurden relativ sorgfältig produziert.
Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu und Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu hat hingegen der Trash-Filmer Jess Franco (Nachts, wenn Dracula erwacht) sehr hurtig in Szene gesetzt. Bei Filmjuwelen ist 2024 eine optimal zusammengestellte Blu-ray-Edition mit allen fünf Filmen und haufenweise Bonusmaterial erschienen. Aktuell wurden dort ausgerechnet die beiden letzten Fu-Man-Chu-Filme als edel aufgemachte Collector’s Editions mit Mediabook, Blu-ray und bildtechnisch optimierter 4K Ultra HD veröffentlicht.
1968 entstand Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu. und der Name ist Programm. Der Superverbrecher hat in einer ehemaligen Inka-Stadt ein besonders tückisches Schlangengift entdeckt. Seine Sklavinnen sind immun dagegen. Sie sollen losziehen und Fu Man Chus Gegner küssen, um das Gift zu übertragen. Dies klappt recht gut bei Fu Man Chus Erzfeind Inspektor Nayland Smith, denn dieser erblindet sofort und wird beim nächsten Vollmond sterben…
Jess Franco hat seinen Film so geplant, dass sich Christopher Lees Auftritte in Grenzen halten und er nur sehr wenige Drehtage zu absolvieren hatte. Neben dem TV-Robin- Hood Richard Green als Nayland Smith spielen die österreichische Darstellerin Loni von Friedl und ihr damaliger Gatte Götz George mit. Letzterer gibt bei den Action-Szene Vollgas. Tollkühn springt er ungedoubelt von einer Klippe, klammert sich an eine mehrere Meter entfernte Palme und gleitet halbwegs elegant am Baumstamm herunter.
Doch das war es eigentlich auch schon. Franco “bereicherte“ die Produktion durch eine nicht verwendete Szene aus seinem ein Jahr zuvor entstandenen Film Sumuru – Die Tochter des Satans, der ebenfalls auf einer Vorlage von Sax Rohmer basiert und in dem die dem 007-Film Goldfinger bekannte Shirley Eaton die Hauptrolle spielte. Obwohl Eatons Name auf den Plakaten von Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu abgedruckt wurde, erfuhr sie erst sehr viel später von ihrer „Mitwirkung“ und wartet noch heute auf ihre Gage.
Die Collector’s Editions von Filmjuwelen enthält den Film auf UHD in der längeren britischen Fassung von 93:36 min mit deutscher und englischer Tonspur. Das Bonusmaterial ist auf der Blu-ray zu finden. Hier gibt es neben der kürzeren 81:23-minütigen deutschen Version – wahlweise mit deutschsprachigen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen – auch die englischsprachige Extended Version, die in England als “The Blood of Fu Manchu“ und in den USA als “Kiss Me To Death“ (93:39 min) gezeigt wurde.
Hinzu kommen eine Einführung vom Filmexperten Vic Pratt (7:13 min), Farbtests (0:47 min), Alternative Titelsequenzen aus Deutschland, England, USA und Spanien (insgesamt 10:06 min), der deutsche Trailer (2:47 min), der UK-Trailer (2:59 min), der US-Trailer (1:41 min), sowie eine Galerie mit 89 Werbematerialien. Für Fans von Filmen dieser Art ist die Edition nahezu unverzichtbar, denn während Filmjuwelen in letzter Zeit auf gedruckte Booklets anstelle von e-Book-Links verzichtet hatte, gibt es bei “Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“ ein richtig schön aufgemachtes 28-seitiges Mediabook mit einem farbig bebilderten Text von Dr. Rolf Giesen.
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