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Ingrid und Paul

Familiengeschichten, die zur Zeit des Dritten Reichs spielen, gibt es nicht wenige, man denke an TV-Serien wie Löwengrube oder Curth Flatows Durchreise – Die Geschichte einer Berliner Modefirma. Es werden zwar die Auswüchse der Nazi-Diktatur angeprangert, doch zur Entspannung gibt es immer wieder versöhnliche Momente, in denen es menschelt.

Nicht so bei Ingo Haebs Geschichte über die Geschwister Ingrid und Paul. Im Gegensatz zu ihrem eher unpolitischen Vater ist der kleinen Ingrid bereits 1933 klar, dass von den neuen Machthabern nichts Gutes zu erwarten ist. Vergeblich versucht sie ihren jüngeren Bruder Paul davon abzuhalten, Mitglied der Hitlerjugend zu werden.

In dreizehn Episoden, die zwischen 1933 und 1945 angesiedelt sind, schlägt das Schicksal – und noch stärker der Nationalsozialismus – immer härter zu. Zunächst stirbt die Mutter und der Vater heiratet eine linientreue Kollegin und muss an die Front. Ingrid wird verhaftet, weil sie sich zu einer Mitschülerin hingezogen fühlt, und landet schließlich im KZ.

Paul entwickelt im Umfeld der Hitlerjungen immer mehr Skrupel und findet schließlich heraus, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen seine Schwester gefangen gehalten wird. Als er sich später bei Ingrid entschuldigt, sagt diese: “Du warst noch ein Kind, Paul.“ Doch Paul kann sich selbst nicht verzeihen.

Haeb hat zu jedem Kapitel Fakten zusammengetragen, die belegen, wie gnadenlos die NS-Diktatur alle Bereiche des Zusammenlebens vergiftete. Passend dazu sind die Bleistiftzeichnungen von Luise Mirdita (Schattenspiel) in ihrer Mischung aus Naivität und Grausamkeit dem Thema mehr als angemessen.

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