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Punisher: Der König der Killer

Eine Figur wie der grimmige Punisher passt nur bedingt in ein von Disney erworbenes Marvel-Universum, zumal sich reale Söldner und zweifelhafte Gruppierungen mit dessen Totenkopf-Emblem schmücken. Daher wurden in den USA ab 2019 keine weiteren Comics mit dem Rächer Frank Castle veröffentlicht.

Doch jetzt gibt es einen Neustart, der die umstrittene Figur neu definieren soll. Mit dem Autoren Jason Aaron wurde keine schlechte Wahl getroffen, denn dieser hatte bereits einige Punisher-Comics geschrieben, die Steve Dillon zeichnete. Dillon brachte mit Welcome Back, Frank die wohl beste Frank-Castle-Storyline aller Zeiten zu Papier. Diese wurde gerade bei Panini im Rahmen einer Gesamtausgabe der von Garth Ennis geschriebenen Punisher-Comics neu veröffentlicht.

Aarons Punisher-Neustart The King of Killers macht einen etwas durchwachsenen Eindruck, ist aber zum Glück auch nicht der Versuch die Figur zum Disney-Prinzen zu machen. Frank Castle gerät in die Fänge des Ninja-Kults Die Hand, den einst Frank Miller für eine Daredevil-Serie erfunden hatte. Die Erzpriesterin der weltweit operierenden Organisation möchte den Punisher anheuern und hat als Argumentationshilfe dessen ermordete Familie revitalisiert…

Der vorliegende Band enthält die erste Hälfte von Aarons Miniserie und macht nur bedingt gespannt auf die Fortsetzung. Grafisch ist die Chose jedoch nicht uninteressant, was weniger an den routinierten realistischen Zeichnungen von Star-Wars-Zeichner Jesús Saiz liegt.

Sehr viel interessanter sind die von Paul Azaceta (Outcast) in einem völlig anderen experimentellen Stil realisierten Rückblenden, in denen Aaron interessante Details aus der Jugend von Frank Castle nachliefert. Ob er auch etwas Bedeutendes zur Zukunft des Punishers beisteuern wird, bleibt noch abzuwarten. Das neue Totenkopf-Emblem mit Hörnern ist jedenfalls nicht der Bringer…   

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Ich schrieb etwa fünfzig Punisher-Ausgaben für Marvel Knights. Ein paar sind nicht schlecht. Es ging zu lange, jedenfalls viel länger als ursprünglich von mir geplant. Die Serie hat einen leicht albernen Touch, was meine damalige Einstellung zu der Serie ganz gut widerspiegelt.

Den Punisher selbst betrachtete ich zwar schon als ernsthafte Figur, aber ich bevölkerte die Welt um ihn herum mit Freaks und grotesken Gestalten, manchmal sogar mit Superhelden. Die meisten Geschichten waren höchst unwahrscheinlich und wurden mit einem Augenzwinkern serviert. Manchmal hörte man direkt die Looney Tunes-Melodie im Hintergrund.

Dies schrieb der Autor Garth Ennis Anfang 2018 im Vorwort zu diesem zweiten Band der Gesamtausgabe über seine meist von Steve Dillon (Preacher) gezeichneten Punisher-Comics. Ab 2003 beschritt er dann tatsächlich neue Wege und seine künftigen Geschichten über Frank Castle haben einen deutlich realistischeren und ziemlich grimmigen Grundton.

Zum Auftakt erzählte Ennis in der vierteiligen Miniserie Born davon, dass Castle bereits bevor seine Frau und Kinder von Gangstern ermordet wurden, Tendenzen zur Selbstjustiz hatte. So sorgte er als Soldat in Vietnam dafür, dass ein arroganter General von gegnerischen Heckenschützen getötet wurde und ertränkte einen zu seiner Truppe gehörenden Vergewaltiger.    

Dabei fiel die Schilderung des Kriegs erschreckend realistisch aus (man beachte auch die Ennis-Serie War Stories). Das lag auch daran, dass Ennis mit dem Zeichner Darick Robertson, der mit ihm auch bei The Boys zusammenarbeitete, einen mehr als fähigen Komplizen hatte. Der Anhang dieses Bandes enthält Privatfotos eines in Vietnam stationierten Soldaten, an denen sich Robertson bei seinen Zeichnungen für Born orientierte. Das Tüpfelchen auf dem i sind bei dieser Miniserie die kunstvoll drastischen Titelbilder von Wieslaw Walkusi.

Nach Born ging Ennis dazu über, aus sechs Heften bestehende Miniserien mit dem Punisher zu schreiben, die zwar aufeinander aufbauen, jedoch in sich abgeschlossen sind. Dieser Band enthält neben Born noch fünf dieser Stories, die zwischen 2004 und 2006 entstanden sind. In the Beginning wurde von Lewis LaRosa gezeichnet. Ennis konfrontiert den Punisher noch einmal mit seinem ehemaligen Komplizen Micro, der Castle überreden will, seine Tätigkeit weltweit im Auftrag einer Regierungsstelle fortzuführen.

Doch der Punisher hat kein Interesse daran, die Kriege der Mächtigen zu führen. Eine Episode aus In the Beginning zeigt, wie persönlich die Rache-Motivation von Frank Castle ist. Kurz nach dem Mord an seiner Familie freundet sich Castle mit seinem Nachbarn Bob an. Doch nachdem dieser ihn besucht und erzählt, dass er seine Ehefrau wegen einer anderen verlassen hat, dreht Castle durch. “Ich verlor meine Frau und Du behandelst Deine Frau wie Dreck!“ verwirft er Bob vor und ihn dann durch die Fensterscheibe hinaus.  

Es folgt die Storyline Kichen Irish, die von Leandro Fernandez gezeichnet wurde. Mitten in New York explodiert in einer gut besuchten irischen Kneipe in Hells Kitchen eine Bombe. Dies ist der Auftakt von Machtkämpfen zwischen zwei Banden. Mittendrin tummeln sich auch noch IRA-Mitglieder, zwei britische MI6-Agenten, ein Serialkiller im Vorruhestand, ein Bombenleger mit weggesprengten Gesichtszügen und natürlich Frank Castle.

Das klingt nach einer weiteren großen (ironisch abgefederten) Gewaltparty im Stile seiner unvergesslichen Punisher-Serie Welcome back, Frank, zumal Ennis diesmal mit dem stark auf Schwarzweißkontraste setzenden Fernandez einen würdigen Nachfolger für Steve Dillon gefunden hat. Doch am Rande der hauptsächlich aus Gewaltakten bestehenden Geschichte ist es dem aus Belfast stammenden Ennis auch wichtig davon zu erzählen, wie sinnlos Racheaktionen sind. Das Schlussbild mit dem ewigen Rächer Frank Castle, der sich nach all seinen Untaten kein bisschen besser fühlt, wirkt noch lange nach.

Es folgt die von Doug Brauthwaite teilweise etwas unbeholfen gezeichnete Story Mother Russia. Diesmal hat Nick Fury, mit dem sich Ennis auch in einigen Miniserien beschäftigte, einen Spezialauftrag für den Punisher, denn dieser ist der einzige Mann, der in ein streng bewachtes Atomraketen-Silo “rein- und wieder rauskommt, aber nicht einmal im Traum ein Kind töten würde.“ Dieses Kind, das Castle an seine ermordete Tochter erinnert, befindet sich auf einer geheimen russischen Militärbasis und wurde mit einem tödlichen Supervirus infiziert, das Menschen in Sekundenschnelle tötet.

Gemeinsam mit einem Delta-Force-Spezialisten soll Castle das Mädchen befreien, um die gefährliche Waffe für die US-Army zu erbeuten. Weder Fury noch Castle wissen, dass gleichzeitig zur Ablenkung eine von skrupellosen amerikanischen Militärs aufgebaute muslemische Extremistengruppe ein Passagierflugzeug entführt hat und dieses mitten in Moskau zum Absturz bringen soll. Ennis zeigt eine realitätsnahe Welt voller machtgieriger Intriganten, innerhalb derer selbst zwei so extreme (und eigentlich reaktionäre) Charaktere wie Frank Castle und Nick Fury wie liberale Menschenfreunde wirken.

Die beiden letzten Geschichten dieses Sammelbands hat der Argentinier Leandro Fernández recht dynamisch zu Papier gebracht. Up Is Down and Black ist White ist ein wild zusammen fantasiertes Garn um den psychopathischen New Yorker Mafiapaten Nicky Cavella, der das Grab von Castles Familie schändet und dies nach allerlei ganz schön krank in Szene gesetzten Konfrontationen bitter bereuen wird. Das alles ist zwar nur bedingt realitätsnah, doch deutlich besser geerdet als die meisten Marvel-Comics und gutes Lesefutter für Freunde der etwas härteren Gangart.

In einer ganz anderen Klasse spielt The Slavers. Die mit zahlreichen äußerst interessanten Nebenfiguren bevölkerte Geschichte beginnt damit, dass der Punisher ein Mädchen vor vier Angreifern rettet. Er erfährt, dass es sich um eine zur Prostitution gezwungene junge Moldawierin handelt, die illegal von einem Zuhälter-Ring nach New York eingeschleust wurde.

Entgegen seines Kodex tritt Castle diesmal nicht nur als “Bestrafer“ auf, sondern versucht auch den Opfern der Verbrecher zu helfen. Der Punisher schaltet hierzu eine Sozialarbeiterin ein, die gerade dabei ist angesichts der Brutalitäten von international operierenden Mädchenhändler-Ringen den Verstand zu verlieren. Doch Castles weiteres Vorgehen trägt auch nicht gerade zu ihrer geistigen Gesundung bei.

Wie der Punisher die aus moldawischen Ex-Söldnern und einer eiskalt berechnenden Frau bestehenden Mädchenhändlerbande schließlich zerschlägt, erzählt Ennis in seinem mit detailfreudig in Szene gesetzten Sadismen nicht geizenden Stil. Doch stärker als sonst kommt hier das Gefühl auf, dass “die Richtigen“ bestraft werden. Zugleich stellt Ennis aber auch mehr als deutlich klar, dass sich das Problem Zwangsprostitution nicht mit einem Waffenarsenal lösen lässt, sei es auch noch so riesig!

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Punisher: Soviet

Es ist erfreulich, dass der in New York lebende Ire Garth Ennis (The Boys) immer wieder an jenen Tatort zurückkehrt, an dem er 2001 mit der Storyline Welcome Back, Frank Marvels Antihelden The Punisher zu einen glaubhaften Charakter machte, der mit drastischen Maßnahmen gegen Gewalttäter vorgeht. Zugleich erzählt Ennis, der ein Faible für Militär-Geschichte hat – siehe auch seine Serie War Stories– auch von Frank Castles Einsätzen in Vietnam, die ihn prägten und auf seine Arbeit als Punisher vorbereiteten.

Punisher: Soviet

Dies brachte Ennis auf die interessante Idee den Punisher mit einer russischen Variante seiner selbst zu konfrontieren. Im Gegensatz zu Castle war Valery Stephanovich schuld daran, dass er seine Familie verloren hat. Der Militärdienst in Afghanistan hatte ihn traumatisiert und in den Alkohol getrieben, was in einem Unfall mit tödlichem Ausgang resultierte. Sein ehemaliger Vorgesetzter Pronchenko war dafür verantwortlich, dass – abgesehen von ihm – alle Kameraden seiner Einheit brutal ermordet wurden. Als Stephanovich dies herausfand, bekam sein Leben wieder einen Sinn…

Punisher: Soviet

Konstantin Pronchenko hatte die Einheit an die Mudschahedin verraten und ist nach dem Ende des Afghanistan-Kriegs in den USA zu einem mächtigen Paten der Russenmafia in New York aufgestiegen. Dabei hat er sich niemals selbst die Finger schmutzig gemacht, ja noch nicht einmal den von ihm angeordneten Gewalttaten beigewohnt. Als sich Valery Stephanovich aufmacht, um dies zu ändern, findet er in dem Punisher einen ebenso verständnisvollen wie tatkräftigen Verbündeten.

Punisher: Soviet

Geschickt wechselt Ennis die Zeitebenen, erzählt realitätsnah vom Schicksal der einfachen russischen Soldaten im Afghanistan-Krieg. Auch der Ehefrau des Gangsters Pronchenko verpasst er eine interessante Vorgeschichte und das melancholische Ende wirkt noch lange nach. Dies ist auch dem US-Zeichner Jacen Burrows (Neonomicon) zu verdanken, der mit Ennis bereits bei der ersten Crossed-Geschichte zusammenarbeitete. In Punisher: Soviet reicht die Qualität seiner Grafik fast an die Arbeiten seines Vorgängers, dem kongenialen Ennis-Zeichner Steve Dillon (Preacher) heran.

Punisher: Soviet

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch noch die von Paolo Rivera sehr ansprechend im Stile von russischer Propaganda-Kunst erstellten Titelbilder der aus sechs Heften bestehenden Miniserie.

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The Punisher (2004)

Nach einer ganzen Serie mit erfolgreichen Marvel-Superhelden-Verfilmungen wie Blade, X-Men, Spider-Man, Daredevil und Hulk kam 2004 auch der Punisher auf die Leinwand. Diese Figur wurde bereits 1989 in einem nicht sonderlich erfolgreichen Film von Dolph Lundgren verkörpert. Die neue Film-Version des Punisher steht diesem kleinen dreckigen Film aber trotzdem näher als den danach entstandenen durchgestylten Marvel-Blockbustern. Jonathan Hensleigh schrieb und drehte seinen Punisher eher in der Tradition von Action-Filmen der siebziger und achtziger wie Dirty Harry oder Ein Mann sieht rot.

The Punisher (2004)

Im Film ist Frank Castle (Thomas Jane) ein FBI-Agent, der bei einem Undercover-Einsatz in Tampa, Florida den Tod des Sohnes des Unterwelt-Bosses Howard Saint (war schon mal hinterhältiger: John Travolta) mit zu verantworten hat. Aus Rache lässt Saint bei einem Familientreffen in Puerto Rica alle Verwandten von Frank Castle umbringen. Doch Castle überlebt das Massaker, zieht jenes Totenkopf-T-Shirt an, das ihm zuvor sein Sohn geschenkt hat, und schwört bittere Rache an Saint.

The Punisher (2004)

Dieser Update der im Comic eher in New York angesiedelten Vorgeschichte des Punishers ist etwas langatmig und überraschungsarm inszeniert. Zudem wird auch noch Roy Scheider in der Rolle als Castle Senior ziemlich schnell verheizt. Doch zum Glück bedient sich Jonathan Hensleigh im weiteren Verlauf des Filmes ausgiebig bei den grimmigen Comic-Geschichten, durch die Garth Ennis den Punisher seinerzeit wieder sehr populär machte. Der verbitterte Frank Castle zieht in ein heruntergekommenes Wohnhaus mit kaputten Charakteren und erfährt Solidarität als er von einem bulligen russischen Auftragskiller attackiert wird.

The Punisher (2004)

Insgesamt kann The Punisher, der mittlerweile auch ungekürzt und in einer verlängerten Fassung auf Blu-ray vorliegt, durch seine eher nüchterne Inszenierung durchaus punkten und ist eine mehr als passable Alternative zu den meisten überinszenierten Action-Spektakeln.

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The Punisher in Vietnam

The Punisher trat 1974 erstmals als Nebenfigur in Spider-Man # 129 auf. Der mit Orden behängte Elitesoldat Frank Castle erlebte während des Vietnam-Kriegs Schreckliches. Doch es geschah nicht in Fernost an der Front, sondern als er Heimaturlaub hatte. Nachdem Castles Frau und seine beiden Kinder Zeugen eines Verbrechens wurden,  musste Castle miterleben,  wie sie brutal ermordet wurden. Fortan zieht er als Punisher durch den New Yorker Großstadt-Dschungel und bestraft alle Kriminellen.

The Punisher in Vietnam

Er vollstreckt so drastisch und tödlich, wie es den Autoren der immer populärer werdenden Comic-Serie nur möglich ist. Zu einer wahren Meisterschaft brachte es 2001 der mittlerweile in New York lebende Ire Garth Ennis (Preacher) in der von Steve Dillon in Szene gesetzten Storyline  Welcome Back, Frank. Gerade die ebenso drastischen, wie auch durchaus realistischen Großstadt-Krimis, die Ennis seitdem mit dem Punisher erzählt, sorgten dafür, dass der Marvel-Charakter eine Zukunft als mehrfach verfilmter Serienheld hat.

The Punisher in Vietnam

Doch Ennis war mit britischen Kriegs-Comics groß geworden und US-Superhelden immer etwas lächerlich fand, kümmert sich auch um Castles Vergangenheit. Dies begann 2003 in Marvels Erwachsenen-Label MAX mit der vierteiligen Miniserie Born, die bei uns in Band 2 der The Punisher – Garth Ennis Collection eröffnet. Hier erzählte Ennis davon, dass Castle bereits vor dem Massaker an seiner Familie sehr bedenkliche Tendenzen zur Selbstjustiz hatte. So sorgte er als Soldat dafür, dass ein arroganter General von gegnerischen Heckenschützen getötet wurde und ertränkte einen zu seiner Truppe gehörenden Vergewaltiger.

The Punisher in Vietnam

Dies mag eine nicht unbedingt eine zwingend nötige Erweiterung des Punisher-Mythos sein. Doch die grimmige Schilderung des Kriegs fiel erschreckend realistisch aus. Das lag auch daran, dass Ennis mit dem Zeichner Darick Robertson, der mit ihm auch bei The Boys zusammenarbeitete, einen mehr als fähigen Komplizen hatte. Das Tüpfelchen auf dem i sind die kunstvoll drastischen Titelbilder von Wieslaw Walkusi.

The Punisher in Vietnam

2004 startet Ennis bei MAX eine neue Punisher-Reihe, die weniger auf Sarkasmus setzte, sondern knallharte realitätsnahe Thriller präsentierte. Diese Ära endete vier Jahre später mit der Storyline Valley Forge, Valley Forge, in der Ennis gemeinsam mit dem kroatischen Zeichner Goran Parlov von Frank Castles Tagen als Elitesoldat in Vietnam erzählte. Dies geschieht zwar nur am Rande der ansonsten in New York spielenden Geschichte, doch der beim Punisher immer noch vorhandene Militärkodex ist das zentrale Element der Story.

The Punisher in Vietnam
Es geht um acht in kriminelle Angelegenheiten verwickelte US-Generäle, die nicht zu Unrecht vermuten, dass der ansonsten nicht eben zimperliche Punisher Probleme damit haben wird, US-Soldaten zu töten. Mit schmutzigen Tricks gelingt es den Offizieren eine Delta-Force-Spezialeinheit nach New York zu schicken, wo sie Castle zur Strecke bringen sollen. Doch ganz so einfach ist das natürlich nicht, und der an Morgan Freeman erinnernde Colonel Howe ist als Chef der Spezialeinheit auch nicht so einfach zu steuern wie erwartet.

The Punisher in Vietnam

Valley Force, Valley Force ist bei uns in Band 3 der Garth Ennis Punisher Collection enthalten und überrascht auch dadurch, dass Ennis in die Handlung scheinbar wahllos Auszüge eines vom Journalisten Michael Goodwin verfassten fiktiven Vietnam-Berichts, sowie von Goran Parlov sehr stimmig gezeichnete “Fotodokumente“, einfließen ließ. Dies verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe.

The Punisher in Vietnam

Die sechsteilige Mini-Serie Platoon (2018) von Ennis und Parlov baut auf Born und Valley Force, Valley Force auf, bzw. erzählt die Vorgeschichte dazu. In einer Rahmenhandlung interviewt Michael Goodwin im heutigen New York einige Vietnam-Veteranen, die Frank Castle ihr Leben verdanken. Erzählt wird von den ersten Kriegseinsätzen des noch unerfahrenen Offiziers Castle. Dieser findet sich schnell zu recht. Wenn es darauf ankommt, hat Castle noch dreckigere Tricks drauf, als seine Vorgesetzten. Noch ist er ein Team-Player, der sich verantwortungsbewusst für seine Männer einsetzt, doch das bleibt nicht lange so…

The Punisher in Vietnam

Interessant ist Platoon auch dadurch, dass Ennis und Parlov versuchen die Gegenseite ebenfalls zu Wort kommen zu lassen. So wird gezeigt, wie Michael Goodwin mit einem sehr kultivierten nordvietnamesischen Veteranen spricht. Dessen Fazit ist: “Die Vietnamesen kämpften für ihr Land und die Amerikaner für nichts und ohne zu wissen, warum sie es tun.“ Doch Ennis lässt den alten Mann noch ergänzen: “Nein, stimmt nicht, die Besten kämpften füreinander“. Damit benennt Garth Ennis vielleicht auch den Grund, warum er immer wieder Kriegsgeschichten erzählt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch seine Reihe War Stories.

Punisher: Soviet

Interessant ist in diesem ZUsammenhang auch in der Miniserie Punisher: Soviet. Hier verbündet sich Frank Castle mit einen russischen Afghanistan-Veteran, dessen Schicksal ihm vertraut vorkommt. Geschickt wechselt Ennis die Zeitebenen und erzählt realitätsnah vom Schicksal der einfachen russischen Soldaten im Afghanistan-Krieg.

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Punisher: Welcome Back, Frank

Für ihre 1998 gestartete Reihe Marvel Knights hatten sich Joe Quesada und Jimmy Palmiotti meist eher bodenständige Charaktere aus dem Fundus des US-Superhelden-Verlages Marvel ausgesucht. Hierzu zählt neben Black Widow und Daredevil natürlich auch unbedingt der schwer bewaffnete Rächer The Punisher. Diese Figur hatte ihren ersten Auftritt 1974 in einem Spider-Man-Heft.

Punisher: Welcome Back, Frank

Doch seltsamerweise machten die ersten Hefte innerhalb der ansonsten eher realistischen Marvel Knights-Reihe aus dem Punisher eine Art auf die Erde zurückgekehrten Zombie mit magischen Kräften. Zwar konnten die Zeichnungen von Pat Lee und Bernie Wrightson überzeugen, doch richtig los mit dem Punisher ging es erst 2001. Nachdem der irische Autor Garth Ennis und der britische Zeichner Steve Dillon, die bereits innerhalb der Serie Hellblazer Beachtliches geleistet hatten, ihre mittlerweile auch als TV-Serie verfilmte Reihe Preacher nach 66 Heften beendet hatten, wurden sie von ihren guten Kumpels Joe Quesada und Jimmy Palmiotti (dessen Inking auch noch einiges aus Dillons ansonsten eher nüchternen Zeichnungen herausholte) dazu überredet sich unter dem Titel Welcome Back, Frank mit dem Bestrafer zu beschäftigen.

Punisher: Welcome Back, Frank

Die mit roher Gewalt operierende Figur liegt Garth Ennis und bereits 1995 gab es ein von ihm geschriebenes Sonderheft mit dem schönen Titel The Punisher kills the Marvel Universum  in dem Ennis den Bestrafer tatsächlich alle Superhelden des Verlages töten ließ. Die Geschichten von Ennis sind sehr gewalttätig und der Leser muss sich fragen, warum er so viel Vergnügen daran hat, dem Punisher dabei zuzusehen, wie er völlig rücksichtslos aufräumt. Eine mögliche Theorie wäre, dass der Ire Ennis sich jegliches US-amerikanische Pathos verkneift und Selbstjustiz nicht glorifiziert. Stattdessen sind seine Geschichten so pointiert übertrieben erzählt, dass ein übler Beigeschmack gar nicht erst aufkommt.

Punisher: Welcome Back, Frank

Auf den Punkt bringt es Comic-Autor Mark Millar (Kick-Ass): “In den falschen Händen ist ein rechtsradikaler durchgeknallter Charakter wie der Punisher eine Katastrophe und bestätigt alle Vorurteile gegen das Medium Comic. Doch wenn ein Paar clevere Burschen wie Ennis und Dillon sich der Sache annehmen, landet Frank Castle an der Spitze aller Verkaufscharts und räumt alle Preise ab.“

Punisher: Welcome Back, Frank

Sehr viele Elemente aus Welcome Back, Frank waren  auch im Punisher-Kinofilm mit John Travolta und Thomas Jane wieder zu finden. Ende 2016 verstarb Steve Dillon, der kurz zuvor in Operation Condor noch ein letztes Mal den Punisher zeichnete.

Punisher: Welcome Back, Frank

Angesichts der gar nicht einmal so gut gelungenen Netflix-Serie hat Panini die aus 13 US-Heften bestehenden Serie Frank ist zurück noch einmal komplett neu aufgelegt. Das Cover verweist zwar auf Netflix, doch der Inhalt ist purer Ennis und Dillon!

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Punisher: War Zone

Marvels wohl realistischster “Superheld“ stand zuvor bereits im Zentrum von zwei Kinofilmen. Bereits 1989 wurde er in einem B-Picture von Dolph Lundgren verkörpert, während 2004 der etwas blasse Thomas Jane als Punisher gegen einen von John Travolta mit gebremster Energie verkörperten Gangsterboss antrat. Hauptproblem dieser sich ausgiebig bei den mitreißenden Punisher-Comics von Garth Ennis bedienender Verfilmung war jedoch, dass die Geschichte nicht in New York, sondern in Florida angesiedelt war. Die War Zone des Punishers ist jedoch eindeutig der Big Apple. Hier wurden im Central Park seine Ehefrau und Kinder von Gesetzlosen umgebracht und hier ist er seitdem dabei Verbrecher möglichst ultimativ zu bestrafen.

Punisher: War Zone

Mit Ray Stevenson wurde ein Darsteller gefunden, der ganz im Gegensatz zu Jane (aber nicht zu Lundgren) es überhaupt nicht nötig hat den Härte-Typen zu spielen. Der gebürtige Nordire war bereits in der HBO-Serie Rom äußerst glaubhaft als ein zu allem fähiger Legionär.

Punisher: War Zone

Auch als Punisher gelingen Stevenson trotz klobiger Körperlichkeit kurze Anfälle von Sensibilität. Das Drehbuch ermöglicht ihm dies dadurch, dass Frank Castle alias The Punisher bei einem rabiaten Bestrafungsalleingang einen sich im Undercover-Einsatz befindlichen FBI-Agenten tötet. Danach fühlt er sich für dessen von der Unterwelt bedrohten Witwe und Tochter verantwortlich.

Punisher: War Zone

Punisher: War Zone wurde von Frauen inszeniert (von der in Mannheim geborenen Lexi Alexander) und produziert (von Gale Anne Hurd, der Ex-Frau von James Cameron), ist aber in erster Linie ein knallharter Actionstreifen für Jungs, prall gefüllt mit Klopper- und Ballereien. In den USA spielte die 35-Millionen-Dollar-Produktion nur ein knappes Viertel ihrer Kosten wieder ein und kam daher gar nicht erst in unsere Kinos.

Punisher: War Zone

Das lag vielleicht auch an einigen satirischen Momenten, die gewisse Gemüter als antiamerikanisch empfinden mögen. So rekrutiert der Oberschurke Jigsaw, den Dominic West (The Affair) recht entfesselt als Mischung aus Joker und Two-Face spielt, zu patriotischer Musik seine Spießgesellen direkt von der Straße rekrutiert und ihnen – ähnlich wie das US-Militär – ein Studium und keinen Einsatz im Irak verspricht.

Punisher: War Zone
© Sony Pictures Entertainment

Mittlerweile liegt der Film auf Blu-ray und DVD als Uncut Version vor. Die Laufzeit der Blu-ray beträgt 102:41 min. Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Lexi Alexander und Steve Grainer (wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln), Making Of (9:03 min), Training Camp (5:47 min), Die Waffen (4:39 min), Jigsaw (3:34 min), Creating the Look (2:46 min)

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