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Marc-Uwe Kling: Normal und die Zero Heroes

Marc-Uwe Kling dürfte vor allem durch seine erfolgreich verfilmten und auch als Comic adaptierten Känguru-Chroniken bekannt sein. Mit Das NEINhorn hat er zudem noch eine Kinderbuchreihe am Start, mit QualityLand macht er uns Angst vor der nahen Zukunft und mit Views hat er sich an einen Thriller versucht. Fehlt eigentlich nur noch ein eigenes Superhelden-Universum.

Doch auch diese Lücke wurde jetzt geschlossen. Ein zweibändiger Comic entführt in eine Welt, in der – abgesehen von einem jungen Mann – jeder Mensch Superkräfte hat. Wie im Laufe der Lektüre zu erfahren ist, gibt es jedoch Schlimmeres als keine speziellen Fähigkeiten zu haben, denn längst nicht jede davon, ist auch wirklich hilfreich.

Die Zeichnungen von Florian Biege, der bereits mit seiner Comicversion von Walter Moersʼ Die Stadt der träumenden Bücher überzeugte, sind mehr als ansehnlich. Die Grundidee der Story, die Kling zusammen mit dem Drehbuchautor Jan Cronauer schrieb, ist ähnlich originell, wie die Ausgangssituationen in spaßigen Animationsfilmen mit Superhelden wie Pixars Die Unglaublichen oder Dreamworks Megamind.

So sind es ausgerechnet Normal und seine über lachhafte Superkräfte verfügenden Freunde, die als Zero Heroes gegen den Normalizer antreten, der den Superhelden ihre Kräfte raubt. Außerdem geht es durchaus zu Herzen, dass Normal (scheinbar) über keine speziellen Fähigkeiten verfügt und sich deshalb nicht traut, seine heimliche Liebe Cassandra anzusprechen, zumal diese auch noch einige Minuten in die Zukunft blicken kann.

Es gibt großartige Momente in diesem Comic, etwa jenes Panel, in dem die Panzerknacker gegen die Daltons kämpfen. Doch sehr häufig tritt die Geschichte auf der Stelle, denn Kling und Cronauer sind eher an Wortspielen oder schrägen Heldennamen wie Leatherman, Justin Time oder gar Cat Steven & Steven Seagull interessiert als an einer originellen und spannenden Geschichte.

Alle Abbildungen: © 2024 by Rowohlt Verlag

Daher hält sich die Vorfreude auf den zweiten Band Normal und die Ticking Clock in Grenzen.

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Walter Moers: Die Stadt der Träumenden Bücher

Der junge Dinosaurier Hildegunst von Mythenmetz verlässt nach dem Tode seines Dichterpaten die beschauliche Lindwurmfeste und bricht nach Buchhain auf. Diese Stadt ist das Mekka aller Literaturbegeisterten und besteht fast nur aus Antiquariaten. Doch Hildegunst muss lernen, dass Bücher eine gefährliche Sache sind und trifft in der riesigen Unterwelt von Buchhain grausame Bücherjäger, Zyklopen und schließlich sogar den geheimnisvollen Schattenkönig.

Die Stadt der Träumenden Bücher

Mit Die Stadt der Träumenden Bücher legte Walter Moers 2004 seinen vierten Roman vor, der in der erstmals in Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär vorgestellten Fantasy-Welt von Zamonien spielt. Der spätere Großschriftsteller Hildegunst von Mythenmetz dürfte dem zamonien-kundigen Leser durchaus ein Begriff sein. Er fungierte bereits bei Ensel und Krete als Erzähler und seine Intim-Feindschaft zu Professor Abdul Nachtigaller sorgte u. a. in Rumo für einige amüsante Fußnoten. Doch der ansonsten immer etwas arrogant und pathetisch wirkende dichtende Dickhäuter kommt in diesem Buch über seine Lehr- und Wanderjahre recht sympathisch rüber.

Die Stadt der Träumenden Bücher

Walter Moers, der in aller Bescheidenheit vorgibt den Auftakt von Mythenmetz‘ 25-bändigen Epos Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers nicht selbst geschrieben zu haben, sondern nur aus dem Zamonischen übersetzt zu haben, lässt mit Die Stadt der Träumenden Bücher die faszinierende Welt von Zamonien immer weiter wuchern. Dazu gehört auch, dass er das Buch als erstes auswählte, um aus dem Roman eine Comic-Version zu machen. Die Bebilderung besorgte Moers, der im Medium Comic seine ersten Erfolge feierte, jedoch nicht selber.

Die Stadt der Träumenden Bücher

Den Job bekam der Illustrator Florian Biege, der zuvor bereits zur vollsten Zufriedenheit von Walter Moers eine Neuausgabe von Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär einfühlsam koloriert hatte. Der Knaus Verlag veröffentlicht die Comic-Version von Die Stadt der Träumenden Bücher in zwei Bänden unter den Titeln Teil 1: Buchhain und Teil 2: Die Katakomben . Die Geschichte funktioniert auch gekürzt als Comic-Version bestens, weil Bieges detailreichen Bilder beim Fabulierreichtum von Moers mithalten können. Besonders beeindruckend ist ein Panoramabild zum Ausklappen, das die Unterwelt von Buchhain prachtvoll zum Schillern bringt.

Walter Moers: Die Stadt der Träumenden Bücher

Der erste Band der Comic-Adaption enthält als Anhang ein 20-seitiges Glossar mit amüsanten aber auch für das Verständnis der Handlung wichtigen Hintergrundinfos zu Zamonien und seinen Bewohnern. Band 2 bietet einen Einblick in die Entstehung des Comics. Hier ist zu sehen, wie ausgearbeitet bereits die Vorzeichnungen von Walter Moers waren, auf denen die detailfreudig in Szene gesetzten plastischen Comic-Gemälde von Florian Biege basierten. Moers hat ganz sicher recht, wenn er im Anhang behauptet, dass “dies die aufwändigste Graphic Novel ist, die bisher in Deutschland produziert wurde.“

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