Eine der Hauptfiguren ist eine attraktive Frau namens Harriet Huntress. Diese erzählt auf den ersten beiden Seiten des Comics davon, wie sie 1931 als kleines Mädchen den Selbstmord ihres Vaters miterleben musste: “Daddy hatte sein Vermögen nicht verloren, es war ihm gestohlen worden. Denn Daddy war zwar klug, aber auch vertrauensselig. Also ein Trottel!“
Da es sich um die Adaption einer Story von Raymond Chandler handelt, war ich verwundert, dass hier nicht sofort sein abgebrühter Ermittler Philip Marlowe zu Wort kommt, wie dies schließlich auf Seite 3 des Comics mit den einleitenden Worten “Wir schrieben 1946 und die Geschäfte liefen schlecht“ der Fall ist.
Wer zuvor bereits das Vorwort vom Autor Ben H. Winters (Last Policeman, Sense and Sensibility and Sea Monsters) gelesen hat, ist darauf vorbereitet, dass die Femme fatale Harriet Huntress in diesem Comic “Marlowe seine Vorrangstellung streitig macht und die Story mit dem Trauma der Heldin beginnt.“ Für Winters ist dies in Ordnung, denn “selbst eine schlechte Adaption leistet zumindest den guten Dienst, uns daran zu erinnern, was am Original so beeindruckend und kraftvoll ist.“
Eine schlechte Adaption ist dieser Comic ganz gewiss nicht. Zwar ist das Artwork des griechischen Zeichners llias Kyriazis mit dem zusammen der Autor Arvind Ethan David bereits einige von Douglas Adamsʼ Geschichten über den holistischen Detektiv Dirk Gently adaptiert hatte, nicht voll ausgereift.
Dennoch setzt Kyriazis die originellen Ideen von Davids passabel um. So sind die Panel-Umrandungen manchmal so gestaltet, dass sich dadurch zusätzliche Bildelemente ergeben und Chandlers originelle Dialoge bilden häufig Sprechblasen-Ketten, die kreuz und quer auf ganzseitigen Illustrationen platziert wurden.
Auf die Frage, ob diese manchmal etwas aufgesetzt wirkenden graphischen Mätzchen Chandlers Story schaden, gibt es im bereits zitierten Vorwort von Ben H. Winters eine passende Antwort: “Es sollte jedem klar sein, dass man ein Kunstwerk nicht ruinieren kann, erst recht kein großes Kunstwerk.“ Diesem Comic gelingt es bereits auf den ersten Seiten zu vermitteln, dass Chandlers Trouble is my Business zweifelsohne ein großes Kunstwerk ist.
Ebenfalls bei Schreiber & Leser erschienen ist Trouble is my Business als sehr freie sechsbändige Manga-Adaption von Jiro Taniguchi und Natsuo Sekikawa.













