Die “Hauptattraktion“ dieses großformatigen Bildbands ist zweifelsohne Hannes Hegen, dem es in der DDR von 1955 bis 1975 gelang, gewaltige Erfolge mit einer weitestgehend unpolitischen Comicserie zu feiern.
Da der Schöpfer der Digedags unter dem Namen Johannes Eduard Hegenbarth geboren wurde und der Herausgeber Harry Ralf Herrling sich neben Comics auch für Geschichte und Ahnenforschung interessiert, kam noch ein weiterer “Meister der Illustration“ ins Spiel bzw. ins Buch.
Herrlings Bildband enthält einen bis 1683 zurückreichenden ausklappbaren Stammbaum der Hegenbarths. Dort ist mit Josef Hegenbarth ein Onkel zweiten Grades von Hannes Hegen zu finden, der als Maler so experimentell, eigenständig und öffentlichkeitswirksam tätig war, dass ihm im Dritten Reich von den Nazis das Prädikat “entartet“ verliehen wurde.
Zugleich war Josef Hegenbarth als politischer Karikaturist tätig und illustrierte Klassiker wie Don Quijote, Gullivers Reisen, Dramen von Shakespeare, aber auch Karl Mays Der Schatz im Silbersee. Auch in der DDR war er so populär, dass Johannes Hegenbarth den Künstlernamen Hannes Hegen annahm, um eine Verwechslung mit seinem entfernten Verwandten zu vermeiden, den er nie persönlich getroffen hatte.
In seinem Buch erzählt Harry Ralf Herrling faktenreich und opulent bebildert zunächst vom 1750 geborenen in Böhmen tätigen Glasperlenmacher Johann Georg Hegenbarth, dem “Urgroßvater von Josef und Ururgroßvater von Hannes“. Bis Seite 70 widmet er sich dessen Nachfahren, bevor er Josef Hegenbarth porträtiert und sich von Seite 300 bis 570 noch ausführlicher mit Leben und Werk von Hannes Hegen beschäftigt.
Hier ist zu erfahren, wie es dieser – inspiriert von Walt Disney und vom westdeutschen Comicmogul Rolf Kauka – mit “Mosaik von Hannes Hegen“ schaffte, sowohl seine Schöpfung, die Digedags, als auch sich selbst in der DDR zu einem “Household Name“ zu machen.
Monatlich gelang es Hegen Mosaik in Auflagen von bis zu 600.000 Exemplaren an die abenteuerlustige Leserschaft zu bringen. Durch eine wohldosierte Mischung aus Diplomatie und Selbstbewusstsein konnte er immer wieder verhindern, dass seine Comics zum SED-Sprachrohr wurden.
Herrling erzählt von den verschiedenen, sich über etliche Mosaik-Ausgaben erstreckenden Handlungsbögen, in denen die Digedags erst zu dritt und zwischendrin eine Weile nur als Duo bei den alten Römern, in Amerika, aber auch im Weltraum unterwegs waren. Herrling spekuliert darüber, ob Mosaik auch im Westen Erfolg gehabt hätte, wenn Hegen noch weniger auf Partei-Funktionäre gehört hätte.
Doch vor allem vermittelt das Buch durch zahlreiche Abbildungen, dass Hannes Hegen ein sehr viel besserer Zeichner als Disney oder Kauka war und es ihm gelang sein Mosaik-Team dazu anzuspornen monatlich Comics auf höchstem künstlerischem Niveau zu realisieren.







