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Andor

Für gar nicht so wenige Fans ist Rogue One – nach Episode IV: Eine neue Hoffnung und Episode V: Das Imperium schlägt zurück – der beste Star Wars Film. Es ist wohl kein Geheimnis, wenn verrate wird, dass eine Fortsetzung davon nicht möglich ist. Es gelingt Cassian Andor (Diego Luna) und seinem Team Rogue One zwar, die Pläne des Todessterns zu erbeuten, doch alle an dem Sondereinsatz beteiligten Rebellen kommen zu Tode.

Mit Andor entstand eine Prequel-Serie, die erzählt, was Andor zuvor erlebte. Das aus 24 Episoden bestehende Resultat lässt die anderen Star Wars Serien auf Disney+, selbst The Mandalorian, wie harmlosen Kinderkram wirken.

Cassian Andor ist zwar auch ein tollkühner Pilot, doch alles andere als ein weiterer Han Solo. Bereits in Rogue One gibt es einen verstörenden Moment, als er im Dienst der Rebellion über Leichen geht. In Rogue One gibt es aber auch Jedi-Zauber, ausgedehnte Raumschlachten, einen ulkigen Roboter und zahllose Gastauftritte von “Promis“ wie Darth Vader, Prinzessin Leia und dem am Computer wieder zum Leben erweckten Peter Cushing als Grand Moff Tarkin.

All dies verkneift sich bei Andor der Headautor Tony Gilroy, der nicht nur zusammen mit Chris Weitz das Drehbuch zu Rogue One schrieb, sondern auch die Nachdrehs inszenierte. In seiner Serie wirft Gilroy einen erstaunlich “realistischen“ Blick auf das von George Lucas geschaffene galaktische Universum. Die Serie erzählt davon, wie ein gnadenloser Imperator (der persönlich nie in Erscheinung tritt) durch seine skrupellosen Helfer mit aller Gewalt aus der demokratisch organisierten galaktischen Republik eine grauenvolle Diktatur machen will.

Auch der Rebell Cassian Andor geht bei seinen Einsätzen gegen das Imperium teilweise sehr brutal vor. Noch schlimmer treibt es jedoch sein zeitweiser Vorgesetzter Luthen Rael, der auf Coruscant, im Zentrum des Imperiums, einen Antiquitätenladen betreibt und rücksichtslos die Einsätze der Rebellen koordiniert. Diese Figur voller Grautöne wird von Stellan Skarsgård so schillernd und vielschichtig gespielt, dass sie beinahe die gesamte Serie überstrahlt.

Fast schon legendär ist sein Monolog mit dem er die Frage, was er im Dienste der Rebellion geopfert hat: „Ruhe. Güte. Familie. Liebe. Ich habe die Chance auf Seelenfrieden begraben. In meinem Geist herrscht Finsternis. Ich bin dazu verdammt, die Werkzeuge meines Feindes zu benutzen, um ihn zu besiegen. Ich gebe mein Leben für einen Sonnenaufgang, den ich niemals sehen werde. Was ich opfere? Absolut alles!“

Ein positive Gegenfigur ist die Senatorin Mon Mothma, die bereits in den Episoden III und VI, sowie in Rogue One auftrat. Genevieve O’Reilly spielt eine starke Frau, die sich trotz ihrer Erfahrungen in der Politik noch einen Rest an Idealismus bewahrt hat. Nachdem es ihr gelungen ist, im bereits vom Imperium kontrollierten Senat eine Brandrede gegen den Imperator zu halten, verhilft Cassian Andor ihr zur Flucht nach Yavin IV, dem Zentrum der Rebellion.

Die Serie fasziniert aber auch dadurch, dass sie das Privatleben auf der dunklen Seite der Macht thematisiert. Syril Karn (Kyle Soller) ist Inspektor eines Sicherheitskonzerns und hat sich seine bunte Uniform etwas zackiger zurechtgenäht. Nachdem er bei einem Einsatz auf der Jagd nach Cassian Andor scheitert, wird er entlassen. Er zieht zurück nach Coruscant zu seiner nervigen Mutter, die ihm einen Behörden-Job beschafft.

Dort fahndet er heimlich nach Cassian Andor, was Lieutenant Dedra Meero (Denise Gough) auf den Plan ruft. Die einzige weibliche Führungskraft im Sicherheitsbüros des Galaktischen Imperiums lässt sich nach einigen Verwicklungen auf eine Beziehung mit Syril Karn ein. In einer der großartigsten Szenen der Serie serviert sie mit befehlsgewohnter Stimme ihre zukünftige Schwiegermutter so souverän ab, dass der Imperator stolz auf sie gewesen wäre.

Dedra Meero ist zwar ehrgeizig und rücksichtslos, aber dennoch vielleicht die tragischste Figur in der ganzen Galaxis. Ihr gelingt es zwar Luthen Rael zu enttarnen, aber dennoch landet sie durch Intrigen ihrer neidischen Kollegen in jenem schrecklichen Gefängnis, aus dem Cassian Andor die Flucht gelungen ist.   

Und dann sind da noch die starken Frauen im Leben von Cassian Andor. Seinen Namen hat er von der Rebellin Maarva Andor (Fiona Shaw), die ihn als kleinen Jungen vor einer imperialen Invasion auf dem Planeten Kenari rettet und adoptierte. Maarvas Begräbnis ist einer der Höhepunkte der Serie, denn diese hat eine flammende Ansprache aufgezeichnete, die ihren Mitbürgern klar macht, wie unfrei sie sind.

Die auf dem Schwarzmarkt aktive Mechanikerin Bix Caleen (Adria Arjona) hat sich aufopfernd um Maarva gekümmert. Sie kennte Andor seit ewigen Zeiten und immer wieder haben sie sich an einer Beziehung versucht. Doch beiden müssen feststellen, dass es für sie nicht möglich ist, ein ruhiges Leben in einer unruhigen Welt zu führen.    

Auf beeindruckende Weise zeigt Andor wieviel Potential George Lucas verschenkte, als er die Episoden I bis III realisierte

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Rogue One: A Star Wars Story

Statt der durchaus heiß erwarteten Episode VIII, also der direkten Fortsetzung zu Star Wars: Das Erwachen der Macht, kam zunächst einmal der erste aus der Reihe der sognannten Anthologie-Filme ins Kino. Hier soll sich näher mit Personen und Ereignissen aus der römisch-durchnummerierten Star-Wars-Serie beschäftigt werden. In weiteren Filmen sollen Geschichten mit dem jungen (diesmal von Alden Ehrenreich verkörperten) Han Solo und Boba Fett erzählt werden.

Rogue One: A Star Wars Story

In Rogue One hingegen ist zu erfahren, wie die Rebellen in den Besitz der Pläne des Todessterns kamen, den sie dadurch schließlich im grandiosen Finale von Episode IV zerstören konnten. Zugleich liefert der Film eine erste Antwort darauf, wie die Disney Company sich das für vier Milliarden Dollar erworbene Star-Wars-Universum von George Lucas zu eigen machen möchte. Genau wie zuvor schon in Episode VII ist auch in Rogue One die zentrale Figur eine junge (von einer Britin) verkörperte Frau, was durchaus an die bestens vermarkteten Disney Princesses der Animationsfilme denken lässt.

Rogue One: A Star Wars Story

Felicity Jones (Die Entdeckung der Unendlichkeit, Sieben Minuten nach Mitternacht) spielt Jyn, die Tochter von Galen Erso (Mads Mikkelsen),  des mit den Zielen des Imperiums fremdelnden Konstrukteur des Todessterns. Gemeinsam mit einem bunten Multikulti-Haufen, inklusive Samurai und Roboter, stürzt sich die junge Frau ins Kampfgetümmel. Dies setzt Regisseur Gareth Edwards (Godzilla), quasi als Gegenentwurf zu Episode VII, mit dreckiger Kriegsfilm-Optik in Szene.

Rogue One: A Star Wars Story

Doch leider sind die Story und die meisten der neuen Charaktere nicht sonderlich überzeugend. Spaß macht der Film eher durch die manchmal etwas aufdringlich platzierten, doch oft auch angenehm überraschenden Verknüpfungen mit der Star-Wars-Filmreihe. So hat zum Beispiel der 1994 verstorbene britische Horror-Star Peter Cushing (Frankensteins Fluch, Dracula) einige nicht immer voll überzeugend computeranimierte Auftritte als Grand Moff Tarkin und auch sonst werden – vor allem im wirklich überraschenden Finale – noch so einige Momente geboten, die toleranten Star-Wars-Fans viel Freude bereiten dürften. Wer mehr über den Rebellen Cassian Andor (Diego Luna) erfahren möchte dem sei die grandiose Prequel-Serie Andor empfohlen.

Rogue One: A Star Wars Story

Die Blu-ray enthält neben dem 134-minütigen Film auf einer zweiten Scheibe noch zusätzliche Szenen (4:15 min, wie alle übrigen Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln); Die umfangreiche Doku “Die Geschichten“ (68:58 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln) und den kurzen Bericht “Rogue: Zusammenhänge“ (4:31 min wahlweise mit deutschen Untertiteln), nicht verwendete Szenen gibt es diesmal keine.

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