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Die Dämonischen

Es ist schon erstaunlich, dass einer der besten und immer wieder gerne neuverfilmten Science-Fiction-Klassiker fast ganz ohne Spezialeffekte auskommt. Vorlage war The Body Snatchers, eine Erzählung von Jack Finney, die 1954 als Fortsetzungsgeschichte im Collier’s Magazine erschienen ist. Finney erzählte in dieser sehr finsteren Geschichte von außerirdischen Invasoren, die nachts in die Körper von schlafenden Menschen schlüpfen, um sie zu gleichgeschalteten und emotionslosen Wesen zu machen.

Bei der Verfilmung, die 1956 in den USA etwas zu reißerisch als Invasion of the Body Snatchers in die Kinos kam und bei uns den eher nichtssagenden Titel Die Dämonischen erhielt, stand Regisseur Don Siegel ein Budget von lediglich 400.000 Dollar zu Verfügung. Daher gab es keine aufwändigen Trickeffekte, wie in den zeitgleich entstandenen Alien-Invasionsfilmen Kampf der Welten, Invasion vom Mars, Fliegende Untertassen greifen an oder der 3D-Produktion Gefahr aus dem Weltall. Dennoch überzeugen, die Szenen in denen gezeigt wird, wie die Samen aus dem All zunächst zu großen Pflanzenschoten und dann zu “neuen Menschen“ werden.

Siegel erzählt vom Arzt Miles Bennell (Kevin McCarthy), der in seine kalifornische Heimatstadt Santa Mira zurückkehrt. Während er seiner Jugendfreundin Becky (Dana Wynter) immer näherkommt, muss er feststellen, dass sich seine vertraute Umgebung drastisch verändert hat. So will ein kleiner Junge nicht nach Hause zurückkehren, weil die Frau, die dort wohnt, nicht mehr seine Mutter ist. Immer mehr der Bewohner wirken wie ausgetauscht…

Ursprünglich sollte der Film negativ enden, mit einem verzweifelten Miles Bennell, der ebenso verzweifelt wie vergeblich „You’re next! You’re next!“ schreit. Doch der Produktionsfirma war dies zu drastisch und bestand auf einer Rahmenhandlung. So kann Bennell im neuen Ende doch noch einige Mitmenschen von der Invasion überzeugen und ein Abwenden der Gefahr erscheint möglich. Fast noch schlimmer ist die neu gefilmte Eröffnungsszene, in der Bennell einem Psychologen “spoilert“, was in seinem Heimatort geschehen ist. Damit wurde laut Siegel der sorgfältige Spannungsaufbau des Films “beinahe ruiniert“.

Doch zum Glück nur beinahe, denn im Laufe der nächsten Jahrzehnte entstanden drei weitere Verfilmungen von Jack Finneys Geschichte. 1978 stand Philip Kaufman bei Die Körperfresser kommen mit Donald Sutherland, Jeff Goldblum und Leonard Nimoy eine prominente Besetzung sowie ein sehr viel größeres Budget zur Verfügung. Kaufman gewährte Kevin McCarthy einen kurzen Gastauftritt und Don Siegel war kurz als Taxifahrer zu sehen. Kaufman verzichtete auf die Rahmenhandlung, die Don Siegel aufgezwungen wurde und ließ seinen Film mit einem laut kreischenden zum Pod verwandelte Sutherland sehr böse ganz im Sinne von Finney enden.

Donald Sutherland in Die Körperfresser kommen

Basierend auf einer Idee des Regisseurs Larry Cohen (It’s Alive, The Ambulance, American Monster), der ein großer Fan des Originalfilms war, verlegte Abel Ferrara 1993 in Body Snatchers die Handlung auf einen Militärstützpunkt, wo gleichgeschaltetes Verhalten nicht weiter auffällt. Ferrara hätte zwar lieber eine werkgetreues und um die Rahmenhandlung bereinigtes Remake des Originalfilms gedreht, doch ihm gelang ein sehr spannender Film mit einigen überraschenden Wendungen und guten Effekten.   

Meg Tilly in Body Snatchers

2007 verfilmte der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) die Story von Finney unter dem schlichten Titel Invasion. Trotz der Starbesetzung mit Daniel Craig und Nicole Kidman konnte der Film, genau wie die Version Abel Ferrara das Budget nicht wieder einspielen.

Filmjuwelen veröffentlichte “Die Dämonischen“ als Collector’s Edition im Mediabook. Enthalten ist neben der bereits 2018 auf Blu-ray veröffentlichen Fassung ohne Bonusmaterial eine 4K Ultra HD-Scheibe. In allerbester Bildqualität enthält diese den Film in den Bildformaten 2,00:1 und 1,84:1. Außerdem gibt es erstmals einen deutschsprachigen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen. Ebenfalls enthalten ist ein zweiter, nicht untertitelter Audiokommentar mit den Hauptdarstellern Kevin McCarthy und Dana Wynter, die vom Regisseur Joe Dante interviewt werden.

Hinzu kommt die zwölfminütige wahlweise deutsch untertitelte Featurette “Die Angst ist real“, in der Joe Dante und Larry Cohen darüber reflektieren, ob “Die Dämonischen“ politisch links oder rechts einzuordnen ist Außerdem sind der deutsche Trailer (2:47 min) und der US-Trailer (1:47 min) enthalten. Für Heimkino-Freunde ist diese neue Edition nahezu unverzichtbar, denn während Filmjuwelen in letzter Zeit auf gedruckte Booklets anstelle von e-Book-Links verzichtet hatte, gibt es bei “Die Dämonischen“ endlich wieder ein richtig schön aufgemachtes 28-seitiges Mediabook mit einem reich bebilderten Text von Dr. Rolf Giesen.

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