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Lon Chaney – Das Phantom von Hollywood

Der 1883 in Colorado Springs geborene Leonidas Frank Chaney ist zweifelsohne der erste ganz große Star des Horrorkinos. Doch Lon Chaney war sehr viel mehr als ein Schauspieler, der sich auf Schreckgestalten konzentriert hat. Er verfügte über einen Koffer mit gut sortierten Schminkmaterialien und konnte sich dadurch in Windeseile komplett verwandeln.

Diese Fähigkeit verhalf ihm am Anfang seiner Karriere dazu, in den Kindertagen des Kinos, täglich gleich mehrere Rollen in zahllosen Filmen zu erhalten. Quasi auf Zuruf verwandelte sich “Der Mann mit den 1000 Gesichtern“ in einen Chinesen oder eine uralte Frau. Doch Lon Chaney verfügte nicht nur über Fähigkeiten als Maskenbildner, sondern durch seine ausdrucksstarke Mimik war er der ideale Stummfilm-Darsteller.

Seine Körpersprache entwickelte er bereits in frühster Jugend. Beide Eltern waren gehörlos und Chaney verständigte sich mit ihnen nicht nur über die Zeichensprache, sondern auch durch pantomimische Bewegungen. Diese Begabung kam ihm später auch als Schauspieler zu Gute. Sein Weg führte ihn vom Vaudeville über Wanderbühnen langsam aber sicher nach ganz oben in Hollywood.

Die Kommunikationsdesignerin und Kunsthistorikerin Sabine Schwientek veröffentlichte beim Schüren Verlag mit Dämon der Leinwand bereits eine großartige Biografie über Conrad Veidt. Genauso akribisch rekonstruierte sie Lon Chaneys Leben und sein zu Großteilen verschollenes Filmwerk. Ausführlich beschäftigt sie sich mit dessen bekanntesten Filmen Der Glöckner von Notre-Dame und Das Phantom der Oper. Ein Kapitel erzählt von Chaneys Horrorklassiker London after Midnight, der immer noch die Popkultur beeinflusst, aber nach einem Brand im Filmarchiv von MGM nicht mehr auffindbar ist.

Durch ausführliche Inhaltsangaben erweckt Schwientek aber auch die frühen, häufig verschwundenen Filme Chaneys zum Leben. Oft spielte er darin mit großem Einsatz Menschen mit schweren körperlichen Gebrechen. Doch ihm ging es nicht um nur um die Zurschaustellung seiner darstellerischen Fähigkeiten, sondern er stellte zunächst fremd oder erschreckend wirkenden Charaktere mit ebenso viel Respekt wie Empathie dar. Zeit seines Lebens fühlte er sich behinderten oder sozial schwachen Menschen näher verbunden, als den Mächtigen in Hollywood.

So wurde Chaney als sich eines Tages Dreharbeiten in die Länge gezogen hatten, vom MGM-Studiochef Irving Thalberg Chaney gebeten, etwas länger zu bleiben, damit die Statisten nicht für einen weiteren Tag bezahlt werden mussten. Chaney lehnte entschieden ab: “Was kümmert es mich, wenn MGM 20.000 Dollar mehr zahlen muss? Fünf oder zehn Dollar für einen zusätzlichen Arbeitstag bedeutet für die Statisten Brot und Butter oder neue Schuhe für die Kinder. Ich bin froh, dass ich Sie dazu bringen kann, das zu bezahlen.“

In einem Bonuskapitel beschäftigt sich Sabine Schwientek mit dem tragischen Leben von Lon Chaney Junior, der durch den Erfolg seines Films The Wolfs Man eher zwangsweise das künstlerische Erbe seines Vaters antrat. Dieses Kapitel ist nicht im Buch enthalten, doch über einen dort abgedruckten Link kann es als eBook heruntergeladen werden.

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