Schlagwort-Archiv: Claude Chabrol

Nouvelle Vague

Im Gegensatz zu seinen Freunden François Truffaut und Claude Chabrol, die ebenfalls Filmkritiken für die Zeitschrift Cahiers du cinéma geschrieben haben, hatte Jean-Luc Godard Ende der Fünfziger noch keinen Spielfilm gedreht. 1960 war es endlich soweit. Mit Godards Kumpel Jean-Paul Belmondo und Hollywoodstar Jean Seberg entstand in zwanzig Tagen Außer Atem.

Seberg, die zuvor die Hauptrollen in zwei Filmen mit dem Regietyrannen Otto Preminger gespielt hatte, wunderte sich, dass Godard mit Handkamera und ohne Liveton drehte. Noch seltsamer war, dass es kein Drehbuch gab und Godard an einigen Tage gar nichts drehte, da ihm nichts einfiel. Am seltsamsten dürfte jedoch sein, dass Außer Atem zu einem Filmklassiker wurde.

Der Experimenten ebenfalls nicht abgeneigte Richard Linklater stellte in seinem 24. Spielfilm Nouvelle Vague vor Ort in Paris und stilecht in Schwarzweiß sowie im 4:3-Vollbildformat die Dreharbeiten von Außer Atem nach. Dabei ging er jedoch etwas geordneter als Godard vor. Die an den Entstehung des Klassikers beteiligte Filmschaffende wird dadurch vorgestellt, dass die jeweilige Schauspieler:innen kurz und meist leicht gelangweilt in die Kamera blicken, während eine eingeblendete Texttafel darüber informiert, wer hier gerade als Juliette Gréco, Jean-Pierre Melville, Roberto Rossellini oder Jean Cocteau zu sehen ist.  

Weitere Texttafeln informieren darüber, von welchen Drehtag Linklaters Film gerade erzählt. Dabei ist zu spüren, wie viel Spaß Zoey Deutsch und Michel Poiccardal als erstaunlich glaubhafte Doubles von Seberg und Belmondo, sowie der sich als Godard ebenso enigmatisch wie wortgewandt auftretende Guillaume Marbeck bei den Dreharbeiten hatten. Diese Spielfreude und der daraus resultierende Humor machen Nouvelle Vague zu einem der schönsten Filme über das Filmemachen, der durchaus die Klasse von François Truffauts Die amerikanische Nacht erreicht.

Wer sich Außer Atem nach Nouvell Vague ansieht, wird an Godards Klassiker besonders viel Vergnügen haben, denn dank Richard Linklater war es möglich zuvor quasi bei den Dreharbeiten dabei zu sein.          

Die Blu-ray von Plaion Pictures enthält als Bonusmaterial zwei Trailer zu “Außer Atem“ und vier Trailer zu “Nouvelle Vague“. Außerdem gibt es eine alternative deutsche Synchronfassung, in der Zoey Deutsch als Jean Seberg häufig englisch spricht. Zur deutschen Synchronisation sei noch angemerkt, dass Michel Poiccards bzw. Jean-Paul Belmondos deutsche Stimme von Florian Clyde angenehme Erinnerungen erweckt an dessen deutschen Stammsprecher, den 2024 verstorbenen Rainer Brandt.  

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Sklavin des Herzens

Australien, 19. Jahrhundert. Der ehemalige Pferdepfleger Sam Flusky (Joseph Cotton) und Henrietta (Ingrid Bergman), die aristokratische Tochter seines irischen Arbeitgebers führen in Sydney eine scheinbar unglückliche Ehe.

Während Sam zum erfolgreichen Geschäftsmann aufgestiegen ist, leidet Henrietta an Depressionen und ist dem Alkohol verfallen. Ihr Cousin Charles (Michael Wilding), der von Irland nach Australien gekommen ist, kümmert sich um Henrietta. Doch als er sich in sie verliebt, beschwört er eine Katastrophe herauf, denn das Ehepaar hütet ein furchtbares Geheimnis….

1949 drehte Alfred Hitchcock mit Sklavin des Herzens nach Rope – Cocktail für eine Leiche seinen zweiten Farbfilm und frönte auch hier seiner Leidenschaft für lange Szenen, die er in durchgehenden Einstellungen drehte. Oberflächlich handelt es sich bei diesem für Hitchcock eher ungewöhnlichen Werk um einen Kostümfilm vor dem farbenprächtigen Hintergrund des aufstrebenden und von ehemaligen Sträflingen bevölkerten Kontinents Australiens. 

Wer will kann Sklavin des Herzens auch als tränendrüsiges Melodram sehen. Es sind aber durchaus Momente purer Spannung vorhanden, etwa wenn Henrietta, die von Ingrid Bergman sehr facettenreich verkörpert wird, plötzlich feststellen muss dass sie von ihrer Haushälterin ganz übel hintergangen wird, wobei auch ein äußerst grausiger Schrumpfkopf eine wichtige Rolle spielt. Insgesamt hat sich dieser selten gezeigte Hitchcock-Film besser gehalten als so manches seiner Spätwerke.

Die schon lange vergriffene deutsche DVD von 2006 enthält als Extra eine interessante 27-minütige Doku, in der der französische Regisseur Claude Chabrol davon erzählt, dass er Alfred Hitchcock für sich bereits entdeckt hatte, lange bevor sein Kollegen François Truffaut einen vielbeachteten Interviewband herausbrachte.

Cover D der Müller-Mediabook-Edition

Mittlerweile ist Sklavin des Herzens bei Müller in besserer Bildqualität als Mediabook mit vier Variantcovern erschienen.  

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Chaplin: Ein Leben für den Film

Bereits 1915 gab es einen täglichen Comic-Strip mit Charlie Chaplin an dem auch E. C. Segar als Zeichner beteiligt war, der später mit seinem Popeye große Erfolge feiern sollte. Weitere Comic-Auftritte folgten, so wurden bei uns Anfang der 70er-Jahre 15 Hefte zum “kleinen Mann mit dem großen Herzen“ an die Kioske gebracht. Doch erst jetzt wird unter dem Motto “Ein Leben für den Film“ eine Comic-Biografie über Chaplin veröffentlicht.

Chaplin: Ein Leben für den Film

In Belgien und Frankreich erschien dieser Comic 2019 bei Dupuis (daher gibt es einen Gastauftritt von Spirou) als Band 1 der Reihe Les étoiles de l’histoire. Es folgten ebenfalls von Bernard Swysen geschriebene Biografien zu Marylin Monroe und Brigitte Bardot. Dem erfahrenen Autor gelingt es, auf 70 Seiten alle wichtigen Momente im Leben des Kino-Pioniers zu berücksichtigen. Zugleich gelang es ihm auch zu vermeiden, eine Art Comic-Adaption von Richard Attenboroughs opulenter Film-Biografie Chaplin mit Robert Downey Jr. abzuliefern.

Chaplin: Ein Leben für den Film

Sehr viel ausführlicher als der Film schildert der Comic die Jugend von Charles Chaplin in ärmlichsten Verhältnissen. Zu fast jedem wichtigen Film (sogar zu Die Gräfin von Hongkong) gibt es Impressionen von den Dreharbeiten. Natürlich sind auch Chaplins zahlreiche selten glücklich endende Affären und Beziehungen ein wichtiges Thema. Passend dazu ist das Artwork von Bruno Bazile (Les aventures de Sarkozix), dem gute Promi-Karikaturen gelangen, sehr detailfreudig ausgefallen.

Chaplin: Ein Leben für den Film

Das Vorwort des französischen Regisseurs Claude Chabrol (Die Fantome des Hutmachers), der Chaplin persönlich getroffen hatte, bleibt weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der Anhang mit einer kompletten Filmografie, inklusive der von Chaplin gespielten Rollen, hingegen ist eine sinnvolle Ergänzung dieser schönen Edition.

Flavia Scudery: Marlene Dietrich

Nach Monroe – Ein Hollywoodmärchen! veröffentlicht Panini anstatt der Biografie von Brigitte Bardot den ersten Teil einer als Comic erzählten Lebensgeschichte von Marlene Dietrich. Flavia Scudery gelang mit bewusst eingesetzten Stilbrüchen in Richtung Manga und Disney ein mitreißender Auftakt.

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