Schlagwort-Archiv: Charlie Watts

Staying Alive: Unsterbliche Idole unserer Zeit

Alex Solmans eigenwillige schwarzweiße Porträts von Promis erinnern an jene Karikaturen, mit denen Hilke Raddatz seit 1979 im Satiremagazin Titanic die Wirkung der ebenso boshaften wie dringend erforderlichen Briefe an verhaltensauffällige Leser noch steigert.

Solmans nicht minder treffsichere und stilistisch erstaunlich vielfältige Bilder sind gezeichnete Nachrufe auf Menschen, von denen leider keine weiteren kulturellen Höchstleistungen zu erwarten sind.

Pauline Oliveros 81932 – 2016)

Da Solman begeisterter Vinyl-Sammler ist, stellt ein Großteil seiner Zeichnungen Musikerinnen und Musiker wie DJ Patex, die Akkordeonistin Pauline Oliveros, den Trio-Drummer Peter Behrens oder den finnischen Techno-Musiker Mika Vainio dar, deren Kreativität und Schaffensfreude nicht durch ausbleibenden Weltruhm, sondern erst durch den Tod ausgebremst wurde.

Erika Fuchs (1906 – 2005)

Auch im Bereich Comic und Cartoon kennt sich Alex Solman aus. Daher fanden in seiner illustren Collection von 210 Porträts auch Erika Fuchs, Uli Stein, Al Jaffee, F. W. Bernstein, Francisco Ibáñez, Jean-Claude Mézières, Mordillo, Dennis O’Neil, Ali Mitgutsch, Albert Uderzo, René Goscinny, Tomi Ungerer und Manfred Deix Aufnahme.

Al Jaffee (1921 – 2023)

Die biografischen Texte zu einem Großteil der Verstorbenen wie David Bowie, Johnny Cash, Hermes Phettberg, Ennio Moricone, Gene Hackman, Charlie Watts oder Bruno Ganz fallen recht knapp aus. Doch die Wirkung von 80 Karikaturen wird durch pointierte Texte von Gereon Klug noch gesteigert.

Karl Dall (1941 – 2020)

Besonders treffend sind dessen Nachrufe auf eigenwillige Humoristen, wie Herbert Feuerstein oder Karl Dall, dem “freiesten Geist im formatierten“ Fernsehen, dessen “Auge so wie er zwischen allen Stühlen“ hing.

Bud Spencer (1939 – 2016)

Auch der “äußerst friedfertige“ Bud Spencer, der “in seinen Filmen über eintausendfünfhundertmal zuhaute“ sowie – thematisch passend – das „Asynchron-Genie“ Rainer Brandt, dem “die Worte wie katholische Mufflons in Karamellblau aus dem Gebeiß“ quollen, werden würdig verabschiedet.

Rainer Brandt (1936 – 2024)

Mein Favorit ist das Teamwork von Solman und Klug beim Nachruf zum Zoten-König Fips Asmussen. Zu einer fast schon diabolisch grinsenden Solman-Karikatur zählt Klug – in seinem längsten Text des Buchs – Asmussens zehn besten Witze auf:

Fips Asmussen (1938 – 2020)

“1. Den mit dem Arzt. 2. Den mit dem Sarg, der nicht aufgeht, weil ein Zuhälter drin ist. (…)  9. Den mit dem Spiegel, wo Fips trotzdem rasiert wird. 10. Den ganz ohne Scheiß. 11. Und den einen, den er »noch hat«.“

Maggie Smith (1934 – 2024)

Hoch sollen sie leben, die unsterbliche Idole unserer Zeit!

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The Rolling Stones – Das Comic!

Bei Bahoe Books liegt bereits ein Comic über die Beatles vor und die aktuell dort erschienene Biografie über die immer noch aktiven Rolling Stones funktioniert nach demselben bemerkenswert guten Konzept.

Cover von Bast

Die Comic-Kurzgeschichten, die sich mit den Phasen und Marotten der Stones beschäftigen, wurden von verschiedenen französischen Zeichnern in höchst unterschiedlichen Stilen zu Papier gebracht. Die Texte zu den Comics hingegen, aber auch zu den überleitenden Prosa-Kapitel, stammen alle von Erick Lasnel alias Céka, der bereits Comics über Michael Jackson und die Mondlandung verfasst hat.

Martin Trystam

Unter den Zeichnern befindet sich zwar kein “großer Name“, doch bei aller stilistischer Vielfalt gibt es auch keinen visuellen Ausrutscher. So kann in 21 Kapiteln miterlebt werden, wie Mick 1960 auf Keith trifft, wie sie auf Druck ihres Managers Andrew Loog Oldham als Glimmer Twins zu Songwritern werden, wie Brian Jones daran verzweifelt, dass er nicht seinen Platz in der Band gefunden hat und tot in seinen Swimmingpool aufgefunden wird.

Kyung-Eun Park

Wir erleben Mick Jagger als “Rebell im Bentley“, sowie das katastrophale Altamont-Festival mit Hells Angels als “Ordnern“, bekommen aber auch einen Einblick in die E-Gitarren-Sammlung von Keith Richards und sind dabei als Mick Taylor durch Ron Wood ersetzt wird. Im autobiografisch geprägten Kapitel Sommer 72 erzählt Céka davon, wie ein schüchterner Jüngling beim Engtanzen zu Angie die Liebe seines Lebens fand.

Patés

Diese Comic-Anthologie ist so aktuell, dass auch Abschied genommen wird von Charlie Watts, der 58 Jahre lang bei Konzerten auf Schlagzeugsolos verzchtete, als Jazzer immer ein “Fremder im Rockuniversum“ geblieben ist und den Eindruck erweckte, er wäre “nur zufällig ein Rolling Stone“ geworden. Das Abschlusskapitel feiert die unkaputtbaren Stones, die auch 2022 auf Tour gehen.

Es ist ebenfalls sehr erfreulich, dass diese Comicbiografie-Reihe mit einem Bänden über The Doors und Queen fortgeführt wurde.

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The Rolling Stones: Sympathy For The Devil

1968 drehte der französische Regisseur Jean-Luc Godard (Außer Atem, Lemmy Caution gegen Alpha 60) unter dem Titel One plus One einen weiteren seiner sehr seltsamen Filme. Doch zumindest teilweise gelang es ihm, ein beeindruckendes Stück Zeitgeschichte einzufangen. Godard war dabei als The Rolling Stones im Juni 1968 einen ihrer größten (aber auch umstrittensten) Hits in den Londoner Olympic Sound Studios einspielten.

The Rolling Stones: Sympathy For The Devil

Der Film erhielt daher auch den alternativen Titel Sympathie for the Devil. Die in langen Einstellungen eingefangenen Filmaufnahmen von den Studio-Sessions mit Mick Jagger, Keith Richards, Bill Wyman, Charlie Watts und dem ein Jahr später verstorbenen Brian Jones können auch heute noch ungemein faszinieren.

The Rolling Stones: Sympathy For The Devil

Es entsteht hier nicht der Eindruck, dass hier eine Gruppe von gleichberechtigten Musikern gemeinsam an einem Stück feilt, sondern vielmehr scheinen die Stones hier kaum einen Draht füreinander zu haben, denn jeder spielt in einer anderen Ecke des geräumigen Studios und scheint sein eigenes Ding zu machen . Zu sehen sind dabei auch die Stones-Musen Marianne Faithfull und Anita Pallenberg, die sich als (dann doch nicht verwendeter) Hintergrund-Chor versuchen.

The Rolling Stones: Sympathy For The Devil

Doch Godard wäre nicht Godard, wenn er diese höchst interessanten Aufnahmen nicht noch mit allerlei Seltsamkeiten “garnieren“ würde. Auf einem Autofriedhof, in einem Zeitschriftenladen oder auch im Wald gibt es in Englisch gedrehtes gesellschaftskritisches und revolutionäres Gequatsche zu hören. Doch für solchen Blödsinn wurde ja schließlich der schnelle Vorlauf erfunden.

Le Fromage Grande
Le Fromage Grande

Diese  nicht eben kurzen Szenen wirken wie überlange Sketche aus Monty Python’s Flying Circus, sind dabei aber völlig frei von Humor. Tatsächlich inspirierte Godards abgedrehte Inszenierung die Pythons 1970 zu einem Sketch. In der zehnten Folge der zweiten Staffel ihres Flying Circus ist ein auf einer Müllkippe gedrehter angeblicher Ausschnitt aus Jean Kenneth Longueurs Experimentalfilm Le Fromage Grande zu sehen.

The Rolling Stones: Sympathy For The Devil

Die Blu-ray von Koch Media zu „The Rolling Stones: Sympathy For The Devil“ enthält neben dem 101-minütigen Film im Vollbildformat, in sehr guter Bildqualität, in der englischen Originalfassung und wahlweise mit deutschen Untertiteln noch den Making-Of-Film “Voice“ (43:14 min) von Richard Mordaunt, ebenfalls wahlweise mit deutschen Untertiteln

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