Im Dezember 1974 wurde die Comixene von Andreas C. Knigge zusammen mit René Lehner und Thilo Rex gegründet. Nachdem Ausrichtung und Leitung häufig gewechselt hatte, stellte das Magazin für Comic-Kunst und grafische Literatur 2023 mit der 147. Ausgabe sein Erscheinen ein, und es sah so aus, als wenn es keine Jubiläumsnummer zum 50. Geburtstag geben würde.
Doch der Edition Alfonz war es tatsächlich gelungen,Knigge zu überreden weiterzumachen. Im Dezember 2024 präsentierte er die 148. Comixene als Kanon der „111 besten Graphic Novels“. Er gab darin bekannt, dass Ende 2015 eine Ausgabe mit dem Schwerpunktthema “Bande Dessinée – Die Chronik“ folgen würde. Genau dies ist jetzt geschehen!
Das Cover ziert eine Illustration von Jacques Tardi, die im September 1976 die Titelseite von Métal Hurlant zierte. Zu sehen ist ein Roboter, der dabei ist die ikonische Mondrakete von Tim und Struppi zu verschlingen. Das Motiv passt zum Inhalt, denn Knigge und seine Autoren erzählen davon, wie Hergès sehr konservativ erzählten Abenteuer von Tim nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankobelgien erhebliche Comic-Konkurrenz bekamen.
Zum einen gab es das Jugendmagazin Spirou, dessen Macher die Resistance unterstützt hatten, ganz im Gegensatz zu Hergé, der seine Comics in einer von den deutschen Besatzern kontrollierten belgischen Tageszeitung veröffentlichte. Doch auch das Konkurrenzblatt Tintin beschritt mit Serien wie Blake und Mortimer, Michel Vaillant oder Umpah-Pah eigene Comicwege, obwohl auf dem Cover weiterhin Tim und Struppi zu sehen waren.
Die Comixene berichtet zudem über die weitere Entwicklung, die progressive Comicmagazine wie Pilote, Fluide Glacial oder Métal Hurlant ins Spiel brachte, die auch für eine reifere Leserschaft interessant waren. Hinzu kommen auf 148 Seiten interessante Berichte zum Comicpionier Rodolphe Töpffer, dem frühen Superhelden Phantom oder dem Comic-Freilichtmuseum Brüssel. Außerdem gibt es aussagekräftige Interviews mit dem aus Düsseldorf stammenden Andreas Martens, der unter seinem Vornamen Comic-Karriere in Brüssel machte, sowie – versehen mit der etwas respektlosen Überschrift „Alte Knacker“ – ein Gespräch mit den Herausgebern Dirk Schulz von Splitter und Georg F.W. Tempel von Zack.
Für die Ende 2025 erscheinende 150. Comixene steht bereits das Schwerpunktthema fest: “130 Jahre Comics – Die verborgene Geschichte“.
Bei Carlsen ist mit Der Fall E. P. Jacobs bereits ein Comic über den Schöpfer von Blake und Mortimer erschienen. Dieser hat mir recht gut gefallen, das Werk verblasst jedoch gegen eine weitere gezeichnete Biografie.
Im Nachwort zu Edgar P. Jacobs: Träume und Apokalypsen erzählt der französische Autor François Rivière, wie er die belgische Comiclegende 1970 persönlich kennenlernte und danach regelmäßig besucht hat. Diese Nähe zum 1987 verstorbenen Edgar P. Jacobs ist Rivières Szenario deutlich anzumerken.
Im ersten der neun Kapitel des Comics ist Jacobs bereits ein junger Mann, der gemeinsam mit seinem Freund dem späteren Tintin-Chefredakteur Jacques Van Melkebeke in den Museen und auf den Flohmärkten Brüssels Inspiration findet. Durch Van Melkebeke lernt Jacobs später auch Hergé kennen.
Zwischen Hergé und Jacobs entwickelt sich eine nicht unkomplizierte Freundschaft, aber auch eine Arbeitsbeziehung. Beides geht in die Brüche als Jacobs nicht mehr bereit ist, bei Tim und Struppi anonym als Assistent zu arbeiten. Doch natürlich erzählt François Rivière auch von Jacobs’ Karriere als Opernsänger und seinem komplizierten Beziehungsleben.
Der Schweizer Zeichner Philippe Wurm setzt die Biografie in detailfreudigen, oft recht kleinen Panels in Szene. Dabei lässt er sich durchaus von Jacobs’ Zeichenstil inspirieren und verarbeitet markante Momente aus Blake und Mortimer zu beeindruckenden Traumsequenzen. Abgerundet wird dieser schöne Hardcoverband durch biografische Notizen zu Zeitgenossen von Jacobs runden ab und ein sehr interessantes Nachwort von Rivière.
1956 gelang Edgar P. Jacobs mit dem spannenden im damaligen London angesiedelten Thriller Das gelbe M seinem wohl bedeutendster Comic mit dem britischen Geheimdienstlers Captain Francis Blake und dem Atomphysikers Professor Philip Mortimer.
Im Anschluss daran entstand ein Album mit starken Science-Fiction-Touch. Jakobs hatte Erfahrung mit diesem Genre und im besetzten Belgien Alex Raymonds Flash Gordon fortgeführt. Sein fünftes Abenteuer mit Blake und Mortimer sollte als Geschichte über UFO-Sichtungen beginnen und – wie bereits Das Geheimnis der großen Pyramide – ein epischer Zweiteiler über die Mysterien einer uralten Kultur werden.
Doch da sein Kollege Willy Vandersteen bereits eine UFO-Geschichte für das Comicmagazin Tintin fertiggestellte hatte, musste Jakobs sein Konzept ändern. Das Geheimnis von Atlantis beginnt quasi mittendrin und es gibt erst einmal reichlich Rückblenden-Text. Bei einer Höhlenexpedition auf der Azoren-Insel São Miguel hat Professor Mortimer eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Daher lädt er seinen Kumpel Blake zu einer weiteren unterirdischen Erkundung ein.
Dabei stoßen sie auf eine weit fortgeschrittene außerirdische Kultur, die einst auf dem untergegangenen Kontinent Atlantis lebte. Nach einem recht realistischen Auftakt wird die Geschichten zum bunten Science-Fiction-Abenteuer mit knallig roten Kugel-Raumschiffen und exotischen Kostümen, die an die Zeit erinnern, als Jakobs in der Oper gesungen hatte.
Es ist sehr erfreulich, dass Carlsen die klassischen Comics mit Blake und Mortimer in einer optimal aufgemachten Bibliotheks-Ausgabe mit interessanten Bonusmaterial veröffentlicht. Neben vielen Skizzen und Entwurfszeichnungen gibt es auch wieder eine fundierte Einführung von Volker Hamann, der kürzlich mit einer Ausgabe seines Fachmagazins Reddition “75 Jahre Blake und Mortimer“ feierte.
Die belgische Traditionsserie Spirou entwickelt sich kontinuierlich weiter. In den letzten Jahren gab es mit Porträt eines Helden als junger Tor von Émile Bravo, Operation Fledermausoder Rummelsdorf: Enigma zahlreiche Alben, die außerhalb der regulären Serie erschienen sind und Geschichten erzählten, die vor oder während des Zweiten Weltkriegs spielen.
Noch einen Schritt weiter gingen Yves Sente, der als Autor die Comic-Klassiker Blake und Mortimer sowie XXIII fortgeführt hat, und Laurent Verron, der amtierende Zeichner von Boule & Bill. 2017 gelang dem Duo mit Sein Name war Ptirou ein Spirou-Album ohne Spirou. Ihre Geschichte spielte Ende der 20er-Jahre an Bord eines Transatlantikdampfers und erzählt davon, wie der zur Crew gehörende Robert Velter alias Rob-Vel durch einen heldenhaften Schiffsjungen zu seiner Comicfigur Spirou inspiriert wurde.
So wie es aktuell aussieht, war diese Geschichte eine Art Startrampe für eine neue Serie mit einer weiblichen Hauptfigur, die durch einen Gastauftritt von Rob-Vel nur sehr lose mit dem “Spirou-Universum“ verknüpft ist. Als Hauptfigur fungiert Juliette de Sainteloi, die als kleines Mädchen bereits eine wichtige Rolle in Sein Name war Ptirou spielte.
Mittlerweile ist Juliette eine junge Frau, die 1937 an der Sorbonne ihr Studium der Geisteswissenschaften erfolgreich beendet hat. Zum Ärger ihres wohlhabenden Vaters möchte Juliette künftig als Journalistin arbeiten. Sie verheimlicht ihm, dass es es ihr gelungen ist, ein Volontariat bei der linken Tageszeitung Horizon France zu erlangen und dort als Mademoiselle J. Artikel zu schreiben…
Vor dem Hintergrund der Pariser Weltausstellung, bei der es den Nazis gelang einen deutschen Pavillon zu errichten, der den sowjetischen Protzbau um wenige Meter überragte, erzählt Sente sehr rasant eine spannende Geschichte. Die Mischung aus Action, Humor und glaubhaft aufbereiteter Historie kann auch dank der opulenten Grafik von Verron voll überzeugen. Gegen Mademoiselle J. sehen Spirou und Fantasio ganz schön alt aus!
Mit der Geschichte Das Gelbe M gelang es Edgar P. Jacobs sich endgültig von Hergé abzunabeln. Nachdem er dem belgischen Comic-Großmeister zuvor bei Tim und Struppi assistierte, startete er 1946 mit den Abenteuern des britischen Geheimdienstlers Captain Francis Blake und des Atomphysikers Professor Philip Mortimer eine eigene Serie. Die ersten Geschichten Der Kampf um die Welt und Das Geheimnis der großen Pyramide gerieten noch etwas langatmig.
Doch bei Das Gelbe M störte es kein bisschen, dass Jacobs völlig auf Humor verzichtete, da ihm eine unerhört spannende Geschichte gelang. Das Titelbild, das Band 3 von Carlsens hervorragend editierter Blake-und-Mortimer-Bibliothek ziert, hätte den 1987 verstorbenen Jacobs sehr gefreut. Dass an den Stummfilm-Vampir Nosferatu erinnernde Phantom sollte eigentlich im August 1953 zum Start von Das Gelbe M auf dem Cover des wöchentlich erscheinenden Magazins Tintin zu sehen sein.
Doch Hergé missfiel das grausige Motiv und er verdonnerte Jacobs dazu, eine harmlosere Variante zu zeichnen. Obwohl dies die einzige Titelseite war, die sich während der 14-monatigen Erveröffentlichung in Tintin auf Das Gelbe M bezog, wurde der Comic ein großer Erfolg. Dies zeigte sich schon dadurch, dass während der Laufzeit des Comics überall in Frankreich und Belgien das Zeichen aus dem Comic auf Mauern oder Schulpulten zu sehen und gelbe Kreide ausverkauft war.
Doch es handelte sich dabei keineswegs um ein “gelbes M“, wie der deutsche Titel fälschlicherweise behauptet, sondern der große Unbekannte, der London terrorisiert, setzt als Erkennungsmerkmal den griechischen Buchstaben My ein.
Während es Jacobs zuvor nicht möglich war, zur Recherche für den Zweiteiler Das Tal der Unsterblichen / Das Geheimnis der großen Pyramide vor Ort in Ägypten zu recherchieren, fuhr er zur Einstimmung auf Das Gelbe M nach London. Er fing in seinem Comic sehr gut die Atmosphäre des nächtlichen London ein.
Seite 33 in Tintin, 1954
Das Gelbe M ist sehr viel gruseliger geraten, als jedes Abenteuer von Tim und Struppi. Zwar gibt es gelegtlich noch die Jacobs-typischen prall mit nicht unbedingt nötigen Texten gefüllten Sprechblasen, doch diese Unart neutralisiert Jacobs locker durch einige unerhört spannende Sequenzen, die fast schon zu einem Manga-Lesetempo zwingen.
Seite 33 in der Blake-und-Mortimer-Bibliothek
Die finsteren Komponenten der Geschichte kommen besonders gut zur Geltung in der überarbeiteten neuen Fassung von 1987. Volker Hamann (Reddition) schreibt in seinem sehr interessanten Vorwort zu diesem Band: “In der vorliegenden Ausgabe der Blake-und-Mortimer-Bibliothek ist nun die vollständigste und beste Fassung der Geschichte enthalten.“ Es ist sehr erfreulich, dass Carlsen diesen Comic-Klassiker in optimaler Form und mit interessanten Bonusmaterial veröffentlicht.
In seiner Blake und Mortimer Bibliothek erfreut uns der Carlsen Verlag mit den bestens präsentierten Comic-Klassikern von Edgar P. Jacobs. Kurz nachdem hier in einem schönen Hardcover-Band der Zweiteiler Das Geheimnis der großen Pyramide zum Abdruck kam, erscheint im selben Format ein nagelneues Abenteuer mit dem Waliser Offizier Francis Percy Blake und dem schottischen Professor Philip Edgar Angus Mortimer, das ebenfalls im Zusammenhang mit dem alten Ägypten steht.
Als besonderer Coup konnte als Zeichner diesmal der Belgier François Schuiten gewonnen werden, der in diesem Comic – genau wie in seiner Serie um die “geheimnisvollen Städte“ – einmal mehr seine Liebe zur Architektur zum Ausdruck bringt. Einen kleinen Gastauftritt absolviert dabei aber auch die von ihm bereits in einem Comic verewigte letzte Lokomotive der Bauart Atlantic mit der Seriennummer 12.004.
Hauptschauplatz ist jedoch der gewaltige Brüsseler Justizpalast, den Joseph Poelaert im vorletzten Jahrhundert im Stil des Eklektizismus entworfen hatte und der daher auch über altägyptische Einflüsse verfügt. Auf dieser Grundlage hat sich Schuiten gemeinsam mit Thomas Gunzig und Jaco Van Dormeal eine abenteuerliche Geschichte mit apocalyptischen Tendenzen ausgedacht. Obwohl diese in unserer Gegenwart spielt, hat Schuiten sie in ebenso nostalgischen wie atmosphärischen Bildern umgesetzt, die zum Schönsten gehören, was bisher innerhalb der Traditionsserie zu sehen war.
Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges erholt sich alle Welt von den Wunden und Zerstörungen. Doch der Kaiser von Tibet und seine skrupellosen Militärs schmieden finstere Welteroberungspläne und schicken eine gewaltige Luftstreitmacht “in alle Richtungen“. Kurze Zeit danach brennen Bombay, Rom und London, während “Paris, die Stadt des Lichts ausgelöscht“ ist.
Die letzten Hoffnungen der Menschheit ruhen auf den Schultern von Captain Francis Blake vom britischen Geheimdienst und dem Atomphysiker Philip Mortimer.
Mit den Abenteuern seiner Helden Blake und Mortimer schuf der auch als Opernsänger erfolgreiche Edgar Pierre Jacobs einen absoluten Klassiker des frankobelgischen Comics. Jakobs hatte zuvor bereits Alex Raymonds Flash Gordon fortgeführt, als während des Zweiten Weltkrieges keine Druckvorlagen mehr aus den USA eintrafen. Jacobs assistierte Hergé auch bei Tim und Struppi. 1946 erlebte Blake und Mortimer seine Premiere in der ersten Ausgabe des Magazins Tintin und das Duo hatte gleich einen “Kampf um die Welt“ zu absolvieren. Diesem ersten Abenteuer ist noch sehr deutlich die nach dem Zweiten Weltkrieg herrschende Angst vor weiteren möglicherweise noch schlimmeren Kriegen anzumerken.
Zu seinem 75. Jubiläum brachte Carlsen eine kompakte Gesamtausgabe mit allen aus der Feder von Edgar P. Jacobs stammenden Abenteuern von Blake und Mortimer heraus. Der einzige Makel dieses schönen Buchs ist, dass hier mit 16 Seiten zur kompletten Serie nur wenig Hintergrundinformationen verzichtet wurde. Wer nicht “nur“ den Comic lesen möchte, sondern auch etwas über die Hintergründe zur Geschichte und die Veröffentlichungshistorie erfahren möchte, wird mit Carlsen neu gestarteter Blake und Mortimer Bibliothek bestens bedient.
Der erste Band dieser Hardcover-Reihe beschäftigt sich mit Der Kampf um die Welt. Enthalten sind informative Texte, z. B. ein thematisch passendes Nachwort von Lutz Göllner zum “Umgang mit rassistischen Stereotypen in politisch korrekten Zeiten“. Sehr schön ist, dass auch alle von Jakobs gezeichneten Tintin-Titelbilder originalgetreu zum Abdruck kommen und diese Cover-Illustrationen nicht – wie in früheren Ausgaben – als Fremdkörper in die Comicgeschichte eingefügt wurden. Es ist schön, dass dieser Comic-Klassiker in dieser optimalen Form neu aufgelegt wird!
In zahlreichen Comics, wie seiner Serie um “Die geheimnisvollen Städte“, hat Francois Schuiten (Blake und Mortimer: Der letzte Pharao) seine Faszination an der Architektur vergangener Zeitepochen durch detailverliebte zumeist schwarzweiße Zeichnungen zum Ausdruck gebracht. Nachdem er den Wettbewerb für die Gestaltung des Eisenbahn-Museums Train World in Schaarbek bei Brüssel gewann, entdeckte er eine weitere Leidenschaft, denn das Prunkstück der Ausstellung ist die letzte Lokomotive der Bauart Atlantic mit der Seriennummer 12.004.
Diese sehr stromlinienförmig gestaltete belgische Dampflokomotive erreichte bei einem Zug mit fünf Wagen eine Spitzengeschwindigkeit von 165 km/h und gewann 1939 dafür das “Blaue Band“. Als das Modell Atlantic Type 12 nach 1962 ausgemustert wurde, entging eine Lokomotive der Verschrottung, angeblich weil einige sentimentale Eisenbahner sie in der hintersten Ecke eines Lokschuppens versteckten.
Dies inspirierte Francois Schuiten zu einer Comic-Geschichte für die er in schwarzweißen Bildern die Atlantic Type 12 ebenso authentisch wie wunderschön zu Papier brachte. Bei der Welt in der sein Comic angesiedelt ist, handelt es sich jedoch nicht um unsere Vergangenheit, sondern um ein Paralleluniversum in der Seilbahnen die Dampflokomotiven verdrängt haben. Hauptfigur ist der Lokführer Leon Van Bel, der seiner Atlantic 12 hoffnungslos verfallen ist und sie gar als sein “Mädchen“ bezeichnet. Als die Lokomotive verschrottet werden soll, bricht Leon mit der schönen Diebin Elya zu einer Odyssee auf um dies zu verhindern…
Menschlich diesmal vielleicht sogar ein weniger anrührender als sonst erzählt Francois Schuiten einmal mehr eine phantasievolle Geschichte, die in eine ebenso fremde wie vertraute Welt entführt. Als Bonus beinhaltet das sehr schön aufgemachte Comicalbum neben einem informativen Anhang auch noch den Schlüssel zu einer 3D Animation, die als “Augmented Reality“ über www.atlantic12.de aufgerufen werden kann.
Bei Carlsen erschien bereits – in immer neuen erweiterten Auflagen – die Comic-Biographie Die Abenteuer von Hergé von Jose-Louis Bocquet, Jean-Luc Fromental und Stanislas. Obwohl es sich dabei um alles andere als eine unkritische Bejubelung des Schöpfers von Tim und Struppi handelt, verlegte sie dessen deutscher Hausverlag. Eine gar nicht so kleine Rolle in dieser Comic-Biographie spielte – genau wie auch im Leben von Hergé – ein gewisser Edgar Pierre Jacobs, dessen Serie Blake und Mortimerebenfalls von Carlsen herausgebracht wird.
Auch daher liegt dort jetzt eine gezeichnete Biographie von E. P. Jacobs vor, in der natürlich auch Hergé auftritt. Dieser setzte den vielseitig begabten Jacobs in den 40er-Jahren gerne als Mitarbeiten bei Tim und Struppi ein, verweigerte ihm jedoch die eigentlich berechtigte Nennung als Co-Autor. Daraufhin widmete sich Jakobs ausschließlich eigenen Projekten und feierte große Erfolge mit seiner Serie Blake und Mortimer, die – im Gegensatz zu Tim und Struppi – auch nach dem Tode ihres Schöpfes noch heute von wechselnden Teams fortgeführt wird.
Dennoch erscheint “Ein Leben für den Comic“ als Untertitel eines Buches über jemanden der nicht nur als Zeichner sondern auch als Opernsänger Beachtliches geleistet hat als nicht ganz passend gewählt. Auf dem Cover der französischen Originalausgabe heißt es “Une vie en Bande Dessinée“, was vielleicht treffender mit “Ein Leben im Comic“ übersetzt worden wäre.
Noch stärker als Stanislas in Die Abenteuer von Hergé orientiert sich Louis Alloing (In der Sekte: Mein Leben in Scientology) bei seiner Bebilderung an dem Stil des porträtierten Zeichners. In seinen oft sehr großen Panels trifft Alloing recht gut Jacobs‘ Mischung aus Ligne Claire und detailfreudigen Realismus. Der Autor Rodolphe (Kenya) hingegen folgt in seinem Erzählstil (zum Glück) nur bedingt den Vorgaben von Jacobs, denn er fülllt die Sprechblasen nicht bis zum Bersten mit Texten. Abgerundet wird diese gelungene Comic-Biographie noch durch ein Gespräch mit Rodolphe und Skizzen von Louis Alloing.
Mit Edgar P. Jacobs: Träume und Apokalypsen gelang François Rivière und Philippe Wurm eine weitere sehr lesenswerte Biografie über den Schöpfer von Blake und Mortimer.