In Maschhad, der Heiligen Stadt des Irans, ermordete der als Bauarbeiter tätige Kriegsveteran Saeed Hanaei sechzehn Frauen. Dabei handelte es sich um Prostituierte, die zum Teil drogenabhängig waren. Hanaei wurde 2002 verhaftet und zeigte keinerlei Reue, denn er war fest der Meinung mit den Morden seine religiöse Pflicht erfüllt zu haben. Genau wie viele Landsleute, halten ihn auch seine Ehefrau und sein Sohn für einen Helden.
2020 stand Saeed Hanaei im Zentrum des von Exil-Iraners Ali Abbasi inszenierten, vielfach preisgekrönten Spielfilms Holy Spider. Bereits 2003 entstand der Dokumentarfilm And Along Came a Spider, in dem Maziar Bahari die Journalistin Roya Karimi Majd filmte, als sie Saeed Hanaei kurz vor dessen Hinrichtung interviewte und auch mit dessen Frau und Sohn sprach.
Der 1973 in Teheran geborene Mana Neyestani ist einer der wichtigsten politischen Karikaturisten des Irans. Er flüchte 2006 aus seiner Heimat und lebt mittlerweile in Paris. Dort arbeitet er weiterhin als Karikaturist und zugleich an Graphic Novels. In Ein iranischer Alptraum schildert er sehr eindringlich seine Verurteilung, Haft und Flucht. Mit Papiervögel gelang ihm ein erschütternder Einblick in die Welt der Kolbas, die unter Lebensgefahr Luxusgüter über schmale Bergpässe von Kurdistan in den Iran schmuggeln.
Neyestani erhielt von Maziar Bahari und Roya Karimi Majd die Erlaubnis die Erlaubnis Passagen aus den Interviews für eine Graphic Novel verwenden zu dürfen. Basierend auf den Filmaufnahmen zeigt er in seinem 2017 veröffentlichten Comic Die Spinne von Maschhad den sehr selbstbewusst zu seinen Taten stehenden Massenmörder Hanaei, sowie dessen Sohn, der sich vorstellen kann, in die Fußstapfen seines Vaters zu schlüpfen.
Neyestani verlässt in seinem Comic aber auch immer wieder die Interview-Ebene. Sehr eindringlich schildert er das Schicksal einer der ermordeten Frauen, die von ihrem Ehemann auf den Strich geschickt wird, um dessen Drogenkonsum zu finanzieren. Basierend auf Tatsachen, aber auch seiner eigenen Fantasie, stellt er dar, wie sich Saeed Hanaei nach einem seiner Morde unter die Schaulustigen mischt und mit dem ermittelnden Richter eine Diskussion über die Richtigkeit seiner Untaten beginnt.
Ali Abbasi verwendet in seinem Spielfilm Holy Spider Versatzstücke aus Serialkiller-Filmen wie Das Schweigen der Lämmer. Bei ihm ist es eine fiktive Journalistin aus Teheran, die den Täter entlarvt. Mana Neyestani hingegen entwickelt in seiner Fraphic Novel eine ganz eigene Dramaturgie und erreicht durch seine auch Elemente der Karikatur nicht scheuende Bildsprache einen erschreckenden Einblick in eine Welt, die aus Menschen religiöse Fanatiker macht.
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