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Philip Kerr: Die Berlin Trilogie

2008 schrieb Volker Kutscher mit dem ebenfalls als Comic adaptierten Buch Der nasse Fisch den ersten Kriminalroman seiner in der Weimarer Republik und dem Dritten Reich spielendem Gereon-Rath-Reihe, die der TV-Serie Babylon Berlin als Vorlage diente. Bereits 15 Jahre zuvor startete der Brite Philip Kerr seine ähnlich gelagerte Berlin-Trilogie.

Hauptfigur ist der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Weltkriegsveteran Bernie Gunther, der 1933 bei der Berliner Kripo kündigte, da er als Sozialdemokrat nicht in der Partei war und ohnehin entlassen worden wäre. Fortan arbeitet Gunther als Privatermittler und ist nicht wählerisch, was seine Auftraggeber betrifft. Doch Scheidungsangelegenheiten lehnt er ab, weil er diese für “zu gefährlich“ hält.

Gunthers erster Auftritt im Roman Feuer in Berlin wurde zu einem großen Erfolg und Kerr ließ dreizehn weitere Romane mit dem Privatermittler folgen. In diesen Büchern deckte er, wie die Literaturkritikerin Macha Séry im lesenswerten Nachwort zu diesem Comic schrieb, “in chronologischen Zickzacklinien drei Jahrzehnte von 1928 bis 1957 ab“. Kerrs Romane wurden auch in Frankreich zu einem großen Erfolg und daher startete dort 2021 eine Comicadaption der Berlin-Trilogie.

Die Adaption stammt von Pierre Boisserle, der bereits über 70 Alben gerextet hat, darunter die bei Splitter veröffentlichten Comics Roma und Das Konzil der Bäume. Kerrs Roman Feuer in Berlin spielt 1936 zur Zeit der Olympiade. Bernie Gunther soll den Mord an der Tochter eines Großindustriellen aufklären und zudem noch die Dinge finden, die der Täter aus einem Tresor gestohlen hat, bevor er das Haus abfackelte. Bei seinen Ermittlungen gerät Gunther immer wieder zwischen verschiedene Fronten und kommt auch noch in den “Genuss“ einer Privataudienz bei Hermann Göring…   

Kerr erzählt diese Geschichte auf circa 300 Seiten, für deren Adaption Pierre Boisserle immerhin 130 Comicseiten zur Verfügung standen. Dabei (und auch beim Folgeband Im Sog der dunklen Mächte) konzentriert er sich sehr auf den komplizierten Kriminalfall. Eher Mangelware sind aussagekräftige Momente voller Lokalkolorit, wie die SS-Männer, die auf der ersten Comicseite Propagandaplakate abmontieren, da zur Olympiade internationale Gäste kommen.

Über jeden Zweifel erhaben sind hingegen die Graphik von François Warzala, die sich thematisch passend zwischen Jaques Tardi und Edgar P. Jacobs bewegt, und die stimmungsvolle Farbgebung von Marie Galopin.

Ein sehr netter Bonus der Ausgabe von Schreiber & Leser ist das bereits erwähnte hochinteressante Nachwort von Macha Séry, das mit gut ausgewählten Entwurfszeichnungen von Warzala garniert wurde.          

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