Roya Soraya: Wind in meinem Kopftuch

Nachdem der aus dem Iran stammende Vater von Roya Sorayas 2020 an einem Herzinfarkt gestorben ist, räumte die junge Frau dessen Wohnung aus. Dabei findet sie Erinnerungsstücke an eine gemeinsame Reise durch den Iran.

Ein Paar blauer Turnschuhe lässt sie daran denken, dass sie durch diese markanten Treter in den vollbesetzten Bussen erkennen konnte, dass sich ihr Vater im selben Fahrzeug befand, denn in den Bussen m Iran sitzen bzw. stehen die Männer vorne und die Frauen müssen hinten einsteigen.

Roya Soraya beschreibt in ihrem autobiografischen Comic nicht nur die Neugierde auf die Heimat ihres Vaters, sondern auch ihre „Angst vor dem Regime, vor Gefängnis und Folter“. Daher „versteckte sie ihre Identität“ während der Reise, schafft sich beispielsweise ein neues Handy an und löscht direkt nach der Lektüre jede Nachricht von ihrer geliebten Freundin.

In farbenfroh kolorierten Bildern stellt die Künstlerin die wunderschönen Landschaften und Basare des Irans dar. Sie vermittelt auch den einzigartigen Geschmack von Safraneis. Zugleich erzählt sie von ihrer nie nachlassenden Unsicherheit darüber, ob sie sich „richtig“ verhält. Muss sie ihr vielleicht zu farbenfrohes Kopftuch auch auf dem Hotelbalkon oder im Schlafwagen tragen?

Im Nachwort zum Comic beschreibt Soraya ihre Gefühle als drei Jahre nach ihrer Reise die 22-jährige Jina Mahsa Amini verhaftet und ermordet wurde, weil sie angeblich ihr Kopftuch nicht richtig getragen hatte. Angesichts dieser Untat und dem brutalen Vorgehen der “Revolutionsgarde“ gegen die Frau, Leben, Freiheit-Bewegung, wird Soraya klar, dass keine ihre damaligen Ängste übertrieben war.

Alle Abbildungen: © 2026 Carlsen Verlag GmbH

Während sie dies schreibt, „entbrennt erneut eine riesige Protestwelle in ganz Iran“, die – wie Soraya hofft – diesmal endlich das Ende des Regimes bedeuten wird.

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