Als 1986 die Maxiserie Watchmen der Briten Alan Moore und Dave Gibbons erschienen ist, war dies ein bedeutender Meilenstein, nicht nur im Bereich der Superhelden-Comics. Es ist immer wieder spannend, weitere Details darüber zu erfahren, wie der Autor Moore und der Zeichner Gibbons seinerzeit gemeinsam an jedem Panel dieses sorgfältig durchkomponierten Comics gearbeitet haben.
Die 83. Ausgabe der Zeitschrift für Graphische Literatur enthält auf zwölf reich bebilderten Seiten eine Gibbons-Biografie von Volker Hamann, dem Herausgeber der Reddition. Eine sehr gute Ergänzung ist der Abdruck jenes Tagesspiegel-Interviews, das Lars von Törne 2025 mit Gibbons anlässlich von dessen Besuch auf dem Comicfestival München geführt hat.
Interessant ist hier die Aussage von Gibbons, dass er und Alan Moore Superhelden lieben und “diese Liebe floss auch in Watchmen ein“. Er sieht es als sehr problematisch an, dass viele andere Comics wie The Boys von Garth Ennis, der erfolgreich als TV-Serie umgesetzt wurde, Superhelden ebenfalls als “trostlos, gewalttätig und unangenehm“ darstellen. Völlig zurecht fragt er sich, warum andere Autoren nicht auch mit neuen Ideen ankommen, “die niemand jemals zuvor ausprobiert hat?“
Passend dazu widmet sich die Reddition natürlich auch den von Gibbons sehr kritisch gesehenen und von Alan Moore völlig ignorierten Comicfortsetzungen Before Watchmen, Doomsday Clock und Rorschach und den Adaptionen als Kinofilm, Serie und Animationsfilm. In diesem Zusammenhang sehr interessant ist Günter Krenns Artikel “(No) League of Extraordinary Movies – Alan Moore und Hollywood“ über Verfilmungen wie From Hell, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, V For Vendetta oder Batman: The Killing Joke.
Ein Großteil der Reddition ist zudem noch dem schier unübersichtlichen Gesamtwerk von Alan Moore gewidmet, von Miracleman, Swamp Thing, Superman: Whatever Happened to the Man of Tomorrow?, America’s Best Comics, Lost Girls, Providence bis hin zu seinem 1.400-seitigen Roman Jerusalem, den Peter Lau in seinem Artikel in dieser Reddition für ein “weiteres Meisterwerk“ hält.
Die angemessene Würdigung erhält auch die auf Dystopien statt auf Superhelden setzende englische Comickultur, über die Peter Schimkat in seinem Artikel “Britische Comics – Bis zu 2000 AD und Warrior“ umfassend informiert. Gibbons und Moore sind zwar mit Superhelden-Heften aufgewachsen, doch zugleich war beiden klar, dass es auch völlig andere Arten gibt, Comics zu erzählen. Auch diese Erkenntnis hat Watchmen zu sehr viel mehr als eine weitere Superhelden-Geschichte gemacht.
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