Mana Neyestani: Papiervögel

In der armen Bergregion von Kurdistan verdienen sich viele Menschen ihren Unterhalt als sogenannte Kolbas. Dieser Begriff ist eine Kombination aus den persischen Worten für “Rücken“ und für “Last“. Die Kolbas schmuggeln im Auftrag von organisierten Verbrecherbanden begehrte Ware, wie Luxusgüter oder Benzin, in den Iran. Dies geschieht über schmale Bergpässe, die in einer Höhe von bis zu 3.000 Meter gelegen sind.

Der 1973 in Teheran geborene Mana Neyestani ist einer der wichtigsten politischen Karikaturisten des Irans. Nachdem er wegen einer Zeichnung verhaftet wurde, büßte er eine mehrmonatige Haftstrafe ab und verbrachte davon 50 Tage im berüchtigten Evin-Gefängnis. Als danach er nur befristet entlassen wurde, flüchtete er zusammen mit seiner Ehefrau aus dem Iran und lebt mittlerweile in Paris.

Von dort aus kommentiert Neyestani durch seine ebenso bissigen wie treffenden Karikaturen weiterhin das Geschehen im und außerhalb des Irans. Zugleich arbeitet er an Graphic Novels. In Ein iranischer Alptraum schildert er sehr eindringlich seine Verurteilung, Haft und Flucht. In Die Spinne von Maschhad beschäftigte er sich mit einem religiösen Fanatiker, der in der Heiligen Stadt des Irans sechzehn Prostituierte ermordete.  

Für Papiervögel hat er intensiv recherchiert. Basierend auf Tatsachen erzählt er die Geschichte eines fiktiven Kolbas. Genau wie sehr viele der Schmuggler hat auch Jalal einen Hochschulabschluss. Er kann das heimatliche Dorf jedoch wegen seiner kranken Mutter nicht verlassen. Um ihre Tabletten bezahlen zu können, schließt sich Jalal einem Trek von Kolbas an.

Zur Gruppe gehört auch Nasser, der seine Tochter Rojan einem betagten zwielichtigen Geschäftsmann versprochen hat. Doch Jalal und Rojan sind heimlich verliebt und planen zu heiraten. Der Ingenieur hofft demnächst Gelegenheit zu finden, um mit Nasser über dessen Tochter zu reden. Doch dazu findet er keine Zeit, denn die Kolbas geraten immer wieder in Schwierigkeiten und werdeb brutal von den Grenztruppen gejagt.

Mana Neyestani gelingt das Kunststück auf der Grundlage von den tatsächlichen Lebensbedingungen der circa 40.000 Kolkas eine sehr spannende Geschichte zu erzählen. Dabei setzt er auch seine Kunst als Karikaturist ein und findet Raum für skurrile Momente. Doch in erster Linie ist Papiervögel ein erschütternder Einblick in eine fremde Welt, der schwer zu Herzen geht.

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