Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu

1913 feierte der englische Autor Sax Rohmer mit seinem ersten Roman über den Superverbrecher Dr. Fu Man Chu große Erfolge und stand schon recht bald im Zentrum zahlreicher Kinofilme. Von 1965 bis 1968 spielte Dracula Christopher Lee fünfmal einen angemessen bösartigen Fu Man Chu. Die ersten drei Filme Ich, Dr. Fu Man Chu, Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu und Die Rache des Dr. Fu Man Chu wurden relativ sorgfältig produziert.

Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu und Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu hat hingegen der Trash-Filmer Jess Franco (Nachts, wenn Dracula erwacht) sehr hurtig in Szene gesetzt. Bei Filmjuwelen ist 2024 eine optimal zusammengestellte Blu-ray-Edition mit allen fünf Filmen und haufenweise Bonusmaterial erschienen. Aktuell wurden dort ausgerechnet die beiden letzten Fu-Man-Chu-Filme als edel aufgemachte Collector’s Editions mit Mediabook, Blu-ray und bildtechnisch optimierter 4K Ultra HD veröffentlicht.  

1969 entstand in Barcelona und Istanbul als deutsch-spanisch-italienische Co-Produktion Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu. Auch im letzten Film der Reihe ist der Name Programm, denn schon nach wenigen Sekunden quält Jess Franco die Zuschauer, in dem er die Anfangsszene aus Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu erneut verwendet und gleich danach blaustichige Bilder zeigt, die eindeutig aus einem eingefärbten Schwarzweißfilm stammen, in diesem Falle aus Die letzte Nacht der Titanic von 1958. Ebenfalls zum Einsatz kamen spektakuläre Szenen eines Staudamm-Bruchs, die aus dem britischen Film Gefährliches Erbe von 1957 stammten.

Da es sich um eine deutsch-spanisch-italienische Co-Produktion handelt, musste auch ein deutscher Darsteller in einer Hauptrolle dabei sein. Bei den ersten beiden Fu-Man-Chu-Filmen kamen Joachim Fuchsberger und Heinz Drache zum Einsatz. Beide waren aus der westdeutschen Edgar-Wallace-Reihe als Inspektoren bekannt. In deren Fußstapfen trat im letzten Fu-Man-Chu-Film Günther Stoll, der kurz zuvor in Der Buckelige von Soho den Inspektor Hopkins spielte.  

Im Bonusmaterial des Mediabooks bemängelt der britische Filmexperte Vic Pratt, dass der letzte Fu-Man-Chu-Film nicht nur billig, sondern auch prüde wirkte. Was seltsam war, zumal Jess Franco kurz zuvor einen Film mit dem Titel Rote Lippen – Sadisterotica gedreht hatte. Etwas seltsam, ist außerdem, dass Jess Franco den im Film gezeigten von Antoni Gaudí geschaffenen Park Güell von Barcelona nach Istanbul verlegte. Doch abschließend soll noch gesagt werden, dass die bunten, psychedelischen Bilder in den beiden Fu-Man-Chu-Filmen von Franco durchaus ihren Reiz haben.

Der Produzent Harry Alan Towers sah dies jedoch anders. Nachdem er mit Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu, den fünften und letzten Film seiner Reihe gesehen hatte, soll er zu Jess Franco gesagt haben: „Dir ist etwas gelungen, was noch keiner vor Dir geschafft hat: Du hast Fu Man Chu getötet!“ Doch der Produzent hat dabei kräftig mitgewirkt, denn das von ihm unter dem Pseudonym Peter Welbeck verfasste Drehbuch erzählt davon, dass es Fu Man Chu gelungen ist, aus Opium eine Substanz zu gewinnen, die jederzeit und blitzschnell große Mengen Wasser in Eis verwandeln kann.

Die Collector’s Editions von Filmjuwelen enthält den Film auf UHD in der längeren britischen Fassung von 92:15 min mit deutscher und englischer Tonspur. Das Bonusmaterial ist auf der Blu-ray zu finden. Hier gibt es neben der kürzeren 84:10-minütigen deutschen Version – wahlweise mit deutschsprachigen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen – auch die englischsprachige Extended Version, die in England als “The Castle of Fu Manchu“ und in den USA als “Assignment Istanbul“ (92:15 min) gezeigt wurde.

Hinzu kommen eine Einführung vom Filmexperten Vic Pratt (6:53 min), Alternative Titelsequenzen aus Deutschland, USA und Spanien (insgesamt 10:09 min), der deutsche Trailer (3:11 min) und der UK-Trailer (2:28 min), sowie eine Galerie mit 40 Werbematerialien. Für Fans von Filmen dieser Art ist die Edition nahezu unverzichtbar, denn während Filmjuwelen in letzter Zeit auf gedruckte Booklets anstelle von e-Book-Links verzichtet hatte, gibt es bei “Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu“ ein richtig schön aufgemachtes 28-seitiges Mediabook mit einem farbig bebilderten Text von Dr. Rolf Giesen.  

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