Der Kardinal

Als der Erste Weltkrieg seinen Höhepunkt erreicht, wird Stephen Fermoyle (Tom Tryon) zum katholischen Priester geweiht und nimmt seine Aufgaben sehr ernst. Doch in den nächsten Jahrzehnten wird sein Glauben durch die Zuneigung zu einer jungen Wienerin Annemarie (Romy Schneider) auf eine harte Probe gestellt und seine Familie auseinander gerissen – während die Welt von den Grausamkeiten des Rassismus und Faschismus geplagt wird.

170 Minuten sind nicht gerade kurz und das Leben eines katholischen Priesters als zentrales Thema eines Filmes klingt auch nicht sonderlich prickelnd. Doch der Regisseur Otto Preminger (Fluss ohne Wiederkehr), der als österreichischer Jude vor den Nazis fliehen musste, trotzte dem vermeintlich trockenen Thema 1963 mit Der Kardinal einen knallbunten und äußerst vielschichtigen Monumentalfilm ab.

Scheinbar ganz nebenbei stellt sich innerhalb der Geschichte die Frage. ob das katholische Monopol auf den einzig wahren Glauben tatsächlich dazu beiträgt, die Menschen glücklicher zu machen. Pater Stephen Fermoyle, der äußerst beherzt gegen Nazis und Südstaaten-Rassisten vorgeht, macht es seiner Schwester nicht gerade leicht, ihre Liebesbeziehung zu einem Mann jüdischen Glauben aufrecht zu erhalten, und der Geistliche trägt schließlich die Hauptschuld an deren frühen Tod.

Auch dank der illustren Besetzung, darunter der Regisseur John Huston. Josef Meinrad, Peter Weck und Romy Schneider in ihrer ersten Hollywood-Rolle, gelang Preminger ein faszinierender Blick hinter die Kulissen der katholischen Kirche. 

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